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Jüdische Korrespondenz · 1918-04-11 · 12 (11.4.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
12 (11.4.1918)
Date
1918-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Horrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 H Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. i Redaktion u. Administration: | Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Nr. 12. Wien, 11. April 1918. IV. Jahrgang. Die Gleichberechtig Human i' (Gras Czernin als ° „Wir werden die Judensrage lösen. Die Juden in Rumänien werden fortan gleichberechtigte .Staatsbürger in Rumänien sein." Diese Freudensbotsdiaft verkündete Graf Czernin in seiner großangelegten Rede vom 2. April, die auch sonst zu den bemerkenswertesten politischen Kundgebungen der jüngsten Zeit gehört. Die Erwartungen, die die Judenheit aller Länder gehegt hat, sind somit in Erfüllung gegangen. Eine schwere Sorge ist dem jüdischen Volke genommen worden. Gras Czernin hat sein W eingelöst, er hat inmitten des schwe Ringens um den Friedeu der I u ds in Rumänien nicht vergessen u die Gesamtjudenhcit.wird ihm le§ hasten Dank dafür wissen. Wie bereits an dieser Stelle wiederholt betont, bildete die Lage der Inden in Rumänien in Rußland lastete ans den Inden in Rumänien der Druck der Ausnahmsgesetze, unter welchen sie zu leiden und zu schmachten hatten. Rußland war ein autokratischer Staat, reaktionär regiert, und man wußte, ewig kann dieser Zustand nicht anhalten. Kaum aber werden Die Ketten fallen, die das russische Volk an das Joch des Zarismus schmiedeten, dann dürste auch den dortigen Juden die Sonne der Freiheit und der Erlösung leuchten. Dies ist auch geschehen. Seitdem der Zar vom Schauplatze verschwunden ist. sind auch die Juden in Rußland gleichberechtigt. Freilich, unter den heutigen anarchistischen Zuständen haben sie vielleicht nicht weniger als früher zu leiden. Aber auch da stehen sie in einer Reihe mit den anderen russischen Bürgern und teilen ihr Los, Die Anarchie wird sicherlich über kurz oder lang gebannt sein. Dann wird in Rußland endgültig Licht werden. Ganz anders lagen die Verhältnisse in .Rumänien. Es war formell einer der freiest regierten Staaten. Die Verfassung des reiches war demokratisch non plus ultra die Presse war frei bis zum Exzeß. Die Rumänen rühmten sich, die „Belgier des Ostens" zu sein, Bukarest galt als Klein- Paris und die „Freiheit" herrschteunbeschränkt. Und dennoch war die Lage der Juden eine der traurigsten, und selbst eine innere Umwälzung radikalster Form würde da kaum Wandel geschaffen haben. Wenn diejenigen, die im Namen des Liberalismus das Hest in Händen hatten und die tatsächliche Macht ausübten, die Juden nicht bester, vielfach noch ärger als die sogenannten Konservativen behandelten, was blieb den Juden noch zu hoffen übrig! Freilich, auch das rumänische Volk war eigentlich nicht frei, die Bauernschaft, die etwa 80 Prozent der Gesamtheit bildet, war ebenso geknechtet und rechtlos wie die Juden. Aber im Gegensätze zu Rußland lagen da die Verhältnisse derart, daß eine soziale Umwälzung nur höchst unwahrscheinlich und jedenfalls kaum in der absehbaren Zukunft zu erwarten war. Es war somit klar, daß die Juden Rumäniens ihre Erlösung nur vom Eingreifen äußerer Faktoren erwarten konnten. Das, was im Jahre 1878 in Berlin geschah, mußte sich nochmals wiederholen, in einer besseren und sicherer» Auslage, gewitzigt durch die seitherigen Erfahrungen, daß bloße Versprechungen der rumänischen Machthaber wenig zu bedeuten haben. Nun waren wir Zeugen einer ganz sonderbaren Erscheinung. Bis zum Kriege und in der ersten Zeit desselben spielte Rumänien kraft seiner geographischen Lage in der europäischen Politik eine derartige Rolle, daß keine der Großmächte es daraus habe der Juden wegen zum Feinde zu machen. Die rumänischen Staatsmänner haben es verstanden, die