Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1902)
- Date
- 1902-05-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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43» Jshrgang. 8eitr»«gsrrachrichte« und CorresponSerrzen. Deutschland. Mainz, 21. Mai. (Die Zionisten als Gastgeber.) Von zwei verschiedenen Seiten wurde dem Herausgeber dieser Blätter heute ein Circular übersandt, in welchem ihn die zionistische Ortsgruppe Mainz zu einem Vortrage des Herrn Wolffsohn über „Zionismus und Religion" einlud. Da wir den Zionismus seit seinen Anfängen und in seinem Werdegang aufmerksam verfolgten, aber weder in seiner Litteratur noch in seinen Congreffen eine präcise Stellung- - nähme zur jüdischen Religion jemals entdeckt hatten, so waren wir auf oie Ausführungen des heutigen Abends einigermaßen gespannt und haben die Einladung der Herren dankend acccptirt. Unser wartete aber eine große Enttäuschung. «In dem über fünfviertel Stunden langen Vortrage — statt des Herrn Wolffsohn sprach ein Herr Gronemann — waren wohl kaum fünf Minuten von der Religion die Rede. Einmal sagte Redner, daß der Zionismus alle religiösen Richtungen umspanne, vom Lodzer Jeschiwabochur bis zum Schweinefleisch verzehrenden Chicagoer Reform-Rabbiner, dann behauptete er, daß der Zionismus noch Niemanden von seiner Religion abgelenkt habe. Das war Alles, was über Religion gesagt worden tvar. Im Uebrigen wurde das bekannte zionistische Programm auf breitester Grundlage entwickelt, viel vom Deutschthum und Iudenthum, von der Fruchtbarkeit Palästinas und vielen anderen Dingen geredet. Wie man es da wagen kann, als Titel des Vortrages „Zionismus und Religion" zu wählen, verstehen wir nicht recht. Es wurde dann von anderen Rednern alles Mögliche und Unmögliche berührt, nur von dem Thema des Abends kein Wort. Wir waren gerade im Begriffe, wegzugehen. da forderte uns Herr Gronemann auf, unseren Standpunkt zum Zionismus zu präzisiren, was wir auch bereitwilligst thaten. Derselbe ist unfern Lesern bekannt. Er gipfelt in den Worten: Zuerst Rückkehr in's jüdische Gesetz, dann Rückkehr in's jüdische Land. Herr Gronemann lobte hierauf unsere große Sachlichkeit und Ruhe, welches Lob wir ihm leider nicht zurück- ' geben können, denn sehr bald wimmelte seine Rede von den gehässigsten persönlichen Angriffen, der „Israelit" sei ihm schon vor Auftauchen des Zionismus verhaßt gewesen, wir seien Verläumder u. s. w. Unter diesen Umständen konnten wir selbstredend nicht weiter an- . wesend, bleiben und wir und mit uns ein großer Theil der Zuhörer, letztere unter Pfuirufen, verließen die gastliche Zionistenversammlung. Ob das die rechte Art war, der zionistischen Sache neueFreunde zu gewinnen/ möchten wir billig bezweifeln. Bei drei Dingen, sagt ein rabbinischer Spruch, kann man den wahren Charakter des Menschen erkennen: Beim Geldbeutel, beim Becher und beim Streit. Nicht nur beim rohen Aufruhr des Zornes, sondern auch beim Streite der Meinungen in den Diskussionen über öffentliche Fragen zeigt sich in der mehr oder minder vornehmen Form der entschiedenen Meinungsäußerung auch der mehr oder minder vornehme Charakter der Wortführer. ' Wir sind objektiv genug, die Taktlosigkeiten des Herrn Gronemann nicht der ganzen Bewegung zur Last zu legen, wir konstatiren vielmehr gern, daß dieselbe auch Mitglieder besitzt, die es verstehen, jene Grenze nicht zu überschreiten, die anständige Menschen in allen Lagen des Lebens innehalten.-; Berlin, im April. Der Missionszeitschrift „Saat auf Hoffnung" entnehmen wir aus dem Jahresberichte des „evangelisch-lutherischen Centralvereins für ' die Mission unter Israel die interessante Thatsache, daß der ganze Erfolg dieses Vereins im Jahre 1900 zwei Taufen von Juden sind. Dabei hatte der Verein 17,466.94 Mark Einnahmen und 16,997.72 Mk. Ausgaben! Dieselbe Zeitschrift enthält auch einen interessanten Bericht über eine Konferenz der Judenmissionen in Rumänien, an der 22 Personen theilnahmen. Man war sich klar darüber, daß die Taufe allein nicht genügte, die „geretteten" Seelen dem Christenthum zu erhallen. Um einen Abfall der Getauften zu verhüten, müsse man eigene judenchristliche Kolonien gründen. Viel.Glück dazu! —^ Hamburg, 20. Mai. In der jüngst stattgefundenen gemeinsamen Versammlung der Vorsteher- und Repräsentanten-Collegien der Dcutsch-Jsr. Gemeinde wurde an Stelle des verstorbenen Herrn M. W. Hinrichsen Herr Marcus B e i t h zum Gemeindevorsteher gewählt. Herr B. war bisher Mitglied des Repräsentanten-Collegiums und Vorsitzender der Verwaltung des Jsr. Krankenhauses. Letzteres Amt wird Herr B. auf seinen Wunsch beibehalten. Als Chef eines bedeutenden Handungshauses verdient es volle Anerkennung. daß Herr B. einen großen Theil seiner bewährten Arbeitskraft dem öffentlichen Wohl widmet.. Es wird noch freudig hinzugefügt, daß Herr V. den strengkonservativen Standpunkt vertritt; . H. B. NegenSburg, 9. Mai. Gestern fand die Enthüllung des Denkmals statt, welches, die treue Stadt Regensburg dem Könige Ludwig I. aus Dankbarkeit widmete. Besondere Weihe erhielt das Fest durch die Anwesenheit Sr. König!. Hoheit des Prinz-Regenten und der König!. Prinzen. Beim Empfang im Fürstensalon