Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1918-11-14 · 33 (14.11.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
33 (14.11.1918)
Date
1918-11-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3495278-3495381-3495412--0787-3521510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Jüdische Korrespondenz, Nr. 33 Eine äußerst heftige antisemitische Hetzkampagne hat in Rumänien eingesetzt. In stark verbreiteten Hetzaufrufen wird die Bevölkerung direkt zum Massenmord der Juden aufgefordert. Die „Duminica Poporulni", das Blatt des gegenwärtigen Kultusministers, das durch die Behörden in den Dörfern verteilt wird, brachte einen Leitartikel, der folgende Stelle enthielt: „Wenn ihr bemüht sein werdet, jeden sich bietenden Nutzen einzuheimsen, so wird der Jude gezivungen sein, von dannen zu gehen." Der Minister ging in seiner Hetze so weit, daß die Zensur sich veranlaßt sah, einige Stellen aus dem Leitartikel zu streichen. Derselbe Minister, der zugleich Universitätsprofessor ist, sammelte an der Spitze eines aus Professoren und Literaten bestehenden Komitees 200.000 Lei zum Zwecke der Wiederherausgabe der berüchtigten antisemitischen Zeitschrift „Semanatorul". Der frühere Judenfreund Mille entfaltet eine Propaganda des Boykotts gegen die „Fremden", d. h. gegen die Juden, und fordert zu ihrem vollständigen wirtschaftlichen Ruin auf. Die Hetzpropaganda hat eine so vergiftete Stimmung geschaffen, daß Judenpogrome erwartet werden. Die jüdische Bevölkerung empfindet die Notwendigkeit der Organisierung eines Selbstschutzes, aber der Gedanke kann nicht verwirklicht werden wegen der Unmöglichkeit, Waffen im freien Handel zu erwerben. Dagegen aber erhalten die schwarzen Banden Waffen aus den Depots der Armee. Die jüdische Bevölkerung fordert dringend sofortigen Einspruch und Intervention der internationalen Welt. Das Schicksal der beffarabischen Juden. Die Nachrichten, die aus Rumänien über das Schicksal der bessarabischen Juden zu uns gelangen, geben zu höchster Beunruhigung Anlaß. Obwohl die Angliederung Bessarabiens an Rumänien weder durch den Bukarester Friedensvertrag noch sonst durch irgend eine europäische Großmacht anerkannt ist, benehmen sich die Rumänen in Bessarabien bereits als die unumschränkten Herren des Landes. Die Schreckensherrschaft des rumänischen Militärs in der ersten Zeit der rumänischen Okkupation haben nunmehr „Maßnahmen" der rumänischen Regierungsgewalt abgelöst, die darauf hindeuten, daß es in der Absicht der rumänischen Regierung liegt, den Bessarabien bewohnenden Nationalitäten — natürlich mit Ausnahme der rumänischen — jene Rechte wieder zu entziehen, die sie bereits als Frucht ihres nationalen Strebens unter russischer Herrschaft erlangt hatten. Die Verordnungen, die die rumänische Regierung seit dem Bukarester Friedensvertrag für die Bevölkerung Bessarabiens erlaßen hat, bringen deren nationales Sebstbestimmungsrecht ernstlich in Gefahr. So hat die rumänische Regierung vor einigen Wochen beschlossen, die Gymnasien und Lyceen in Bessarabien fast völlig zu rumänisieren, indem sie fesisetzte, daß die rumänische Sprache und eine Anzahl anderer Unterrichtsgeaenstände ausschließlich von Lehrern rumänischer Nationalität in rumänischer Sprache gelehrt werden dürfen. Daß in Rumänien bereits Kräfte am Werke sind, der Autonomie Bessarabiens ein Ende zu bereiten, zeigen manche Stimmen der rumänischen Preß«. So veröffentlichte vor einiger Zeit ein bekannter rumänischer Politiker I. Gradisteanu in der Jaffyer Zeitung „Evenimeniul" einen Aufsatz, in dem er gegen den „Partikularismus" Beffarabiens auftritt, den er als nicht gerechtfertigt bezeichnet. Er rechnet sich aus, daß eine Gefügigmachung der beffarabischen nichtrumänischen Bevölkerung, die bekanntlich 800.000 Seelen beträgt, viel besser bewirkt werden kann, wenn das Land ohne Rücksicht auf diese ansehnlichen Minoritäten Rumänien vollkommen einverlcibt und das um Bessarabien vermehrte Rumänien als Nationalstaat behandelt und regiert werden würde. Unter den 800.000 beffarabischen „Fremden" sind diesem Politiker besonders die Juden, die die größte unter diesen Minoritäten darstellt, ein Dorn im Auge, da sie von den „in ihrem Nationalismus noch sehr rückständigen" Rumänen Bessarabiens nur mit großen Schwierigkeiten „ausgesogen" werden könnten. Auch andere rumänische, Blätter wissen ihren Haß gegen die bessarabischen „Fremden" kaum zu zähmen. So ergeht sich das rumänisch-nationalistische Propagandaoraan in Kischinew „Ron.ania Nona" tagtäglich in Lobeshymnen aus das Haupt der rumänischen antisemitischen Partei Cuza und in gehässigen Ausfällen gegen die jüdische Bevölkerung. Auf solche Weise glaubt das von der rumänischen Regierung bestellte Blatt, dessen Redaktion von als besonders wütenden Antisemiten bekannten Einwanderern aus Siebenbürgen geleitet