Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1903)
- Date
- 1903-03-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^ZWLWlAv fÜr bas QJi- 23. März 1903.1 lNr. 14. mm! fc: jf Zeitgemälde von I. I. Kraszewski in autorisirter Uebertragung. „Durch einen glücklichen Zufall," sprach Jakob weiter, „erfuhr ich dies Alles, und beeilte mich, ihm nachzusehen, um ihn zu warnen, so lange es noch Zeit sei. ' Ich oermuthete, welchen Weg er genommen. Es gelang mir auch, ihn einzuholen und von der Landstraße abzubringen, auf der er unfehlbar verfolgt und gesucht würde, und endlich ihn mit hierher zu bringen!" ' Der Wirth sprang vom Seffel auf, besann sich dann aber eines Besseren und setzte sich wieder ruhig hin. „Es handelt sich also für mich darum," sprach voll ruhigen Vertrauens der Gast, „ihn hier irgendwo zu verbergen, bis wir ihm entweder Amnestie ausgewirkt, oder durch irgend ein anderes Mittel ihn außer Gefahr gebracht haben. Wo nicht, schleppen sie den armen Jungen unbedingt nach Sibiren, und dort kommt er um, wie so viele Andere!" - Jakob schloß seine Erzählung. Die beiden Davide bezeugten durch ihr tiefes Schweigen, daß sie durchaus nicht erfreut waren über diese Nachricht und Aufforderung. Der Alte brummte etwas in den Bart, was nichts Gutes bedeutete. Der Jüngere trällerte nur ein Liedchen. „Das ist aber eine sehr delikate, gefährliche Sache," sprach der Alte, ,äehr delikat! Was soll man dazu sagen? Herr Jakob — ich muß mit unserem Herrn Vetter aufrichtig sein!" „Ich bitte sehr darum!" „Das ist Alles in Allem ein schlechtes Geschäft und keine jüdische Angelegenheit," fuhr der Alte fort. „Wir dürfen uns darauf nicht einlassen. Was soll uns dies? Es ist durchaus nicht unsere Sache! Uns ver-f folgt die Regierung nicht, oder wenigstens nicht so, wie sie es könnte! Sie hält uns für die Ihrigen. Und das ist gut für uns. Was sollen wir es. bei ihr verderben, indem wir diejenigen schützen, die uns Jahrhundertelang bedrückten! Und reichen sie uns auch heutzutage die Hand, so ist das gewiß nicht aus aufrichtigem Herzen. Juden sollen sich nicht in Politik mischen. Wir sind jetzt Bürger! Was geht das uns an!" „Mein lieber Herr David," entgegnete Jakob langsam und kühl, „was das anlangt, sind wir also völlig verschiedener Ansicht. Wenn wir Bürger sein sollen und wollen, müssen wir auch alle bürgerlichen Lasten gemeinsam mit den Andern tragen. Dadurch nur können wir uns Anerkennung. Gleichberechtigung und Eintracht verschaffen. Ich begreife sehr wohl, daß die Regierung uns, um die Landleute gegen den Adel und die Intelligenz zu benutzen, versuchen wird. Aber ziemt es sich dann für uns, die wir in diesem Lande geboren, mit seinem Brode genährt sind, es mit denen zu halten, die es unterdrücken und seine Gegner sind? Denkt doch daran, was für die Juden die Knechtschaft war!". „Halt!" unterbrach ihn der Alte. „Das ist Alles' recht schön! Aber die Juden müssen, wie Sie selbst sagen, ihr Gesetz halten. Und das Gesetz bestehlt uns. 3 i 1 •j k t; f L t r