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Der Israelit · 1903-06-04 · Heft 43-44 (4.6.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 43-44 (4.6.1903)
Date
1903-06-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Kerrtrletoir. Jerusalem Wtstovische Nvzäylung von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. .101 VIII. Auf weitem Felde schritt David ben Sebulon dahin. Es war schon spat am Tage. Bereits hatten die Bauern ihre Arbeit verlassen. Nirgends war sonst ein Mensch zu sehen. David ben Sebulon fdjien noch ein fernes Ziel zu verfolgen, denn rasch war sein Gang. Aber von Zeit zu Zeit mußte er dennoch stille stehen, um das Schwert zurecht zu rücken, das durch seine Bewegungen immer wieder sich verschob. Er war es noch nicht gewöhnt, ein Schwert an der Seite zu tragen. Aber er wollte es lernen. Heute noch winkte seinem Schwerte schwere Arbeit. Es sollte cingeweiht werden. Das Unglwt hatte ihm den Ritterschlag ertheilt, der Schmerz seinen Arm gestählt. Ha, er wollte sein Schwert schon schwingen, daß es sausend herniederfiel ans den blanken Helm des Verruchten. Und wie wollte er ihn zerfleischen, daß selbst die Geier sich schaudernd abwenden würden vom eklen Fräße. Denn nach Rache verlangte sein Herz, Rache schrie es in seinem Innern mit tausend Stimmen der Verzweiflung. Deßhalb eilte sein Fuß dahin über die einsame Ebene zum fernen, zum blutigen Ziele. Stürmisch hob und senkte sich im Lause seine Brust, seine Nasenflügel zitterten, er stolperte über Stein und Gestrüpp, aber er merkte es nicht. Immer weiter, immer weiter, denn er darf den Ritter nicht verfehlen. Heute oder nie. Jetzt mußte er einen kleinen Hügel im Wege erklimmen. Mühsam arbeitete sein Fuß. Endlich gelangte er hinauf. Erschöpft machte er oben Halt. Er hielt Umschau, um zu erkennen, ob er nahe seinem Ziele. Einen weiten Ausblick hatte er. Da lagen sie, die Felder, durch Grenzraine von einander geschieden. Gottes Segen ruhte auf ihnen, wie sie so grünten und blühten. Stiller Friede war über sic ausgegossen. Man hörte das abendliche Zirpen der Grillen. Und droben am Himmel sammelten sich schwere Wolken und tvarfen rings ihre Schatten. .Und tief unten im Westen schickte sich eben die Sonne an, zu verschwinden. Aber noch brannte sie blutig roth und warf ihren goldenen Saum an den Rand der finsteren Wolken. Im Streit ztvischen Dunkel und Helle erschien die Ebene in seltsamer Beleuchtung.. Und droben auf dem Hügel stand der friedlose Mann mit dem nächtlichen Gemüth und schaute nach seinem Ziele. Schon sah er die mächtige Eiche, in deren 951 Schutz er sich bergen wollte. Aber von ihr fort wandte er das Auge und blickte hin auf das friedliche Ge- { filde. v :; j Wie es so still dalag! Sollte man nicht meinen, » daß man die Menschen nur hierher zu führen brauchte ' zu diesem Anblick, um aus ihren Herzen Haß und Leidenschaft zu verscheuchen, in ihre Herzen den Frieden zu säen, den sie sich selbst geraubt?.- : # Eine weiche Stimmung überkam'ihn. O, wer brächte ihm die Zeit zurück, da er sich eins wußte mit seinem Gotte, da er noch still sitzen konnte und lernen, wie es ihm geboten. Seine Ruhe, warum war sie dahin? Sein Friede, worum nun zerstört? Warum der Hader in seiner Brust, der Hader und auch der Zweifel? Er sah zum Himmel hinauf, der seltsam golden umsäumt war. Die Sehnsucht nach der entschwundenen. Zeit verdrängte für einen Augenblick das Rachegefühß Nur das Beuinßtsein seines tiefen, tiefen Unglücks blieb ihm, daß sein Weib, sein guter Engel, nun tobt und er ein zerrissener, zwiespältiger Mensch war. Da erlosch die Sonne im Westen und die finstere Nacht brach heran. Er stand noch auf dem Hügel und Thronen füllten sein Anne. Die Wolken jagten am Himmel und trieben ein tolles Spiel. In seinem Herzen aber schaute er nach immer die finsteren Wolken von glühendem Golde umsäumt. Da ertönten in seiner Brust leise Stimmen, leise und melodisch, unwillkürlich regte cs sich in ihm und fast von selbst klang über seine Lippen das Lied in die Nacht: Wolken an dem Himmel zogen . Regenschwer und sturmesschnell, Rings nur einen schmalen Bogen Säumt' die Sonn' noch goldig grell. Und zum Himmel still ich schaute, . — Rabenschwarz^ am Rand nur hell — Mir im Herzen längst vertränke 'Bilder stiegen auf so hell. Diesem Himmel gleicht mein Leben, Rabenschwarz, am Rand nur hell, . Nichts als Leid, nur ist's umgeben Rings von Flitter goldig grell. . Also -sang David ben Sebulon.und noch lange tönte die Melodie in seinem Herzen. Aber der traurige Sang brachte ihm keinen Trost.' Da plötzlich fuhr er zusammen. War das nicht Pferdkgetrappel, was da sein Ohr vernommen? . Er lattsckste angestrengt. Er mochte sich wohl geirrt haben. Es war wieder still wie zuvor. . - f Doch die wilden Geister, die. für kurze Zeit in seiner Brust zurückgedrängt worden waren, bemächtigten sich seiner wieder mii furchtbarer Gewalt. Wie von Furien gejagt schreckte er ans und rannte den Hügel hinunter zur Eiche hin, die er sich ersehen.--

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