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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-02 · 15 (2.5.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
15 (2.5.1918)
Date
1918-05-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jüdische mmspondcnz Bezugspreis: Ganzjährig K 8, halbjährig K 4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Mr. 15^Wien, 2. Mai 1918. IV. Jahrgang. Worte und Taten. An der Westfront tobt seit fünf Wochen der Kampf, ein Kampf, der selbst in der blutigen Geschichte dieses furchtbaren Völkerringens seinesgleichen sucht und der gewaltige Blutopfer erfordert. Ist es ohnehin bereits wiederholt klar erwiesen worden, daß die Entente es war, die dieses Blutvergießen herausbeschworen hat, so ist es noch klarer, daß das neueste Aufleben der Kämpfe einzig und allein der Schuld der Herren in Paris und London zuzuschreiben ist. Wie oft hatten sie die Gelegenheit, dem blutigen Ringen in Ehren ein Ende bereiten zu können; wie oft wurde ihnen die Friedenshand entgegengestreckt, wie oft wurden sie ausgefordert, in sich zu gehen und von der aussichtslosen Fortsetzung des Krieges Abstand zu nehmen. Allein, vergebens. An einem Wahnwitze sesthaltend, daß ihnen trotz aller gegenteiligen Erfahrungen der „Sieg" beschicken sein „muß", wollten sie vom Frieden nichts hören uw i'uw 'vB9'’wvn, »TO «gtW1 Ätsst Ihm- Kräfte pr opfern und das zu verteidigen, was ihnen niemand nehmen wollte. Sie mögen sich nun rühmen, daß es ihren Anstrengungen gelungen ist, den Vormarsch der Deutschen zumindest zeitweilig aufzuhalten; — sie hätten es ja dazu gar nicht kommen lassen müssen. Seit dem denkwürdigen 12. Dezember 1916 hatten sie wiederholt die Gelegenheit, die allenfalls verlorene Partie abzuschließen. Sie wollten es nicht und heute müssen sie ihre ganze Kraft daran setzen, die ernste Gefahr zu bannen, die ihnen droht, was aber wahrscheinlich höchstens nur eine ausschiebcnde Wirkung haben kann. Das Schicksal dieses Kriegsbundes ist längst entschieden. Daß diese Kriegshetzer und Kriegsverlängerer trotz allem noch den Mut haben, Friedensliebe zu heucheln und ihre Gegner der Hervorrufung des Krieges zu beschuldigen, ist für ihre Taktik sehr charakteristisch. Sie verstehen es ausgezeichnet, große Worte zu machen, unbekümmert darum, daß ihre Taten diesen Worten kraß widersprechen. Sie sprechen von der Sicherung des Weltfriedens und wollen den Krieg zu einer dauernden Institution machen, da derselbe ins unendliche fortgesetzt werden müßte, wollten sie so lange mit dem Frieden warten, bis ihnen der Sieg anheimfallen wird. Sie predigen Völkerfteiheit und ziehen immer neue Völker wider Willen in den Wirbel des Krieges, dieselben jeder Freiheit der eigenen Entschließung beraubend. Sie faseln von Menschlichkeit und Kultur und vollbringen ruchlose Taten, die für Menschheit und Kultur vernichtend sind. Sie spotten ihrer selber und wissen nicht wie. Weshalb mir das alles an dieser Stelle wiederholen?! -- Weil gerade in der letzten Zeit wieder einmal zwei Erscheinungen zutage getreten sind, die mit der Juden frage im Zusammenhänge stehen und die ebenfalls für die Taktik der Entente so charakteristisch sind. Eine Meldung aus London besagt, daß in England der Gebrauch der jüdischen und hebräischen Sprache verboten wurde. Um die Tragweite dieser Maßnahme zu verstehen, muß man sich darüber klar sein, daß es sich hiebei keinesivcgs um „feindliche Untertanen" handelt, die etwa diese Sprache dazu benützen könnten, um die englischen Interessen zu schädigen. Die österreichisch-ungarischen und deutschen Juden, die sich bei Kriegsausbruch in England befanden, sind ja längst interniert und derart unschädlich gemacht worden. Russische Juden sind es, die von diesem Verbote betroffen werden sollten, dieselben russischen Juden, um deren Gunst man sich früher so sehr bemühte, für die man eigene Propa- Wttwoblätkn-rn jiddischer Sprache gründete und die man justament in die englische Armee