Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 29 (3.10.1918)
- Date
- 1918-10-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 29 Die Sprache des Chassidismus ist. wie ein moderner Mystiker sich über die Ekstase im allgemeinen ansorückt, ein allerstilles Sprechen. Sie ist so hoch und still, als sei es gar keine Sprache, sondern wie ein Heben der Lider im Schweigen. In deutscher Sprache haben nur wenige über die In balle des Chassidismus geschrieben. Bor allein Marlin Buber, der hervorragende Stilist, der ein besonders feines Empfinden ausweist. Buber hat aber wie cs scheint die Klassiker des Chassidismus nicht gekannt oder selbe nicht benützt. Das Buch: „Das Testament des Bal>Schein" tZstvvaolh Ha-Ribesch >, eine literarische Mystrsikalion, die niemand anerkennt, ist für ihn ein bedeutendes Werk, das ihn zum Chassidismus bekehrt hat (Bgl. Buber: „Mein Weg zum Chassidismus",» Ich will in Folgendem versuchen, einiges aus diesem Schrifttum mitzuteileu. Eine genaue Wiedergabe ist selbstredend nicht möglich, da cs doch den abendländischen Sprachen schon für die alte Kabbalah an der nötigen Terminologie fehlt, geschweige für die neochassidilchen Begriffe. In diesem Rahmen zunächst einiges aus den Schriften des Rabbi Menachem Mendel von Wytebsk tgest. 1788). Rabbi Menachem Mendel ivar ein Schüler des Rabbi Beer von Meserilick. welcher ein Schüler war des großen Meisters, der Bal-Schem genannt. Tie Lehren des ersten Meisters sind auf seine Schüler nbergegaiigen Rabbi Menachem Mendel hat einige bemerkenswerte Schriften verfaßt, so „Peri-Ha-arcz" und „Ez-Peri". Die Bücher „Likute Amarim" tgesammelte Aphorismen» und „Iggereth - Ha - Kodcsch" (Heilige Briese) sind erst l!)li chLcmberg) gedruckt worden. Die Lehre» des Rabbi Menachem Mendel, Wytebsk. 1. Gott u n d die Thora. („Likule Amarim", S. 45,) Die Buchstaben') ides Alphabet der heil. Sprache) sind die Hallen (die sieben Tempelhallen), von denen der Sohar spricht. Und der Mensch schreitet, wenn er in der „Schrift" liest, von einer Tempel- Halle in die andere, will sagen: von Buchstab zu Buchstab, bis er zur Stufe, welche über die Aeonen ist, gelangt. Und Gott hak sich in der Thora konzentriert (komraktiertu So wie wenn jemand, der bei seinem Namen gerufen ivird, ans den Ruf sogleich reagiert, weil sein Ich an den Namen geknüpft und ergo der Andere ihn an sich heranziehr, so har sich (Sott in der Thora konzentriert (Iimzum) und die Thora ist »ei» Name und wenn der Mensch in der Thora liest, zieht er Gott an sich heran. Tenn er und sein Name ist eins. * II. („Llkuic Amarim", S. 32.) Es heißt ferner im Buche Sohar: im Gebet schreite! der Mensch von einer Tempelhalle in die andere. Und'inan prüft ihn in jedem Tempel, ob er des Eintrereus ivürdig sei. Die Tempel sind die Buchstaben der Gebete, und wen» dem Menschen beim Goktdieuen ein vroiancr Gedanke (machschabah sarab» überkommt, so ivird er voni Tempel bmausgewicsen. Ter Mensch darr nicht ob der Mängel reines Leibes beten, und er betrachte sich als einen Teil der Gottheit, und bete stets ob der Mängel der ganzen Well und Israel soivie Galuth. Ter A!! v e r st a n d. („Likure Amarim", S, 36), To wie die sämtlichen Organe des Menschen dem Einen, chem Gehirn i Verstand» gehorchen und alle ihre Funktionen seinem Befehl unterstell^ christliche Mystik hat oft kabbalistische Stoffe »ür ihre Zwecke ausgenützt, hat aber die)e oft verkehr! ausgesnnt, To schreibt Jacob Böhme („Bon der Wiedergeburt", Amsterdam 1682, S 138): „Das ausgeschriebene Won ist nur cur Werkzeug, damit der Geist leitet. Das Wort, das lehren will, muß in dem Buchstaben Wort lebendig sein. Der Geist Gottes muß in dem Buchstabischen Halle sein, sonst ist keiner ein Lehrer Gottes, sondern nur ein Lehrer der Buchstaben, ein Wisser der Historien und nicht des Geistes Gottes" usw. sind, so soll ein jeder sein Handeln nach den Geboten der Thora, die doch eine Abgeklärtheit des göttlichen Willen sind, einrichten und er tue nichts gegen den Willen des Heiligen (Gelobt sei Er). Wir Menschen sind alle Organe des Schechinah und Gatt ist der Verstand der Well, der alles befiehlt, ähnlich wie das Gehirn im Mikrokosmos. Wie schon bemerkt, sind die Gebote die Abgeklärtheit des göttlichen Willens und sie sind deswegen auch der Allverstand. Alles, was diesem widerspricht, ist unvernünftig, unnatürlich und desivcgen sündhaft. Die Ursache der Sünde aber ist die Verstnsterung des menschlichen Leibes, so daß kein Lichtstrahl der Thora in ihn füllt. Oder der Mensch anerkennt dieses Licht nicht und er glaubt, er sei gar kein Licht. Wenn der König Meschiach (Messias) kommen wird, (es möge dies in Bälde geschehen) so wird der menschliche Leib gewürdigt sein, eine hohe tetufe zu erlangen und das Licht der Schechinah roird in ihm erstrahlen. So wird die Form den Stoff überwinden u»ld der Geist ivird zum Siege gelangen. U e b e r das G o t t f i n b c n. („Likute Amarim", S. 27). Wir lesen im Siira: „Jenen bösen Geist sollet ihr aus eurem Herze» entfernen, so wie er (Gott) in der Welt einzig ist, so soll euer Dienen vor ihm einzig sein". DaS ist der große Grundsatz: Ter Mensch habe nur einen Gehanten in seinem Dienen der Gottheit, wie es im „Eecl." heißt: „Er Hai den Menschen grad geschaffen, sie aber suchten verschiedene Konstellationen". Denn aus der Energie vieler Gedanken entsteht eine Verdunklung des Gehirns, und er halte darum fest, daß jedes in der Welt cristiercnde Ding voll der Göttlichkeit ist. Das Geringste des Geringen, das im Universum vor sich geht, rührt von seiner Providenz her, es waltet kein Unterschied zwischen dem von ihm Gewollten und dem von ihm nicht Gewollten, weil alles von der Gottheit herrührt. Und er weiß, daß ihm entsprechender wäre, daß sie (Dinge) nicht gestaltet werden sollen nach seinem Willen.'Man denke, daß alles, was sich zwischen der planetar-Engel- und Thronwelt befindet, wie nichts ihm gegenüber, erscheint, weil alles in dem Umfange der Kontraktion der Glorie (Gedankeniichk!, nämlich der Selbstkontraktiou, weil sie alle nur Logos sind. Wenn dem so rst, wozu sich von den Leidenschaften Hinreißen lassen, die doch in diesen Aeonen sind, da sie doch nur der Logos sind. Es wäre doch viel besser, sich der Gottheit selber (außerkalb der anderen Welten) anzuschließen, da er »och der „Urpunkt"») ist, und sich nicht an das Akzidenz anzuschließcn. Das ist, was der „Sohar" sagt: „Glücklich zu preisen sind jene Gerechten, die da verstehen ihren Willen mit dem Willen des höchsten Königs zu identifizieren und nicht mir dem des Universums. Denn alle Aeonen gehen doch einst zugrunde. Man denke stets, sich der