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Jüdische Korrespondenz · 1918-12-12 · 37 (12.12.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
37 (12.12.1918)
Date
1918-12-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz, Nr. 37 wurden aufgefordert, binnen 24 Stunden alle Dörfer zu räumen. In Entradan, einer Gemeinde, in der die Bevölkerung zum größten Teil jüdischer Konfession ist. wurde mit unerhörtem Vandalismus geplündert. In der Stadt Naßod mußten die jüdischen Kaufleute vor der Menge, die von einem rumänischen Offizier angeführt wurde, ihre Waren versteigern. Für Waren im Werte von 29.000 bis 30.000 Kronen erhielten sie 200 bis 300 Kronen. In Olahßentgyörgy wurde ein jüdischer Gemeindefunklionär in die rumänische Kirche geschleppt, wo man ihn taufen wollte. Er sträubte sich mit Händen und Füßen dagegen, worauf man ihn furchtbar verprügelte. Das Leichenbegängnis Dr. Alfred Giern. Das große Ansehen und die Wertschätzung, welche der vorige Woche verstorbene, langjährige Präsident und Ehrenpräsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Dr, Alfred Stern, in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes genoß, kam an seinem am 4, Dezember'1918 stattgehabten Leichenbegängnisse zum Ausdruck, Der Wiener Kultusvorstand und jene Korporationen, an deren Spitze Dr, Alfred Stern stand, hatten eine eigene Parte ausgegeben. — Im Sinne der letztwilligen Verfügung des Verblichenen wurde Dr, Stern in einem einfachen, ungehobelten Sarge bestattet und ging das gaiize Leichenbegängnis in einfacher Weise, mit Vermeidung jeden Prunkes, vonstatten. An der Leichenfeier nahmen teil unter anderen: Sektionschef a, D. Dr. Freiherr von Roza, Louis Baron Rothschild, Philipp Ritter von Gomperz, Landessanitätsreferent Hofrat Dr, Ritter von Helly, Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines Dr. Ehrlich und Vizepräsident Julius Stern, die vormaligen Abgeordneten Vogler und Noske. Stadtrat Dr, Oskar Hein, Gemeinderat Med.-Rat Dr. Löwenstein, die Kaiserlichen Räte Paul Lemberger, Kläger, Sachs von Sachsenhall, Frau Oberrabbiner Dr. Güdemann, Doktor Richard Goldmann, Notar Dr, Bermann, Bernhard Goldstein, Prof. Dr. Braun und Professor appert; der Direktor des Rothschildspitales ozent Dr, Fleischmann, der Direktor des Blindeninstitutes Kais, Rat Heller, Abordnungen der evangelischen Gemeinden Augsburger und helve» tischen Bekenntnisses, sämtliche Mitglieder des Kultusvorstandes mit Herrn Vizepräsidenten Hofrat Dr. B, Rappaport, sämtliche Mitglieder des Bethausvorstandes mit sämtlichen Rabbinern der Kultusgemeinde, dem Präsidenten Dr. Markus Spitzer, die Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeinde mit dem ersten Sekretär Dr. Emil Adler und Sekretär Emil Engel, Delegierte der Israelitischen Allianz, der Israelitischen Union, der israelitischen theologischen Lehranstalt unter Führung des Rektors Dr, Ad, Schwarz; ferner sämtliche Mitglieder der Chewra-Kadischa für den I, Bezirk und Delegierte der Chewra-Kadischa der äußeren Bezirke. DelegiertederBezirkskommissionen; Delegierte des Verbandes der Wiener Religionsprofessoren an Mittelschulen; Humanitätsverein Bnai Brith „Wien"; DelMerte der israelitischen Kultusgemeinden: Linz, Är.-Reustadt, Mödling, Gr.-Enzersdorf, Amstetten, Orth, Gemeinde Preßbupg; Mistelbach, Gänserndorf, St. Pölten. Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien; Delegierte der Tempelvereine: Montesiore, Achdus Israel, Beth Israel, Tempelverein XIX, Bezirk, Tempelverein VI., Stumpergasse, Tempelverein VIII. Bezirk, Wahrheit und Fried, Schulverein für den X. Bezirk, Schulverein IX, Bezirk, Tempelverein III. Bezirk, Adaß Jisroel, Betbausverein Prater; ferner die Vereine: Elternverein Pestalozzi, Greisinnenfürsorge, Kaiser Franz Josefs-Frauenverein, Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehüriger Israeliten, GalizischerHilfsverein, Zentralstelle für das jüdische Armenwe>en, Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen, Frauenverein für II. und III, Bezirk, Frauenhort, Ehewra Bikur Chaulim, Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, Brockensammlung für jüdische Arme, Verein zur Unterstützung israelrtischer Handwerker, Verein „Einheit", Verein zur Wahrung der Interessen deS orthodoxen tudentums, Israelitischer Handwerkcrverein, Kaiser ranz Josef-Kinderhort, Mädchen-Unterstützungsverein, Jubiläums Knaben-Waisenhaus, Seehospiz, Verein zur Bekleidung armer alter Männer, Nächstenliebe, Krankenverein Montesiore, Kreisleitung des westösterreichischen Kreises der Jüdischen Turnerschaft, Erster Wiener jüdischer Turnverein, Jüdischer Turnverein X. Bezirk, Tiseret Bachurim, Demokratisch-jüdischer Verband sür Deutschösterreich, Weibliche Fürsorge, Zionistische Vereine, Frauenverein für den