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Jüdische Korrespondenz · 1918-07-11 · 23 (11.7.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
23 (11.7.1918)
Date
1918-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 durch fein gefälliges Aeußeres sich von der der weniger geübten Partei unterschied. Sie war dünn und zart und nahm nur wenig Raum ein (Joma 37b). Neben Raumersparnis lag das Ersparen von Zeit in dem Bestreben des Sofers- Zu diesem Behufs bedienten sie sich kondintionell gewordener und daher von jedem auflösbarer Abkürzungen (Abbreviaturen). Die abkürzende Schreibweise hieß „Nutrekon" oder „Simanioth". (Schluß folgt.) Im Lliichtlingszug. Die Abreise der galizischen Flüchtlinge aus Wie«. Vor kurzem hat das östliche Kriegsgebiet zu bestehen aufgehört. Und die beiden Ströme der Heimkehrer und der von Wien abgehenden Kriegsslüchtlinge kreuzen sich jetzt ununterbrochen. Im Nordbahnhofe in Wien hat der Masiensernverkehr der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina begonnen. Tausende haben schon seit einigen Wochen Wien verlassen und neue Tausende werden noch im Verlaufe des Sommers folgen. Im Frachtenbahnhof nächst dem Magazin IX nimmt jeden Montag früh der große Flüchtlingszug Aufstellung. Er besteht aus 50 bis 60 Frachtenwaggons, die, Zunächst noch ganz leer, der Passagiere harren. Die Waggons sind mit weithin sichtbaren Nummern versehen, die eine gewisse Bedeutung haben. Wie einst beim Reiseverkehr unter glücklicheren 'Verhältnissen, wird die Heimkehr im „Flüchtlingszug" durch Billete im „Vorverkauf" geregelt. Das oarf nicht dahin aufgefaßt werden, als ob die Heimreise bezahlt zu werden brauchte. Aber sie muß vorher angemeldet werden. Ein Familienmitglied begibt sich einige Tage vorher zum diensthabenden Beamten und gibt den Wunsch bekannt, an dem und dom Tage abzureisen, woraus «ine Anweisung auf Plätze im Güterwaggon ausgefolgt wird. Nummer Soundsoviel. Ungefähr 1000 Personen samt Gepäck nimmt der Zug auf. In Güterwaggons? Es wäre ein Irrtum, würde man daraus schließen, daß es an Rücksicht für die Heimkehrenden fehlt. Diese Art der Heimreise ist ihnen vielmehr am willkommensten. Sie gibt ihnen nämlich die Möglichkeit, ihre gesamten Habseligkeiten taxfrei in die Heimat zu befördern, ohne tze dem unsicheren Schicksal des Bahnsrachtgutes überantworten zu müssen. Abends soll der Riesenzug abgehen. Schon am frühen Morgen beginnt sich der Bahnhof zu beleben. Die ersten Reisenden treffen ein. Es sind Einzelreisende, aber auch vielköpfige Familien, Männer, Frauen und Kinder. Eine große Zahl Slreifwagen, auf denen die Flüchtlinge inmitten ihres Gepäcks sitzen, passiert das Gittertor des Viadukts hinter dem Praterstern, selbst auch auf Handwagen sind Wohnungseinrichtungen gepackt. Knapp vor dem Geleise wird Aufstellung genommen und mit Hilfe von Trägern zunächst das Gepäck, zumeist einfacher, von Trödlern in Wien zusammenqekaufter Hausrat, in die zugewiesenen Waggons verstaut. Drei Familien sollen eigentlich in jedem Waggon Platz finden. Aber die jedem Bahnreisenden eigene Neigung, möglichst ein Coupe für sich zu belegen, macht sich auch bei diesem armseligen Frachtenzug genau so bemerkbar, wie beim Publikum des ,jl)-Zuges", der elegante Schlafabteile enthält. Manchmal gelingt es, um möglichst „bequem" und „ungestört" zu sein, einen solchen Waggon mit „höchstens" einer zweiten Familie gemeinsam zu erobern. Zwischen Stühlen und Kasten, in Winkeln und Ecken kauern die Kinder, ein wackliger Tisch in der Mitte stellt den geselligen Zentralpunkt während der langen Reise'dar. Man nährt sich von mitgebrachten Eßwaren. Manche verfügen sogar über einen Spirituskocher, der der Bereitung von Tee, Suppe und dergleichen für die Insassen dient. Tagsüber füllt sich der Zug immer mehr und mehr. Die Flüchtlinge versuchen, ihren Frachtenwaggon wohnlich zu gestalten. Licht und Lust finden Zutritt durch die offene Tür, die bei Regenwetter geschlossen werden kann. In den Nachmittagstunden ist der Zug meist schon komplett, aber auch'das letzte Plätzchen im