Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (7.3.1918)
- Date
- 1918-03-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Jüdisehe Korrespondenz. Seite 7 1>ie Aguda bestrebt, Wandel zu schaffen, sie kann demnach gar keine Veranlassung dafür Haben, eine Trennung in den Gemeinden cui* .zustreben. Ist somit diese Behauptung absurd und ohne jeder realen Grundlage, so stellt die Verbreitung derselben eine perfide Taktik dar, die auss schärfste gebrandmarkt werden muß. -Es ist keine gute Sache, die man mit solchen Mitteln verfechten will. Das Traurigste dabei ist, daß es diesmal gewisse orthodoxe Kreise sein sollen, die das erwähnte Gerücht verbreiten. Sie glauben wohl, sich dadurch das Wohlwollen und die Anhängerschaft der Gegner der „Aguda" zu sichern und sich eine Position schaffen zu können. Sie dürsten sich aber gar bald überzeugen, daß sie mißbraucht worden sind. Nachdem der Mohr seine Pflicht getan haben wird, wird man ihm den Lauspaß geben. Es dürften sich sicherlich nur wenige Orthodoxe finden, die diesen ebenso lächerlichen wie niedrigen Verleumdungen auf den Leim gehen werden. Die Urheber derselben werden das Opfer ihres eigenen Wahnwitzes sein, da nur politischer Analphabetismus oder Blödsinn solche Behauptungen aufstellen oder glauben kann. Diese Erklärung wurde von den Vorstandsmitgliedern einhellig und mit lebhafter Zustimmung zur Kenntnis genommen. Das Schicksal einer Rothschild-Stiftung. Die „Wiener Sonnu. Montag-Zeitung" schreibt: Vor wenigen Tagen ist in der „Reichspost" der Name „Rothschild" ohne Rufzeichen und sogar ohne, jede hämische Glossierung..vor- S^ommen. Schon daraus ergibt sich, daß es nm ein Geschäft der „Reichspost" gehandelt hat, und zwar um ein Inserat. Die betreffende 'Publikation des christlichsozialen Blattes hat aber noch einige andere sehr merkwürdige Seiten, die auf die magistratische Abteilung XIII der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt ein sehr sonderbares Licht werfen. Das fragliche Inserat enthält die Ausschreibung der Salomon Mayer Freiherr von Rothschildschen Stiftung für Wiener Gewerbetreibende, die ja wahrlich jene 2100 Kronen in diesen schweren Zeiten sehr wohl brauchen können. Das Auffallendste an der gedachten Veröffentlichung ist gewiß die Tatsache, daß sie einzig und allein in der „Reichspost" erfolgte. Wir kennen nun allerdings den Inhalt der Stiftungsurkunde nicht und können deshalb auch nicht beurteilen, ob die in Frage kommende Behörde als Kuratorium dem Wortlaut derselben durch diese Art der Bekanntmachung entsprochen hat. Was wir aber mit absoluter Sicherheit behaupten dürfen, ist, daß das betreffende magistratische Amt unbedingt gegen den Geist der Stiftung verstoßen hat. Der alte Salomon Rothschild war großzügig und menschenfreundlich genug, den Genuß dieser Stiftung an kein religiöses Bekenntnis zu knüpfen, aber andererseits wäre es die größte Sinnlosigkeit behaupten zu wollen, daß er jüdische Petenten auszuschließen beabsichtigte. Durch die Veröffentlichung in der „Reichspost" wird aberauf eine gewiß hinterhältige und keineswegs -einwandfreie Methode ein solches Ziel zu -erreichen versucht, denn dieses Blatt ist ja so stolz darauf, daß es in jüdischen Kreisen wicht gelesen wird, daß also die jüdischen Gewerbetreibenden, die für eine Beteilung in Betracht kommen könnten, gar nicht in der Lage sind, ihre Gesuche einzureichen, weil sie von der Existenz einer solchen Stiftung keine Ahnung haben. Jene Behörde, die über die Verteilung der fälligen Beträge zu beschließen berufen ist, hat aber die Pflicht, alles vorzukehreu, um dem wahren Willen des Stifters zu entsprechen, der sie jedoch durch die Bevorzugung der „Reichspost" als Tribüne für den Freiherr» v. Rothschild