XXI, Bezirk, Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten, Anläßlich des Ablebens des Ehrenpräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern s, A, sind dem Kultusvorstande von folgenden Persönlichkeiten und Körperschaften Beileidskundgebungen zugekommen: Staatssekretär für Unterricht Pacher, Bürgermeister Dr, Weiskirchner, Polizei-Präsident Schober, Minister a. D, Gaper, Landeshauptmann Leopold von Steiner, für die Westukrainische Volksrepublik Nikolay von Wassilko, Präsident des evangelischen Oberkirchenrates Dr. Haase, vom Präsidium der evangelstchen Pfarrgemeinde A. B., vom Präsidium der Handels- und Gewcrbekammer, Präsident der „Concordia" Dr, Ehrlich, Landessaniläts-Referent Hofrat Ritter von Hellp, ferner zahlreiche israelitische Kultusgemeinden, Vereine und Anstalten. Für die Gpfer der drei Lemberger Blutnächte. Aufruf. Bürger der zivilisierten Welt! Am Ende des unseligen Krieges, der die Völker des halben Europa ins Elend gestürzt hat, wurde der in diesen vier Jahren gebeugten Gesittung in der Hauptstadt Galiziens em finsteres Schandmal gestiftet, dessen Schalten das erste Frühlicht des Friedens und der Freiheit beflecken und verdunkeln, dem wir alle in Schmerzen und Leiden entgegenbangen, In ratloser Erschütterung erfahren wir, hören alle Kulturnationen von immer neuen, sich allmählich zu einem Bild ungeheuerliche» Entsetzens fügenden Einzelheiten der drei Lemberger Blutnächte, die ein entmenschter Pöbel in Uniform und Zivil den allerärmsten der Armen, den Bewohnern der Judenstadt, bereitet hat. Das Unglück und die Schmach sind so groß, daß jedes Wort erbärmlich wird, in das man sie zu fassen versuchen wollte! Der Krieg hat die Menschen an ein furchtbares Sterben gewöhnt, aber in die tiefe Bedrückung und Trauer, die die Welt darüber empfand, kam doch der schwache Trost, daß in der Wut des Kampfes getötet wurde, daß Ideen, von Vaterlandsliebe und Heldentum die Kämpfer gegeneinander trieb. Dieses Lemberger Mordbacchanale aber war kalt ersonnen und von einem raubtollen Mob ausgeführt. Wer waren die Opfer? Wessen Häuser wurden von bewaffneten Haufen gestürmt, ausgeraubt, wer wurde hingeschlachtet, weffen Mädchen geschändet, westen Kinder in Straßenkanäle wie Schmutz in die Kloake geworfen? Es waren dieselben, die gehetzt, heimatsvertrieben, von Siegern und Besiegten wechselnd Heimgesuchten, die überall Verhöhnten und Verprügelten, dieselben bettelarmen, tragischen Figuren, die im ersten Kriegsjahr in Baracken verschickt, zu Hunderten in feuchten Elendsquartieren hinsiechten, jene unsäglich Armseligen, die die Bürde ihres Lebens wie einen Fluch tragen. Als Abgeordneter Ostgaliziens habe ich in den abgelaufenen Jahren Tausende von ihnen in ihrem Jammer gesehen und versucht, ihnen nach meinen bescheidenen Kräften beizustehen, und erhebe nun gepreßten Herzens für sie meine Stimme. Nicht um die untilgbare Schuld der Schuldigen festzustellen. Das ist nicht meines Amtes. Die Synagoge, in die sich Hunderte der Verfolgten geflüchtet hatten, die mit Petroleum bespült und angezündet wurde, während die im wahnwitzigen Schrecken Flüchtenden immer wieder mit Kolbenstößen in das zum Leichenofen verwandelte Gotteshaus zurückgetrieben wurden, bis sie lebendigen Leibes verbrannten, lodert und glüht gewaltiger, als es jede Anklage in Worten vermöchte. Dieser Scheiterhaufen, der dem unglücklichen jüdischen Proletariat am Ende seiner Kriegsleiden errichtet wurde, wird weithin auf der ganzen Erde gesehen werden und so lange in den Menschen als Scham brennen, bis gesühnt ist, was überhaupt gesühnt werden kann. Mein Ruf will nur Hilfe! Rasche Hilfe für die Ausgeplünderten, für die Obdachlosen, für die Kinder, die keine Eltern mehr haben, für alle, die nach dem erlebten Grauen verstört, frierend und hungernd in den Straßen herumirren. Ich rufe nach der Menschlichkeit der Bürger: der zivilisierten Welt! Wien, im Dezember 1918, Abg, Heinrich Reitzes. Spenden wollen unter der Spitzmarke: „Für die Opfer der drei Lemberger Blutnächte, Aktwn Aba, Reitzes" (Israelitische Allianz), an die Israelitische Allianz, 2. Bezirk, Untere Donaustraße 33, gesendet werden. $**** „HELDOLANA“ Eine neue erprobte Methode, den Gesichts- # teint rein zu erhalten, alle Hautunreinig- ® keiten zu beseitigen und der Haut jenen reizenden, verführerischen Hauch zu verleihen. Man benetze Gesicht, Hände, Hals und Körper mit Wasser, bestreiche dann mit einer Schichte „HELDOLANA“ und wasche die Haut nach einer Weile ab. Bald wird man von dem frischen, blühenden Aussehen überrascht sein. 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Residenz - Dteli icr G fiiEll m ,, I„ Fleischmarkt 1. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

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