Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1918-05-30 · 19 (30.5.1918) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
19 (30.5.1918)
Date
1918-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3495278-3495381-3495398--0658-3521367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JOdische Korrespondenz Ganzjährig K 8, halbjährig K 4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Np. 19 Wien, 30. Mai 1918. IV. Jahrgang. Gest. - urig. Israelitcngemeinde Jerusalem Wien, im Siwan 5678. Die große Not, unter welcher unsere Glaubensbrüder im heiligen Lande speziell infolge der gegenwärtigen Kriegsereignisse zu leiden haben, ist unbeschreiblich. Ist es zu jeder Zeit heilige Pflicht eines jeden Juden, für die Existenz derjenigen, die trotz aller Schwierigkeiten im Lande unserer Väter und unserer Sehnsucht wohnen und ihr Leben in Tora und Awoda verbringen, zu sorgen, so ist diese Pflicht heute gebieterischer denn je. Wem das Wohl der Jischub-Erez-Jswel am Herzen liegt, wer ein Gefühl für die Slot unserer Brüder im heiligen Lande hat, der eile ihnen zu Hilfe. Rasche und ausgiebige Hilfe tut not. Landes fließen. Reicher als in gewöhnlichen Zeiten müssen -des herli-gen Hunger, Krankheit und Teuerung erfordern Riesensummen. DaS seit 70 Jahren in Wien bestehende Komitee für die öfterr. ungar. Gemeinde in Palästina, das einen Teil der eingehenden Spenden an die westgalizische Gemeinde abgibt, mußte infolge Hinscheidens des Herrn Bernhard Schiff, der durch 40 Jahre die Sammlungen mit Eifer und Hingebung leitete und verwaltete, sich neu konstituieren. Es besteht aus Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fürst, Rabbinatasses. Josef Baumgarten, den Herren Ignaz Back, Wolf Pappenheim und Nathan Schiff und geht nun daran, seiner Tätigkeit eine breite Basis zu geben. Es ist in Aussicht genommen, nach dem Kriege, da in Erez Jisroel sich neue Arbcitsmöglichkeiten eröffnen dürften, auch die Förderung des Jischub in religösem Geiste in das Tätigkeitsprogramm des Komitees einzubeziehen. Wer dem Komitee die Mittel zur Erreichung seiner Ziele zur Verfügung stellt, erfüllt somit eine doppelte Mizwah. Spenden werden an die Iirma A. Schiff & Söhne, Wien, I. Wentorgaffe 5, erbeten, wo auch Erlagscheine z« haben sind. Voksparltalleniionto 1694. Inhaber von Sammelbüchsen werden gebeten, anzuzeigen, wann sie die Abholung derselben wünschen. Das Komitee. Zeichnet die VIII. österreichische Kriegsanleihe 1 Dieser Ruf ist heute die Parole dcS Tages und er sollte nirgends nngehört verhallen. Die VIII. österreichische Kriegsanleihe, deren Prospekt wir in unserer heutigen Nummer veröffentlichen, ist nicht bloß finanziell eine überaus günstige Finanztransaktion, eine ausgezeichnete Gelegenheit zur .Kapitalsanlage, sondern auch in hohem Maße eine patriotische Aktion. Wer Kriegsanleihe zeichnet, bringt finanziell gar kein Opfer, aber er leistet dennoch dem Baterlande einen unschätzbaren Dienst und verbindet auf diesem Wege das Angenehme mit dem Nützlichen. Wer das rasche Ende des Krieges herbeiwünscht,. wer die Wiederkehr normaler Zeiten herbeisehnt, der zeichne Kriegsanleihe und versetze das tapfere Heer in die Möglichkeit, den Endsieg zu erringen. Der gegenwärtige Krieg ist ein Volkskrieg. Ganze Völker opfern sich, um ihre Kriegsziele zu erreichen. Es darf daher niemand zurückbleiben. Wem es nicht gegeben ist, mit W«äffe Tn Mr -Hand M'ffie-dicheihüt > - und die Zukunft des Vaterlandes zu kämpfen, der soll die „silbernen Kugeln" zum Kampfe beisteuern. Wer nicht sein Blut hergeben kann, soll sein Gut denjenigen zur Verfügung stellen, die ihre Haut zu Markte tragen und für seine Zukunft und Ruhe ihr Leben ein- Der bisherige Kriegsverlauf