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Jüdische Korrespondenz · 1918-11-28 · 35 (28.11.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
35 (28.11.1918)
Date
1918-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 35 Protest Versammlungen und Fasttag. Der jüdische Nationalrat in Wien hat sür Mittwoch, den 27. November, einige Versammlungen einberusen, um gegen die Judenpogrome in Galizien zu protestieren. Der Verband der orthodoxen Rabbiner aus Galizien und der Bukowina (derzeit in Wien) hat im Sinne der bekannten religiösen Vorschriften angeordnet, daß der 27. November für alle Juden aus Galizien und der Bukowina als Fast- und Trauertag wegen der Pogrome zu gelten hat. Frau Anitta Müller — Wiener Gemeinderat. Gelegentlich der Neuordnung der politischen Kräfteverhältnisse im Wiener Gemeinderat, wobei außer einer größeren Anzahl Sozialdemokraten auch einige Vertreter der Freiheitlichen, sowie auch einige Frauen in die Stadtvertretung berufen werden, wird auch Frau Anitta Müller in den Wiener Gemeinderat eintreten. Frau Anitta Müller hat sich mit ihrer großzügigen Aktion zugunsten der Flüchtlingsfrauen und -Kinder große Verdienste erworben und gilt heute als die populärste jüdische Frau Wiens. Ihr Eintritt in den Gemeinderat wird daher in den weitesten Kreisen mit großer Genugtuung begrüßt. Sie wird dort ein neues Feld für ihre segensreiche soziale Tätigkeit finden. Die westösterreichische Orthodoxie für „Jischub-Erez-Jisroel". E Die westösterreichische Orthodoxie bereitet eine großzügige Aktion für „Jischub-Erez- Jisreol" vor und dürfte demnächst mit einem ausführlichen TätigkeitsProgramm vor die Oeffentlichkeit treten. Es sind auch Vorbereitungen getroffen, diesbezüglich mit den anderen orthodoxen Organisationen des Jn- und Auslandes Hand in Hand zu gehen. Die jüdische Vertretung in der deutsch österreichischen Konstituante. In der Sitzung des Nationalrates vom 27. November gelangte die Wahlordnung für den Nationalrat zur Verhandlung. Im Sinne derselben soll Wien 42 Mandate erhalten, die auf 7 Wahlkreise verteilt werden, und zwar soll der erste Wahlkreis die Bezirke 1, 3, 4 mit 6 Mandaten umfassen. Die Bezirke 2, 20 und 21 sollen ebenfalls einen Wahlkreis mit 8 Mandaten bilden. Da die Proportionelle Wahlform eingeführt wird, könnten die' Juden in den beiden Wahlkreisen aus eine Vertretung rechnen, wahrscheinlich zu je ein Mandat. Sonst dürfte es in ganz Deuffchösterreich kaum möglich sein, einen ausgesprochen jüdischen Kandidaten durchzubringen. Mitteilungen des „Iefchurun". (Vereinsnachrichten.) Nach Ueberwindung oder, bester gesagt, nach Hinwcgsetznng über alle Schwierigkeiten erwachte Jeschurun von seinem Sommerschlaf. Seit der Aktion „Kinder aufs Land" hat man nichts mehr von ihm gehSrt, woran zweifellos in erster Linie seine Heimatlosigkeit schuld ist. Unstet und flüchtig muH er sich umhertreiben, zufrieden irgend einen Raum zur Verfügung zu bekommen. Gelingt es sogar, die Beleuchtungs- und Beheizungsschwierigkeiten zu überbrücken, so kann er unter den heutigen verzweifelten Umständen auf „solche Leistung" sogar stolz sein. Die herrliche Wohnung, welche im August gemietet wurde, mußte auf Intervention der Behörde aus sozialen Gründen geräumt werden, und so wurde l die Hoffnung, endlich eine Zentrale zu gründen, um die Wid von der aus alle Bewegungen gehen, durch die Verordnung der letzten Wochen völlig zunichte. Daher richtete sich das Bestreben aller maßgebenden Faktoren nach einer geistigen Zentrale, welche auch ohne den Vorteil ihrer Bodenständigkeit ein festes Gefüge der thoratreuen Jugend bilde. Dieses Problem wird am meisten durch Selbstbildung gefördert. Jedem Einzelnen muß Gelegenheit geboten werden, am organischen Aufbau milzuwirken. Deshalb wurde vorerst mit der Institution der freien Diskussionsabende begonnen. Es sollte ein Forum geschaffen werden, auf dem diese Jugend Besprechungen über alle Fragen, welche sie interessieren, pflegen kann, um so das Zusammengehörigkeits- und 'Solidaritätsgefühl zu heben und alle Einzelstehenden in echt 'indischem Geiste zu vereinen. Der zweite Punkt des Programmes ist die Abhaltung von Kursen und geschloffenen Vorträgen durch Damen und Herren aus der Mitte der Jugend s e l b st. Vorläufig wurden bereits vier Abende in der Woche mit solchen Veranstaltungen belegt; doch sind noch einige Anmeldungen zu erwarten. Die Details werden