keineswegs entsprochen hak. Wenn wir auch wissen, daß es dem Prinzipe der „Reichspost" nicht im geringsten widerspricht, von den Juden, die sie beschimpft, Geld zu nehmen, so erscheint es doch immer am Platze, die besonderen Fälle anzustreichen und dem Publikum sowie den Lesern dieser ehreuiverten Zeitung zu zeigen, welche ethischen Qualitäten dieselbe besitzt, daß sie sich in den rückwärtige» Seiten zu dem Prinzip bekennt: Geschäft ist Geschäft. Auch der Stifter Rothschild war ein Geschäftsmann, aber wir sind überzeugt, daß er sich im Grabe umdrehen würde, wenn er wüßte, in welcher unwürdigen Weise seinem Willen Gewalt angetan wird. Jericho. Amtlichen, englischen Meldungen zufolge ist nach kurzem Kampfe Jericho am 21.'Februar von englischer Kavallerie genommen und somit der Geschichte einer der schicksalsreichsten Stätten Palästinas ein neues Blatt hinzugefügt worden. Streng genommen allerdings spielen sich die jetzigen Ereignisse auf einem Fleckchen Erde. ab, das nur in seinem Namen lEr-Riha) noch mit dem biblischen Jericho identisch ist. Die Ausqrabungsarbeiten in jener Gegend, die bis in den Weltkrieg hinein fortgeführt wurden, haben in dem Dorfe Er-Riha keine Neberreste aus alter Zeit zutage gefördert, die darauf hinwiesen, daß hier das einstige Jericho stand. Wohl aber hat man eine halbe Stunde westlich deS Dorfes in der Nähe von Ain cs Sultan, beziehungsweise bei dem sogenannten Elias-Brunnen, Ruinen gefunden, die als Ueberbleibscl Jerichos sestgestellt werden konnten. Das wirkliche Jericho, das also ungefähr zwei Wegstunden entfernt von den stachen Gestaden des Toten Meeres, der Stätte, an der einst Sodom und Gemorrha gestanden, sich befand, -var eine blühende Handelsstadt im Jordantale auf der Westseite des Flusses. Noch bei Flavius Josephus heißt diese jetzt öde Landschaft ein irdisches Paradies. Als unsere Vorfahren in grauer Vorzeit in Palästina einzogen, war der Ort die Residenz eines kanaitischen Königs. Josua eroberte die Stadt, deren Mauern bekanntlich beim Schall der Kriegsposauncn einstürzten, und sprach den Fluch über ihren Wiedererbauer aus. Aber schon zur Richterzeit war Jericho wieder von Israeliten bewohnt; Josuas Fluch traf erst den unter Ahab lebenden Hie! aus Bethel, der die Stadt vollständig, vielleicht als Festung ausbaute. Später finden wir in Jericho, dem zeitweisen Aufenthalt der Propheten Elia und Elisa, die Prophetenschulen. Als König Zedekia vor Nebukadnezar stoh, wurde er in der Ebene Jerichos gefangen genommen. Nach dem Exil wurde auch die Stadt von den Heimkehrenden wieder ausgesucht und unter der Syrerherrschail von Bakschides neu befestigt. Herodes der Große beförderte ihren Weiterausbau und schmückte sie mit Palästen, Zirkussen, Theatern usw. Die Burg benannte er nach dem Namen seiner Mutter Kypros; in derselben ereilte ihn der Tod. In talmudischer Zeit war Jericho wegen seiner Fruchtfülle die gesegnetste Stadt Palästinas; seine Bewohner waren wegen ihres oppositionellen Charakters bekannt, und man mußte ihnen oft ihre Abweichungen von den gesetzlichen Anordnungen übersehen. So wenig in topographischer Beziehung das jetzige Jericho mit dem alten Jericho etwas gemein hat, so wenig trägt der gegenwärtige Charakter der ganzen Landschaft noch das Gepräge der Vorzeit. Von-Palmen namentlich, nach deren überreichem Vorhandensein das alte Jericho den Beinamen „Die Palmenstadt" trug, ist nicht das geringste mehr dort zu erblicken, wie überhaupt die einstige Fruchtbarkeit des Bodens gänzlich entschwunden ilt. Zur Berichtigung eines weit verbreiteten Irrtums sei hier auch erwähnt, daß die sogenannte Rose von Jericho, jenes nur ein Jahr lebende eigenartige Gewächs, das sich betm Absterben knäuelartig zusammenrollt und, ins