Gegensätze zwischen .den Mittelmächten und der Entente für ihre Zwecke dienstbar zu machen, die Rolle des umworbenen Züngleins an der Wage zu spielen, sie hatten dadurch die Möglichkeit, der gesamten Kulturwelt zu trotzen und allen Protesten zuwider ihre Judenpolitik ungestört zu verfolgen. Hie und da raffte sich irgend eine Großmacht zu einer formellen Intervention auf. Es möge an dieser Stelle konstatiert werden, daß besonders von Wien aus wiederholt diplomatische Aktionen zugunsten der rumänischen Juden unternommen wurden. Aber immer konnte nur eine teilweise Erleichterung geschaffen werden- Die Rumänen verschanzten sich immer hinter ihren Ausreden und Finessen und alles blieb beim alten. Die Kriegsereignisse brachten es mit sich, daß Rumänien den Anschluß zur Entente gesunden hatte und den Mittelmächten in den Rücken gefallen war. Es hat damit eine einseitige Orientierung eingenommen und war besonders nach seinem Debacle auf den Schlachtfeldern den Westmächten auf Gnade und Ungnade unterworfen. Denselben Westmächten, die seit Kriegsausbruch mit dem Schlagwortc von der „Völkerfreiheit" operierten und vorgäben, nur im Interesse der unterdrückten Völker den blutigen Krieg zu führen, die auch besonders den Juden gegenüber den Köder einer Intervention zu ihren Gunsten auswarfen und ihnen sogar die Wiederherstellung ihrer Staatlichkeit in Aussicht^ stellten. Die Leiden der Juden in Rumänien hatten aber gerade während des Krieges den höchsten Grad erreicht. Jetzt waren sic geradezu vogelfrei und der Willkür der ob ihrer Niederlage wildgewordeneu Soldateska ausgeliefert. Inzwischen geschah auch das erwartete Wunder in Rußland. Der niedergerungene Zarismus wurde gestürzt und die einzige Stütze des Judenhasses in Europa fiel in Trümmer. Ein ernstes Wort aus Paris oder London, ans Washington erst recht, würde genügt haben, um den Juden in Rumänien die Erlösung zu bringen. Die bloße Drohung, den Geldsack zu sperren, würde die Herren Bratianu und Take Jouescu mürbe gemacht haben. Aber was geschah in der Wirklichkeit'? London hörte und schwieg, Paris vernahm und hüllte sich in Schweigen und Wilson ließ sich von Zeit zu Zeit über d i e L a g e d e r I u d e n i n R u m änien „informieren" und schwieg e r ft red) t. Die ganze Heuchelei dieser Kriegshetzer und Kriegsverküngerer gelangte da kraß ans Tageslicht. Sie versprechen das, was sie nicht erfüllen können und nicht zu halten wo jh etwas ansrichten können, versagt ihre Sprache und fehlt es an gutem Willen. Die v i e 1 v e r s ch r i e e n e n Mittelmächte und ihre Bundesgenossen hingegen sind es, die den Juden Rumäniens die Freiheit und Erlösung bringen. Graf Czernin war der erste, der diesbezügliche Wersicherungen abgegeben hatte und'.auch die leiienden Staatsmänner der anderen Vierbundsstaalen haben sich ihm angeschlossen. Die Friedensvechandlungen mit Rumänien waren keine leichte Sache, Handelte es sich ja dem Vierbunde darum, die Rumänen trotz ihrer militärischen Niederlage'nicht ganz nieder- - zudrücken, sondern ihnen den Weg zu einer Rückkehr ins Lager dieses Staatenbundes zu ermöglichen. Nichtsdestoweniger hat Graf Czernin sein Wort e i n g e 1 ö st, haben die anderen Staatsmänner des Vierbundes ihre Mitwirkung nicht versagt und die Gleichberechtigung der rumänischen Juden wird nunmehr einen integrierenden Teil des Friedensvertrages von Bukarest bilden, für dessen Erfüllung und restloserDurchführung die Mittelmächte sich die entsprechenden Garantien geschaffen haben dürsten. Aus den Händen der Mittelmächte empfangen die Juden Rumäniens ihre Gleichberechtigung — sie werden ihnen zu ewigem Danke verpflichtet sein und auch die Judeizheit der ganzen Welt wird es nun klar wissep, wo sie die verläßlichen Vorkämpfer für ReM^nd Gerechtigkeit und wo die Heuchler und LWnrr zu suchen und zu finden hat.

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