letzten Waggon wird besetzt. Von der Erlaubnis, zusammen mit dem Gepäck zu reisen, wird um so eher Gebrauch gemacht, als damit auch eine Vereinfachung der Ankunft im Heimatsort verbunden ist. Der Zug hält von der galizischen Grenze ab in jeder Station. Der betreffende Waggon wird entladen, die Flüchtlinge führen ihre Habe entweder direkt in die Stadt oder sie benützen Flügelbahnen und Wagen zu den abseits liegenden Orten. Die leeren Waggons werden ausgcschieden und der Zug fährt weiter nach Osten, imnrer mehr Waggons zurücklassend, bis in die fernsten ostgalizischen und Bukowinaer Stationen. Und wenn auf offener Strecke der Abend hereinbricht, stimmern Lichter in den Gütcrwaggons auf. Pctroleumlümpchen oder Kerzen, manchmal in sonverbar geformten uralten Leuchtern. Und um den Tisch in dem Frachtenwaggon sitzen die Familien, die nach Jahren wieder der Heimat zustrebcn. Draußen breitet sich die Nacht über den endlosen weißen Feldern, drinnen sind die Kinder, von den Müttern in unruhigem Schlaf gewiegt. Die Erwachsenen gehen noch ruhelos in dem Verschlage auf und ab, der „für 40 Mann oder für sechs Pferde" bestimmt ist. Sie denken an die Jahre, die sie in der Kemde verbrachten, an gute und an böse Tage. Mancher har es verstanden, findig und rücksichtslos Geld und Gut zu erwerben — er fährt nicht in diesem Zuge. Die Armut in diesen Waggons, die arm geblieben ist, hofft und fürchtet: Wie werden wir die alte Heimstätte finden? . .. Besteht sie oder hat sie der Krieg zerstört . . . Oest. V—g. Das amerikanische Judentum in Ziffern. Das neuerschienene jüdisch-amerikanische „Jear Book" für das Jahr 5678 bringt eine Anzahl neuer statistischer Daten und Mitteilungen, denen wir hier einige neue Angaben von allgemeiner Bedeutung entnehmen. Die Zahl der Juden in den nordamerikanischen Vereinigten Staaten erreichte im Jahre 1917 3,012.141 und macht drei Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die bedeutendste jüdische Gemeinde der Vereinigten Staaten, New Aork, zählt bereits 1,«350.000 Juden. Nach New Aork kommen Chicago mit 250.000 und Philadelphia mit 175.000 Juden. Es folgen Cleveland und Boston mit je 75.000, Baltimore, Newark und St. Louis mit je 50.000 Juden und 23 Gemeinden mit einer jüdischen Bevölkerung von 10—50.000 Seelen. Von besonderem Interesse als Kennzeichen für die Intensität des jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten sind die Daten über die jüdische Preise. Im Jahre 1916 erschienen in den Vereinigten Staaten folgende jüdische Zeitungen und Zeitschriften: In englischer Sprache: 35 Wochenschriften, 2 Zwe, Wochenschriften, 38 Monatsschriften, 8 Viertcljahrschriften; in jidischer Sprache: 10 Tageszeitungen, 19 Wochenschriften, 4 Monatsschriften', m spanivlischer Sprache: 4 Wochenschriften, 1 Zweiwochenschrifl; in hebräischer Sprache: 2 Wochenschriften; in deutscher Sprache: 1 Monatsschrift. Insgesamt 123 jüdische Zeitungen und Zeitschriften. Von den 10 jüdischen Tagcszeilungen erscheinen 5 in New Aork und haben allein eine Auflage von 880.000' Exemplaren. Dabei beziehen sich die Ziffern auf das Jahr 1916, also eine Zeit, während der es fast keine Einwanderung aus den Heimatländern gab und der Absatz aus das bereits angesiedelte Judentum allein angewiesen war. Im Verlaufe des ganzen Jahres 1915/16 gab es nur 15.108 Immigranten, während im letzten Friedensjahre die Zahl der jüdischen Einwanderer nach den Bereinigten Staaten 138.051 betrug. Geschichten vom Rabbi Wolf. (Gesammelt von Chaim Bloch, Delatyn.) Rabbi Wolf von Zbaraz, ein berühmrer Chassidimführer. zeichnete sich besonders durch seine Einfältigkeit aus. Die chasfidijche Ueberlieferung weiß von diesem eine große Anzahl ungeniein hübscher Geschichten zu erzählen. Einige lasse ich hier folgen. 