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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-03 · 1 (3.1.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
1 (3.1.1918)
Date
1918-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 W 1 W U Soeben erschienen! Höchst aktuell! Ein Friedenverhandlungsprotokoll sui ^reneris. Wichtig für jeden, der sich für die Friedensfrage interessiert. Der Kampf für und wider den Frieden. Noten, Manifeste, Botschaften, Reden, Kundgebungen, Erklärungen etc. zur Friedensfrage seit dem Friedensangebote der Mittelmächte. Mit Einleitung und Anmerkungen von J. KREPPEL. Preis! I-C 0-—. -------- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie von der „Jüdischen Korrespondenz“, Wien, VIII., 1 ... Alserstraße Nr. 55. ------ m m Demnächst erscheint: 3udcn„nJ Judentum im Weltkriege. Don 3. Kreppei. Darauf antwortete der Ministerpräsident wörtlich: „Ich habe meine Anschauungen über unsere Beziehungen zur jüdischen Bevölkerung bereits durch meine Vertreter auf der Rabbinerkonferenz, wie auch beim Empfange der jüdischen Pressevertreter zum Ausdruck gebracht. Dem hade ich nur noch folgendes hinzuzufügen: Der Aufbau unseres Staates ist noch im Gange, und es steht uns noch schwere Arbeit bevor. Jeder Widerstreit zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten un Lande würde natürlich unsere Lage noch wesentlich erschweren. Nur ein vollständiges Zusammengehen kann unsere Arbeit erleichtern, die volle Gleichberechtigung im religiösen und kulturellen Leben erstrebt und darüber hinaus auch den besonderen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung dienen soll. Voraussetzung ist aber, daß der äußerliche Charakter des Staates ein einheitlich polnischer bleibe. Als Historiker weiß ich, daß das einzige Band, das die Judenheit zusammenhält, die Religion bildet, ohne welche sie schon längst ihre Existenz hätte einbüßen müssen. Darum setze ich meine Hoffnung auf Sie, die Rabbiner, die obersten religiösen Führer, daß Sie nach dieser Richtung Mitwirken werden." Herr Rabbiner Liebschütz dankte in einer kurzen Ansprache für die freundlichen Worte, die die Hoffnung erweckten, daß der neu entstehende polnische Staat auch uns Juden eine glückliche Zukunft bringen und alle Möglichkeiten bieten wird, uns als gute und nützliche Bürger frei zu entwickeln. Der Redner weist auf die von den Rabbinern angetretene traurige Erbschaft aus der russischen Zeit hin, die in beleidigenden und herabwürdigenden Beschränkungen für den Rabbinerstand besteht. Er drückt die Hoffnung aus, daß die dahingehenden Wünsche der Rabbiner, die demnächst in einem Memorandum der Regierung eingereicht werden, volles Verständnis und weitgehende Beachtung finden werden. Mit der Gewährung der Rechte der anderen Geistlichen an die Rabbiner würde der Einfluß der letzteren sich wesentlich stärken. Herr Rabbiner Treistmann fügt noch den Wunsch hinzu, daß die Aufsicht über die religiösen Schulen in die Hände der Rabbiner gelegt werden möge, da nur auf diese Weise die jüdische Erziehung, die beim Wiederaufbau des polnischen Staates nicht von geringer Wichtigkeit ist, in gesunde Bahnen geleitet werden kann. Chronik. (Ehewra Kadischa, Wie« I.) In der am 18. Dezember stattgefundenen Vorstands-Sitzung wurde bei Anwesenheit sämtlicher Vorstands-Mitglieder Herr Landesschulrat füll. u. jur. I)r. Markus Spitzer zum Präsidenten der Chewra-Kadischa und Herr Moritz B. Eißler zum Vize-Präsidcnlcn einstimmig gewählt. (Eidesleistung auch i« hebräischer