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Jüdische Korrespondenz · 1918-04-18 · 13 (18.4.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
13 (18.4.1918)
Date
1918-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JOdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Nr. 13 Wien, 18. April 1918. IV. Jahrgang. Graf Lzernin. Die Nachricht von dem plötzlichen Rücktritt des Grafen Czernin ist in der ganzen Monarchie mit dem lebhaftesten Bedauern ausgenommen worden. Es ist hier nicht die geeignete Stelle, die Gründe dieses Ereignisses eingehend zu erörtern, — soviel mag aber gesagt werden, daß auch die Juden der Monarchie den Grafen Czernin nur höchst ungerne' von seiner Stelle scheiden sehen, und mit allen guten Patrioten teilen sie das schmerzliche Empfinden ob des Rücktrittes dieses hervorragenden Staatsmannes, der es verstanden hat, in der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner Amtswirksamkeit Großes zu vollbringen, und der noch so viel Gutes und Segensreiches erwarten ließ. Graf Czernin hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Friedensoffensive, die mit dem denkwürdigen Friedensangebote des Vierbundes am 12. Dezember 1916 cingeleitet wurde, kräftig und energisch fortzuführen, und es ist seinem uncrniüdlichen Eifer auch gelungen, greifbare .und segensreiche Erfolge zu erlangen. Der erste Erfolg war "fcor 15©#" 'fea 8<tnB*' mus, ein Ereignis, dessen Tragweite erst der künftige Geschichtsschreiber voll zu würdigen wissen wird. Damit war, trotz der Anstrengungen der Entente, in Rußland die Friedensfrage aufs Tapet gebracht, der Stein gelangte ins Rollen und konnte weder von Miljukow, noch von Kerenski anfgehalten werden. Beide mußten den Platz räumen, als sie dem Friedensgedanken untreu wurden, und neue Männer gelangten zur Herrschaft, die die Anstrengungen um den Frieden, welche Graf Czernin mit einer bewunderungswürdigen Unermüdlichkeit und Konsequenz fortsctzte, init einem vollen Erfolg krönten. Wenn die Verhältnisse in Rußland heute noch immer ziemlich verworren sind und jede bestimmte Voraussage unmöglich mache» — eines aber ist gewiß: Rußland ist als Kriegssaktor völlig ausgeschaltet und der Friede im Osten eine unverrückbare Tatsache. Der Friede mit Rußland konnte nur infolge des Friedens mit der Ukraine erreicht werden. Man mag darüber wie immer urteilen, dieses ureigenste Werk des Grasen Czernin war eine Tat, der eine große historische Bedeutung zukommr. Das große, übermächtige russische Reich, das kraft seines Schwergewichtes aus ganz Europa drückte und eine stete Gefahr für den Frieden bildete: es ist nicht mehr. Die Kosaken werden die europäische Kultur nicht mehr bedrohen und die Gefahr vom Norden ist gebannt. Die Verhältnisse sind noch etwas unklar und die Früchte dieser Wandlung werden sich erst später zeigen. Aber die Tat ist eine großartige und wird zu den denkwürdigsten Ereignissen der Weltgeschichte gehören. Nach dem Frieden mit Rußland konnte Rumänien nicht mehr znrückbleiben und somit war der Krieg an der Ostfront zu Ende. Auch da war es dem Grafen Czernin beschieden, eine starke und glückliche Hand zu zeigen. Auch da gebührt ihm unstreitig das Hauptvcrdienst, die Sache dem Abschlüsse nahe gebracht zu haben. Graf Czernin war es auch, der das Programm des neuen Europa entwickelte, das nicht mehr unter der Last der unerschwinglichen Rüstungen zusammcnbrechen, sondern seine Kraft der Friedens- und Kulturarbeit undmen sollte. Ganz anders wie die lächerlichen Phrasen der Entente-Maulhelden ist dieses Programm geartet, da es gleichzeitig durch Taten bekräftigt wurde, wogegen die Herren in London, Paris und Washington fortgesetzt vom ewigen Frieden reden, aber die Kriegspsychose aufrechterhalten und mit den verwerflichsten Mitteln dem Kriegstenfcl dienen, schon diese Bestrebungen sichern dem Grafen Czernin ein Ruhmesblatt in der Weltgeschichte, mögen wir auch noch sehr weit von der LrwiMcknna derselben fern sein. ■'*’ ®P*wor oem Trafen "Tzermiri gNüAMV