Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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20G0 eines armen Mannes." R. Abraham Mayer machte natürlich diese Concession nur in der sicheren Voraussetzung, daß Sarah's Vater „den Dalesnik"^), wie er ihn nannte, in seinem ganzen Leben diese Summe Geldes nicht zusammen bringen werde. So gingen denn R. Abraham Mayer und sein Sohn Rüben unmuthig auseinander. Elfterer, weil Rüben diese gute Parthie ausgeschlagen, Letzterer, weil er keine Aussicht hatte, daß Sarah's Vater auch nur die reducirten Ansprüche seines Vaters befriedigen könnte. Nach dieser kleinen Abschweifung bitten wir den geehrten Leser, uns zurück in die ärmliche Stube von R. Dawid Lob Wieners zu begleiten, wie wir ihn und seine Tochter Sarab am Chanukaabend in der trübsten Stimmung verlassen hatten, während Frau Chano mit den Kindern Trenderl spielte. Frau Chano war vom Spiele ein wenig ermüdet, und machte eine kleine Ruhepause. Sich Sarah zuwendend fragte sie diese, warum sie heute am Chanukaabend so übel gelaunt und so wortkarg sei. Doch Sarah wollte zuerst nicht mit der Farbe heraus. Nach wiederholtem Drängen ihrer Mutter gestand sie endlich den Grund ihrer Mißstimmung und setzte sie in Kenntniß von dem innigen Verhältnisse Rubens zu ihr und ihre gegeseitige Liebe, machte ihr aber auch Mittheilung von dem Widerstande, den der Vater Ruben's dieser Verbindung entgegensetze, auch von dessen an seiner Zustimmung geknüpften Bedingung, die zu erfüllen ihre Eltern keine Hoffnung haben. Sarah's Mutter hatte mit wachsendem Staunen die Mittheilung ihrer Tochter angehört. Auch R. Dawid Löb war plötzlich von seinen Träumen erwacht und es schien als wäre ihm kein Wort entgangen. Doch während Sarah's Mutter von dem Geständnisse Sarah's peinlich berührt, erregt kein Wort des Trostes für ihre Tochter fand, hatte sich plötzlich da? Gesicht ihres Mannes, R. Dawid Löb, ganz verklärt. Sein Blick hatte sich nämlich dem Fenster zugewendet, wo die noch brennenden Chanukalichtlein ihm Licht und Trost in seiner trüben Stimmung zu spenden schienen. Die anheimelnde Melodie des Moaus Zur Jeschnosi vor sich hinsummend griff er sich plötzlich an den Kopf, die Worte „Heute ist ja Ziehung gewesen, daran habe ich ganz vergessen" murmelnd, nahm er seinen Hut und Rock und stürzte mit den Worten: „Ich komme bald wieder" zur Thür hinaus auf die Straße. R. Dawid Löb Wiener hatte nämlich die Tage, an welchen das Chänukqwunder ereignete, sein Glück versucht und die von ihm combinirten Chinukanummern") 25, Z. 89 in die Wiener Lotterie gesetzt. Da nun am Abend des Ziehungstages die gezognen Nummern an der Thüre der Lottokollektur hrrausgrschrieben werden, so lief R. Dawid Lob mrt im {innn Stenn. . ■m Die Ltemmer 25 bedeuteden 25. Kiäleiv. 3 den Monat flläeio. welcher der dritte Monat ist unü M« Zahl 89 erßleöt da» Wort naun. großer Spannung und Ungeduld zur nächsten Lottokolleltur Abraham Mayers, denn eine leise Ahnung sagte, daß ihn Gott aus seiner Nothlage befreit. Dort angelangt, traute er kaum seinen Augen, denn alle drei von ihm eingesetzten Chanukanummern standen der Reihe nach heransgeschrieben. R. Dawid Löb Wiener hatte einen 2erttp12) gemacht, der ihm einen Gewinn von dreitausend Gulden brachte. Das Chanukafest, das unseren Vorfahren Rettung in der Noth gebracht, hatte auch ihm durch Gottes Hilfe Befreiung aus seiner Nothlage gebracht. In einem Nu war er zu Hause angelangt. Mit freudestrahlendem Gesicht stürzte er zur Thür herein mit dem Rufe: Masol tow!") Wir haben einen Terno gemacht! Gott hat uns heute ein ziveiteS Chanukawunder erwiesen, besonders unserer lieben Tochter Sarah. Jetzt braucht sie sich nicht mehr zu grämen. Nun wird der Schidusch mit Rüben, den Sohn Abraham Mavers, doch fertig werden. Unsere Sarah erhält die von Rubens Vater verlangte Nedunje") von zweitausend Gulden und uns bleibt noch ein schönes Sümmchen zum Chowos") zahlen und zum Lebensunterhalt. Moaus zur Jeschuosi lecho noe leschobeach." Mit vollen Accorden stimmten R. Dawid Löb sammt Frau und Sarah, sowie die übrigen Kinder die schöne Chanukahymne an, Gott lobpreisend, der ihnen am heutigen Tage ein zweites Chanukawunder erwiesen. Bald darauf, am Sabbat Chanuka*°). wurde die Verlobung Sarahs mit Rüben Mayer gefeiert. Ruben's Vater wollte wohl am Anfang allerlei Schwierigkeiten machen, doch Rüben gab nicht nach und hielt seinen Vater fest beim Worte, daß er seine Einwilligung zu dem Liebesbunde gebe, wenn Sarah zweitausend Gulden zur Mitgift erhalte. Nicht lange darauf wurde Hochzeit gefeiert. Das Geld für die Nedunje kaffirte sich R. Abraham Mayer als Lotteriecollektant, bei welchem der Terno gemacht, selbst ein. Weit und breit gab es kein glücklicheres Paar als Sarah und Rüben. Noch lange nachher wurde in P. von dem Chanukawunder. mit welchem R. Dawid Löb Melamed beglückt wurde, erzählt. .. ,'N ’jpt1? nexs Nip p»&ro rAuu -iin «ip ’jwa fytsi Sa n:»a on1» Wi» tm Kinn ttnp ,w,ana 12) Glück auf. 13) Mitgift^ Mj Schulden. 18 Am letzten Tage Chanukah. ^Oerantroortlt2r Nedaetton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition de» j3SweHr. Echottftratze Sfc. 2. Main». Druck und Cettag o h. Qirtb'lÄen HofbuLdrurkeret Aetien»G«l«llschakt in Man».