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Der Israelit · 1904-12-01 · Heft 95 (1.12.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 95 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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steigen in lassen. Ohne diese tväre der letzte Rest Juda's vernichtet worden.' Israel, die ausgesehte Taube, Hai also jedesmal sein geliebtes Heim gesucht' und bat es auch gefunden, sein Heim und seinen Gott! M. Fr.! Diesen Worten,-die so recht aus der Seele unsere? vielgeprüften Voltes heraus gesprochen sind, habe ich wenig hinzuzufiigen. Eine Taube, die mit *bem Oelblatte im Munde die Sintflut überfliegend ihr geliebtes Heim anfsucht — das war unser Volk zur Zeit der Hasmonäer. Und was ist heute, und wo ist heute die Taube Israel? Unsere Taube ist ausgesandt — seit lange — lange — weit — weit fort — unsere Taube fliegt über Abgründe des Haffes, fliegt über schneebedeckte Berge Ararats, die kaum Mit der Spitze herausragen aus dem bösen Gewässer — unsere Taube sucht eine Spanne Boden für ihre Fußsohlen und ein Heim für ihre wüde Seele. — Unsere Taube läßt sich , über Meere tragen und sucht nach'diesem Heim. Fliege, unsere Taube, fliege! Das Oelblatt in deinem Munde sagt es uns, sagt es aller Welt, daß du den Frieden kündest, daß die bösen Gewässer fallen werden, fallen müssen; dies Oelblatt erzählt uns von dem K'rügchen reinen imentweihten Oels, das unser Hohepriester gefunden im geliebten Heim, vgn unserem Balte, das seinen-Gott hat gefunden im geliebten Heim, von-den Lichtern, die hinausleuchteten und vom Jubel, der hinaus geklungen, empor zu Dir: 'rmv' nn mv rzvb nx)., Du Burg, Du Fels meines Heiles! Zain Antisemitis nur in Oftfrieöland. - A u s O st f r i e s l a n d , im Nov. Sie ' haben in'einem früheren Artikel bervorgeboben, daß der Antiseinitism.us in hiesiger Gegerld fast gänzlich aufgehört )mt. Dem ist auch so und wenn noch eine'kleine Schaar verzweifelter Existenzen dem Sozialismus der Dummen'huldigt, so kaun das nicht sonderlich viel schaden, es sind eben „nicht wohlriechende Veilchen", die ihr Dasein ganz, im Verborgenen fristen. Mit welchen verwerflichen, ja schurkischen Mitteln man ehemals.in dem vielgepriesenen freien Friesenland gegen Inden ui/l) Iudentlmm kämpfte, das sei heute nochmals in Erinnerung gebracht. In dem-antisemitischen Organ/in Hannover war eine kUxze Notiz erschienen, wonach g(gen einen jüdischen Schlächtermeister in Ostfrie^land lvegenHMdelung von Fleisch, das für christliche/Kun-, .,^'stsm'Mgewesen sei, .ein Strafverfahren/'erngeseiAMpHMtz/Mre. Dieser Artikel erregte das größte , 'und Aufsehen. Zahlreiche christliche Fa- Ailien ckirNdigten ihren jüdischen Lieferanten und damit baise. der antlsemiRsche Artikelschreiber, der wohlweislich den Namen des jüdischen Schlachters /und des Wohnortes verschwiegen hatte, seinen Zweck erreicht. Schreiber dieser Zeilen wandte sich an die Staatsanwaltschaft zu Aurrch um Auskunft und erhielt prompt folgende Antwort: „Auf Jhr*e Anfrage theile ich Ihnen mit, daß Anzeigen gegen jüdische Schlachter wegen Besudelung von Fleisch bis jetzt hier nicht eingegangen sind." Der Erste Staatsanwalt (folgt Name). Nach bem Geständnis; der hannov. antisemitischen Zeitung hatte ein Konigl. Navigationslehrer D. ohne jeglichen Anhalt und' Grund diesen Artikel verfaßt, es war derselbe Held, der "mit Ehren-Leuß Arm in Arm in Leer das Jahrhundert in die Schranken forderte und in Deutschland eine rettende That vollbringen wollte. Leich, wanderle bald darauf in's Zuchthaus und sein Freund ist heute ein abgethaner Mensch, der eine klägliche Rolle spielt. So sieht man auch an diesem Vorgang, mit welchen Gestalten man sich s. Z. herumschtagen mußte und wie wenig wählerisch man mit den Mitteln war, um das Judenthum zu verderben. Das Judenthum.besteht ungeschwächt fort und seine Feinde sind zu Schanden geworden. K. Personalien. \ V^u gch btt r g. (Unlieb verspätet.) Am Sonn-, tag, dön 13. Nov. wurde bier unter überaus großer , BetheilNmng Herr Justizrat'h Jsak Her zch e l d e r , königl. Advokat und Rechtsanwalt, zur ewigen Ruhe gebettet, / ein Mann, der. zu den geistigen Größen hiesiger ^tadt. zählte, der sich weit über unsere blauweißen Pfähle hinaus, berühmt gemacht hat, sowohl,als lyrischer Dichter, als auch als bedeutender Goethe- 'Kenner usid Forscher. Seinem geraden, überaus be-. scheidenen Charakter, seiner aufrichtigen FreundeslieÜe, seiner auß^ordentlichen Berufstüchtigkeit und musterhaften Beri'fstreue wurde am Grabe'in tparmen Worten di^ gebührende Anerkennung gezollt. Nach dem von Hirzen kommenden und tiefergreifenden Nekrolog durch Sr. Ebrw. Herrn Distriktsrabbiner Dr. , G r o ß wurden, unter sehr ehrenden Ansprachen Kränze niedergelegt, von dem Vorstande der Aywaltskammer für Schwaben' und Nenburg , Herrn " Justizrath Weigel, von dem Vorstande des Rechtsanwaltvereins. Herrn Dr. B inswang er, und dem Vorstände des Deutsch-österreichischen'Alpenvereins, Sekt. Augsburg, Herrn Prof. Weber. „Wohin das Leben mündet, wir wissen es nicht." (Citat aus seinen Gedichten.) Das aber wissest wir, daß der Name dieses edlen Mannes stets einen guten Klang behalten wird. Er ruhe in Frieden! Dr. F. Wiesbaden, 22. Nov. Letzten Sonntag wurde'hier eine Frau zu .Grabe getragen, die würdig gewesen, unter die Besten unserer Stadt gezählt zu werden, Frau A. Lichte n st e i n , sie ist nicht mehr. Was diese Worte bedeuten, das wissen am besten die

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