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Jüdische Korrespondenz · 1917-10-11 · 30 (11.10.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
30 (11.10.1917)
Date
1917-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. ___ , , , . . _... , r , i Redaktion und Administration: Vierteljährlich K I 20. Wochenblatt fiirjUdlSChe Interessen, i Wien, VIII. AIserstrsLe 55. Naektlnick mit vollerQuellenangabe gestattet. Redakteur: Jonas Kreppei. j Ersch eint j eden Donners tau. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration : Wien, VIII. Alserstraüe 55. Erscheint jeden Donnerstag Nr. 30. Wien, II. Oktober 1917. III. Jahrgang. Die Entente und die Juden. Das Thema, das hier berührt wird, ist wohl schon wiederholt genügend erörtert worden. Dennoch ist es nicht unangebracht, darauf nochmals zurückzukommen, da es einerseits noch immer Naive genug gibt, die der Meinung sind, die Westmächte, die sich stets als die Vertreter der Humanität und des Fortschrittes deklarierten und auch jetzt mit diesen und ähnlichen Schlagworten operieren, werden ihren „Grundsätzen" treu bleiben und bei den bevorstehenden Friedensverhandlungen fürdie Wahrung und Sicherung der jüdischen Rechte in denjenigen Ländern, wo diese bisher verletzt wurden, eintreten; andererseits kommen immer neue Tatsachen an den Tag, die diese angebliche Judcnsrcundlichkeit der Entente höchst eigenartig illustrieren. Es mag ja sein, daß die Westmächte und die Nordamerikanische Union es früher als ihre Aufgabe erachtet haben, die Rechte und Interessen aller Unterdrückten und Verfolgten zu schützen und zu wahren. Seitdem sie sich aber in den wilden Eroberungskrieg eingelassen haben, seitdem sie ihrem „heiligen Egoismus" Hekatomben opfern und den Weltenbrand immer stärker anfachen, um nur das Ziel ihrer Expansionsgelüste erreichen zu können, — sind sie allen ihren Idealen untreu geworden und im Sinne des bekannten Talmudspruches: „Aweru gorereth nweru“ — (es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie sortzengend Böses muß gebären) — haben sie auch den Anwendung gebracht, die sie früher so scharf verpönten. Die neueste Illustration der „Judensreundschaft" der Entente bietet die Lage derjenigen Juden Rumäniens, die noch immer das zweifelhafte Glück haben, unter der Herrschaft der „Bölkerbesreier" Bratianu und Jonescu zu leben. Trotz aller traurigen Erfahrungen, die die rumänischen Schakalenpolitiker mit ihren schändlichen Verrätereien gemacht haben, wollen sie von diesem System nicht ablassen. Entgegen den ursprünglichen Versprechungen, so bald als möglich den Juden volle Gleichberechtigung zu gewähren, um sich der Bundesgenossenschast der Westmachte und Amerikas würdig zu erweisen, ist in diesem letzten Zipfel Rmnäniens, das ihrer Botmäßigkeit noch untersteht, nicht bloß alles beim alten geblieben, sondern die Judenverfolgungen und die Pogroms sind zum täglichen Ereignis geworden. Der Judenhaß feiert schreckliche Orgien. Die Verbündeten im Westen aber, die ja jetzt geradezu die Herren der Rumänen sind, schweigen und versuchen es nicht einmal, zugunsten der Inden ein gutes Wort zu sagen. Selbst in Rußland, wo man doch hinsichtlich der Juden nie allzu feinfühlig war und — trotz der Revolution — ist, rufen die Ereignisse in Rumänien die höchste Empörung und Entrüstung hervor. In Odessa, wie in anderen russischen Städten, sind scharfe Protestkundgebungen gegen die Judenverfolgungen in der Moldau veranstaltet worden. Paris und London, Washington und Rom aber hüllen sich in tiefes Schweigen. Wie traurig die Lage der Juden in der Moldau ist, geht aus folgender Meldung hervor, die dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag