Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1903)
- Date
- 1903-03-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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die „Synagoge" und ihre Organe in den Kreis der neuen Ordnung einbeziehen wird? Jedenfalls dürften die maßgebenden und interessirten jüdischen Stellen rechtzeitig ihre Aufmerksamkeit der Sache widinen. A. Frankreich» Paris, 20. März. Die höchste und berühmteste Lehranstalt Frankreichs ist das College de France. Die größten und berufensten Gelehrten tragen in diesem ehrwürdigen Gebäude die Resultate ihrer Eigenen Forschungen und die neuesten Erorberungen der Wissenschaften vor. Der berühmte Orientalist Rubens Dudal trägt dort jeden Dienstag vor einer wißbegierigen Schaar von Men und jungen Männern, von Juden und Christen, Talmud Babli vor. Augenblicklich erklärt er Synhedrin. Mit einem bewunderÄverthen Scharfsinn und einer einzig dastehenden Unparteilichkeit windelt der große Gelehrte auf den steilen Pfaden der Halacha Und in den schönen Gärten der Hagada. Die Tragödie soll nach Aristoteles in uns Furcht und Mitleid erwecken. Und auch ich empfinde Furcht und Mitleid jedes Mal, wenn ich dieser Talmudvorlesung beiwohne. Furcht und tiefe Ehrfurcht vor dem großen Werke unserer Weisen, deren Schriften noch nach zwei Jahrtausenden in des Wissens reinster und lauterster Stätte von einem christlichen Gelehrten mit den Gefühlen größter Hochachtung gedeutet werden. Und auch Mitleid empfinde ich mit den jüdischen jungen Leuten, für die einige schlecht verstandene Seiten Hegel, oder einige schlecht verdaute Kapitel Schoppenhauer genügen, um auf das Werk unserer Wersen mit Nichtachtung herabzusehen. Mögen sie, diese aufgeklärten Philosophen aus der Judengaffe, in's College de France kommen! Da werden sie sehen, wie Männer mit silberweißen Locken, Männer, die eine große.' litterarischphilosophische Bildung besitzen, jeden Dienstag kommen, um unter Leitung des großen Gelehrten di!e rabbinischen Schriften, ihre Philosophie und ihre Moral zu studiren. -— 23. März. Als vor zwei Jahren Paris in die Kammer und in die Stadtverordnetenversammlung durchweg Nationalisten und Antisemiten entsandt hatte, hat Zola auf die Frage eines russischen Journalisten, was er denn über den Ausgang der Wahlen meine, geantwortet:. „?ari8 «st un graud enfant.“ Kinder sind bekanntlich launenhaft, und nach einer mehr oder weniger langen Aufregung kehren sie.-'doch schließlich zur Vernunft - zurück. Gestern haben hier einige Nachwahlen stattgefünden: eine Nachwahl zum Senat und drei. Nachwahlen zur DeputirtenkaMmer. Die gestrigen Wahlen - , haben: noch keinedefinitiven Resultate ergeben, ' und in allen vier Wahlkreisen sind Stichwahlen erforderlich...Was man aber schon jetzt mit Sicherheit,festskllen. kann,^das ist die „schmähliche -Niederlage der Antisemiten".' Die Stadt, in der man vor über hundert Jahren die Menschenrechte und die Gleichheit aller Bürger erklärt hatte, will von den Rassen- und Religionshetzern nichts mehr wissen. Im vierten Arrondiffemcar Hatzen die Nationalifkn und Antisemiten den bekannten Revancheschwarmer Maurice Barres — einen der Erfinder des nationalisme intearal*4 und des „laux patriotique“. —aufgestellt. Seine Gegner haben zusammen über 3600 Stimmen mehr, als er erhalten, und am Tage der Stichwahl wird er eine Niederlage ersten Ranges erleiden. Ich kann nur gleich den übrigen Charlakans der^PatriePrantzaisv*- mit einem sehr angesehenen und hochbegabten Abgeordneten ausrufen: Paris 8e reprend! Bravo Paris! Pi. . Briefkasten ver Redaktion. M. S. Z: Kronenberaer u. Co., Mainz. _ Juristischer Beiraih des «Israelit." Unsere Abonnenten erhalte« «nentseltNche AaSeunst in alle« Rechts angelegen heilen. AbonnesrenSqutttung ist gey. beizulegen. Auch wolle man angeben, ob man die Anfragen brieflich oder im Dlattte beantwortet zu haben wSuscht. Die Anfragen werden von «in«« bedeutenden Juristen eingehend beantwortet. S S. 195. 1) Ein Ausländer (Russe) darf sich in Bayern oder ifncm jeden anderen deutschen Bundesstaate aufhalten und auch jedes beliebige G. werbe betreiben, indeß können Ausländer, die sich lästig machen, ohne.Angabe von Gründen sofort ausgewicsen werden. - 2) Um die Staatsangeboruckeit zu erlangen, muß eine Eingabe behufs Naturalisation an die Behörde eingereicht werden. Wegen Erlangung des Bürgerrechtes, hat man sich an die städtischen Behörden zu wenden. 3) Eine Zeit innerhalb welcher diese Dinge erledigt sein können, läßt sich nicht angben. Es kommt hierbei auch v'ul auf den guten Willen der Behörden an. Bekanntlich ist cs für Juden im Allgemeinen sehr schwer, in Deutschland naturalisirl zu werden. - , 4) Bon Papieren sind erfordern«!: Geburtsschein, Paß, evtl. Herrathspap'.ere. Sehr von Vortheil ist ein Leumündszru^niß der Behörden des frübercn Aufcnthaltort. s. Mit der Fortsetzung der Erklärungen der „Hagadah schel Pesach" beainncn mir nächsten Montag. Frühere Lieferungen sind L 3^ Pfg. per Bogen (im Ganzen 6 Bogen, soweit der Vorrath reicht) von unu zu beziehen. Sensationelle Neuheit! , ächten Mazzen. klingt fast unglaublich. Nachdem dieselben jedoch als originellste Neuheit von der weltbekannten Postkortennrma D. GrSsel in Frankfurt a. M. vor uns liegen, können wir mir unser volles Lob dieser Neuheit entgegenbringen. Die Karten sind gesetzlich geschützt und dürften überall berechtigte Aunehen nnd freudige Käufer finden. Wir verweisen i auf den AnseratentbeU Seite 541. _' ic Freunde und Verehrer des verstorbenen Professor Hajkm Steiuthal werden mit Jnterene erfahren, daß Hermann Struck, der bekannte Maler uud Radierer, ein Portrait des genannten Gelehrten in Radierung hergestellt hat. Das Blatt, welches uns vorliegt, kann als eines der besten Portraits des Künstlers betrachtet werden und soll e.ne Serie von Bildnissen jüdischer Gelehrter einleiten, von welcher die .nächstfolgenden noch im Laufe dieses Jahres erwartet werden können. Remarque-Drucke des Portraits von Pros. Sternthal, welche in HO Exemplaren hcrgestellt, nummeriert und vom Künstler eigenhändig unterzeichnet sind, find zdm Preise von 35 Mark (auf Japan-Papier unter Passe-Partont, Große des Blattes 36 X 48. Schrift- Drucke auf China-Papier zu 10 Mark im Comissionsverlage des .Jüdischen Verlages" Berlin SW., Großbeerenstraße 75 zu haben.