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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-28 · 7 (28.2.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
7 (28.2.1918)
Date
1918-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Maische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig.KS, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Nr. 7 Wien, 28. Februar 1918. IV. Jahrgang. Der Friede im Osten. Der Friede im Osten kommt denn doch. Nach dem Zustandekommen des Friedens mit der Ukraine fehlte es nicht an Stimmen, die meinten, auch in dieser Suppe sei ein Haar vorhanden, da gerade durch dieses einseitige Vorgehen der Mittelmächte der Abschluß des allgemeinen Friedens auch nur an der Ostfront ernstlich gefährdet sei. Großrußland dürfte nun in die Arme der Westentente gedrängt werden, Rumänien dürfte neue Hoffnungen schöpfen und die Entente wird erst recht die Gelegenheit wahrnehmen, den Kampf fortznsetzen, in der Hoffnung, über kurz oder lang die russische Dampfwalze wieder in Bewegung sehen zu können. Die Schwarzseherei — um nicht zu sagen Miesmacherei — hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Dem Friedensschlüsse mit der Ukraine folgen die Verhandlungen mit Rumänien und auch die gegenwärtigen Machthaber in Petersburg scheinen die Aussichtslosigkeit ihrer Hoffnungen eingesehen zu haben und auch sie strecken nun die Hand zum Frieden aus. In iBÜf'inft ftT Brest^MEsk -wird zmMtüber den Frieden verhandelt. Die Wünsche von Millionen begleiten diese Verhandlungen und allgemein herrscht starke Zuversicht, daß zumindest an. der Ostfront der Friede gar bald ein vollständiger sein wird. Daß dann der Krieg an den anderen Fronten nicht mehr lange wird anhalten können, darüber ist sich jeder Einsichtige wohl klar. Der Weltsriede ist im Anmarsche und nichts kann diesen Vormarsch mehr aushalten. An dieser Stelle ist wiederholt das große Interesse betont worden, das die Juden an dem Zustandekommen des Friedens haben und es ist nur zu begreiflich, daß gerade von jüdischer Seite die Friedensverhandlungen mit der größten Spannung verfolgt werden. Der Wahnwitz der Feinde, die da predigen, der Krieg sei ein. jüdisches Werk, wird dadurch Lügen gestraft. Die Juden als solche haben kein Interesse an dem Krieg, sie haben als Gemeinschaft und als Einzelne soviel unter den Folgen des Weltenbrandes zu leiden gehabt, daß kein guter Jude die Verlängerung des Krieges auch nur um einen Tag wünschen kann. Der Friede erfordert allseitige Opfer. Gerade der Umstand, daß diejenigen, die es früher versucht haben, ihr Recht oder auch ihr angebliches Recht, mit der Waffe in der Hand zn verfechten, nunmehr dabei sind, die Sache friedlich zu schlichten, bedingt es, daß allseitig Konzessionen gemacht werden. Handelt es sich doch um einen Verständigungsfrieden, und das Wesen einer Verständigung besteht darin, daß kein Faktor absolut auf seinen ursprünglichen Bedingungen und Forderungen beharrt. Von diesem Gesichtspunkte sind auch die Aufregungen, die der Friede mit der Ukraine in gewissen Kreisen hervorgerusen hat, zn beurteilen. An und für sich mögen ja gewisse Forderungen und Empfindlichkeiten voll und ganz berechtigt sein. Aber wenn es sich darum handelt, einen Verständigungsfrieden zu erreichen, so kann ein Jnstamentstandpnnkt nach keiner Richtung angebracht und zulässig sein Es geht nicht an, daß der eine Faktor erklärt, ohne dieser Konzession kann es keinen Frieden geben, und ebensowenig darf ein zweiter interessierter Faktor sich aus den Standpunkt stellen, daß dieser Frage zuliebe die ganze Sache gefährdet werden sollte. Die beiderseitigen nationalen Rechte in allen Ehren, aber auch die Menschlichkeitsrechte müssen einmal zur Geltung kommen. Rach 43 Kriegsmonaten hat auch die Sache des Friedens ein Recht, eine Rolle zn spielen. Will man den Blntopsern, die seit mehr als vierthalb Jahren von allen Volkskreisen gebracht werden, ein Ende machen, so muß man sich halt zu anderweitigen Opfern entschließen. Sprechen wir offen: wir haben dabei den MkEHErMckschW «-trett-im A»ge, tzer d folge der Bestimmungen der Grenzen der Ukraine