Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 25 (8.8.1918)
- Date
- 1918-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Np. 25. Wien, 8. August 1918. ilf. Jahrgang. 8um 17. August. Die Feinde der Monarchie haben in letzter Zeit eine rücksichtslose Hetzkampagne gegen das österreichische Kaiserhaus, gegen das Herrscherpaar in Szene gesetzt. Gerüchte wurden verbreitet, die an Absurdität nichts zu wünschen übrig ließen, die aber darauf berechnet waren, zwischen dem Herrscherpaare und den Völkern einen Keil des Mißtrauens zu schieben. Im ersten Momente stand man vor einer unerklärlichen Erscheinung. Was soll damit beabsichtigt werden und welche Ziele werden mit dieser Taktik verfolgt? — Aber gar bald war es klar, wohin diese eigenartige Offensive zielt; nachdem alle Versuche, die Widerstandskraft der Monarchie zu erschüttern, mißlungen sind, nachdem die Monarchie sowohl den feindlichen Anstürmen an den Grenzen widerstanden hat, als auch inner-politisch und wirtschaftlich sich allen Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten zum Trotz behaupten konnte, verfiel man auf den teuflischen Plan, das Habsburgerreich an seiner Wurzel anzugreifen: man weis es im feindlichen Lager ganz genau, daß inpiiiOT archie ist, daß die glorreichen österreichischen Herrscher das Reich trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten von Erfolg zu Erfolg geführt, groß und mächtig, daß die innerpolitischen Differenzen, die in einem Nationalitätenstaat fast unvermeidlich sind, an den Stufen des Thrones stets Halt gemacht haben. Deswegen verlegte man sich darauf, an dieser Stelle die Hebel anzusetzen, um den Staat aus den Angeln heben zu können. Diese Pläne sind kläglich gescheitert. Die Liebe und Verehrung, die jeder Oesterreicher und Ungar dem Herrscherhause und dem Herrscherpaare entgegenbringen, konnten sich nur noch in erhöhtem Maße äußern, in begeisterter Form zum Ausdruck gelangen. Dte Feinde haben gerade das Gegenteil dessen erreicht, was sie in ihrem Wahnwitze angestrebt haben. „Me'aujwai techakmenu!" Von den Feinden soll man lernen! Die Taktik der Feinde konnte den Völkern erst recht die große Bedeutung der glorreichen Dynastie vor Augen führen, der das Reich seinem Bestand, seine Größe und sein Glück verdankt. „Lehrt mich der Freund, was ich kann, so lehrt mich der Feind, was ich soll!" — Die Hetzkampagne, die die Feinde gegen unseren allverehrten und allgeliebten Kaiser in Szene gesetzt haben, muß uns nur dazu anspornen, unserer Anhänglichkeit znm Throne bei jeder Gelegenheit erhöhten Ausdruck zu geben. Man soll es tm Lager der Feinde hören und verstehen: Zu tief ist die Liebe zur Dynastie in den Herzen der österreichisch-ungarischen Völker verankert, als daß derartige absurde Machinationen da etwas zu ändern vermögen. Oesterreich-Ungarn und das Kaiserhaus bilden eine unzerreißbare Einheit. Die Feinde trösteten sich wohl einige Zeit mit dem Gedanken, daß die Tage der Monarchie gezählt sind. Der greise Monarch, weiland Kaiser Franz Joses — so sagten sie sich — hält noch das Reich zusammen. Nach seinem Hinscheiden dürfte alles auseinandergehen. Gar bald mußten sie zu ihrem Schrecken wahrnehmen, daß diese Hoffnung ein eitler Wahn war. Die unbegrenzte Liebe und Verehrung, die die Völker der Monarchie dem Kaiser Franz Josef entgegcnbrachten, sie werden auch seinem jungen Nachfolger in demselben Ausmaße entgegengebracht, der es verstanden, sich die Herzen seiner Völker im Fluge zu erobern und der sich ob seiner aufrichtigen und eifrigen Bestrebungen, der Welt den Frieden wiederzugeben, die höchste Popularität erwarb, dem das lebhafteste Interesse für alle Wünsche und Bedürfnisse des Volkes den Ehrentitel „Volkskaiser" verschafften. Die bittere Enttäuschung, die die Feinde nach dieser Richtung erlebten, veranlaßte,sie zu ihrem letzten Versuche -- trttrfte.' - - --- -- - ' Der 17. August, der Geburtstag unteres geliebten Kaisers, wird