Gottheit in absoluter Liebe anznschlicße», daß er ihn liebe, mehr als alles in der Welt. Denn alles in der Welt vorhandene Gut wurzelt nur in ihm. Und er denke so: „Ich will immer seinen Willen tun, um ihm Wohlgefallen zu erweisen". Und stets sei sein Gedanke ihm angeschlossen in der höchsten Welt. Das ist cs, was in Kap. 21, Vers 13, Leint. angedeutet ist: „Aus dem Heiligtum soll er nie dinausgehen". Und wenn er von den trestralen Objekten reden will, sei ihm so, als wenn seine Gedanken von der höchsten Welt gradatim hcrabstiegen, so, wie wenn der Mensch aus seinem Hause hinausgeht, mit der Absicht zurückzukchren, und während seines Lebens stets daran denkt, wann er in sein Haus zurückkehren würde, so denke man stets an die obere Welt, welche sein eigenes Haus ist. Von den Gegensätzen. Der Autor der „Akedath Fizchak"-) lehrt: „es heißt (Gen. 1l 18) „ich will ihm eine Gehilfin (das Weib) an die Seite stellen". Hier liegt das >) Der Urpunkt ist auch identisch mit der ersten Sefirah „Kether" genannt. Es heißt in der Kabbalah: Ais der Verborgene der Verborgenen »sich manifestieren wollte, machte er zuerst den Punkt". („Sohar", B. I. S. 15,) Beschata di’stima d’chol stimm baa Xe’itg-aJjja äbad berescha ne’kuda chada. -1 Der Philosoph Isaak Arama aus Zamora, gest. 1494. „Helten", will sagen das sich gegenseitige Vervollkommnen in dem Extrem von Mann und Weib. Auch würden die persönliche Freiheit sowie Lohn und Strafe als Folge von guter und böser Tat mtthören, wenn nicht die Gegensätzlichkeit wäre." Wir haben auch schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß ^venn die Gegensätze nicht wären,') so würde die Lust (Genuß) nicht in die Erscheinung treten. Eine fortwährende Lust ohne vorhergehende Unlust wäre als Lust kaum wahrnehmbar. Auch das Gefühl der Seligkeit, das sich dem Menschen bei der Hasagahff kundgibt, geschieht nur durch das „Her und Hin". Wenn beim Menschen die Hasagah abnimnit und der Mensch in die Gegensätzlichkeit verfällt, so besteht die Hilfe in dom einfachen Glauben, ohne jedes Klügeln und Suchen nach Gründen. Nur durch die Kraft des Glaubens, die die Berge zerschellt und den härtesten Fels zerstäubt, liegt Heil. . ') Vergleiche mit der Lehre über diese Materie. « -) Des. des Hasagah. Die Definition der Begriffe Hasagah usw. im Buche aussührbar. „HELDOLANA“ ®»®®* j»1 Eine neue erprobte Methode, den Gesichtsteint rein zu erhalten, alle Hautunreinigkeiten zu beseitigen und der Haut jenen reizenden, verführerischen Hauch zu verleihen. Man benetze Gesicht Hände, Hals und Körper mit Wasser, bestreiche dann mit einer Schichte „HELDOLANA“ und wasche die Haut nach einer Weile ab. Bald wird man von dem frischen, blühenden Aussehen überrascht sein. Selbst Runzeln und Falten verschwinden nach dieser Prozedur und von Sommersprossen, Wimmerln und sonstigen Hautunreinigkeiten bleibt keine Spur. Erhältlich in Parfümerien, Drogerien und Apotheken. Hauptdepot: _ Kampei, Wien. IX., Nußdorferstraße 4. ESOGOKOKO Telephon 14.466. $ G Tna Onhlooinn'oiia Bnnhhrmrtlnnnr Wien, I., Seitenstettengasse 5 empfiehlt ihr reichhaltiges Sortiment in: Talmud-, Decisoren- und rabbiniselier Literatur, Bibelu. Kommentarwerke, ueuliebräisehe u. .jüdische Belletristik, liebräiselie Lehrbücher u. 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