aus Zürich — also durchwegs aus neutraler Quelle — zugiug: „Man ist in hiesigen jüdischen und sonstigen Kreisen über das Schicksal der rumänischen Juden sehr besorgt. Der Postverkehr mit Rumänien funktioniert fast gar nicht, und wir erfahren aus kurzen Telegrammen nur, daß die Lage der rumänischen Juden eine entsetzliche ist. Auch Gerüchte über Pogrome und Ausschreitungen, die bisher unkontrollierbar und unwiderlegt sind, wurden in der letzten Zeit verbreitet. Die Ztistände in Rumänien gewinnen durch die Tatsache, daß die rumänische Regierung, außer Versprechungen und Ausreden, bisher nicht das geringste zur Verbesserung der Schicksale der rumänischen Juden getan hat, eine ganz besondere Bedeutung. Man ist in jüdischen Kreisen noch nicht über die zu ergreifenden Maßnahmen schlüssig geworden, doch scheint der Gedanke einer Intervention der neutralen Judenheiten bei den Regierungen der Alliierten die meisten Aussichten ans Verwirklichung zu haben. Man erhofft von einer Aktion der Westmächte, deren Sympathie Rumänien jetzt durch alle Mittel zu gewinnen sucht, für die Besserung der Lage im nicht besetzten Rumänien den gewünschten Erfolg. Auch die in Amerika tätige Liga der dortigen rumänischen Juden beabsichtigt, eine Anklageschrift gegen Rumänien dem amerikanischen Senat zu überreichen, um die höchste Behörde der Union zu einem Eingreifen zugunsten der notleidenden rumänischen Inden zu veranlassen." Das bisherige passive Verhalten derEntente gegenüber diesen schanderlichen Zuständen läßt aber kaum erwarten, daß ein derartiger Schritt irgendwelchen positiven Erfolg bringen wird. Die Herren in Washington, London und Paris sind nie in Verlegenheit, wenn sie eine passende Ausrede brauchen, um sich ihrer Pflicht zu entziehen . .. *4-4- Die Dienstpflicht der russischen Juden in Eng- .tiutll .tst e,tn. dratrrtAeä', Ko.p-tte!, .yaS seit. RtancNe.n. die Spalten der englischen Preffe füllt, und das noch immer keinen Schlußpnnkt gefunden hat. Zunächst wurden diese Juden mittelst verschiedener Versprechungen irregeführt und verlockt. Kaum aber war der Zweck erreicht und die Jrregesührten rekrutiert, zeigte man ihnen ein anderes Gesicht und wollte von all den gemachten Versprechungen nichts wissen. Die Empörung unter den Juden ist derart groß, daß selbst die offiziellen Vertreter des englischen Judentums, die sich doch der Ocffentlichkeit gegenüber gewisse Reserven anferlegen müssen, auf das schärfste gegen dieses Vorgehen protestieren. Aber auch diese Proteste bleiben wirkungslos. Recht und Gerechtigkeit predigen die Engländer nur den anderen Staaten, d. h. denjenigen, denen sie nicht hold sind. Den „Freunden" gegenüber — ä. In Rumänien — und früher Rußland — drücken sie stets beide Augen zu. Sie selbst dürfen sich schon sicher alles erlauben. So diktiert es die berüchtigte John-Bnll-Mvral. Wundcrnehmen darf dies eigentlich nicht: was man sich englischerseits gegenüber den Irländern, Indiern :c. erlaubt, davon ivird man sich doch den Inden gegenüber nicht abhalten lassen, wenn das „Kriegsinteresse", der glorreiche „Kampf um Recht und Gerechtigkeit", dies erforderlich macht.... 