Wien znm Zentralpunkt der internationalen Politik zu inachen. Dank seiner Initiative haben die wichtigsten Schritte zur Beendigung des schrecklichen Blutvergießens von Wien ihren Ausgang genommen. Das glorreiche Habsburger-Reich hatte wieder die Führung in internationalen Fragen inne und konnte wieder der Erfüllung seiner historischen Mission zustreben. Es ist nach all dem begreiflich, daß man das Scheiden dieses hervorragenden Staatsmannes von seinem Amte in allen patriotischen Kreisen nur mit dem lebhaftesten Bedauern zur Kenntnis nimmt und den Wunsch zum Ausdrucke bringt, es möge ihm und dem Baterlande vergönnt sein, in ruhigeren Zeiten wieder diejenige Stelle einznnehnien, an der er als der richtige Mann auf dem richtigen Platze war. Wie bereits betont, haben auch die I >l d e n der M o n a r ch i e und auch die I u d e n d e r ganzen W e 1 t a l 1 e n G r u n d, den Grafen Czernin nur mit dem g r ö ß t e n B e d a u e r n v o u s e i n e m P1 a tz e scheiden zu sehen. Bedeutet schon der endgültige Niederbruch des zaristischen Rußland ein großes Heil für die Gesamtjudenheit — unbeschadet der gegenwärtigen, hoffentlich bald sich klärenden Verhältnisse in diesem Reiche, — so hat sich Graf Czernin mit seinem kraft- und erfolgvollen Eintreten zugunsten der Juden in Rumänien in den Herzen aller Inden ein unvergängliches Denkmal gefetzt. Es ist dies die Tat eines wahren Volksbefreiers, die ihm ein Ehrenblatt in der Geschichte des jüdischen Volkes sichert. Es war dies sicherlich ein moralischer Erfolg, der dazu geeignet war, die politische Position dieses Staatsmannes in der großen Welt zu festigen. Man kann sich leicht vorstellen, welchen Ansehens und Einflusses sich Graf Czernin bei den Juden im neutralen Auslande und selbst in den Feindesländern erfreuen mußte, nachdem er eines der traurigsten Kapitel der neuzeitigen jüdischen Geschichte znm Abschlüsse gebracht hatte. Auch das Ansehen der Monarchie hat dadurch viel gewonnen. Man konnte auch erwarten, daß Graf Czernin bei einem eventuellen allgenieinen Friedenskongresse für die Wahrung der jüdischen Rechte in allen Ländern, wo dies not tut, eingetreten iväre. Man empfindet daher im jüdischen Lager sein Scheiden vom Amte als schweren Verlust. Man gibt sich der Erwartung hin, daß der Nachfolger des Grafen Czernin es sich angelegen sein lassen dürfte, ebenso wiehinsichtlich der allgemeine» politischen Richtlinien auch hinsichtlich der Judenfrage das Friedens- und Befreiungswerk seines Borgängers fortzuseHem, __ Czernin scheidet von seinem Amte im Zeichen der höchsten Anerkennnng seitens des Kaisers und der Völker der Monarchie. Sie alle und auch die Inden werden ihm ein dankbares Gedenken bewahren. In dem neuen Minister des Aenßeren, Baron Burian, begrüßt man den berufenen Mann. War cs doch der neue Minister, der als Vorgänger des Grafen Czernin jene glückverheißende Aktion für den Frieden am 12. De zember 1916 einleitete. Sicherlich wird der neue Minister alles daransetzen, sein Werk der Vollendung znznführen. Baron Burian hat sich längst bewährt, er verdient das weitgehendste Vertrauen, und in diesem Sinne wollen wir seinen Amtsantritt an dieser stelle wärmstens begrüßen. Spectator. Jüdische Probleme in Gestekreich. Wie in diesem Blatte bereits milgeteilt wurde, hat eine Deputation der österreichischen Zionisten beim Ministerpräsidenten Doktor v. Seidler Vorgesprächen, dem sie eine Reihe von Forderungen hinsichtlich der Stellung der Inden in Oesterreich im Zusammenhänge mit der geplanten Verfassungsresorm unterbreitet habe. Weit entfernt davon, die Bedeutung dieser Audienz in der Form zu überschätzen, wie dies seitens der Zionisten und ihrer Presse geschieht, die von einer radikalen Aenderung der Verhältnisse sprechen und schreiben und sich rühmen, nunmehr auch seitens der Regierung als die „maßgebendsten Faktoren" der österreichischen Jndenschaft anerkannt worden zu sein, ist es trotzdem notwendig, zu diesen

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