den Völkern der Monarchie wieder die Gelegenheit geben, ihren patriotischen Gefühlen freien Laus zu lassen itnd ihre Anhänglichkeit und Treue zur Dynastie begeistert zu manifestieren. Mitten im Ernst des fünften Kriegsjahres wird dieser Tag allen Völkern Oesterreich-Ungarns ein Fest- und Freudentag sein. Wie alljährlich, werden sie sich in ihren Gotteshäusern versammeln, um inbrünstige Gebete für das Glück und Wohlergehen des geliebten Kaisers und der glorreichen Dynastie zu verrichten. Ihr Gebet wird sich in dem Wunsch konzentrieren, daß es dem jungen Herrscher gar bald beschickten sein möge, seinen Völkern einen ehrenvollen und dauernden Frieden zu verschaffen, der es ermöglichen wird, all die Tatkraft, die Energieentsaltung und den Eifer, die bislang in den Dienst des Krieges verbraucht werden, in den Dienst der friedlichen Arbeit für das allgemeine Wohl zu stellen. Gott erhalte, Gott beglücke unseren Kaiser, unser Reich! Amen. Religiöses Leben in Palästina i. Die jüdische Sache in Palästina hat in letzterer Zeit nach zwei Richtungen wesentliche Fortschritte auszuweisen. Einerseits lassen die Verhandlungen, die diesbezüglich in Konstantinopel geführt werden, ein gutes und reales Resultat erhoffen. Es handelt sich hiebei keineswegs um jene nebulösen und deswegen unwahrhastigen Versprechungen, die seitens der Entente gemacht werden und die nur Leichtsinn und Naivität halbwegs ernst nehmen können, sondern um Zusicherungen von maßgebender türkischer Seite unter Förderung seitens der Mittelmächte, die, einmal entsprechend formuliert, sicherlich durchgefnhrt und eingehalten werden würden. Anderseits ist das große Interesse, das seitens der glanbenstreuen Judenschast derPalästinafrage gewidmet wird, ein gutes Omen und eine erfreuliche Erscheinung. Die jüdische Sache in Palästina hört damit aus, eine Parteiangelegenheit zu sein, es schwindet aber auch die Gefahr, daß der neue jüdische Jischub in Palästina solche Formen annähme, die jedem guten Juden die Mitarbeit verleiden müßte. Neben dem Interesse und der selbständigen Aktion, die seitens der glaubenstreuen Judenheit in den Staaten der Mittelmächte der Palästinasache gewidmet und eingeleitet wurde, kommen auch aus den anderen Ländern Meldungen über ähnliche Erscheinungen. Die Orthodoxie in Polen rüstet sich zu einer großen Palästinaaktion, in Rußland und in der Ukraine machen sich ähnliche kommt die Nachricht, daß der Rabbiner Kük von Jaffa, den die Zionisten seit einiger Zeit für sich reklamierten, eine spezielle orthodoxe Organisation für Palästina ins Leben zu rufen für richtig fand, da er zu der zionistischen Organisation hinsichtlich der religiösen Frage kein Vertrauen habe und nicht einmal mit den „Misrachisten" zusammenzugehen für möglich hält. Man sollte eigentlich annehmen, daß man in den zionistischen Kreisen diese Erscheinungen mit großer Freude begrüßen müßte. Je stärkere Wurzel der Palästinagedankc im jüdischen Volke saßt und je weitere Kreise die Bewegung um sich zieht, desto günstiger müßten ja die Aussichten der Sache sein. Es will ja kein Mensch das Verdienst der Zionisten schmälern, daß sie es waren, die den Gedanken, in Palästina ein großes jüdisches Zentrum zu schaffen, energisch vertreten und vieles zur Popularisierung desselben beigetragen haben. Da nun die Sache derartige Fortschritte zu machen im Begriffe ist, sollte es sie nur freuen. Haben sie sich übrigens doch selbst sehr stark bemüht, die glaubenstreue Judenschast dafür zu gewinnen, und pflegten sie doch diejenigen, die bisher abseits standen, mit den heftigsten Vorwürfen zu überschütten. Merkwürdigerweise aber scheint die neue Wendung der Dinge gewissen zionistischen Kreisen nicht ganz angenehm zu sein, sie lassen Aeußerungen fallen, die darauf schließen lassen, daß sie gewissermaßen die „Konkurrenz" fürchten, und ganz besonders scheint ihnen der Standpunkt der Orthodoxie, daß das religiöse Moment im jüdischen Leben