hat die finanzielle Kraft der Monarchie evident dokumentiert. Die Kriegsanleihe-Titres bieten die größte finanzielle Sicherheit und es kann auch nicht der geringste Zweifel ob lihrer Bonität aufkommen. Die gewaltigen Kräfte und Energien, die es verstanden haben, die Integrität des Vaterlandes gegen eine Ueberzahl von Feinden zu schützen, sie werden es auch verstehen, die wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen der Monarchie vor jeder Erschütterung zu bewahren. Wer somit die Möglichkeit hierzu besitzt, der zögere keinen Moment und zeichne auf die VIII. österreichische Kriegsanleihe. Zeichnet Kriegsanleihe! ist heute die Parole des Tages. Sie soll überall das lebhafteste Echo finden! England und Palästina. Zürich, 18. Mai. Wenn es noch eines Beweises für die Absichten, die die englische Politik in der Palästinaftage verfolgt, bedurft hätte, so ist dieser Beweis jetzt, — direkt oder indirekt, dies möge momentan nicht näher untersucht werden, — erbracht worden. Vor kurzem erschien hier eine Broschüre unter dem Titel „Vor der Gründung des Judenstaatcs", als deren Autor Herr Dr. Lazar Felix Pinkus zeichnet. Wir wollen dem Autor, der unter den Schweizer Zionisten eine gewisse Rolle spielt, persönlich nicht im geringsten nahe treten. Aber gesagt mag es sein: krasser und ungeschminkter hätte selbst eine vom berüchtigten Propagandaminister Lord Northcliffe bestellte Arbeit für die einseitig englischen Aspirationen im heiligen Laude nicht eintrcten können. 8upienti sut . . . Der Grundwn der Broschüre, die im allgemeinen die Entwicklung der Palästinafrage vor und während der KriegSzcit ziemlich tendenziös darstellt, ist durch zwei Biomente gekennzeichnet. Einerseits werden gegen die Leitung der zionistischen Organisation, die sich bekanntlich in Berlin befindet, die heftigsten Vonvürse darüber erhoben, daß diese bei Kriegsausbruch nicht nach einem neutralen Lande übertragen wurde, wodurch die eigentlich gebotene Neutralität der Bewegung gesichert worden wäre. Anderseits wird dafür^cingetreten u. zw. mit einem einer besseren Sache würdigen Eifer, daß Palästina beileibe nicht "Mvw"Trmrrntffiert dem Schutze aller Großmächte gestellt werde, sondern ganz und restlos unter englische Herrschaft gelangen sollte. Die Herren Marburg, Klee und Hantke, die deutscheuMitglieder des engeren zionistischen Aktionskomitees/ kommen in der Broschüre sehr schlecht weg. Ihnen wird ganz offen der Vorwurf gemacht, sie hätten die Neutralität der Bewegung verletzt und dieselbe quasi in den Dienst der Mittelmächte (?i gestellt. Besonders scharf geht es gegen Hantke zu. Es ist nun nicht unsere Sache, für die Berliner Herren eine Lanze cinzulcgen. Aber charakteristisch ist folgender Umstand: Während man ihnen gegenüber den schweren Vorwurf erhebt, die Neutralität der Bewegung nicht genügend geivahrt zu haben, wird ihr Äktionskomitee-Kollege Sokot> w geradezu verhimmelt ob seiner Taktik, die Bewegung ganz sans gdne in den Dienst der Entente gestellt zu haben. Was dem einen recht sei, sollte eigentlich auch dem anderen billig erscheinen. Aber da kommt eben der Pferdefuß der englischen Northcliffe-Logik zum Vorschein: für die Entente einzutreten, — na Bauer, das ist doch etwas anderes. Was die Engländer von den Griechen rc. verlangt und erpreßt haben, nur zum Gunsten der Entente „neutral" zu sein, das darf man denn doch auch von den Zionisten fordern. . . Noch merkwürdiger erscheint das Bemühen des Autors, sich für die englischen Bestrebungen in Palästina zu exponieren. Daß das heilige Land beileibe nicht unter türkischer terrschaft bleiben darf, selbst im Falle der ewährung eines Charters, das gilt als aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.