1. Der Rabbi als Pferdehüter. Rabbi Wolf von Zbaraz fuhr einmal nach einem benachbarten Dorf, um eine Beschneidung vorzunehmen. Es war ein furchtbarer kalter Dezembertag, doch er konnte dem armen Dorfmann seine Bitte nicht entsagen. Und da die Leute von den nahen Orten hörten, der Rabbi sei gekommen, kamen sie alle in das Dort, wo sie zu Ehren des Rabbi eine große Tafel veranstalteten. Als der Rabbi nach der Mahlzeit seine Tischrede beende! hatte, überkam ihn der Gedanke, daß sei» Fuhrmann draußen in der Kälte stehe. Er schlich sich daher unauffällig hinaus und sprach zum Fuhrmann : „Mein Sohn, gehe in die Stube, erwärme dich eine Weile, da es dir kalt ist." Der Fuhrmann erwiderte: „Wie mochte ich Wagen und Pferde allein zurücklassen?" Doch der Rabbi ließ nicht von ihm, sondern sprach: „Ich bleibe bei Pferde und Wagen bis du dich erwärmt hast und wieder herauskommst." Der Manu gehorchte, und da er schon im Zimmer war, hatte er mehr keine Eile, wieder in den garstigen Frost hinauszukommen. Indessen warteten die Chasndim, bis es ihnen auffiel, daß der Rabbi, ohne das Tischgebet gesprochen zu haben, verschwunden sei, und 'als sie hinausgingen, um ihn zu suchen, fanden sie ihn, an allen Gliedern zitternd, um das Gespann hin und her wandeln. Sie fragten erstaunt: „Rabbi, was macht ihr hier?" Da sprach der Rabbi in seiner Einfältigkeit: „Ich ging hinaus, um den Fuhrmann in die Stube zu schicken, damit er sich ein wenig erwärme, daher verblieb ich, um Wagen und Pferde zu hüten." 2. Der Anwalt für die Waise. Die Gattin Rabbi Wolfs hatte einst einen heftigen Zank mit ihrem Dienstmädchen, und sie wollte dasselbe vor das Rabbinat laden. Als Rabbi Wolf sah, seine Gattin mache sich daran, fortzugchen, zog er schnell sein Oberklcid an, nahm den Stock und ging mit. Seine Gattin fragte ihn: „Wohin gehst du?" Er antwortete: „Ich muß zum Rabbinat gehen wegen deinen Streit mit dem Dienstmädel." Die Gattin wendete ein: „Es paßt nicht, daß du dich wegen so einen kleinen Betrag bemühen sollst, ich werde meine Sache selbst vertreten können." Der Rabbi erwiderte jedoch: „Glaubst du etwa, ich gebe, um für dich zu reden? Ich gehe um das Mädel zu verteidigen, sie sei eine Waise und es steht in der Heiligen Schrift: ,Jch dars die Streitsache meines Dieners nicht verschmähen?" 3. Die frommen Leute. Einst wurde das Haus Rabbi Wolfs von Nachtdieben überfallen und sie plünderten seine Armseligkeiten. Rabbi Wolf schlief nicht und sah ihrer Arbeit zu, wehrte sie aber nicht ab, stellte sich vielmehr schlafend, um die Diebe nicht zu beschämen. Im Herzen verzieh er ihnen das an ihm verübte Unrecht, als hätten sie sich nur ihr eigenes Gut genommen. Als er aber bemerkte, daß die Diebe auch einen Tiegel eingesottener Früchte, von welchen ein typhuskranker Hausgenosse aß, mitgenommen haben, überkam ihn die Angst: die Leute werden von der Krankheit angesteckt; er lief ihnen daher nach und schrie wie ein Verzweifelter: „Fromme Leute, Brüder, alles, was ihr euch genommen habt gehört euch, aber um Gotteswillen, genießt nicht von den eingesottencn Früchten, weil cs euch zum Unheil werden kann." 4. „Du sollst nicht gelüsten." Einst kam Rabbi Jizchak von Radziwillow nach Zbaraz, um seinen Bruder zu besuchen. Als die beiden Rabbis bei der Tafel saßen, gefiel Rabbi Jizchak, der ein sehr reicher Mann war, der hölzerne Weinpokal des Rabbi Wolf; er hielt ihn in der Hand und schaute sich solchen genau an. Als Rabbi Wolf dies bemerkte, sprach er: „Lieber Bruder, damit du das Gebot ,Du sollst nicht gelüsten' nicht übertretest, gib ich dir den Pokal als Geschenk." Neue Löcher. „Korosz Boten«." Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Siamra (Stampfen, Ungarn), zuvörderst die Lebensbeschreibung deren Rabbiner, Gelehrten und hervorragenden Männer, deren Wirksamkeit, Lehrtätigkeit, 'Geistesprodukte und Grabsteininschriften, von Rab. M. S. «Herzog, Stomfa, 5678, 160 Seiten. 8". Selbstverlag des Verfaffers. Preis K 10—. — Der ehrwürdige Verfasser bittet uns die Biographien der einstigen Rabbiner, Gelehrten und sonstigen hervorragenden Männer seiner altehrwürdigen Gemeinde in lichtvoller, klarer Darstellung und entsprechender Ausführung. Der sichtbare Fleiß, den der gelehrte Verfasser auswandte, um sich in die Lobensanschauung und die äußere Lebensgestalmng der

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