wird, die rumänische Nationalistcnpartei in Bessarabien zu stärken. Bezeichnend ist es auch, daß die rumänische Postzensur in Bessarabien jegliche Korrespondenz in jidischer Sprache verboten hat. Obwohl Kenner der rumänischen Verhältnisse keinen Augenblick daran gezweifelt haben, daß im Falle eines endgültigen Anschlusses Bessarabiens an Rumänien die Autonomie Bessarabiens vernichtet werden würde, so setzt doch diese rumänische Haltung, deren Ziel ja klar ist, die politischen Fähigkeiten der rumänischen Machthaber in ein besonderes Licht. Durch eine derartige Behandlung der nichtrumänischen Elemente Beflarabions liefert Rumänien das unzweideutigst« Zeugnis dafür, daß es unfähig ist, die bessarabische Frage durch eine Angliederung des Landes an sein Gebiet zu lösen. Zusammen mit den bessarabischen Ukrainern, Bulgaren und Russen, die dieser Vernichtungspolitik Rumäniens zum Opfer fallen würden, erheben auch die Juden Bessarabiens den heftigsten Protest gegen eine solche „Einverleibung''. Unter diese» Umständen wird die von den Rumänen gewünschte Lösung des bessarabischen Problems auf den heftigsten Widerstand der an den allgemeinen Friedensverhandlungen teilnehmenden Völker stoßen und das jüdische Volk hat allen Anlaß, diesen Widerstand durch seinen festen Willen, seine Volksgenossen in Bessarabien nicht der brutalen Gewalt Rumäniens auszuliefern, noch wesentlich zu stärken. Nun-schau. (Kundgebung der Jude« in Ungarn.) Am 6. November, nachmittags, fand in Budapest eine Versammlung von Delegierten der ungarischen israelitischen Kultusgemeinden statt, an der Vertreter von mehr als 300 Kultusgemeinden teilnahmen. Seitens der Regierung wohnten der Versammlung Ackerbauminister Buza und der Staatssekretär im Kultusministerium Juhasz-Nagy bei. Der Vorsitzende der Versammlung, Hofrat Franz Szekely, erklärte, die Versammlung bezwecke, dem neuen Ungarn, dem Nationalrat und der Regierung Treue zu geloben, die auswärtigen jüdischen Körperschaften zu bitten, daß sie mit ihrem ganzen Einfluß das Streben der Regierung nach Integrität Ungarns und Erzielung eines ehrenhaften Friedens unterstützen, endlich die Bildung einer ständigen Organisation zur Wahrung der Interessen des ungarischen Judentums. Nachdem sich der Minister und der Staatssekretär entfernt hatten, kam es in der Versammlung zu stürmischen Szenen. Zionistische Studenten unterbrachen durch Pfeifen, Lärmen und Zwischenrufe die Redner, die von einer jüdischen Nationalität nichts wißen wollten. Schließlich sah sich der Vorsitzende genötigt, die Sitzung zu suspendieren, um sich mit den führenden Persönlichkeiten und den Delegierten in einen anderen Saal der Redoute zu begeben, wo sie ihre Beratungen fortsetzten. Hiebei wurde das Streben der Zionisten, die ungarische Judenschast als Nationalität zu betrachten, verurteilt. Schließlich wurde ein Beschlußantraq in dem vom Präsidenten in seiner einleitenden Ansprache vertretenen Sinne einstimmig angenommen. Aflass Jisroel MM - II., Große Schiffgasse 8. - Gebetstamdan in derZeit vom 11. bis 18. Kislew 5679 (19. bis 22. NevessbeO. Freitag, den 11. Kislew: Sabbateingang 4'25. Samstag, Morgengebet 7 und 9 30, Mincha 1215 und 330. Sabbatausgang: 5 10. An Wochentagen: Morgengebet 6‘45, Mineha 4'30. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden während der Kanzieistuadaa, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegeageaea«men. „HELDOLANA“ ®«®«g K Eine neue erprobte Methode, den Gesichts- M teint rein zu erhalten, alle Hautunreinigg keiten zu beseitigen und der Haut jenen t reizenden, verführerischen Hauch zu verleihen. Man benetze Gesicht, Hände, Hals j® und Körper mit Wasser, bestreiche dann mit Jgj einer Schichte „HELDOLANA“ und wasche die Haut nach einer Weile ab. Bald wird d man von dem frischen, blühenden Aus- Ei sehen überrascht sein. Selbst Runzeln G und Falten verschwinden nach dieser Prog zedur und von Sommersprossen, Wim- K merin und sonstigen Hautunreinigkeiten O bleibt keine Spur. Erhältlich in Parfümerien, Drogerien und Apotheken. »____ $ Jos. Scisiiprs Mhü Wien, I., Seitenstettengasse 5 empfiehlt ihr reichhaltiges Sortiment in: Talmud-, Decisoren- und rabbinischer Literatur, Bibelu. Kommentarwerke, nenliebräisehe u. jüdische Belletristik, hebräische Lehrbüchern. Grammatiken. Reiches Lager an Judaieis„ U. a.: Kleine Bibel, Taschenausgabe, Leinenband.K 16 — Milon sehe] Kiß, hebräisoh - deutsches Wörterbuch von Grasowsky . . . . „ 20'— M a r g e 1, Deutsch-hebräisches Wörterbuch „ 20— Kottek, Geschichte der Juden Dr. 8. Funk, Die Juden in Babylonien Dr. D. Hoffmann, Leviticus Dr. R. Breuer, Die fünf Megillotb (auch einzeln). Sämtliche Werke von S. R. Hirsch, Jul. Hirsch und Mendl'Hirsch. -— Residenz - Atelier für niiene Ptotegrepliie s RIEH m I.. FleiscMt 1. v— Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.