Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 1 (3.1.1918)
- Date
- 1918-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenblatt für jüdische Interessen. : Heller *'' ' .' - keciaktsur: Jonas Kreppei. * 6 efV' i Erscheint jeden Donnerstag. HlV 1. ' M die p. 1. Mit der Henrigen Rummci IV. Jahrgang unseres Blattes ,, in normalen Zeiten schwer, ein jüdisches Blatt |M gründen und zu erhalten, — um so schwerer w, ist dies in einer solch unnormalen Zeit, wie die gegenwärtige. Daß es uns trotzdem ge« - langen ist, den IV. Jahrgang zu erreichen, spricht sicherlich zugunsten unseres Blattes. Wie bisher, wird die „Jüdische Korrespondenz" auch fernerhin ihr Programm zielbewuht und unverrückbar befolgen. In Fragen, die das inner-jüdische Leben berühren, wird die Glaubenstreue unser Leitstern sein. Hinsichtlich der allgemein-jüdischen Angelegenheiten wird.unser Blatt nach wie vor jedes Problem sachlich, ohne Demagogie und ohne Einseitigkeit erörtern und beleuchten. In allgemeinpolitischen Fragen wird die unentwegte Vaterlandsliebe für das Verhalten der „Jüdischen Korrespondenz" die Richtschnur bilden. Glaubenslreue und Vaterlandsliebe werden^ iveittt^^ die Grundpfeiler unserer Wir wollen hoffen, daß uns die p. t, Leser auch fernerhin dieselbe Forderung zuteil werden lassen, die es uns bisher ermöglicht hat, die „Indische Korrespondenz" zu erhalten. All diejenigen, die die Ersprießlichkeit unserer Arbeit zu würdigen tvissen, mögen es sich angelegen sein lassen, für unser Blatt Abwerden uns dadurch ermöglichen, dasselbe äußerlich und inhaltlich zu vergrößern und auszugestalten. Als einziges jüdisches Organ in Oesterreich, das auf glaubenstreuer Grundlage basiert, verdient die „Jüdische Korrespondenz" sicherlich die weitestgehende Förderung aller gutgesinnten Inden. Infolge der fortgesetzt steigenden Herstellungskosten sehen >vir uns gezwungen, nach langem Zögern den Bezugspreis unseres Blattes zu erhöhe». Es geschieht dies allerdings in dem Momente, da der Unisang desselben vergrößert wird, so daß die p. t. Abnehmer immerhin ein Aequivalent erhalten. Der Bezugspreis der „Jüdischen Korrespondenz" ist nun: Hanzzahrtg. . KaköMrig. . Mertekzährig . Dinzeknnmmer. h All diejenigen, deren Abonnement abgelanfen ist, werden ersucht, dasselbe u nverzüglich zu erneuern, da die Nichterneuerung die sofortige E i n st e l l u n g der weiteren Zusendung zur Folge haben wird. Die Redaktion u. Administration. Wien, 3. Jänner 1918. IV. Jahrgang. w Juden und die Lmedenssrage. In der letzten Zeit haben wir wiederholt jüdische Zeitungen aus Rußland erhalten. Ans denselben konnte mau einen Einblick in die Verhältnisse gewinnen, die gegenwärtig in Rußland herrschen, und die Lage kennen, in der sich unsere Brüder dortselbst befinden. Das Bild, das sich -vor den Au gewiss Lesers entrollte, war leider fe|jt erfreuliches. Die Anarchie, die in den letztm Monaten in Rußland eiugerissen hat, Konnte nicht ohne Rückwirkung auf die Position der Juden bleiben. Die schwarzen Geister aller Parteien und Gruppen, die gegeneinander den Kampf um die Herrschaft führen, haben sich die Juden S Sündenbvck ausgewählt, an dem sie ihr tchen kühlen und aus welchen mau die Schuld für alles Unheil werfen konnte. Die Kadetten einerseits, die Sozialrevolutionäre anderseits, die Menschewiki, wie nicht minder die Bölschewiki, von den Reaktionären schon nicht zu sprechen, — alle, alle haben ihren Anteil an den Judenexzessen, die in letzter Zeit in Rußland j-ut *»*• T-,g-sordunng waren. I» welcher Stadt immer Kampfe vorgekommen sind, stets kühlte die unterlegene Partei ihr Blütchen an dem Inden, der für alles verantwortlich gemacht wurde. Mit einer beißenden Ironie konstatiert das „Petrograder Tagblatt", daß die Zeilen, da man in jeder Stadt mit einem Pogrom rechnete, wie