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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-21 · 6 (21.2.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
6 (21.2.1918)
Date
1918-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JDdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Np. 6. Friedensvechandlungen mit | Rumänienl j Wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist Rnmänien im Begriffe, den Weg nach Kanossa anzutreten. Ter Truck, der sich seit dem Friedensschlüsse zwischen dm Büttelmächten und der Ukraine ans die rnmänischen Schakalenpolitiker in Jassy immer stärker fühlbar machte, mußte schließlich dazu führen. Verlassen von allen Freunden, isoliert zu Lande und zu Wasser, auf sich selbst angewiesen und ohnmächtig, mit de» eigenen Kräften längere Zeit standznhalten, bleibt den Herren in Jassy wohl keine andere Wahl übrig, als um Frieden zu bitten. Freilich, so ganz einfach scheinen es diese Politiker, die es gewohnt sind, immer krumme Wege zu suchen, wo glatte Pfade vorhanden sind, auch diesmal nicht machen zu wollen. Sie haben plötzlich wieder einmal eine billige Beute aufgespürt und mochten so gerne ihre „bewährte" Schakalenpolitik sortseben. Bessarabien, das momentan zwischen der Ukraine und Rumänien als angeblich „herrenloses iürch, ramtro ~ -fre rttS'BriMnnig für ihren Verrat heimbringcn. Aber, cs dürfte ihnen auch da keine große Hoffnung winken. Wenn die offizielle Bekanntgabe von dem rumänischen Ansuchen, in Friedensnnterhandlangen einzntreten, von dem Zusätze begleitet ist, daß man die Aussichten dieser Verhandlungen nicht als optimistisch bewerten darf, so ist es klar, daß man wenig Lust hat, den Rumänen noch eine Belohnung für ihre „Heldentaten" zu gewähren. Nichtsdestoweniger dürften die Herren in Jassy keineswegs allzuviel Zeit haben, ihr Spiel fortzusetzen. Ueber kurz oder lang werden sie doch ernstlich um den Frieden bitten müssen. Die Friedens- Verhandlungen mit Rumänien sind demgemäß immerhin nur noch eine Frage von kurzer Dauer. Jetzt oder gar bald wird es dazu kommen müssen. Die Friedensverhandlungen und der zu ertvartende Friede au diesem Frontstücke können von jüdischer Seite nur mit Genugtuung begrüßt werden. Rumänien ist von der verdienten Strafe längst ereilt worden, es hatte einen „Ssof wie Haman". Was es an den Juden verbrochen hat, es hat dafür zur genüge gebüßt. Nunmehr aber ist der Friede auch schon deswegen wünschenswert, weil die rumänischen Juden, die unter den Kriegsereignissen unsäglich zu leiden hatten, schließlich die so heiß ersehnte Fricdenszeit ehrlich verdient haben. Es werden nun die Soldaten, die Gefangenen und die Verschleppten zur Familie, zu Heim und Herd zurückkehren können. Sie, die Juden Rumäniens, die dortselbst als „Fremde" behandelt wurden, hatten sicherlich kein Interesse, die Schakalen- Wien, 21. Februar 1918. I Politik der Bratiann und Take Jonesen mitj zmnachen. Und noch etwas. Auch ihre Lage iin Lande dürfte nunmehr eine Wandlung znin Bessern erfahren. Einstimmig waren sich alle Machte, selbst die „Alliierten" Rmnüniens, darüber, daß die Jndensrage in Rumänien, die selbst jeder Phantasie spottet, im positiven Sinne gelöst tverden muß. Tic Inden Rumäniens, die Unmenschliches und Unmögliches zu leiden und zu erdulden hatten, muffen nunmehr ihre Menschenrechte erhalten. .Kommt cs nun zu Friedensverhandlungen, dann dürfte die Jndensrage hiebei zur Erörterung gelangen, dann müssen feste Garantien dafür geschaffen tverden, daß das eventuell wiederhergestellte Königreich sein Wort nicht mehr brechen und seine Versprechmigen besser einhalten wird. Ter Finch des Wortbruches hat sich nicht nur den Juden gegenüber, sondern auch den Mittelmächten gegenüber fühlbar gemacht. Freilich, Rumänien mußte schließlich selbst darunter am stärksten leiden und an den Rand des Abgrundes gelangen. Aber in Wien und Berlin wird man es wohl verstehen, auch die Erfüllung der den Juden rumänifcherscits übernommenen.Verpflichtungen