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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-24 · 3 (24.1.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
3 (24.1.1918)
Date
1918-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Ivreppel. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Np. 3, Wien, 24. Jänner 1918. IV. Jahrgang. Jüdische Lriedensfragen. Po>i K o h e l e t h. Die Friedcnsfrage, die heute alle Welt in Spannung hält und die öffentliche Meinung aller Staaten und Böller beschäftigt, hat naturgemäß auch innerhalb der Judenheit das größte Interesse hervorgernfen, und seit Jahr und Tag wird darüber beraten, debattiert und verhandelt, welche Stellungnahme die Inden als solche zur Friedensfrage nehmen, respektive welche Forderungen sie formulieren und tvelche Wünsche sie zum Ausdruck bringen sollen. Dieser Gedanke nimmt seinen Ansgang von der Wahrscheinlichkeit, daß der künftige Friedenskongreß nicht bloß die Differenzen zwischen den Kriegführenden zu bereinigen haben, sondern auch dazu berufen sein ivird, der heutigen Knltnrwelt eine neue Gestaltung zu geben, die Maxime „Macht geht vor Recht" zu beseitigen und das Verhältnis der Staaten und Nationen zueinander auf der Grundlage der Gleichheit und der Gerechtigkeit festzulegen. Wenn cs nun einmal birns tr>llt‘Vhil> ktestien Völker aufhören sollten, den Interessen der großen Mächte dienstbar sein zu müssen, sondern die Möglichkeit zu erhalten hätten, selbst die Herren ihres eigenen Schicksals zu sein, dann — so wurde und wird im jüdischen Lager deduziert — wird es auch an der Zeit sein, das historische Unrecht, das seit zwei Jahrtausenden an dem jüdischen Volke begangen wurde, gut zu machen und demselben die Möglichkeit zu verschaffen, sich frei und unbehindert, national und kulturell ausznleben, sei es als politische Gemeinschaft in irgendeiner Form im Lande seiner Väter, seiner Vergangenheit und seiner Sehnsucht, sei es in den Ländern der Diaspora, in welchen die Juden in Massen leben und ihre Eigenart trotz aller Widerwärtigkeiten und Einflüsse der Umgebung beibehalten haben. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, entstand innerhalb des Judentums die Bewegung, jüdische Kongresse einzuberusen, die die jüdischen Wünsche und Forderungen zu formulieren hätten und dazu streben sollten, diese dem künftigen Friedenskongresse zu unterbreiten und eine Erfüllung und Berücksichtigung zu erwirken. Der Plan entstand zunächst in Nordamerika, wo man glaubte, kraft der Stellung, die die große nordamerikanische Republik im Leben der Völker einnimmt, und kraft des Einflusses, den die Juden dortsclbst, sei es infolge ihrer persönlichen sozialen Stellung, sei es infolge ihrer Position im Staate, ausüben, wird es möglich sein, derartigen Forderungen Gehör zu verschaffen und deren Erfüllung durchzusetzen. In Amerika entstand auch der Plan eines jüdischen Kongresses, der die dortige öffentliche Meinung lange Zeit beschäftigte und zu heftigen Kümpfen und Reibungen Anlaß gab, bis man sich endlich ans ein gemeinsames Programm einigte und die Plattsorm für den Kongreß schuf, — der aber vorläufig nicht abgehalten wird, da der Eintritt Amerikas in den Krieg die Position der Union, wie nicht minder der dortigen Inden, wesentlich beeinflußte, und zwar nicht gerade vorteilhaft. Was unsere Bruder in einem neutralen Amerika hätten erreiche» können, das würden sic als imitierlun kriegführende Partei kaum zu erlangen imstande sein. Deswegen auch sind die Hoffnungen der gesamten Judcnhei! hinsichtlich der Jnierventivn ans Amerika bedeutend gesunken, und deswegen auch entstand in fast sämtlichen Ländern der Plan, eigene Kongresse einzuberusen und zu den aktuellen jüdischen Fragen, die mit dein Friedensschlüsse im Zusammenhang stehen, Stellung zu nehmen. Eine spätere Bereinigung aller Faktoren ist gleichzeitig in Aussicht genommen. Will man nun die Tunlichkeit dieser Aktion überhaupt benrteUrii, 4g nmji ,::um jich-^Mr. allem über einige wesentliche Punkte klar werden. Zunächst möge konstatiert werden, daß die Friedenskongreßfrage als solche keineswegs so bombensicher ist. Kommt es zu einem Sonderfrieden mit