in der nächsten Versammlung bekanntgegeben werden. Der erste Diskussionsabend fand im 'schlechtgeheizten Saale der Mensa academica Judaica statt und sollte das Thema „Jüdisch leben" behandeln. Herr Adolf P i n k a s referierte über die Wichtigkeit, in traditionell jüdischem Geiste zu leben, und bat um praktische Vorschläge zur Verhinderung des immer notorischer werdenden Abflauens. Einer der anwesenden Herren wünschte die Wiederbelebung der Sprache unserer Väter, einerseits als Gegenwicht zum chukas hagoj im allgemeinen uild anderseits zum besseren Hineinleben in die Kultur unserer Ahnen. Darüber entspann sich eine endlose Debatte, in der zwei beachtenswerte Vorschläge, nämlich das Hauptgewicht auf das Ethische aber nicht auf das formale zu legen, und zweitens zur Hebung des elbstbewußtserns mehr Geschichte, neben dem angeblich ohnedies betriebenen Thorastudium, zu lehren, gänzlich verhallten. Es kommt nicht darauf an und wird auch nicht möglich sein, vollkommene Einigung zu erzielen; sondern das Wichtigste ist, was man auch mit Freude an der überaus lebhaften Teilnahme konstatieren konnte — der innere Kontakt und das Interesse an jüdischen Fragen. Da lauter reife junge Leute anwesend waren, wird jeder über dieses und die übrigen noch zu besprechenden Probleme Nachdenken, sich über die schwebenden Fragen orientieren und sich eigene Ansichten darüber bilden. Die Diskussion über das angeschnittene Thema wird Mittwoch, den 4. Dezember, um >/<8 Uhr abends, im geheizten Turnsaale der Talmud-Thoraschule, II., Malzgasse 16, fortgesetzt. Um der gesamten Jugend die Möglichkeit zu geben, an den weiteren Diskussionen tätig mitzuaroeilen, werden die Themata nach Tunlichkeit frühzeitig bekanntgegeben. Zurzeit sind angemeldet: 1. Die freiheit in der lüdstchen Religion. 2. Jüdische ebensanschauung. Wer ein Diskussionsreferat, geschlossenen Bortrag oder Kurs übernehmen will, wird gebeten, sich an einen der bei der Versammjungen anwesenden Funktionäre zu wenden. Rund schau. (Richtigstellung.) In der Notiz der „Korrespondenz" vom 21. November ist irrtümlicherweise als Mitglied der Permanenz-Kommission der israelitischen Kultusgemeinde Herr Leopold Simon genannt. Es soll richtig heißen: Dr. Heinrich Schreiber. (Nekrolog.) Joel Bar dach, Chef der bekannten Firma Marya Fränkel (Lemberg) wurde am 21. November d. I. hier zu Grabe getragen. — Aus kleinen Anfängen arbeitete er sich, unter Mithilfe seiner Gattin, zu einem, Geschäftshaus« ersten Ranges auf. In allen Lebenslagen bewährte er sich als echter Jehudi von altem Schrot und Korn, der stets für Thora, Avoda und Gemilas Cheffed arbeitete, ein echt jüdisches Haus führte und seine Kinder in diesem Geist« erzog. Seine sprichwörtliche Bescheidenheit erwarb ihm die Sympathie aller, die ihn kannten. Das tragische Schicksal, in einer fremden Stadt als Flüchtling seine irdische Laufbahn beschlichen zu müffen, erhöht die allgemeine Teilnahme. (Nekrolog.) Aus Prchburg wird gemeldet: Kürzlich fand hier unter Teilnahme der ganzen Gemeinde das Leichenbegängnis der Frau Klementine Rosenbaum statt. — Tochter deS als Arzt, Menschenfreund und streng religiösen Mannes bekannten Dr. Salomon Avler s. A. in Pohrlitz, fand sie im Hause ihres gleichgesinnten Gatten, Dorie Rosenbaum, Sprößling einer ersten Preßburger Familie, in der Thora und Gedulah vereint war, Gelegenheit zu einem echt jüdischen Leben. Ihre aufrichtige Frömmigkeit, ihr feinfühliges Wesen, die übermenschliche Ergebenheit, mit der sie ein langes Leiden ertrug, machten sie geliebt und hochgeschätzt, so daß sich der schwergeprüften Familie die wärmste Teilnahme zuwendet. Der erste Sekretär der Wiener Kultusgememde, Herr Dr. Emil Adler, beklagt in der Verblichenen seine einzige Schwester. Ehre ihrem Andenken! I®*®® „HELDOLANA“ *®*®| Eine nejie erprobte Methode, den Gesichts- P teint rein zu erhalten, alle Hautunreinig- ® keiten zu beseitigen und der Haut jenen 8 reizenden, verführerischen Hauch zu vergt leihen. Man benetze Gesiebt, Hände, Hals K und Körper mit Wasser, bestreiehe dann mit L einer Schichte „HELDOLANA* und wasche & die Haut nach einer Weile ab. 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Sämtliche Werke von 8. R. Hirsch, Jul. Hirsch ====* und Mendl Hirsch. .1..' für Biienu Photographie G RIEH 0 Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

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