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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-10 · 2 (10.1.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
2 (10.1.1918)
Date
1918-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Redaktion u. Administration : Wochenblatt für jüdische Interessen. Wien vm Alserstraße 55 Redakteur: Jonas Kreppei. j Erscheint jeden Donnerstag. Np. 2, Wien, IO. Jänner 1918. IV. Jahrgang. Konferenz der Orthodoxie in ' Oesterreich. Der Appell, der in der vorletzten Nummer der „Jüdischen Korrespondenz", betreffend Einberufung einer Konferenz der Orthodoxie in Oesterreich, veröffentlicht wurde, hat in allen Kreisen des glaubenstreuen Judentums eine nachhaltige Wirkung hervorgerufen und die Redaktion erhält fortgesetzt zahlreiche Zustimmungen und Anregungen. Allgemein wird anerkannt, daß die Abhaltung einer Konserenz der Orthodoxie in Oesterreich ein dringendes Gebot des Tages ist, „we'irn lau achschow — emosai!“ — Wenn nicht jetzt, da so viele brennende Fragen aktuell sind, die das gesamtjüdische Leben berühren und auch das religiöse Gebiet scharf streifen, — wann denn wird sich die glaubenstreue Judenschaft zu einer energischen Tat aufraffen? Indem wir diesen Stand der Sache hiermit mit Genugtuung registrieren, sind wir gleichzeitig in der Lage, mitzuteilen, daß d e r „Verein zur Wahrung der JntercdJL« des orthodoxen Judentums" sich bereit erklärt, die Angelegenheit in dieHand zu nehmen und die Einberufung und Abhaltung der Konferenz zu leiten. Die Idee einer Konferenz ist diesem Vereine nicht neu. Bereits vor Jahren war die Abhaltung einer Konferenz der österreichischen Orthodoxie geplant. Der Krieg und die Kriegsereignisse haben es mit sich.gebracht, daß der Gedanke nicht zur Durchführung gelangte. Gegenwärtig aber, da von verschiedener Seite Kongresse geplant und vorbereitet werden, die vielfach auch das jüdisch-religiöse Leben in den Kreis ihrer Beratungen, direkt oder indirekt, ziehen durften, kann und darf die Orthodoxie nicht passiv bleiben; es ist vielmehr ihre heiligste Pflicht, einzugreifen und sich Geltung zu verschaffen. Der „Verein zur Wahrung der Interessen des religiösen Judentums" ist demnach bereit, die Konferenz-Aktion zu leiten, und schon^ in der nächsten Zeit soll die Sache in Angriff genommen werden. Zunächst aber werden die orthodoxen Kreise in der österreichischen Provinz ersucht, sich mit dem Verein (Wien, I., Tuchlauben 20) ins Einvernehmen zu setzen. Jede Mitarbeit, jeder Rat und jede Tat sind willkommen. „Utsehuaberauw jauetz!“ _ Oie zukünftige Stellung der Juden in Oesterreich. (Aeußerungen einer maßgebenden Persönlichkeit.) Unser Redakteur hatte dieser Tage die Gelegenheit, mit einer maßgebenden Persönlichkeit, die iiber die Intentionen der Regierung informiert ist, ein Gespräch über die zukünftige Stellung der Juden in Oesterreich zu führen, und wir veröffentlichen im nachstehenden die diesbezüglichen Aeußerungen, die sicherlich großes Interesse verdienen. — SeineExzellenz derHerrMinistcrpräsident hatte in letzterer Zeit wiederholt Gelegenheit, jüdische Deputationen verschiedener Richtungen zu empfangen und somit auch die Möglichkeit, die im jüdischen Lager herrschenden Strömungen näher kennen zu lernen. Wie stellt sich die Regierung zu den verschiedenseitig vorgebrachten Wünschen und Forderungen und wie gedenkt dieselbe die Stellung der Juden in der Monarchie in der Zukunft zu regeln? „Die Deputationen, die beim Ministerpräsidenten vorgesprochen haben, — erklärte unser Gewährsmann — brachten Wünsche und Forderungen vor. die sich sowohl auf die gegenwärtigen Verhältnisse, wie hinsichtlich der Zukunft bezogen haben. Was die gegenwärtigen Zustände betrifft, kann es feiner Frng? tflrtfrfiepiylitih ■ir.fiue Exzelleizz ließ darüber auch keinen Zweifel zu, daß die Regierung die Haltung und die Leistungen der Juden im Kriege voll und ganz zu würdigen weiß und sich keineswegs dadurch beirren läßt, daß von gewisser Seite gegen die