Wassergestellt, selbst nach vielen Jahren wieder entfaltet, weder in Jericho jemals ivuchs, noch heute dort wächst und auch gar keine Rose ist. Die Rose von Jericho ist ein holzartiges Wüstengewächs, das in Aegypten, Arabien und an einigen Stellen Syriens vorkommi. Neue Löcher. „Die Propheten", von Hermann Gunkel, Götlingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1917. Preis K 2. — Der Verfasser, der als eine Autorität auf dem Gebiete der Bibelforschunq bekannt ist, liefert in dem vorliegenden Buch eine interessante Arbeit. Die geheimen Erfahrungen der Propheten, die Politik der Propheten, die Religion der Propheten. Schriftstellerei und Formensprache der Propheten werben in populärer und fließsüder Schilderung dargestellt. Mag man auch vom religiösen Standpunkte nicht alles billigen, was der Autor festzujtellen für richtig findet, so ist die Arbeit im großen und ganzen eine gelungene und lesenswerte. „Das Bildungsproblem in der Ostjudenfrage", von Dr. I. Wohlgeinnth. Berlin, N 24, Verlag des Jeschurun, 1916. — Der Autor, bekannt als Rabbiner und Redakteur der Monatsschrift „Jeschurun", behandelt in dieser Schrift eines der wichtigsten Probleme in der Ostjudenfrage. In drei Abschnitten — a) Deutichland und die Ostiudentragc, b) DaS Bildungsproblem in der Oftjudensrage. c) Die Bedeutung des Talmudstndiums für die Ostjuden — erörtert der Verfasser die Details des Bildungsproblems in der Ostjudenfrage und gelangt zu Schlußfolgerungen, denen man mit wenigen Ausnahmen zustimmen kan». „Almanaoh. Zydowskl“ na Rok 5678 (1917/18), Redagowal Dr. Z. F. Finkelstein, Wieden, 1918. Nakladem .Morii“. — 'Die jüdische Literatur in polnischer Sprache war nie besonders reichhaltig, während des gegenwärtigen Krieges ist sie aber besonders armselig, man möchte fast sagen, ganz versiegt. Das vorliegende Buch „Jüdischer Almanach für das Jahr 5678' füllt da eine Lücke aus. Der Tenor des Buches ist zionistisch-nationalistisch und hat mehr-weniger eine propagandistische Tendenz, bietet aber auch den Nichtzionisten vielfache Anregung und Belebrung. Das Buch enthält neben einigen publizistischen und historischen Artikeln einige gelungene belletristische Arbeiten. „Die große russische Revolutiou", von N. C. Berow. Mit historischen Bildern und Portraits. 1918. Verlag für Sozialwissenschaften G. m. b. H.. Berlin SW 68. — Die Vorentwicklung der russischen Revolution im 19. Jahrhundert, die direkten Vorboten derselben im letzten Dezennium und die eigentliche Umwälzung, wie sie gerade vor Jahresfrist vor sich ging und einen ganz unerwarteten Verlaus nahm — all das wird in dem vorliegenden Buche klar und präzis geschildert. „Kramarsch, der wahre Austifter des Weltkrieges", von R.-Abg. Dr. Friedrich Wichtl. München-Wien, 1918. Selbstverlag. — Der Verfasser, einer der Führer der Deütschnationalen, schildert in seiner Schrift die Politik des Tichechenführers Kramarsch und stellt denselben als den eigentlichen Anstifter des Weltkrieges dar. Die Arbeit ist wohl vornehmlich im alldeutschen Geiste gehalten und von diesem Gesichtspunkte geleitet, Uebertreibungen sind deswegen begreiflich. Im großen und ganzen geht man dennoch nicht fehl, wenn man der panslavistischen Politik die Anstiftung des Weltkrieges zuschreibt. Daß der Tschechenführer Kramarsch dabei viel gesündigt hat, ist ebenso klar. „Die deutschen Juden im Weltkriege", von Karl Hilmar, Berlin. Einzelpreis 50 Pfennig. Selbstverlag des Verfassers, Berlin, IV 35, Flottwellstraße 7. — Der Verfasser schildert eingehend die Leistungen der deutschen Juden im Weltkriege und hebt besonders die Leistungen einzelner Juden auf technischem Gebiete hervor, die das Durchhalten im Einkreisungs- und Aushungerungskriege erleichterten.