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Jüdische Korrespondenz · 1918-10-22 · 30 (22.10.1918) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
30 (22.10.1918)
Date
1918-10-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jfidisehe Korrespondenz. Nr. 30 den?", so wird dieses Grabmal antworten: „Weil sie treu blieben ihrem Volke und der Thora, weil sie die jüdische Fahne nicht aus ihren Händen ließen, deshalb haben die Hooligans sie hingeschlachtet. Und unsere Kinder werden sagen: „Wir sind Kinder von heiligen Märtyrern, die sich für ihren Gott und sein Leben geopfert haben." Der jüdische Gott? Bon Ais mann. „Der jüdische Gott! Nein wirklich, ich habe nichts gegen ihn. Alle Achtung! Ein schützender, ein hilfreicher Gott! Ja, meine Herrschaften, das gebe ich gerne zu." „Dann, Oberst, werden Sie vielleicht auch zum Judentum übertreten?" „W—a—s? Wie?" Der Oberst starrte di« sprechende Dame entsetzt und beleidigt an. „Pfui, was für eine Zumutung!" Dann sah er alle seine Gäste der Reihe nach an und sagte: „Nein, diese Frauenlogik! Man äußert harmlos eine Meinung, und sie ziehen solch verletzende Schlüsse daraus. Ich weiß ganz genau, was ich sage, meine lieben Gäste. Weil der jüdische Gott seinen Mauschlern hilft, deshalb bin ich noch lange kein Abtrünniger, bei aller Achtung vor diesem merkwürdigen Gott. Hören Sie einmal! Sie wisse» ungefähr, was für ein Lebemann ich war — es ist noch nicht so lange her. Glänzender Kavallerist, schön, elegant, reich, ein ausgezeichneter Tänzer, ein berüchtigterHof- und Skandalmacher, Säufer und Zecher'— in ganz Kurland gab es so einen nicht mehr. Sie dürfen nicht daran denken, wie ich jetzt aussehe. Borzeitig gebrochen und gealtert: Gicht, Herz — das ist so plötzlich über mich gekommen. Noch vor kurzer Zeit war ich ein ganz anderer. Ich war weit und breit bekannt. Zwei Erbschaften hatte ich durchgebracht, begann auch mit der dritten. Und mit welchem Schwung! Was verstehe ich sonst? Arbeiten, verdienen? Nein, das ist nicht meine Sache. Aber als ich alles durchgebracht hatte, bekam ,ch gerade den größten Appetit. Bon Geld keine Spur. Befand mich sozusagen ohne Pantalons. Hatte aber eine Dame bei niir — nicht gerade von fürstlicher Abstammung, dafür aber mit einem um so größeren Vermögen begabt, nämlich dem Vermögen zu genießen. Verliebt war ich ganz teuflisch. Mit der letzten, um so mehr gesteigerten Kraft: Ins Wasser, durchs Feuer, dem Teufel in den Rachen wäre ich für meine Karoline gegangen. Mein letztes Geld war verduftet — meine Karoline war im Begriffe dasselbe zu tun. Da erinnerte ich mich, noch 500 Hektar Wald im Gouvernement Minsk zu haben; einen Rest von ehemals stattlichen 1500. Es stand für mich fest, diese letzte 500 Hektar-Last von meinen Schultern zu schütteln. Also weg damit. In Shitomir hatte ich einen alten Freund, den Juden Berko Loschak. Sein Beruf war, einen immer aus der Not zu helfen. Wollte ich z. B. eine Wohnung der Stadtgemeinde vermieten (Sie wissen, dies ist bei uns ein glänzendes Geschäft): Berko erledigte es. Brauchte ich im Winter einen Maiglöckchenstrauß — Berko verschaffte ihn mir, obzwar in der Stadt keine Spur von einer Blumenhandlung war. Veranstaltete ich im Klub einen Skandal oder ritt „Spaßes halber" in das Arbeitszimmer des Bürgermeisters hinein — Gala-Vorstellung! — Wer reichte mir die helfende Hand? Immer und immer Berko. Er lies hierhin und dorthin, gab hier einen Wink, dort einen vergoldeten Händedruck — und alles war in bester Ordnung. Der Mensch war von großen Talenten, ein wirklich nützliches Glied der Gesellschaft. Ja.... dabei aber immer arm und verhungert. Klein, schwarz, runzelig; mit unzähligen Falten im Gesicht; seine Augen aber waren groß, schwarz und lustig. Warum bist du so lustig Berko?, fragte ich ihn. Warum soll ich sein traurig?' ,Du runzeliger Teufel, hast du denn schon zu Mittag gegessen?' Warum meinen Sie, daß ich will zu Mittag effen?' * Aus den „Reuen jüdischen Monatsheften" (Berlin). .Dummkopf, all« müffen doch effen!' Wo steht geschrieben, daß alle müffen essen?' ,Du bist also hungrig?' .Hungrig? Und wann sind Sie nicht hungrig? Vielleicht wenn Sie haben Ihren Braten gegessen und Champagner getrunken? Sind Sie aber deshalb Ihrem Gott näher?' Was soll man da antworten? Er, der Berko, verdiente nicht wenig. Natürlich nach seinem Maßstabe. Er war von heiterem Charakter, und das gefiel den Gutsherren. Die gaben ihm zu verdienen. Er hätte sogar in einem gewissen Wohlstand leben können, aber .... er hatte unzählige Kinder. Jedes Jahr ein Kind, wenn nicht gleich zwei