Sprache.) Wie „Kiewska Mysl" berichtet, hat die Stadtverwaltung in Kremenczug bei der Eidesleistung der neugewählten Ratsmänner dieselbe in russischer, polnilcher, ruthenischer und jiddischer Sprache vorlesen lassen. Die zionistischen Ratsmänner verlangten auch eine Vorlage in hebräischer Sprache, welche trotz heftiger Proteste der Bundisten audh gewährt wurde. (Antisemitische Unruhe« in Tunis.) Das in Konstantmipel erscheinende jüdische Organ „L’Aurore“ vom 7. Dezember bespricht in einem Leitartikel antisemitische Ausschreitungen, die in Tunis stattgefunden haben und deren Bekanntgabe von der französischen Zensur unterdrückt werde. „L’Aurore“ führt diese Unruhen auf die Aufreizung des antisemitischen Blattes „Colon Fran<;ais“ und des offiziellen Regierungsorganes „vepeehe tuwsienne“ zurück, die seit langem die Juden als Kriegsgewinner par excellence darstellten und ihnen, die durch Gesetz vom Kriegsdienst ausgenommen sind, den Vorwurf der Drückebergerei machen. Schon im vorigen Jahre verwies die monatlich in Genf erscheinende „Revue du Maghreb“ die französische Regierung auf die Gefahren dieser antisemitischen Kampagne, doch vergeblich. Run ist das Nebel ausgebrochen. Ein Zwist zwischen einem Juden und emem Soldaten, beide Eingeborene, führte zu blutigen Szenen. Bon Tunis aus verbreitete sich die Hetze .nach Sfax, Bizerta u. a. O. „L’Aurore* entnimmt diese Nachrichten der „Revue du Maghreb“-, diegesamte französische Preffe schweigt. (Die Lage der Inden in Saloniki.) Auf Anfrage des Londoner Oberrabbiners Dr. Herz erteilte der Oberrabbiner aus Saloniki folgende Auskunft über die Lage der dortigen Juden: Von den dort lobenden '73.448 Juden halten sich 2183 Familien in Baracken, 685 in Stallungen auf oder ganz aus der Straße. 10.000 Familien sind ganz ruiniert, so daß die zugeschickten 10.000 Pfund Sterling sofort verteilt werden mußten. Es müßten unbedingt zumindest 1000 Wohnungen ausgebaut werden, man müßte ehestens Material für die Werkstätten schaffen, den Kaufleuten kleine Anleihen gewähren,. Wäsche und Kleider besorgen, ärztliche Mittel usw. (Ans de» Anfänge« des Judentums in Litauen.) Es gibt nur wenige Nachrichten oder Denkmäler über die Anfänge des Judentums in Litauen. Als ältestes Denkmal können die jüdischen Grabsteine in der Nähe von Eischischki (Gouvernement Wilna) betrachtet werden. Nach den Angaben auf diesen Grabsteinen haben die Juden in Litauen bereits vor dem Jahr« 1171 gewohnt. Auch zeugen davon die jüdisch-litauischen Münzen aus den Jahren 1173—1220. Größere Gemeinden der Juden sinden wir erst im XIV. Jahrhundert, nämlich in Brest, Grodno, Troki usw. Bezüglich der Frage, ob die Juden vom Welten oder vom Osten her in Litauen eingewandert sind, muß angenommen werden, daß der größte Teil vom Westen (Spanien, Deutschland, Polens und nur ein kleiner Teil von Osten her in das Land gekommen ist. K. B. (Handschreiben des Feldmarschalls Freiherr« v. Conrad.) Aus Zwittau wird geschrieben: Der hiesige Gymnasiast Gerhard Kanter, ein Sohn unseres geschätzten Herrn Rabbiners Dr. F. Kanter, sandte anläßlich der Allerhöchsten kafferlichen Auszeichnung des Feldmarschalls Freiherrn v. Conrad, di«, vor kurzem erfolgte, an denselben ein Glückwunschtelegramm, woraus nachstehendes, vom Feldmarschall eigenhändig geschriehenes Dankschreiben einlangte: „Für Ihr liebenswürdiges Glückwunschtelegramm, das mir auf dem Umwege über Baden bei Wien zukam, danke ich verbindlichst. Mit bestem Gruß: v. Conrad."

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