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Der Israelit · 1903-06-08 · Heft 45 (8.6.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 45 (8.6.1903)
Date
1903-06-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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MEZ für das^-° %\:WM j-CW\A O S 5 S \f^~ is i fgjg^Ä B0Ns3^f» Mr. Sb 8. Juni 1903.] Jakob aber achtete nicht viel auf all' dies kokette Spiel und blieb gleichgültig. „Ich weiß nicht," sagte Musa nach kurzem Zögern, indem sie neuen Muth gesammelt hatte, „ob es die Macht des Blutes in mir ist, aber dieser Orient hat Etwas Verlockendes für mich. Zu ihm tragen mich meine Gedanken und Träüme. Ja, ich träume sehr oft von ihm. Zum Unglück waren wir, die wir von Judenab st am men — was ich niemals verläugnen werde..." Jakob blickte sie erstaunt an; er merkte es wohl nicht, daß sie log. ' „Also wir waren leider gezwungen, all' das Uns'rige zu vergessen und die Erinnerungen in uns zu verwischen. Man entwöhnte uns davon, was man uns hätte lehren sollen. Man schuf uns zu künstlichen Wesen. Man gebot uns, unserer glänzenden Vergangenheit uns zu schämen. Ich z. V., die ich so Vieles gelernt, was mir nichts nützen kann, kenne fast nichts von dem, was mich am glühendsten interessirt..!" „Zum Beispiel?" fragte Jakob, der sie noch nicht im Verdachte der Verstellung hatte und sich an diesen Bekenntnissen zu erivärmen begann. „Still! Still! Die Mama belauscht uns!" flüsterte Musa, indem sie den Finger auf die Lippen legte. „Ich bin neugierig auf Alles, was unser, was Israelitisch ist. Zwar bin ich schon — Christin, aber wir stammen von Israeliten ab, und der neue Gesetzgeber hat doch selbst gesagt, er sei nicht gekommen, um das alte Gesetz umzustoßen. Was soll dai raus werden," fügte sie hinzu, „wenn nicht nur Maina.' sondern alle die U n s e r i g e n schon vor der leisesten Erwähnung der Vergangenheit zurückschrecken!" „Das ist wahr," sagte Jakob. „Aber wenn Sie' sich näher mit diesen unseren Traditionen vertraut . machen wollen, verehrtes Fräulein, so gibt es doch eine Menge von Büchern ..." „Aber ich verstehe ja kein Wort Hebräisch!" „Sie sind auch in anderen Sprachen zu haben." „Wirklich?" fragte sie naiv. „Ach, möchten Sie/ ' Herr Jakob, mir vielleicht unter dem Siegel der Ver- . schwiegenheit etwas Derartiges leihen. . Ich bin wahrhaftig so begierig darauf. Und ich würde Ihnen so dankbar dafür sein! Aber das muß ein Geh ei m n f fr > bleiben! Zwischen uns? Nicht wahr?" - l' Die Forderung dieses Geheimnisses war überaus ' geschickt angebracht. Das war schon ein Band, welches - sie einander nähern und verbinden sollte. Musa gab ihm verstohlen unter dem Scheine ihres Dankes die Hand und drückte die Seine. - Wie ein magnetischer Strom durchschauerte, ihn - die Wirklichkeit. Unwillkürlich fühlte er sich beunruhigt - und bekümmert, als habe er eine Sünde begangen ' „Mit dem größten Vergnügen! Mein Fräulein!" - , stammelte er. „Ich werde Ihnen ein paar Bücher : bringen!" ' \ : „Aber das ist noch nicht genug," fügte Musa hinzu. „Sie selbst muß ich bitten, mir ein wenig zu dieser Wissenschaft zu verhelfen, auf die ich so sehr neugierig bin. Es gibt genug freie Stunden, in Zeitgemälde von I. I. KraszewsKi in autorifirter Uebertragung» 311

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