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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-02 · 15 (2.5.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
15 (2.5.1918)
Date
1918-05-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 aß stets Brot vor ihm (Merodach, König von Babylon) alle Tage seines Lebens. Und diese Erlaubnis mar ihm als dauernde Erlaubnis gegeben, und cs stand ihm für jeden Tag eine bestimmte Ration zu." (Friedensweissagungen.) Die große Friedenssehnsucht, die alle Herzen beseelt, hat selbst nüchterne Köpfe verleitet, an Hand von Aussprüchen bedeutender Männer oder Bibeltexten das Ende des Krieges auszurechnen. Zu einer solchen Zahlenspielerei, die sich auf den Frieden im Osten bezog, bot auch das Buch Daniel, in dem bekanntlich viel vom Kriege die Rede ist. einem Bibelkundigen Veranlassung. Das 12. Kapitel beginnt: „Zur selbigen Zeit wird der große Fürst Michael, der für die Kinder deines Volkes stehet, sich aufmachen. Denn es wird eine solche trübselige Zeit sein, als sie nicht gewesen ist, seit Leute gewesen sind bis aus dieselbige Zeit." Und auf die Frage: „Wann will es denn ein Ende sein mit solchen Wundern?" antwortet Vers 11 und 12: „Und von der Zeit an, wenn das tägliche Opfer abgetan und ein Greuel der Verwüstung aufgerichtet wird, sind 1290 Tage. Wohl dem, der da wartet und erreicht 1335 Tage!" Run waren beim Friedensfchlusse mit der Ukraine genau 1290 Tage seit der ersten Kriegserklärung vergangen, und manche hofften schon, daß 45 Tage später, also am 17. März 1918, der allgemeine Friede eintreten werde. Das geschah nun zwar nicht, aber am 18. März ward uns die Kunde, daß am 16. März der Friede von Rußland ratifiziert worden sei. Also hier ist der Bibelspruch fast auf den Tag richtig ausgelegt. Generalversammlung des Lilfsverelns der Deutschen Juden. Aus Berlin wird geschrieben: Sonntag fand in der Gesellschaft der Freunds zu Berlin die zahlreich besuchte Generalversammlung des Hilfsvereius der Deutschen Juden statt. Dr. James Simon cröfsnete die Versammlung und gab eine Uebersicht über die umfangreiche Tätigkeit, die der Hilfsverein der Deutschen Juden auch Um abgelaufenen Kriegsjahr auszuüben hatte. Nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen nahm Dr. Nathan das Wort zu einer ausführlichen Darlegung der Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden aus den einzelnen Gebieten. Er führte aus: In den besetzten Gebieten wurde das Hilfswerk für annähernd zweieinhalb Millionen Juden von dem selbständigen „Jüdischen Hilfskomitee sür Polen und Litauen zur Verwaltung amerikanischer Unterstützungsqelder" durchgeführt. Aus den amerikanischen Unterstützungsgeldern sind seit Anfang des Krieges bis zum Ausbruch des Krieges mit den Vereinigten Staaten von Amerika durch das deutsche Komitee verausgabt worden 12,488.671-22 Mark. Davon gelangten nach Polen 7,404.408'38 Mark, nach Litauen 5,054.268-84 Mark. Daneben ist der Hilfsverein mit eigenen Mitteln eingetreten. Es wurden überall Volksküchen und ähnliche Einrichtungen geschaffen. Zur Zeit bestehen in den besetzten Gebieten etwa 600 Volksküchen, Abgabestellen für Naturalien, Teehallen, Schulspeiseanstalten, die von mehr als 400.000 Personen in Anspruch genommen werden. Besondere Fürsorge wurde sodann den in Deutschland befindlichen jüdnchen Arbeitern aus den besetzten Gebieten und den Arbeitern in diesen Gebieten selbst zugewandt. Gemeinsam mit der Großloge für Deutschland und dem Frankfurter Hilfskomitee führte der Hilts- ,verein der Deutschen Juden ein umfassendes Hussäverk im Orient vom zweiten Kriegsjahr an durch. Das Hilfswerk erforderte seit 1815 einen Kostenaufwand von weit über drei Viertel Millionen Mark. Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina wie der europäischen Türkei, in Konstantinopel hat trotz mannigfacher Schwierigkeiten, mit denen es jetzt naturgemäß zu kämpfen hat, einen sehr guten Fortgang genommen Der Hilfsvercin hat auf Grund der ihm bisher zugekommenen Mitteilungen die Beruhigung, daß das palästinische Schulwerk intakt geblieben und in Betrieb ist. Es ist dem Hilfsverein auch möglich, durch das einsichtige Entgegenkommen der zuständigen deutschen Behörden die nötigen Geldmittel zur Aufrechterhaltung des Schulwerkes nach Jerusalem zu überweisen. Die Aufwendungen für das Schulwerk im Orient betrugen im Jahre 1917 über eine halbe Million Mark, für Schul- und Hilfswerk zusammen annähernd eine Million Mark. Insbesondere sind während des Krieges allein durch Vermittlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden an 30 Millionen Mark zur Linderung des Elends der Juden im Osten und im Orient für Schul- und Hilfswerk verausgabt worden. Line unerhörte Zchandtat. Aus Zürich wird gemeldet: Bor kurzem wurden in einem hiesigen jüdischen Betlokal in Zürich 3 die Kultusgegcnstände in skandalöser Weise zerstört aufgefunden. Unter anderen eine alte Thorarolle zerrissen und in gröblichster Weise geschändet. Zwei Burschen des Quartiers sind unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet worden. Die vom Bezirksanwalt Otto Heußer mit aller Energie durchgeführtc Untersuchung hat in kurzer Zeit so viel belastendes Material zutage gefördert, daß sich einer der Verhafteten nunmehr zu einem Geständnis bequemt hat. Nach seiner Aussage begingen sie die Tat aus Haß gegen die Juden. Immerhin gibt er an, daß er und sein Helfershelfer keine Ahnung gehabt hätten, daß sie sich dadurch einer so schweren Störung des Religionsfriedens schuldig machen würden. Der materielle Schaden wird auf etwa 10.000 Fr. geschützt. — Getreu den rabbinischeu Vorschriften wurde zur Sühnung dieses Sacrilegs sür Montag, den 18. April ein Bet- und Fasttag ausgeschrieben, wobei jene, die nicht fasten konnten, „Koier Nefesch" geben sollten. Um 10 Uhr versammelte sich dort eine nach Tausenden zählende Menge von Ostjuden, von denen eine große Zahl tatsächlich fastete, während die vielen anderen die Geldbeträge für die Köpfe ihrer Familie brachten. Nachdem man das vorgeschricbene Wajchal geleint hatte, hielt zuerst der als Gast anwesende Rabbiner Slonim aus Jaffa eine Rede, worauf Herr Rechtsanwalt Dr. M. W. Rapaport durch seine zündende Ansprache alle Anwesenden ausnahmslos zum Weinen rührte, es war ein Schluchzen wie an einem Chorban — wie es tatsächlich auch ein Chorban-Hakodesch war. Alsdann trugen vier ehrwürdige Greise den ertra verfertigten kleinen Thoraschrein, der die in irdenem Geschirr beigesetzten Thorarollen enthielt, heraus. Tausende gaben das Geleite und noch mehrere Hunderte gingen zu Fuß bis auf den sehr fernab liegenden Friedhof in Albisrieden, wobei selbstverständlich der Thoraschrein fortwährend getragen wurde. Auf dem Friedhofe wurden noch Trauerreden vorgetragen, dann fielen die Schollen auf ein Grab, das mehr als einen toten Menschenkörper enthielt. Geschichten vom „Jeher". Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. 4. Der leuchtende Name. Die Chassidim von Tomaszuw reisten einmal nach Lublin, um mit dem „Seher" eine wichtige Sache zu beraten. Da sie in Lublin eingetroffen und sich zum Empfang heim Rabbi bereit machten, trat an sie der Fuhrmann mit der Bitte heran, auch seinen „Zettel" dem Rabbi zu übergeben. Als der „Seher" den Zettel las, sprach er: ,,O, der Name leuchtet sehr!" Er fragte die Chassidim, was der Mann sei; doch in ihrem Befremden, daß der Rabbi über einen so einfachen Mann ein solches Wort äußerte, vermochten sie keine Antwort zu geben. Der Rabbi bemerkte ihr Befremden und sagte: „Vielleicht nur augenblicklich". Als die Chassidim das Gemach des „Sehers" verließen, beschlossen sie, den Mann aufzusuchen, denn sie begriffen, daß die Worte des Rabbi nicht ohne Bedeutung seien. Sie zerstreuten sich daher nach allen Gaffen der Stadt, und nach langem Suchen fanden sie den Mann endlich auf einer Hochzeit, wie ein naher Verwandter des Brautpaares, tanzend und lustig. Die Leute fragten ihn: „Was bedeutet diese Freude?" Und