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Der Israelit · 1903-03-19 · Heft 22 (19.3.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 22 (19.3.1903)
Date
1903-03-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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! ) - ,v" 44/ Jahrgang. HMUMiisksttz, Aslü uni) UM.') Lin Vergleich von Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal, Preußisch-Stargard. „Hammurabigesetz und Thora!" „Thora und Hammurabigesetz!" so lautet seit Kurzem das Losungswort, das an Zugkraft dem Rufe „Babel und Bibel" oder der Umkehr „Bibel und Babel" nicht nachsteht. „Babel und Bibel!" bedeutet den Vergleich zwischen Erzählungen, in denen Bibel und Keilschriften Anklänge an einander zeigen — solche findet man aber auch in Bibel und Edda, Griechenland und Egypten. Wir haben in unserem „Babel und Bibel oder Babel gegen Bibel!" (Berlin, Poppelauer, 2. Aufl.) diesen Gegenstand nach zwei Seiten hin beleuchtet, um zu zeigen, daß die Erregung sowohl der O f f e n b a - rungsgläubigen, wie auch der anderen Parteien unnütz war, sich vielleicht nur auf die besonderen Umstände gründete, unter denen der Delitzsch'sche Vortrag gehalten wurde. Von Männern wie Barth, König. Halevy. Cornill, Jensen, Jeremias, wurde Delitzsch sowohl in seinen Angaben und Lesarten, als auch in seinen Folgerungen widerlegt; ein freisinniger Theologe wie B u d d e kennzeichnet die Haltlosigkeit der ganzen Winktcr'schen Richtung in seinem „Das alte Testament und die Ausgrabungen," und es hat sich nun gezeigt, daß die Bibel in allen Richtungen durch diesen Angriff an Liebe und Verehrung, sicherlich an Wichtigkeit und Bedeutung gewonnen hat. Seit 1897 haben die Franzosen Morgan und Scheil in Susa Ausgrabungen geleitet, deren Ergebnisse bis in die elamitische Vergangenhet des persischen Landes zurückführen. Vor etwas mehr als Jahresfrist fand man daselbst Inschriften babylonischer Könige, deren Denkmäler von siegreichen Elamiten aus Babylon nach Susa geführt worden sind. Darunter war auch eine Stelle, aus deren Inschrift der Sieger fünf Zeilen hatte fortmeißeln lassen, um die Kunde seines eigenen Sieges an deren /Stelle zu setzen. Er hat das unterlassen, und so ist mit Ausnahme jener Lücke die Inschrift gerettet worden. Die Vorderseite enthält 16, die Rückseite 28 Zeilen, *) Vergleicke man unsere Schriften: .lieber den Zusammenhang der Misch na." 2. Theil. Stratzburq. Trübner. — „Tie Misckna. Slufoa» und Quellenscheiduna. 1. Theil Seraim. 2. Hälfte:' Berakhot bis Schebüt. Mit Unterstützung der Znnzslistung. Strabbura, Trübner. — „Babel und Bibel — vder Babel gegen Bibeln Berlin. Poppelauer. — «Zurück zur Bibel!" Berlin. Pvppelauer. welche Hammurabi (angeblich der Amraphel der Bibel) als Offenbarungen des Sonnengottes von Sipparhat eingraben lassen. Hier findet sich eine vollkommen ausgebildete Gesetzessammlung aus der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends, wie man behauptet. Thaisächlich läßt sich die vorliegende Stelle bis zur Zeit Assachaddons (also etwa Jesaia's) zurückführen. In seinem diesjährigen Vortrage hat Delitzsch, der sonst nichts wesentlich Neues brachte, auch das Hammurabigesetz berührt (Delitzsch's zweiter Vortrag über. Babel und Bibel, S. 24) und die Art der Offenbarung mit der sinaitischen verglichen. Den Berichten zufolge, die bis zum Erscheinen des gedruckten und vielfach nachgebcsserten Vortrags ihre zum Theil zersetzende Wirkung geübt haben, hat sich der Redner sogar dazu verstiegen, dem babylonischen Gesetze eine höhere Stellung anzuweisen, als der Thora. Bezüglich der Nächstenliebe sieht ihm (S. 33) Babel und Palästina gleich. Daß Fisutros, der babyl. Noa, über alle umgekommenen Menschen weint, sieht Delitzsch mit Süß als Vorzug der babylonischen Erzählung an. Matt die Bibel denn überhaupt derartige Einzrlzüge aus? Schildert sie etwa den Jammer Josephs, als er nach Egypten verkauft wird? Vergessen hat Delitzsch dagegen, daß Abraham für die Erhaltung der Sodomiter betet, was ihm als hohe Tugend angerech'net wird. Vergleichen wir einmal daraufhin das Hammurabigesetz mit der Thora, soweit die beiderseitigen Bestimmungen Vergleichspunkte bieten. Das außerhalb dieser Aufgabe Liegende berühren wir nur kurz. P. V. Scheil, der obengenannte Assyrologe, hat die Hammurabi-Jnschrift im vierten Bande von 1)616gation en Perse. Dlemoires. veröffentlicht. Und Dr. Hugo Winkler hat im vierten Jahrgang der Sammlung „Der alte Orient" (4. Heft), die Gesetze Hammurabi's, Königs von Babylon" (Leipzig, Hinrichs) herausgegeben. Bei Heranziehung der Thora fassen wir zunächst den Wortsinn in's Auge, und zwar die Stellen am meisten, welche die Vergleichspunkte zu vermehren scheinen. Es wird sich Herausstellen, wie gerade bei genauerem Hinblicken die Sache ein anderes Gesicht bekommt. Selbst die rücksichtslose Wissenschaft muß den über der Thora schwebenden Gottesgeist, und am meisten an solchen Stellen, bewundern. Aber viele Gründe nöthigen uns, den Talmud mit heranzuziehen. Die darin enthaltene Ueberlieferung ist für uns das mündliche, dem Mose gleichfalls am Sinai geoffenbarte Gesetz, Der Rechtgläubige soll hier gerade erfahren, daß diese Thora schebaal peh die unentbehrliche Ergänzung der schriftlichen Lehre ist. Er soll

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