Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 12 (11.4.1918)
- Date
- 1918-04-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 12 (Fünfzigjähriges Berufsjnbilänm des Oberkantors Jakob Bauer in Wien.) Der in weiten Kreisen bestbekannte und sehr beliebte Oberkantor der türkischen Israelitischen Gemeinde in Wien, Herr Jakob Baner, Begründer und Präsident des Oesterreichisch-ungarischen Kantoren-Vereines sowie Begründer der ersten Kantoren'-Bildungsanstalt in Oesterreich-Ungarn, aus welcher fast 150 Schüler ihre Ausbildung erhielten, begeht am 20. April l. I. sein fünfzigjähriges Berufsjubiläum. In Anbetracht seiner hervorragenden Amtswirksamkeit und der besonderen Verdienste, welche sich Oberkantor Bauer um die Förderung des gesamten Käntorstandes erworben hat, sind für den hochgeschätzten Jubilar aus Rah und Ferne mannigfache Ovationen geplant. (DieRückkehr dergalizischen Flüchtlinge.) Wie die „Polnischen Stimmen" erfahren, ist eine Anzahl von galizischen Bezirken für die Rückkehr der Flüchtlinge freigegeben worden. Die Bezirke werden in die Gruppe A und Gruppe B eingeteilt. Alle Bezirke konnten noch nicht sreigegeben werden, da ein Teil noch Operationsgebiet bildet, ein anderer wieder noch völlig zerstört ist. Die demnächst zu veröffentlichende Anfforderung an die galizischen Flüchtlinge wurde in einer am 21. März abgehaltenen Konferenz der Vertreter des Ministeriums des Innern, des Ministeriums für Galizien und der galizischen Statlhalterei beschlossen. (Abraham Epsteins. A.) Vorige Woche verschied in Wien der bekannte Talmud- und Altertumsforscher Abraham Epstein im 86. Lebensjahre. Das Leichenbegängnis fand am 5. d. M. statt. Die Kultusgemeinde widmete dem Gelehrten ein Ehrengrab. A. Epstein widmete einen großen Teil seines Lebens der Wissenschaft des Judentums. (Aufschub des russisch-jüdischen Kongresses.) Aus Kopenhagen wird gemeldet: Der russisch-jüdische Kongreß wurde verschoben. Unter Zugrundelegung des Wahlergebnisses zum Kongreß wird ein russischjüdischer Nationalrat organisiert. (Geh. Regiernngsrat Prof. Dr. Hermann Cohen) ist am Donnerstag, 4. April vormittags, in Berlin im Alter von 76 Jahren gestorben. Mit Cohen war ein durchdringender Geist und ein wissenschaftlicher Charakter von schärfster Prägung dahingegangen. Unter den deutschen Philosophen der Gegentoart stand er als Erneuerer und und Fortbildner des Kantschen Idealismus in vorderster Reihe, und sein tiesdurchdachtes, fest gefügtes Gedankensystem, das er in drei großen die Summe seiner Lebensarbeit ziehende» Werken niedergelegt hat, zählt zu den achtunggebietendsten Geistesschöpfungen unserer Tage. Seine Vorbildung hatte Cohen auf dem jüdisch theologischen Seminar in Breslau und auf den Universitäten Breslau, Berlin, Halle empfangen. Hcrm. Cohen, R. d. rot. Adl. 4. ii. d. Kr. O. 3., geb. 4. 7. 1842 in Cosnig lAnhalt:, besuchte in Dessau d. Gymnas., von 1857 ab d. Seminar i. Breslau u. d. Univcrs. und promov. 1865 in Halle, w. 73 Prw.-Dvz., 75 a. o. u. 76 ord. Prof, in Marburg. Er ist der Begründer der Marburger Schule (mit seinem Freunde Natorp) und d. Schöpfer d. Neokantianismus. Er schrieb: Kants Theorie d. Ersaht. 71, 2. A. 85; System-Begriffe 73, Begründ, d. Ethik 71, 2. erw. A. 1910; Begr.d. Aesthetik 89; Platons Jdeenlehre 79; Bekenntnis in der Judenfrage 80 (geg. Treitschke); I. Kants Einst, a. d. deutsche Kultur 83; die Jnfinitesimation-Methode 82; Die Nächstenliebe i. Talmud 80 (Gerichtl. Gutachten); 2. A. 88; Einl. m. krit. Nachtr. z. Fr. A. Langes Gesch. des Materialism. 92; 5. verm. A. 5; System d. Phil., 1. Logik 2. reinen Erkenntnis 02, II. Ethik d. reinen Willens 04, 2. A. 07; Aesthetik d. reinen Gefühls, 2 Bde., 12; Jmm. Kant, Festrede, 04; Rel. u. Sittlichkeit 07; Komm. z. Kants Krit. d. reinen Bern. 07; Char. d. Ethik d. Maimonides 08; Bedeutung d. Indent, f. d. rel. Fortschritt 10. Ferner folg. Abh.: d. Problem d. jüd. Sittenlehre, e. Krit. v. Lazarus Ethik d. Indent. (Mtschr. 43,385 ff); Liebe u. Gerechtigkeit i. d. Begr. Gott u. Mensch (Brülls Jahrbuch III, 75); Autonomie u. Freiheit (Kausm. Gedenkb. 675,1900); Worte d. Trauer u. Herm. Lewandowsky, 1900. Rede b. d. Gedenkf. d. Univ. Marburg z. 100. Wiederkehr d. Todest. v. I. Kant, 14. 2. 4; d. Errichtung v. Lehrst, f. Ethik n. Rel. Phil. a. d. jüd.-theol. Lehranstalt. (Mtschr. 48, 2—21). (Wir behalten uns eine ausführliche Würdigung dieses hervorragenden Mannes vor.) (Konstrmanden-Unterricht.) Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den Gemeindetempeln stattfindenden Konfirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmanden-Unterricht vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Mädchen frei, welche das 14. Lebensjahr bereits erreicht haben oder dasselbe bis September 1918 erreichen. Die P. T. Eltern oder Vormünder werden demgemäß cingeladen, ihre Töchter, beziehungsweise Mündel zu veranlassen, sich bei ihrem Religionslehrer wegen Teilnahme am Konfirmanden-Unterrichtc zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Unterricht genießen und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konsirmierl werden sollen, sind im Sekretariate der israelitischen Kultusgemeinde (Abteilung für Schulangelegenheiien) bis spätestens 18. April d. I. anzumelden. Der Unterricht ist unentgeltlich. _ Vom orthodoxen Leben. (Die Organisation der Orthodoxie.) Der Organisationsentwurf ist den Mitgliedern des Aktionskomitees bereits zugegangen und nach Einlauf ihrer Rückäußerungen und Bemerkungen wird eine Plenarsitzung des Komitees abgehalten werden, um diesen Entwurf endgültig scstzustellen. Nachher wird an die Vorbereitungen zur Einberufung des Delegiertentages geschritten werden. Die glaubenstreue Judenschaft in der Provinz wird ersucht, nunmehr eine stärkere Werbetätigkeit für die Organisation zu führen, damit die Konferenz aus einer möglichst breiten Basis abgehatten lverden könnte. (Verein „Jessode-Hatora".) Unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn W. Kritz ler und im Beisein Sr. Ehrwürden Rabbiner Fürst fand Samstag abends eine Vorstandssitzung statt. Unter anderem wurde beschlossen, die Tätigkeit dieses segensreich wirkenden Vereines auszudehnen und zunächst einen zweiten Lehrer anznstellen. Es wird auch geplant, einen Mekamed für den ganzen Tag aufzunehmen, um derjenigen jüdischen Jugend, die bereits dem Schulpflichtalter entwachsen ist, aber nicht die Möglichkeit hat, anderweitig das Thorastudium zu pflegen, die Gelegenheit hiezu zu bieten. Auch soll während der Schulferien der Unterricht den ganzen Tag hindurch stattfinden. Diejenigen jüdischen Kreise, die dafür ein Interesse haben, werden ersucht, sich beim Vereinsvorstande zu melden. (Von der „Agndas Jisroel") Nach der Feiertagspause schreitet die „Agndas Jisroel" daran, ihr Schulwerk wieder in Betrieb zu setzen. Wie bisher dürfte auch in der Sommersaison eine entsprechende Anzahl Chedarim eröffnet werden. Auch auf den anderen Gebieten wird die Tätigkeit der „Aguda" im bisherigen Ausmaße fortgesetzt werden. Familien - Nachrichten. Statt jeder besonderen Anzeige: Die Aarmizwah unseres Sohnes Kngo findtt am 20. April, 9 Uhr vormittags, in der Synagoge des Synagogenverein „Knabenwaiscnhaussynagoge" in Prag (Galligasse 21) statt. — Barmizwahrede und halachischcr Vortrag in der Sugja „Rauw", Chulin 11, um 11 Uhr vormittags in der Wohnung im selben Hause, wozu wir uns gestatten, unsere Verwandten, Freunde und Bekannte höflichst einzuladen. Rudolf u. Kamilla Stranslly. Gesterreichijche Länderdank. Der Verwaltungsrat der Oesterreichischen Länderbank hat in seiner Sitzung vom 4. d. M. die vorgelegte Bilanz für 1917 genehmigt. Diese ergibt ein Bruttoerträgnis von K 42,004.296 und abzüglich der Spesen, Steuern und Abschreibungen ein Reinerträgnis von Iv 18,092.485, in dem ein Geminnvortrag K 1,564.594 aus dem Vorjahre enthalten ist. Auf Grund dieses Ergebnisses hat der Verwaltungsrat beschlossen, der für den 6. Mai d. I. einzuberusenden ordentlichen Generalversammlung vorzuschlagen, dem außerordentlichen Reservefonds K 3,000.000, dem ordentlichen Reservefonds im Sinne der Statuten K 922.927 zuzuweisen, eine Dividende von 8 Proz., das ist K 32 für jede Aktie (gegen 7yä Proz. — K 30 im Vorjahre) auszubezahlen und den nach Bestreitung der statutarischen und vertragsgemäßen Tantiemen verbleibenden Rest von K 2,509.478 aus neue Rechnung vorzutragen. Wegen Fortdauer des Krieges kommen gleichwie in den früheren Jahren auch für 1917 die Engagementziffern der Filialen in Paris und London in der Bilanz nicht zum Ausdrucke. Es wurden, wie bisher, nur die Saldi, wie sie sich aus den Büchern per 31. Dezember 1917 ergeben, in die Abrechnung eingestellt und weder aus die Dotationen noch auf die Forderungen Zinsen berechnet. Die Ergebnisse der inländischen Filialen und Exposituren einschließlich der neu errichteten Filiale in Königgrätz sowie der Filiale in Dpbrowa waren durchwegs befriedigend und sind in dem Bruttogewinn enthalten. Der Gehaltetat zeigt ein Plus von K 1,584.000, das Spesenkonto ein solches von K 995.000. Die Steigerung des Gehaltekontos ist auf eine.Verbesserung des Gehalteschemas sowie auf wiederholte Erhöhungen der Kriegsteuerungszulagen zurückzuführen. Das Plus des Spesentontos ist hauptsächlich durch Spenden für Kriegsfürsorgezwecke und durch Aus-