er erzählte ihnen in seiner Schlichtheit: Ich langweilte mich im Gasthaus und ging daher in die Stadt. Und da kam ich am Vorabend in eine Gasse hinein, hörte aus einem Hause eine Musikkapelle und erfuhr bald, daß hier die Hochzeit eines Waisenpaares gefeiert wird. Ich ging hinein, um mich eine Weile dort an der schönen Musik zu unterhalten. Plötzlich hörte die Musik auf zu spielen und es entstand ein heftiger Streit zwischen den Verwandten des Bräutigams und der der Braut, weil für den Bräutigam kein Gebetmantel gekauft wurde. Die Hochzeit ging schier auseinander, da die Braut kein Geld besaß, um den Gebetmantel zu kaufe». Um der tiefgckränkten Braut die Schande zu ersparen, daß sie von ihrem Bräutigam hinter dein Trauhimmel verlassen werde, erlegte ich den Betrag, welchen ich auf der Fahrt verdient habe und ließ einen Gebctmantel bringen. Diuit fühlte ich mich als der Hauptfaktor auf der Hochzeit und tanzte, um das Brautpaar freudig zu stimmen." Also erzählte der Führmann-, die Chassidim begriffen aber, warum sein Name in den Augen des „Sehers" geleuchtet hat. 5. Der „Eiserne Kopf" und der „Seher". Rabbi Usiel Huriviz, Rabbiner in Lublin, war wegen seines großen Scharfsinnes der „Eiserne Kops" benannt. Derselbe war ein eifriger Misnagid und ein dreister Widersacher des „Sehers". Immerfort bedrängte er ihn mit Einwänden und Fragen, die auf seine Person gerichtet waren. Einmal fragte er ihn: „Was ist das, daß sich zu Euch viele Leute ziehen, warum kommen sie nicht zu mir? Und Ihr werdet eingestehen, daß ich gelehrter und wissenskundiger bin als Ihr". Der „Scher" erwiderte bescheiden: „Glaubt mir, ich denke selber darüber nach, was die Leute zu mir zieht, da ich doch im Schrifttum so wenig Bescheid wisse; wer bin ich, von einer so großen Gemeinde als Führer gefeiert zu werden: warum gehen die Leute nicht zu dem „Eisernen Kopf", der mich a» Gelehrsamkeit hundertmal übertrifft Doch Eure jetzige Frage gab mir darüber -Aufschluß: sie kommen zu mir, weil es mich wundert, dast sie zu mir kommen; sie kommen aber nicht zu Euch, weil Ihr Euch wundert, daß sie zu Euch nichl kommen". Neue Sucher. „Oesterreichischcs Statistisches Handbuch" nebst einem Anhänge für die gemeinsamen Angelegenheiten der österreichisch-ungarischen Mona, chie, herausgegeben von der k. k. Statistischen Zcutralkommisston. >918. Wien, 1917, in Kommission bei Gerold. 380 S„ 17 4-—. — Eine unerschöpfliche Fundgrube wichtiger Angaben. Die hier meisl nebeneinander gestellten Ziffern für 1913, 1914 und 1918 gestatten lehrreiche Schlüsse auf die Wirkung des Krieges, manche Tabellen umfasien auch das Jahr 1916. Einige Beispiele: Kriegsscuchen in Oesterreich (Hinterland, einschließlich der dort befindlichen Militärversonen und Kriegsgefangenenl, die meisten Cholerafälle im August 1918. rund 4000 pro Woche, — im Jahre 1816 gibt es vom Jänner bis Dezember zusammen bloß 157 Cholerafällc, den überhaupt letzten Fall im Juli! Hochwichtig die Tabellen über die Preisentwicklung, wobei die Wirkung der Höchstpreise sichtbar wird. -rder Viehauflrieb ist im zweiten Semester 1914 und in den ersten Monaten 1918 größer als im Frieden, die Preise lassen zunächst ebenfalls nach, um dann langsam, schließlich sprungartig in die Höhe zu gehen und im Juli 1916 durchschnittlich das Fünffache des Friedenspreises zu erreichen. — Das Handbuch enthält auch interessante statistische Ziffern über die I u d e n in der Monarchie. „RuhmeStage der österreichisch-ungarische« Wehrmacht." 1914 17, Dokumente von Mitkämpfern, herausgeaeben vom k. u. k. Kriegsarchiv, redigiert von Oberst Alois Belize. Wien 1918, Manz. 64 S., K 1—. Das eben herausgekommene 3. Heft dieser glücklich erdachten Sammlung _ zeigt die 10. JTD. an der Wiskola, das Landsturmbataillon 162 bei ruhmreicher Arbeit im Dolomitengebiet, Dalmatiner Landsturm vor Durazzo, Znaimer Landsturm während der sechsten Jsonzoschlacht, Heldentaten der Bosnier usw.

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