durchznsetzen. An dem guten Willen der k. u. k. Regierung kann nicht gezweifett werden. War doch Oesterreich-Ungarn viele Dezennien hindurch, bis zur Proklamierung der rumänischen Selbständigkeit, der Schutzherr der Inden in den Donaufürstentümer». So werden denn die Mittelmächte, die den Jude:: Rußlands Freiheit und Erlösung vom Zarismus verschafft haben, auch den Inden Rumäniens Menschenrechte und Menschenwürde wicdergcbcii. Ohne mit einem Phrasenschwall zu operieren, verrichten die Mittelmächte ein großes Erlösungswerk, das ihre herrlichen Siege nur noch glorreicher erscheinen läßt. Spectntor. Die Konferenz der Orthodoxie in Oesterreich. Die Konferenz der Orthodoxie in Oesterreich, die in den ersten Tagen dieser Woche in Wien stattgefunden hat, brachte einen vollen Erfolg. Selbst die kleinmütigen, die angesichts der bisherigen Erfahrungen sich kaum dazu ausraffen konnten, zu glauben, daß die Orthodoxie nunmehr reif für eine großzügige Organisationsarbeit sei, sind durch den Verlauf der Beratungen eines Bessern belehrt worden. Wenn die Konferenz eine Kraftprobe der österreichischen glaubenstreuen Judenschaft bilden sollte, so ist diese Probe glänzend bestanden, wenn es sich um eine Heeresschau handelte, um die eigene Kraft übersehen und einschätzen zu können, so ist dieselbe über allen Erwartungen ausgefallen. Aus allen IV. Jahrgang. Kronländern meldeten sich Teilnehmer, viele sind auch trotz der Ungunst der Zeit und der Verkehrslinannehmlichkeitcn gekvinme». Sie brachte» die Grüße und Wünsche ihrer Ge sinnnngsbriider mit, die es mit lebhafter Freude begrüßen, nunmehr gesammelt und zu gemeinsainer Arbeit für die heiligsten Güter des Judentums vereinigt zu tverden. Das Bild, welches manche Delegierte von de» Zuständen in der engeren Heimat entwicketten, ivar leider nicht immer erfreulich. Was in Böhmen und Mähren in religiöser Beziehmtg vorgeht, ist wahrlich höchst bedauerlich und traurig, umso mehr, als ja gerade diese beiden Krvnländer in der alten guten Zeit n>:d t:och gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts der Sitz von Thora und Jirvh tvaren, de» Stolz des österreichischen Judentums bildeten. Gerade deswegen, weil das Bild der Situation ein solch düsteres ist, enipfindet man die Notwendigkeit, Rcinedur zu schaffen und das lebhafte Interesse, das sich in diesen Gegenden für die Konferenz knndgab, die großen .Hoffnungen, die mau einer Organisation der glaubeustrencn Judenschaft cntge genbringt und die hell« Begeisterung, von der die wenigen aber besten Elemente der Judenheit Wcstösterreichs für die unternommene Aktion beseelt sind — sie bürgen dafür, daß die Aktion mit der Hilfe Gottes erfolgreich sein rvird. War auch die Konferenz ohne besondere Vorbereitungen cinbcrusen worden, wurde auch dem Wunsche der Provinzdelegierten, derselben bloß den Charakter einer Vorkonferenz zu geben und binnen weniger Monate einen Delegiertentag auf breiter Basis einzubernfen und bindende Beschlüsse zu fassen, stattgegeben, so hatte die Tagung dennoch — vielleicht gerade deswegen — einen vollen Erfolg und es kommt derselben unstreitig eine große Bedeutung zu. Die gute Sache wirkt kraft des eigenen moralischen Schwergewichtes. Der Vorstand des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums", der sich der mühseligen Ausgabe unterzogen hat, die Organisationsarbeit in die Hand zu nehme» und die Vorbereitungen hiefür zu treffen, hat allen Grund, mit dem Resultat zufrieden zu sein. Möge nunmehr das neugewählte Aktionskomitee seinen Ausgaben gerecht werden und dann wird der Tag nicht mehr fern sein, an dem die Organisation der Orthodoxie in Oesterreich eine vollendete Tatsache sein wird, zur Ehre und zum Ruhme des unverfälschten Judentums. * Zur Konferenz waren etwa 200 Delegierte angemeldet. Mehr als 100 sind auch von nah und fern erschienen und beteiligten sich eingehend an den Beratungen. Diese hatten einen überaus ernsten würdevollen Verlaus.

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