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Der Israelit · 1903-06-04 · Heft 43-44 (4.6.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 43-44 (4.6.1903)
Date
1903-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Aentral-Hrgan für das ortyodore Iudenlyum. Begründet vo» ... - Br. Uz&m&ttn ix 44* Jahrgang. Jf£ 48 & 44. SSBiMmSS D o n n er st a g, den 9. SLwan 566 3 4*.9 uni i 908. Die Bestie im rNenschen. Der Mann, der die Bestie im Menschen seelenkundig und stoffdurchdringend so sternenklar geschildert hat, wie wohl keiner vor ihm, Emile Zola, war den Antisemiten bitter verhaßt: Denn er erhob seine Stimme für einen mit verbrecherischen Mitteln, mit nichtswürdigem Rechtsbruch, gemeinen Fälschungen verfolgten Juden, für den Kapitän Dreyfus. Und wer sich der Juden annimmt, der ist in den Augen der Antisemiten ein Mensch, dem gegenüber alles Widrige und Niedrige erlaubt, alles Böse geboten ist. Sie wittern wohl etwa davon, daß ihre eigene Bestialität mit ihr Theil bekommt, wenn die Bestie im Menschen im allgemeinen gezeichnet ist. Freilich, sie wollend nicht wahr haben, daß die Bestialität naturnothwendig in einer Partei- und Gesellschastsbewegung sich offenbaren muß, die aus dem Giftquell des blöden Vorurtheils, des wahllosen Haffes getränkt wird, und nichts zu ihrer Begründung und Rechtfertigung an führen kann, als die Thatsache, daß auch schon in früheren, erheblich dunkleren Zeiten barbarisch gegen die Urväter derer gehaust worden ist, die der Antisemitismus als Abschaum der Menschheit ansieht und behandelt wissen möchte. Wir begreifen allerdings, daß es den deutschen, besonders den Berliner Antisemiten, sehr unangenehm sein muß, wenn aus Anlaß der Greuelthaten zu Kischinew, die von der christlichen Bevölkerung gegen die Juden verübt worden sind," von antisemitischen Verbrechen gesprochen wird. Warum soll man aber nicht eine Katze eine Katze nennen und warum dem Antisemitismus ein Zeugniß seines Wirkens vorenthalten, daö so sehr geeignet ist, zu zeigen, wohin die Todtschlägerpolitik der höchst geistreichen Judenrausschreier führt, wenn die Volksleidenschaften bis zur Siedehitze aufgereizt werden? Das blöde und tückische Ritualmordgeschwätz hat die geistige Verfassung geschaffen, aus der heraus die bessarabischen Gesinnungsgenossen der hiesigen Pücklergarde sich zu ihren Heldenthaten gegen jüdische Greise, Frauen und Kinder ermannten. In Könitz ist's nicht so weit gekommen; daß es nicht so weit gekommen ist, das ist wahrlich nicht das Verdienst der Antisemiten. Den Berliner Antisemiten muß, wie wir bereits sagten, dieses entsetzliche Vorkommniß von Kischinew, das die Blicke der ganzen gebildeten' und menschlich empfindenden Welt auf das' Wesen des Antisemitismus hinlenkt, sehr unangenehm sein. Buhlen doch jetzt im ersten Berliner Reichstags- Wahlkreise die Konservativen, die sich das antisemitische Tivoliprogramm und die Zugehörigkeit zur antisemitischen „Berliner Bewegung" doch nun einmal nicht abwaschen können', um die Stimmen der Juden! Und nun dieser Schlag aus dem dunklen Rußland, dem die Berliner Geschäftsantisemiten im innersten Herzen zujubeln, wenn'sie auch aus Wahl- und anderen Rücksichten sich ein Feigenblatt scheinbarer ' sanfter Mißbilligung des allzu Starken an den Ereignissen in Kischinew vorthun. Da die Antisemitenblätter angesichts der furchtbaren Zeugnisse für das Wüthen der entfesselten Bestie diesmal das geläufige Mittel des Ableugnens nicht anwenden können, so suchen sie wenigstens die Schilderungen der entsetzlichen Schandthaten ihrer oessarabischen Gesinnungsgenossen als Uebertreibungen hinzu stellen. Leider übertrifft aber die Wirklichkeit alle, auch die ärgsten und stärksten Berichte. Die nichts weniger als judenfreundliche Zeitung „Nowosti" stellt fest, daß die Zahl der Getödteten oder tödlich Verwundeten 47 betragt;' ) 00 Verwundete, darunter 30, die für ihr ganzes Leben Krüppel bleiben werden, liegen inr jüdischen Krankenhause. Die Feder' sträubt sich gegen die Mittheilung der raffinirt' grausamen Roh-

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