Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1902)
- Date
- 1902-05-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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dursten oder mochten in jenen Zeiten noch glauben, daß die Neologie auch bei offenem Bruche mit dem traditionellen Judenthume, aber auch bei offener Bekennung ihres letzten Zieles, dauernde Siege erringen werde; doch hat sich Gottlob! diese Voraussetzung als arge Täuschung erwiesen, denn mit der Neologie geht es entschieden abwärts. In Ungarn, wo die Reform noch eine verhältnißmaßig junge Pflanze ist, ist dies weniger bemerkbar, denn anderswo, aber im allgerneinen steht diese erfreuliche Thatsache doch fest. Diejenigen, welche für die Reform wirklich begeistert waren, sehen den Abgrund, wohin sie gerathen sind, denn ihre Kinder suchen die letzten Spuren ihrer Zugehörigkeit zu dem jüdischen Volke durch die Taufe abzuwaschen, und diejenigen, die nur durch den Reiz der Neuheit geblendet und irregeführt werden, kommen nach und nach zur besseren Einsicht und kehren allmählich zurück zu dem Glauben der Väter. Nach und nach kommt die Erkenntnitz zum Durchbruche, daß das neologe Judenthume für die Dauer sich nicht zu erhalten vermag und ihm eigentlich jede Existenzberechtigung abgeht. Diese Erkenntniß rüttelt allmählich die Schlaffen auf, macht die Wankenden und Schwankenden fester, ladet alle zur treuen, gewissenhaften Hut des überlieferten orthodoxen Judenthums und fordert sie alle zur emsigen Thätigkeit für den Glauben der Väter auf. So sehen wir auf allen Seiten das Banner des orthodoxen Judenthums entrollen; immer mehr und mehr entstehen orthodoxjüdische Gemeinden, die auf der Höhe ihrer heiligen, gottgeweihten Aufgabe stehend, gedeihen, wachsen und blühen. (Schluß folgt.) ZeiLurrgsnachrrchLen und Corresporrderrzen. Deutschland. Mainz, 18. Mai. Der Großherzog von Baden hat uns durch sein Geheimes Kabinet verbindlichen Dank für die in Nr. 34 und 35 unseres Blattes enthaltenen auf dessen fünfzigjähriges Regierungsjubiläum bezüglichen Artikel übermitteln lassen. Schwabach. Dem 13. Rechenschaftsbericht der Talmud-Thora-Schule (Präparandenschule) e. V.. in Schwabach, begründet von Distriktsrabbiner L. Wißmann daselbst (pro Januar 1900 bis Januar 1902) entnehmen wir: Die Berichterstattung über die jüngsten zwei Jahre liegt diesmal andern Händen ob, weßhalb ich Folgendes dem Berichte vorausschicke: Gezwungen durch mein vorgerücktes Alter und durch körperliches Leiden, habe ich mich entschlossen, die Talmud-Thora-Schule in einen Verein umzuwandeln und hierfür eine Vorstandschaft zu bestellen, welche die Verpflichtung übernommen hat. die Anstalt unter Hochhaltung der Ziele, wonach dieselbe jederzeit strebte, weiter zu führen. . . Es ist mir ein Herzensbedürfniß, an dieser Stelle zunächst dem Allgütigen zu . danken und ihn zu loben dafür, daß es mir durch .seinen Beistand gelungen ist, das Werk soweit erstehen zu sehen, dann aber auch allen treuen, edlen Gönnern und Freunden der Schule den herzinnigsten Dank zum Ausdrucke zu bringen für die stets bewiesene Opferwilligkeit und das in so hohem Maße uns entgegengebrachte Vertrauen. . Möge auch der nunmehrigen Leitung der Schutz Gottes beistehen, auf daß die Anstalt immer mehr Gönner finde und auf dem Wege des Friedens das Ziel erreiche, welches den Gründern von allem Anfang an vorgeschwebt. ---' r .;; Der Vorstand der Anstalt: - L. Wißmann, Distrikts-Rabbiner. Die innere Leitung der Anstalt ist Herrn Rabbiner Dr. S. Mannes übertragen. Am 21. April 1901 wurde er von der versammelten Vorstandschaft in sein Amt eingeführt und unter herzlichen Worten der Begrüßung den Lehrern und Schülern der Anstalt vorgestellt. Derselbe war bereits in Posen als Schulmann mit reichem Erfolge thätig, und wir sind berechtigt, an seine Th'ätigkeit die schönsten Hoffnungen zu knüpfen. . - Es wird unser Bestreben sein, im Sinne des bisherigen verdienstvollen Leiters, des Herrn Herrn Rabbiner Wißmann, und m. G. H. unter den Augen desselben allezeit zum besten der Schule und zur Ehre unserer heiligen Religion zu wirken. Die Schülerzahl betrug in den Berichtsjahren 29. Von diesen traten 10 Schüler in Lehrerseminarien über, und zwar fanden Aufnahme 2 in der Jsr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, 2 am Kgl. Seminar zu Schwabach, 3 im Jsr. Seminar zu Köln (davon 1.nach einjährigem Besuch des 2. Kurses), 3 in dem Lehrer- - Seminar zu Karlsruhe (und zwar 1 im 2. Kurs; die anderen beiden nach Absolvierung des 2. Kurses unserer Anstalt.) In materieller Hinsicht wurde uns wie bisher wohlwollende Förderung von seiten unserer bewährten Freunde und Gönner zu theil. Wie der Kassenbericht ergibt, war unsere Kassa in den letzten beiden Jahren stark in Anspruch genommen. Das Anstaltsgebäude erforderte umfangreiche Reparaturen, und für das Lehrerzimmer erwies sich die Anschaffung einer neuen Ausstattung als nothwendig. Auch sonst sind die Ausgaben gewachsen, und es steht zu erwarten, daß dies in nächster Zeit in noch gesteigertem Maße der Fall ist. Wir bitten daher unsere bisherigen Freunde, uns auch fernerhin treu zu bleiben und unsere Bestrebungen in jeder Weise thatkräftig zu fördern, damit wir auf immer festerer Grundlage dem hohen Ziele zustreben, für welches unsere Anstalt gegründet worden.