Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 39-40 (15.5.1902)
- Date
- 1902-05-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das orthodsM Äudenthum. Vyn Wilh. Löwy in Sarbogard, Ungarn.*) , X7I. Nun kommen wir an die von den Antisemiten weidlich ausgebeutete Anklage, die aus dem bereits erwähnten Programme des Berliner Reformvereins durchschimmert. Sind etwa die orthodoxen Juden weniger Patrioten, als ihre neologen Brüder, oder die Bekenner anderer Konfessionen; sind sie weniger bereit, auf dem Llltore des Vaterlandes Gut und Blut zu opfern, weil sie „um ein irdisches Meffiasreich beten, das uns aus dem Vaterlande, dem wir mit allen Banden der Liebe anhangen, wie aus einer Fremde heimführen soll in unserer Urvater Heimathland?" Wahrlich, das Herz mutz einem vor Gram vergehen, wenn eine solche Anklage noch ausgesprochen werden kann, nachdem wir fast zweitausend Jahre unter den Völkern in den verschiedensten Ländern leben und Tausende und Abertausende von uns, die Edelsten und Vesten unseres Stammes, die von den beglückenden theologischen Entdeckungen unserer Neologen kaum eine Ahnung hatten, ihr Blut für ihr Vaterland, an dem sie allerdings mit allen Banden der Liebe anhingen, verspritzt haben! Schlaget auf, Ihr jüdischen und nichtjüdischen Feinde des Judenthums, die Blätter der Geschichte; machet Euch vertraut mit ihrem Inhalte; richtet Eure Augen auf die grotze Schaar von jüdischen Kämpfern und Verteidigern ihres Vaterlandes und sehet und bewundert ihren heroischen Muth, ihren Todeskampf. Oeffnet Eure Ohren, damit Ihr höret das Röcheln der jüdischen Patrioten auf dem Schlachifelde, und wenn noch ein Fünkchen von Wahrhaftigkeit in Eurer schwarzen Seele . glimmt, Ihr müsset erröthen über Eure schamlose Verleumdung und erschrecken über Eure niederträchtige Schamlosigkeit! Ja. es ist wahr, wir brauchen, es nicht zu verbeimlichen und zu verleugnen, wir beten, beten inbrünstig um ein irdisches Messiasreich, doch nicht um „irdische Güter zu erwerben," um eine alles bezwingende politische Macht zu erlangen; wir sehnen uns nach einem Reiche, das auch den anderen Völkern zu Gute kommen soll; wir flehen um das Morgenroth der Menschbeit, wo die Prinzipien des Rechts, der Gerechtigkeit, der umfassenden Menschenliebe' triumphiren und frei von ' jedem Wahne und Vorurtheile die Gesammtmenschheit in sittlicher Erleuchtung das goldene Fest der Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit feiern wird. (S. Das reine Menschenlhum im Lichte des'Jüdenthums,' von Dr. M. Hirsch, Frankfurt a. M.1893.) *) Fortsetzung auS Nummer 24. Hören wir jedoch, was ein unbefangener Christ, über diesen Punkt sagt. Der berühmte englische Histoq riker Macaulay hat sich im Jahre 1831 folgendermaßen ausgesprochen: . ‘ ....... „Aber, sagt man, in der Schrift steht, daß die Juden ihrem Vaterlande wiedergegeben werde« sollen und ihre ganze Nation blickt sehnsüchtig auf jene' Wiederherstellung, detzhalb sind sie nicht so interessirt an der Wohlfahrt Englands, wie andere.' Es ist nicht ihre Heimath, nur der Ort ihres Gefängnisses. Dieses Argument, welches zuerst in der „Times" erschien.und welches einen Grad von Aufmerksamkeit erweckte,- die nicht seiner innewohnenden Kraft, sondern dem bedeutenden Talente, mit welchem jenes Journal geleitet wird, zu verdanken ist, gehört jener Klasse von Sophismen an, durch welche die Hassenswerthesten Maß-; regeln leicht zu rechtfertigen wären." — Hieran schlietztsich eine längere Erörterung, in der ansgeführt wird/ daß, indem die Zeit der Begründung des Messiasreiches nicht bestimmt ist, und die Juden dieselbe mit gewaltsamen Mitteln nicht befördern dürfen, es durchaus nicht zu begreifen sei, warum der Jude seinem Vaterlände gegenwärtig weniger zugethan sein sollte, als der Andersgläubige. Doch lassen wir den Verfasser selbst sprechen: . ' / ." . ' '' ' „Läßt sich wohl ein Jude weniger eifrig auf eine Konkurrenz ein, welche ihm das Gesetz, freistellt? Ist er in seinem Geschäfte etwa weniger thä'tig und ordentlich, als seine Nachbarn? Richtet er sein Haus mangelhaft ein, weil er sich als Pilger. und als Gast hierzulande betrachtet? Macht ihn die Erwartung, dem Lande seiner Väter wiedergegeben zu werden,ünem^ pfindlich für die Schwankungen der Kourse? Ordnet er seine Privatangelegenheiten immer unter dem Gesichtsvunkte der Eventualität einer Auswanderung nach Palästina? Wo nicht, was. berechtigt uns denn voräüSzüsetzen, daß Gefühle, die seine Geschäfte als Kaufmann, seine Verfügungen als Erblasser niemals he-; einflussen, einen unbegrenzten Einfluß auf ihn. gewinnen würden, sobald er Staatsbeamter oder Volksvertreter wird?" / ' ' .. Wir möchten diese, von echter Humanität getragenes Auseinandersetzung schon deßhälb zum Nachlesen ilachdrücklichst empfehlen, weil unsere/auf dem Boden des „biblisch-räbbinischen JudenthumS" stehenden,/ neuer-' dings sogar den Schulchan-Aruch annehmendem , modernen Brüder daraus ersehen können, daß das irdische Messiasreich schon in der H eil i g e n .Sch r i f t vr<- ' bucht ist. Wenn aber schon Solches desi Neologen als Zielscheibe für ihre Giftpfeile dienen'kannso. braucht, uns nicht/ mehr die Wuth zu überraschen/' mit'der. sie über die Pijütim-'' über Jekumpürkon und Bamemadlikin herfallen, um dieselben aus den. Gebeten zu