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Jüdische Korrespondenz · 1917-11-29 · 35 (29.11.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
35 (29.11.1917)
Date
1917-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mühe Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 1'20. Nachdruck mit voller Quellenangabe gestattet. Wochenblatt für jüdische Interessen, j | Redakteur: Jonas Kreppei. j Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstrafle 55. Wien, 29. Nowember 1917. III. Jahrgang. Mer das Glück und Mobl des Vaterlandes anstrebt. Mer den baldigen Frieden wünfdbt, Mein das Moblunserer Drüder und Söbne im Felde am Derzeit liegt. Mer dein Audentume Gbre macken will — der zeickne Ikriegsanleibe! Das Ringen nm den Frieden. Wieder einmal wird um den Frieden gekämpft und wieder einmal sind die bösen Geister, die den Krieg heraufbeschworen haben und die ihren ganzen Aberwitz daransetzen, denselben zu verlängern, dabei, dieses Ringen als vergeblich zu gestalten. Kerenski, der ungekrönte Zar, mußte seine Verschwörung gegen den Frieden mit dem Verlust seiner Stellung bezahlen. Er, der Monate hindurch der Herr Rußlands war, wandelt heute vereinsamt herum, den eigenen Schatten fürchtend. Alle seine Versuche, wieder das Heft in die Hände zu bekommen, sind Mscheitert und er hat.seine AoüeürvM.auLLeipielt.. Sein Nachfolger hat die Konsequenzen aus den Ereignissen gezogen und die Friedenssrage an die Spitze seines Programmes gestellt. Aber die Herren der Entente wollen weiter nicht locker lassen. Buchanan und Kollegen bemühen sich nach wie vor, den Friedenswillen des russischen Volkes illusorisch zu machen. Mit allen möglichen Mitteln wird gearbeitet, um dem Frieden den Weg zu verrammeln — und all das im Namen der Kultur, der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Fürwahr, diese heiligsten Begriffe der Menschheit sind noch nie derart geschändet worden. Ob das frevelhafte Bemühen von Erfolg begleitet sein wird, — das kann heute nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden. Dieser Krieg hat schon so viele Ueberraschungen gebracht, daß alles als möglich erscheinen muß. Millionen und Millionen hoffen und erwarten, daß diesmal das sträfliche Beginnen der Kriegsverlängerer keinen Erfolg haben möge. Das furchtbare Blutvergießen, das seit 40 Monaten die gesamte Kulturwelt verheert, möge nun endlich sein Ende finden. Zu denjenigen, die das baldige Ende des blutigen Krieges herbeisehnen, — gehört das gesamte jüdische Volk. Kein Volk der Erde hat unter den Folgen des Krieges so viel zu leiden gehabt, als die Juden. Kein Volk leidet noch heute so viel, als die Juden und keines kann mit einer solch starken Sehnsucht die Wiederkehr des Friedens erwarten und herbeisehnen, als die Juden. Man braucht nur die gewaltige Zahl der Blutopfer sich vor Augen zu halten, die die Juden aller Länder gebracht haben und noch bringen, um die Friedenssehnsucht der Juden zu begreifen. Aber nicht dies allein: Der Ruin Tausender und Abertausender Familien, die der Krieg mit sich gebracht, das Flüchtlingsleben Hunderttausender, das an die traurigsten Perioden unserer Geschichte erinnert, — schließlich die schrecklichen Leiden unserer Brüder in Rußland und Rumänien, die noch heute kein Ende nehmen wolle«, — all dies ist Grund genug für die Juden, um das Ende des Krieges herbeizusehnen. Die Nachrichten, die gerade in den letzten Wochen und Tagen aus Rußland kommen, lauten überaus ernst. Das Chaos, das in diesem Reiche herrscht, uiacht die Lage unserer dortigen Brüder zu einer überaus tragischen und gefahrvollen. Die Freiheit, deren sich heute alle russischen Völker erfreuen, ist den Juden nur in geringem Ausmaße zuteil geworden. DeF Judenhaß wird seitens der finsteren Elemente nach wie vor geschürt und die Pogrome sind auf der Tagesordnung. Wenn es so weiter gehen soll, dann' wer weiß, was der Millionen russischer Juden harrt. Nur ein baldiger Friedensschluß, der auch dem Treiben der Reaktion ein Ende bereiten dürfte, kann den dorttgen Juden Beruhigung und Sicherheit bringen. Welcher Wahnwitz müßte' es daher sein, wenn sich irgendwelche jüdischen Kreise dazu hergeben sollten, im Namen der „Völkerfreiheit", wie sie seitens der Entente mit bodenloser Unverschämtheit gepredigt wird, die Fortdauer des Krieges zu begünstigen oder auch nur zu wünschen. Geradezu schauderhaft muten die Nachrichten an, die aus Rumänien kommen. Die schweren Schläge, die dieses verräterische Land als Strafe für seine bisherigen Missetaten erhielt, scheinen bei den hartgesottenen Sündern keine entsprechenden Wirkungen ausgelöst zu haben. Nach wie vor betreiben sie ihren politischen Schwindel, nach wie