mit einem Naturereignis, das kommen muß und keinen Tag der Ruhe sicher mar, bis sich der Sturm entladen hatte, wiedergekehrt sind. Tic bitterböse Frage: „Bei Euch war es schon?", die in den friihereu Pogromzeiten aus allen Zungen war, ist heute wieder aktuell uiid nur der zu Leiden und Verfolgungen wie geborene russische Jude findet sich mit dem Stand der Tinge ab »nd verliert nicht die Hoffnung aus bessere Zeiten. Freilich, die Blätter, die hierher gelangten, sind vom Ende November, als Kerenski noch am Ruder war und die Bölschewiki einerseits, wie die Reaktionären andererseits den Kampf um die Macht führten. Vielleicht ist es jetzt, da die Bölschewiki mehrweniger Ordnung im Reiche gebracht haben, etwas besser. Allein, charakteristisch ist'die Tatsache, daß die jüdische Presse, die vornehmlich Kerenski unterstü^. nicht umhin konnte zu konstatieren, daß-K Regierung nichts tut, uni ihre jüdischen Sra»' Hänger zu schützen Ob ans Mangel an güMtsi Willen oder ans Unvermögen, laßt sich nicht genau feststellen. Immerhin^ liefert diese Erscheinung den Beweis, daß die Inden in Rußland unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr viel zu leiden haben und nicht früher zur Ruhe kommen können, bis nicht der Friede geschlossen und normale Verhältnisse eintreten werden. Damit ist das gewaltige Interesse der russischen Juden an einen baldigen Fricdensschluß zur Genüge gekennzeichnet und damit ist auch der Beweis erbracht, ivelches Interesse die Judenschast der ganzen Welt daran hat, den baldigen Frieden herbeizuwünschen. Es kann kein guter Jude wollen, daß die Millionen Juden in Rußland weiterhin nicht bloß für Englands Eroberungsgelüste ihre Haut zu Markte tragen, sondern auch fortgesetzt der Wut des verwilderten Pöbels und der Rache der im Kampfe unterlegenen Gruppen ausgesetzt sein sollen. Nur ein baldiger Friedensschluß wird den Millionen Juden in Rußland die Möglichkeit bieten, ihre so schwer erkämpfte"- Gleichberechtigung zu genießen. Ebenso wie das Schicksal der Inden in Rußland es gebieterisch erfordert, einen baldigen Frieden herbeizuwünschen, ebenso ist dies hinsichtlich der Inden Rumäniens der Fall. Auch sie hatten vor dem Kriege Unmenschliches zu erdulden und sie sind während des Krieges die Opfer der enttäuschten rumänischen Schakalenpolitiker geworden. Beim Friedensschlnß dürfte ibre Zukunft gesichert werden, möge die rumänische Frage wie immer ihre Losung finden, da die Rumänen keineswegs die Unabhängigkeit wiedererlangcn werden, ohne daß diese den seinerzeitigen Verpflichtungen hinsichtlich einer Gleichbcrechhgung der Inden nachkämen. Konnnt cs zum Anschluß Rumäniens an die Friedeiisvcrhandlnngcn in Brest-Litowsk, >vas nicht unwahrscheinlich ist, sv dürften sowohl die Bolschewik!, die die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien in ihr Friedens,ziel-Programm ausgenommen haben, als auch die Mittelmächte darauf drängen, diese Frage beim Friedcnsabschluß definitiv und positiv zu regeln. Aber auch bei einem allgemeinen Frieden werden die Westmachte kaum umhin können, den Judenhaß ihres „Schützlings" in Schutz zu nehmen. Ter Friede wird demnach auch den Juden Rumäniens eine definitive Erlösung bringen. Ans all diesen Gründen müssen die Inden aller Länder an einem baldigen Frieden interessiert sein und ihre besten Wünsche dürften die Fricdcnsvcrhandlungen in Brest-Litowsl begleiten. Spectator. Türkische Staatsmänner über die palästlnatrage. Der türkische Minister des Acnßern, Naisimv Bey, äußerte sich einem Pressevertreter gegenüber folgendermaßen: „Aus Stockholm sind soeben Nachrichten eingetroffcn, aus denen hervorgeht, daß England den Versuch mache, die russisch-jüdischen Zionisten zu organisieren, damit sie den Dank an die englischen Soldaten zum Ausdruck bringen möchten, aus deren Händen