einreihen wollte. Heute geschieht dies mittelst Zwang — entgegen allen völkerrechtlichen Bestimmungen und entgegen den feierlichsten Protesten der russischen Regierung werden die in England sich befindlichen Juden gezwungen, Militärdienst zu leisten und außerdem wird ihnen verboten, sich der einzigen Sprache zu bedienen, die ihre Umgangssprache bildet, damit sie sich nicht „zum Schaden Englands" untereinander verständigen könnten . . . Höher geht es nimmer! - Dabei ist zu bedenken, daß England einerseits die Beziehungen zum neuen Rußland nicht abgebrochen hat, daß im Gegenteil der englische Botschafter in Rußland mit Trotzky ziemlich intime Beziehungen unterhält, daß anderseits die russischen Juden vornehmlich Anhänger des Ententefreundes Kerenski sind und keineswegs für den Friedensvertrag von Brest- Litowsk verantwortlich gemacht werden können. Sie leiden somit nach zwei Richtungen. In Rußland gelten sie als Gegner der herrschenden Kreise, in England werden sie als deren Anhänger verfolgt. So will es die Ententetaktik und so wird im Namen der Gerechtigkeit und der Völkerfreiheit verfahren. Noch krasser ist die zweite Erscheinung. Es ist hinlänglich bekannt, welchen Rummel man gerade im Lager der Entente mit der Palästinasache betreibt und wieviel da versprochen und renommiert wird. Gleichzeitig aber baut man sich vorsichtshalber alle möglichen und unmöglichen Brücken zum Rückzug. Man schafft schon heute Ausreden, um seinerzeit, wenn man einmal so weit sein wird, die Versprechungen zurnckziehcn zu können. So veröffentlichte unlängst ein in Gens in französischer Sprache erscheinendes Entcnteblatt, die „Gazette de Geneve“, einen Aufsatz, in welchem die Entente vor dem ...Zionismus „gewarnt" wird. Die Juden, die sich in Palästina ansiedeln dürften — heißt es in diesem Artikel — werden vornehmlich Ostjnden sein, ans Polen, Galizien, Litauen, Rumänien re., sie sprechen Jargon, einen deutschen Dialekt, und sind deswegen vornehmlich dem Einflüsse der Deutschen zugänglich. Palästina wird daher eine deutsche Domäne sein und die Entente kann gar kein Interesse daran haben, das Land den Juden anszusvlgen, oder auch mir deren stärkere Ansiedlung dortselbst zu dulden.... Tie Tendenz dieses Aufsatzes ist klar. Wenn die Engländer nun einmal so weit sein würden, um über das Schicksal Palästinas entscheiden zu könuen, dann werden sie nicht um die Ausflucht verlegen sein, um sich der Erfüllung ihrer Versprechungen entziehen zu können. Palästina wurde wohl den Juden versprochen, aber nur den Westjuden aus den Ländern der Entente — nicht aber den „germanisierten" und „germanisierenden" Ostjuden, die geradezu vom Lande scrngehalten werden müßten. Haben wir es doch bereits wiederholt erlebt, daß die englische Regierung all die^Ansragen, ob auch den Juden „feindlicher Staatszugehörigkeit" die Ansiedlmig in Palästina gestattet sein wird, ausweichend beantwortete. Lloyd George und seine Kollegen erachten es nicht als tunlich, schon heute ihre Karten auszudecken — dazu wird es noch Zeit sein.... Jawohl, Worte und Taten, sie steheil bei den Herren der Entente in krassem Widerspruch. Wehe den eigenen Völkern, die sich täuschen lassen, und wehe all denjenigen, die den Worten, denen die Taten widersprechen, auf den Leim gehen. Spectator. Die Lösung der Gderrabbinerfrage tu Wien. In der am Mittwoch, den 24. April 1918 stattgesundenen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurde der Oberrabbiner von Triest, Dr. Z. P. Chajes, zum Rabbiner der Inneren Stadt und Oberrabbiner-Stellvertreter mit dem Rechte der illachfolge gewählt. Mit dieser Wahl hat die Oberrabbinerfrage in Wien eine Lösung erfahren, die seit einigen Jahren, seitdem der bisherige Oberrabbiner Dr. M. Güdemann aus Altersrücksichten den Wunsch kundgegeben hatte, von seiner Stelle zurückzutreten, offen war und vielfach die jüdische Oesfentlichkeit beschäftigte. D i e S t e l-

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