gegen Westen erst recht entbrannt ist. Ohne an dieser Stelle die Frage, ob die Polen, oder die Ukrainer diesbezüglich im Rechte seien, näher erörtern zu wollen, möge nur gesagt sein, daß die Verschärfung des Streites den in Polen und in der Ukraine lebenden Inden nur höchst peinlich sein muß, da sie gezwungen wären, zu diesem Streit Stellung zu nehmen und Gefahr lausen, die eine oder die andere, eventuell auch beide Parteien zu verbittern. Es ist leicht begreiflich und verständlich, daß die Inden in Warschau und Krakau, selbst die Zionisten und Nationalisten, sich aus den polnischen Standpunkt stellen, ebenso wie es nur zu begreiflich ist, daß die Juden in Kiew den ukrainischen Standpunkt voll und ganz akzeptieren. Viel schwieriger und komplizierter ist schon die Stellung der Juden in gemischtnationalen Gegenden. In Ostgalizien sind wir Zeugen divergierender Stellungnahmen von jüdischer Seite. Die Lemberger Kultusgemeinde und die anderen sogenannten offiziellen Kreise haben für die Polen Stellung genommen, die zionistische Organisation in Oesterreich, an deren Spitze auch Führer der galizischen Zionisten stehen, hat an die Ukraine ein begeistertes Begrüßungstelegramm entsendet, in welchem wohl die Cholmfrage keineswegs berührt wird, das aber dennoch als eine Kundgebung für die Ukrainer aufgesaßt wird. Noch schwieriger ist natürlich die Stellungnahme der Juden im eigentlichen strittigen Gebiete. Wie sollen sich die Juden in Cholm, Hrubieszow und Krasnostaw verhalten, deren künftige Staatszngehörigkeit keineswegs sicher ist und die Gefahr laufen, die eine oder die andere Nation zn verbittern. Hier ivürde nicht einmal die Anerkennung der Juden als besondere Nationalität etwas helfen, da es sich um eine politische Staatszugehörigkeit handelt. Ans diesen, >vie ans vielfachen anderen Gründen kann von jüdischer Seite nur der Wunsch zum Ausdruck gebracht werden: die Polen und die Ukrainer mögen sich untereinander im Wege von Verhandlungen verständigen. Beiderseits müßten Konzessionen gemacht werden, um die Frage zu bereinigen, damit die Freude an dem Zustandekommen des Friedens nicht getrübt und der allgemeine Friede nicht gefährdet werde. Gerade der Verlauf des Weltkrieges und die Situation, wie sic sich heute darstcllt, sind nicht darnach angetan, die Hoffnungen aus die Erfüllung weitgehender nationaler Aspirationen zn sör dcrn. Wie steht es heute mit der nationalen Aspiration der Serben, der Rumänen, der Italiener, die ob derselben in den Krieg gezogen sind?! — Nach keiner Seite hin dürfte der Krieg die Befriedigung extremer Wünsche mti sich Das «rügen stich Pole» wie Ukrainer gesagt sein lassen und eine friedliche Verständigung untereinander anstrcben. Dies müssen wir im Interesse des Weltfriedens und auch int Interesse der Juden im Osten wünschen, für welche eine Verschärfung der Differenzen zwischen Polen und Ukrainern nur peinlich sein müßte. In der Stunde, da durch Jahrhunderte unterdrückte Völker wieder dabei sind, ihre Freiheit zu erlangen, sollten sie in einer derart frohen Laune sein, daß sie jeder gegenseitigen Verbitterung abgeneigt sein müßten. S p e e t a t o r. Propagandamrnistc'll £ovb ttorttrcliffe. Der englische „Zeitnngskönig" Northcliffe ist nunmehr zum Propagandaminister ernannt worden. Außerstande, kraft seiner militärischen Anstrengungen und des so sein ausgeklügelten „Aushungerungskrieges" das Ziel seines „heiligen Egoismus" zn erreichen, sieht sich Großbritannien gezwungen, zu immer neuen Mitteln seine Zuflucht zu nehmen. Eines dieser altneuen Mitteln ist nun die Propaganda in den Staaten der Mittelmächte und des neutralen Auslandes. Mit einer Skrupellosigkeit, zu welcher nur die englische Gewaltpolitik fähig ist, soll ein Netz von Lüge, Verdrehung der Tatsachen, Verschleierung und Entstellung über alle Länder gesponnen werden, um die öffentliche Meinung irre zu führen und mit der Hilfe falscher Nachrichten den Völkern des Vierbundes das Durchhalten im Kriege zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich gemacht werden, — die Neutralen wiederum

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