4-4-1- Auch Italien zeigt sich seiner Freunde würdig. Es ist eine Kleinigkeit, ja, eine Kleinlichkeit, womit es seine Stellung den Juden gegenüber dokumentiert, — aber gerade dies ist überaus charakteristisch. Die Juden in den Staaten der Mittelmächte haben diesmal am vergangenen Lanbhüttenfeste keine grünen „Lulawim" bekommen können, da Italien trotz aller Bemühungen und Interventionen hiefür keine Ausfuhrbewilligung erteilen wollte. Die orthodoxen Juden in Deutschland haben diesbezüglich sogar die Intervention des Papstes angerufen, aber vergebens. Die Italiener wollten diesmal, den Mittelmächten zum Trotz (?), den dortigen Juden keine grünen Lulawim liefern. Zum näheren Verständnis sei hinzugesügt, daß eigentlich in den Staaten der Mittelmächte ein Einfuhrverbot für sogenannte Luxusartikel existiert, einerseits mit Rücksicht auf den Stand der Valuta, andererseits als Maßregel gegen die Feinde, die den Mittelmächten die nötigen Rohstoffe nicht liefern und nicht durchlasseii wollen. Trotzdem wurde in Oesterreich-Ungarn nnd in Deutschland sowohl im vorigen Jahre tvie auch Heujahr die Erlaubnis zur Einfuhr von Esrogim und Lulawim erteilt, mit Rücksicht daraus, daß es sich um eine religiöse Sache handelt. Die Herren Italiener aber haben auch dieses Moment nicht berücksichtigen wollen und den Juden gegenüber — denn nur diesen war ja daran gelegen, den Regierungen der Mittelmächte war doch die Sache gleichgültig — eine „Aushungerungstaktik" eigenartigster Art in Anwendung gebracht. Sehr richtig bemerkt hierzu eine jüdisch-deutsche Zeitung: „Einstens waren die Römer unter Vepastan und TituS großmütig und ritterlich genug, um dem belagerten Jerusalem die für das „Tomid" nötige Anzahl der Opfertiere täglich zu liefern (bis daß es jüdischen Römlingen gelang, es zu hintertreiben), wiewohl sie das Fleisch recht gut für die eigenen Legionen hätten brauchen können. Ihre heutigen Nachkommen unter Victor Emanuelo und Cadorna verweigern de» Juden der Mittelmächte die völlig unschuldigen, für den eigenen Gebrauch völlig belanglosen Palmenzweige * * * Die Liste solcher und ähnlicher Beweise für die Judenfreuiidlichh-it der Entente ließe sich noch recht chcLeutcnü.. sortjetze». . Diewenigen hier geschildert«» Fakten dürsten aber genügen, um zu beweisen, wie lächerlich all die Behauptungen sind, daß die Inden von der Entente etwas zu erwarten haben. Das vielgeprüfte jüdische Volk kann sehr viel vertragen und ertragen, -- aber sich als dummen Kerl behandeln zu lassen, deni man alles einreden darf, — dagegen müßte es sich eigentlich aus das entschiedenste verwahren. Spectator. Der Landesvertel-lgimgsminiüer über die Juden in der Armee. Wie seinerzeit gemeldet, haben die Abgeordneten Witos und Genossen in der Reichsratssitzung vom 7. Juli eine Interpellation eingebracht, in welcher schwere Beschuldigungen gegen die galizischen Juden hinsichtlich ihrer Stellung in der Armee erhoben wurden. In der Sitzung vom 25. September hat der Landesverteidigungsministcr FML. v. Czapp diese Interpellation folgendermaßen beanttvvrtet: Mit Beziehung aus die in der Sitzung vom 7. Juli 1917 eingebrachtc Interpellation der Herren Abgeordneten Witos, Dylo, Bomba, Myjak und Genossen betreffend die bevorzugte Stellung der Juden und ihre Verivendung, beehre ich mich mitzuteitcn, daß der Militärverwaltung von einer auf rechtlicher Grundlage beruhenden oder gar zugestandenen bevorzugten Stellung der Juden in der Armee nichts bekannt ist. Die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Erfüllung der Wehrpflicht werden — dem Prinzipe der allgemeinen Wehrpflicht entsprechend — gegenüber jedem Staatsbürger ohne Rücksicht aus seine Ration oder Religion in jeder Beziehung objektiv nnd gleich gehandhabt, Ausnahmen in keiner Richtung gemacht und auch unter keiner Bedingung geduldet. Daß Frontentziehungen, erschwindeltcEilthebltitgen und Militärbeirciniigen da und dort leider Vorkommen, kann nicht geleugnet werden. Mit rücksichtsloser Strenge geht aber die Militärverwaltung jedem einzelnen ihr zur Kenntnis gebrachten Falle nach und führt die Schuldigen der gerechten Strafe zu. Periodisch wiederkehrende gründliche Ueber-

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