Ich tragte ihn: ,Zu welchem Zweck fabrizierst du eigentlich so viele Äerkos?' Warum soll ich nicht haben meine Kinderchen? Welches Vergnügen Hab ich auf der Welt ohne meine Kinderchen?' ,Ja, aber die Kinderchen find hungrig!' ,Gott gibt Kinder, Gott wird auch den Kindern etwas geben!' Krankheiten gibt er ihnen.' Wenn sein muß eine Krankheit, gibt er eine Krankheit. Kann ich dem Herrgott vorschreiben? Wir haben einen gerechten, einen hilfreichen Gott. Wenn kommt die richtige Gelegenheit, dann zeigt sich, daß er uns nicht verläßt. Er hilft unbedingt. Wissen Sie, ich habe jetzt meine Fanni zu verheiraten. Habe ich aber eine Mitgift für sie? Bin ich ein Rothschild? Bin ich eine Zuckerfabrik? Was glauben Sie aber? Bin ich etwa deshalb unruhig? Fürchte ich mich? Wir haben einen starken Gott, er wird mir geben die Mitgift.' Diese Ruhe brachte mich auf. Sein Herrgott muß ihm zur Mitgift verhelfen!! Ich brauche für meine Karoline doch auch sozusagen eine Mitgift, bin aber durchaus nicht davon überzeugt, daß mir der Herrgott eine solche geben wird. Und ich habe doch noch eine Chance — meinen Wald; er aber nichts. Ja, der Wald. Wie sollte ich ihn verkaufen? Wie konnte man ihn zu Bäumen machen? Verkaufe ich ihn nämlich nicht als Holz, sondern nur als Wald, so bekomme ich eine Kleinigkeit. Und das Fällen des Waldes ist vom Gesetz verboten. .Siehst du,' sagte ich dem Berko, .ich habe SOS Hektar Wald und kan« nicht zu Geld kommen und du hast gar nichts und .. ..' ,Wie ist das möglich', fällt er mir ins Wort, ,bei Vermögen kein Geld bekommen?' Ich erkläre ihm die Sachlage. Er hört aufmerksam zu und überlegt. Dann hebt er sein runzeliges Gesicht und sagt: .Gelobt sei mein starker Gott!' Was hast du?' ,Ein gutes Geschäft!' .Sprich vernünftig, Teufel!' »Sagte ich nicht: Wenn kommt die richtige Gelegenheit!' ' ,Was faselst du?' .Die Mitgift hat mir der Herrgott geschickt!' .Bist du verrückt?' .Und Ihr Wald, den Sie verkaufen werden?' .Wieso verkaufen? Habe ich dir nicht erklärt?' .Ihr Wald — Fannis Mitgift!' Ich schaue ihn verständnislos an. Berko macht ein ernstes Gesicht und beginnt: .Ich habe einen Vetter; er dient als Aufseher in der Petrowersker Zuckerfabrik. Der Vetter kann dem Sekretär des Direktors sagen, dieser dem Direktor. Der Direktor wird sich lassen einspannen eine Droschke und wird zum Fabrikanten aufs Gut fahren. Er hat zu jeder Zeit Einlaß und wird also reden mit ihm vom Wald. Der wird ihn kaufen.' ,Ja kaufen, aber nicht als Holz, du Dummkopf!' .Vielleicht auch als Holz. Die werden schon finden ein Mittel.' Und so geschah's. Berko sagte es seinem Vetter, dem Aufseher; dieser dem Sekretär des Direktors. Der Direktor fuhr zum Fabrikanten. Die Maschinerie kam in Gang. Man fand tatsächlich ein .Mittel'. Sehen Sie. meine Herrschaften, das Gesetz verbietet dem Privatbesitzer, einen Wald abzuholzen. Die Bauern aber haben immer das Recht, ihren Wald auszuroden, um ihn in Ackerland zu verwanbeln. Der Wald sollte also den Bauern als Ackerland verkauft werden; die Bäume aber wollte man ihnen im vorhinein gleich wieder abkausen. Der Boden verblieb den Bauern für ein« Kleinigkeit und die Hauptsache war jetzt möglich: Den Wald bis zum kleinsten Bäumchen abzuholzen. Ich war während des ganzen Handels recht aufgeregt; es baute fich za meine letzte Hoffnung darauf. Berko aber versicherte immer wieder mit seiner stoischen Ruhe: .Wir haben einen starken Gott; er gibt Fanni die Mitgift.' In der Tat, der Wald wurde also mit vereinten Kräften verkauft. Die Bauern bekamen den Boden, der Fabrikant die Bäume, ich das Geld, alle andern: Provision. Berko erhielt gegen 1300 Rubel. Natürlich verheiratete er seine Tochter. War das eine fröhliche Hochzeit! Ich mit meiner Karoline waren geladen. So war der Berko. Er glaubte fest an leinen Gott, und es geschah nach seinem Glauben. Es muß doch etwas daran sein, meine Herrschaften. Wenn man tiefer nachdenkt. Alle Achtung, ja, alle Achtung vor dem jüdischen Gott!" (Aus dem Russischen übersetzt von Maria Wayskaja) ^„HELDOUHA“ ®*®*| §Eine neue erprobte Methode, den Gesichtsteint rein zu erhalten, alle Hautunreinig- || keiten zu beseitigen und der Haut jenen « reizenden, verführerischen Hauch zu ver- # leihen. 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Breuer, Die fünf MegUloth (auch einzeln). Sämtliche Werke von 8. R. Hirsch, Jul. Hirsch -------------------- und Mendi Hirsch. . -------;i für moderne Photographie .. I.. Fleischmarkt 1. ,. ■v-— Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

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