Juden Vorwürfe erhoben werden, oder daß hie und da einzelne Juden sich manches zuschulden kommen ließen. Die Regierung ist weit entfernt davon, die Gesamtheit für die Vergehen Einzelner verantwortlich zu machen. Im großen und ganzen haben die Juden ihre Pflicht gegenüber dem Staate restlos erfüllt; was einzelne gegenüber der Gesellschaft gefehlt haben, z. B. in Preistreiberei, Kettenhandel rc., so wird dies keineswegs ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zugeschrieben und nichts liegt den maßgebenden Stellen ferner, als den von gewisser Seite betriebenen Hetzereien irgendwie nachzugeben. Hinsichtlich der speziellen Wünsche, die seitens der Deputationen vorgebracht ivurden und die sich auf bestimmte konkrete Fälle und Vorgänge beziehen, hat die Regierung nicht ermangelt, das Mögliche zur Befriedigung derselben zu veranlassen, insofern dies bei den heutigen Verhältnissen zulässig ist und insoferne die Berechtigung der Wünsche anerkannt werden konnte. Ganz besonders ist dies hinsichtlich jener Angelegenheiten der Fall, die mit dem religiösen Leben im Zusammenhänge stehen und deren Erfüllung um so leichter war und ist, als sie keine anderen Interessen tangieren. Was jedoch die Zukunftsfragen betrifft, so ist die Entscheidung keineswegs einfach und leicht. Abgesehen davon, daß jede Aenderung der rechtlichen Stellung der Juden mit der allgemeinen Refornt der staatlichen Administration in engem Konnex steht und keineswegs isoliert vorgeuommen werden kann, f e h 1 t d e r R e g i e r u n g b i s a u f w e i t e r e s die G e w i ß h e H darübc r, ob d i c von mancher weite vorgebrachten Wünsche und unterbreiteten A nregungen tatsächlich der Stiinmung und der Ansicht der Allgemeinheit entsprechen. Aus den vielfachen Unterbreitungeu, die den maßgebenden Stellen vorliegeu und aus den mündlichen Aeußerungen, die sic zu vernehmen Gelegenheit hatten, konnten sie im Gegenteil eher den Eindruck gewinnen, daß viele prinzipielle Fragen innerhalb der österreichischen Judenheit strittig seien. Die Regierung fühlt sich keineswegs berufen, hier eine einseitige Entscheidung zu füllen." -- Es wird gegenwärtig die Abhaltung eines jüdischen Kongresses in Oesterreich geplant. Angenommen, daß derselbe zustande kvnimt und zu bestimmteit Beschlüssen gelaugt — wird die Negierung diesen Umstand entsprechend würdigen.? „Man muß jedenfalls den Verlauf dieses Kongresses abwarten. Immerhin kann schon jetzt gesagt werden, daß die eventuellen Kongreßbeschlnsse ebenfalls nur eine bedingte Bewertung erhalten können. Ohne schon jetzt die Zusammensetzung dieses Kongresses a priori beurteilen zu wollen, ist cs dennoch klar, daß es sich keineswegs um eine Gesamtreprüsentanz der österreichischen Judenheit handeln dürste. Der Kongreßplan geht von einer gewissen Seite ganz bestimmter Färbung aus. Daß keine Gegenaktion wahrzunehmen ist, spricht noch nicht dafür, daß eine allgemeine Zustimmung vorliegt. Die gegenwärtigen Verhältnisse bringen es mit sich, daß eine eventuelle Opposition nicht zur Geltung gelangt. Die Vorbereitungen zuni Kongreß werden übrigens derart streng vertraulich und konventikelmäßig getroffen, daß man keinesfalls von einer klaren Volkskundgebung wird sprechen können, möge auch die sogenannte demokratische Form im letzten Moment gewahrt werden. Man muß daher den Verlauf der Sache abwarten." — Immerhin, die Regierung muß sich doch bis zu einem gewissen Grade darüber klar sein, wie die Judenfrage in Oesterreich geregelt werden soll. „Das ist wohl richtig. Allein, man darf nicht vergessen, - daß die Situation in vielfacher Beziehung nicht ganz klar ist. Das Gros der österreichischen Judenschaft befindet sich in Galizien. Die Juden im Westen befinden sich in einex ganz anderen Lage^ und haben ganz andere Bedürfnisse. Nun ist es bekannt, daß die sogenannte galizische Frage keineswegs definitiv gelöst ist und kaum vor Kriegsende gelöst werden dürste. Es kursieren

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