vor scheinen sie ihren Ehrgeiz daran zu setzen, das elendeste und niederträchtigite Volk der Welt zu sein. Bratianu und Take Jonesku, die ihr eigenes Volk ins Unglück gestürzt haben, wollen die schiefe Bahn, die sie in den Abgrund führt, nicht verlassen. Das untersteht, ist noch immer ein Herd der Lüge, der Falschheit und Niederträchtigkeit. Nur der Friedensschluß, der dem Treiben dieses Gesindels ein Ende machen wird, dürste da Wandel zum Bessern schaffen und auch die Lage der dortigen Juden günstiger gestalten. Kann es angesichts dieser Erscheinungen, noch einen Juden geben, der die Verlängerung des Krieges wünschen könnte, bis die Engländer und Franzosen das Ziel ihrer Eroberungsgelüste erreicht haben werden! Freilich, dieHerren geizen nicht mit Versprechungen. Goldene Berge, das Blaue vom Himmel, versprechen sie den Juden, um deren Stimmungen für sich zu gewinnen. An dieser Stelle ist schon wiederholt die Heuchelei gekennzeichnet worden, die darin liegt. Heute möge nur noch einmal daraus hingewiesen werden: Wer ein derart ungeheuerliches Verbrechen, wie die Fortsetzung des Weltkrieges, auf seinem Gewissen hat, wer zu derartig schändlichen Kniffen fähig ist, wer zu den Greueltaten der Rumänen ebenso schweigt, wie er seinerzeit zu den Grausamkeiten des Zarismus schwieg, — der hat kein Recht, von Recht, Gerechtigkeit und Freiheit zu sprechen, und von einem solchen Kreise kann unter keinen Umständen Gutes erwartet werden. Lug und Trug ist. all ihr Tun und Lassen, Lug und Trug all ihr Versprechen. Kein Klarblickender kann und darf ihnen auf den Leim gehen. Das jüdische Volk als solches hat ein gewaltiges Interesse an der baldigen Beendigung, des Krieges, sowohl vom allgemein'menschlichen, als auch vom jüdischen Gesichtspunkte. Es kann und darf für die Kriegsverlängerer keine Sympathien hegen, möge ihr Mund noch so von Versprechungen und Verheißungen triefen. Der Lügner verdient kein Vertrauen, selbst dann, wenn er einmal etwas ernst wollen sollte — sagen unsere Weisen — und zumal, wenn viel Grund dafür vorhanden ist, diesen Ernst in Zweifel zu ziehen. Kein ernster Jude wird all diesen hohlklingenden Phrasen Vertrauen entgegenbringen. An ihren Früchten erkennt man die Entente. Spectator. Der Krieg im Orient. Der bekannte Militärschriftsteller Major Franz Enders schildert in den „M. N. Nachrichten" die Kämpfe in Palästina folgendermaßen: England ist im Begriff, sein politisches Orientprogramm durch seine militärischen Maßnahnien zu krönen. Soweit diese Mesopotamien betreffen, wirkt der Ausfall Rußlands als militärischer Faktor der Entente sehr wesentlich entlastend aus die Türkei. Rußland hatte allmählich seine Offensive in den armenischen Wilajets Anatoliens bis zu einer Linie vorgetragen, die westlich Trapezunt am Schwarzen Meer begann, dann in südlicher Richtung, westlich Erzingian bleibend, nach Anatolien hineinführte. Südlich Erzingian bog sie südöstlich aus und erreichte, knapp nördlich an Musch und Bitlis vorbei, den großen Wansee, an dessen Ostuser sie sich in der Richtung auf die persische Grenze fortsetzte. Sie folgte dann dieser nach Süden, um endlich an der Diala in die englische Mesopotamienfront einzumünden. Bis dahin war ihre Länge rund 1200 Kilometer. Die Besetzung bestand russischerseits aus der 1. und 2. kaukasischen Armee in der Stärke von etwa 17 Infanterie- und 7 Kavallerie-Divisionen. Diese Heeresmacht bildete eine stete Bedrohung Mofttls, das andererseits auch durch die englische Mesopotamienarmee über Bagdad—Samarra erreichbar war. Nun hat die russische Revolution die Möglichkeit konzentrischer Operation beseitigt und ich^.LM._Ätt>mM..strattLiichcr. Spannung, das auf der Verbindung der türkischen Arnicnien- und Mesopotamiensront bisher lag. Die operativen Aussichten' der Engländer, von Samarra aus allein und ohne konzentrische Mitwirkung der Russen etivas zu erreichen, sind recht gering geworden. Der Vorstoß des Generals Maude von Samarra auf Gur (30 Kilometer nördlich Samarra am Tigris) am 2. November brachte den Engländern einen Erfolg, den sie am 5. November dazu ausnützten, bis Tekrit, also noch weitere Soeben erschienen! Höchst aktuell! Eia Friedenverhandlungsprotokoll sui generis. Wichtig für jeden, der sich für die Friedensfrage interessiert. Der Kampf für und wider den Frieden. Noten, Manifeste, Botschaften, Reden, Kundgebungen, Erklärungen etc. zur Friedensfrage seit dem Friedensangebote der Mittelmächte. Mit Einleitung und Anmerkungen J. KREPPEL. ------- Preis K 0*— --------- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen „jüdischen Korrespondenz“, Wien, VIII., .r Alserstraße Nr. 55. --

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