Rußland, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß der Krieg ebenso stufenweise abgebant werden wird, wie seine Entwicklung nach aufwärts eine stufenweise war. Nach Rußland kann Rumänien, hernach Serbien, Montenegro folgen, dann könnten andere Staaten, denen keine Aussicht winkt, bei einem weiteren Krieg ans ihre Rechnung zu kommen, genug haben und Schluß machen, im Sinne des Gesetzes der Serie, das sehr ansteckend wirkt. In diesem Falle wird es zu einer Reihe von Sonderfrieden kommen, ohne daß ein allgemeiner Völker- und Staalenkongreß überhaupt am Platze tväre. Anderseits muß man sich folgendes stets vor Angen halten: In einer Zeit, da große „Kultnrstaaten" seit vierthalb Jahren einen Weltenbrand züngeln lassen, um nur ihren egoistischen Zielen zuznstreben, —_ kann man da ertvarten, daß diese selben Staaten die ethischen Schlagworte, die sie im Munde führen, ernst nehmen und tatsächlich. dazu bereit sein werden, weltbeglückende Absichten zu hegen und die Menschheit mit Recht und Gerechtigkeit beglücken zu wollen. Der wilde Kampf, wie er seit 42 Monaten mit einer unerhörten Rücksichtslosigkeit geführt wird, der selbst Weiber und Kinder nicht verschont und sämtliche Bestimmungen des mit so schwerer Mühe aufgebauten Völkerrechtes umstürzt — läßt kaum den Gedanken aufkonimen, daß wir am Vorabend des messianischen Zeitalters stehen, und daß die erobernngslüsternen Weststanten leine anderen Sorgen haben dürften, als das historische Unrecht, das an dem jüdischen Volke verübt wurde, gut zu machen. Was nach dieser Richtung versprochen wird, ist mehr Dichtung als Wahrheit, mehr Bluff als Ernst. Alan kann demnach auch hinsichtlich des Friedenskongresses - vorausgesetzt, das; es zu einem solche» komme - - keine allzu weitgehende Hoffnung haben und etwas mehr Nüchternheit dürste sicherlich am Platze sein. Richtsdestviveniger wäre cs entschieden verfehlt, die Sache ganz anszngeben. Ter gegenwärtige Weltkrieg ist reich an getvaliigen Ueberraschnngcn, -- vielleicht kommt auch hinsichtlich der Jndensrage die große Ueberraschnng, daß die nicki-jüdische Weit, die stets gewohnt war, zur Jndensrage im negativen Sinne Stellung zu nehme», diesmal sich dazu bereit finden sollte, dieselbe positiv lösen zu wollen. Es ist das Schicksal gar mancher Schlagworte, daß sie schließlich doch einen ernsten Boden finden, — auch das Schlagwort . ^M.ELMtcheÄummLW«cht derLMex von „Recht und Gerechtigkeit", das seitens der Entente zu demagogischen Zwecken in die Welt gesetzt wurde, kann unter Umstanden kraft seines eigenen Schwergewichtes wirken und dnrchdringcn. Schaden kann schließlich die Formulierung der jüdischen Forderungen und die Verfechtung derselben urbi et orbi vor aller Welt nicht, selbst wenn nicht alles erreicht werden sollte. Auch der moralische Effekt ist etwas mcrt, und dieser dürste unstreitig vorhanden sein, nie»» die Inden aller Länder mit einheitlichen Forderungen anftretcn sollten. Damit aber gelangen wir zum eigentlichen .Kern der Sache. Schon in Nordamerika, wie lucht ininder in Rußland, waren sehr wescntlichc Meinungsverschiedenheiten und zeitweise sogar Konflikte vorhanden hinsichtlich der Formnlicrnng der jüdischen Forderungen, respektive der Festsetzung derjenigen, mit welchen man an den Friedenskongreß heranireien sollte. Ta gab es zunächst drei Richtungen oder Gruppen. Tie weitestgehende war durch die Zionisten, Poale-Zionisten und Jüdisch-Nationalisten repräsentiert, die ein maximales Programm ausstellte und einerseits die Znerkennung von „Volksrechten" für die Inden in all den Ländern, wo sie in Massen wohnen, d. h. die völkerrechtliche Anerkennung der Juden als Nation mit allen daran geknüpften internationalen Rechten der Selbstbestimmung re. forderte, — andererseits das volle und uneingeschränkte Recht auf Palästina, wo ein jüdisches Gemeinwesen in völkerrechtlicher Hinsicht entstehen sollte. Die entgegcngcsetzteGruppe, bestehend zum Teil aus den sogenannten „Assimilanlen", zum Teil aus den jüdisch-sozialistischen Gruppen re., wollte von all diesen Hiezn eine Beilage: Tätigkeitsbericht der „AgudaS Jifroel".

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