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Jüdische Korrespondenz · 1917-08-16 · 25 (16.8.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
25 (16.8.1917)
Date
1917-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ÜDdische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 1'20. Nachdruck mit voller Quellenangabe gestattet. Wochenblatt für jüdische Interessen. | Redakteur: Jonas Kreppei.! Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Wien, 16. August 1917. III. Jahrgang. | Kaisers Heburtstag. : 68 Jahre hindurch war der 18. August der feierlichste und schönste Festtag der österreichischungarischen Völker. So sehr haben sich die Völker daran gewöhnt, diesen Tag in ihrem Kalender rot unterstrichen zu finden, daß sie es sich gar nicht anders vorstellen konnten. Gottes Ratschluß hat es jedoch anders gewollt, und nach einer glorreichen 68jährigen Regierung ist weiland Kaiser Franz Josef seinen Völkern entrissen worden. Die Erinnerung an den 18. August wird jedoch auch weiterhin bestehen bleiben, indem es nunmehr sein unmittelbarer Vorgänger ist, der an dessen Stelle tritt. Diesmal ist es der 17. August, der zum Fest- und Freudentag der Völker der Habsburger-Monarchie geworden ist, der Geburtstag des Kaisers und Königs Karl I., der sich in den wenigen Monaten seiner Regierung die Herzen aller seiner Völker im Fluge erobert hat und dessen Name im ganzen Reiche mit ebensolcher Liebe und Verehrung, mit ebensolcher Anhänglichkeit und Dankbarkeit enannt wird, wie dies 68 Jahre hindurch insichttich des Kaisers Franz Josef der Fall war. In einer überaus ernsten Zeit ist Kaiser Karl berufen worden, den glorreichen Thron der Habsburger zu besteigen. Mitten im Toben des Weltkrieges wurde dem jungen Habsburgerprinzen die Aufgabe zuteil, das Ruder des Staatsschiffcs zu ergreifen und es allen Stürmen zum Trotze in den sicheren Hasen zu leiten. Mit seltener Energie und bewunderungswürdiger Tatkraft hat der junge Monarch sich seiner hohen Aufgabe gewidmet, und es ist ihm das große Glück zuteil geworden, schon in den ersten Monaten seiner Regierung den Titel eines „wahren Volkskaisers" und den Namen eines „Friedenssürsten" zu erwerben — Attribute, deren sich weiland Kaiser Franz Josef mit vollstem Rechte erfreute und die ihm ein Ruhmesblatt in der Geschichte aller Herrscher gesichert haben. Kaiser Karl, der beim Regierungsantritte seinen erhabenen Willen verkündete, das Werk fortzusetzen, das sein glorreicher Vorgänger begonnen hatte, ist ans dem besten Wege, sein Ziel zu erreichen. Der 17. August kann fürwahr den Völkern der Monarchie dasselbe sein, was der 18. August so viele Dezennien hin- Eines der ersten Worte, das Kaiser Karl I. der aufhorchenden Welt verkündete, war: Friede! Sieggekrönt auf den Schlachtfeldern, will er den Völkern mit dem Lorbeer des Sieges auch die Palme des Friedens reichen. Kaum wenige Wochen nach seiner Thronbesteigung erfolgte das erste Friedensangebot der Mittelmächte, das, der Initiative des Kaisers Karl I. entsprungen, dazu bestimmt war, der seit dritthalb Jahren blutenden Menschheit die ersehnte Erlösung zu bringen. Seither hat dieser edle Monarch keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um diesem erhabenen Ziele das Wort zu reden. Der Wahnwitz der Feinde, die die Friedenshand mit Hohn und Spott zurückgewiesen haben, hinderte den Monarchen nicht, weiterhin den Weg für den Frieden zu ebnen. Wenn dieser einmal — hoffentlich gar bald — Zustandekommen, wenn dem schrecklichen Blutvergießen einmal Halt geboten sein wird, — dann dürfte der beglückende Friede mit dem Namen des Kaisers Karl 1. verknüpft sein, dann wird dieser Monarch den Titel „Friedensfürst", der ihm schon heute zu geschrieben wird, mit vollstem Rechte in Ehren tragen. Seinen Völkern gegenüber zeigte sich Kaiser Karl als väterlicher Freund, als wahrer Landesvater, dem das Wohlergehen seiner Kinder am Herzen liegt und der alles anwendet, itm ihnen den Weg ins Leben zu ebnen und ihre Zukunft zu sichern. Zahllos sind die Beweise der Huld und Gnade, die die Völker der Monarchie in dieser verhältnismäßig kurzen Spanne Zeit seitens ihres Kaisers erfahren haben. Kaiser Karl will s e i n e V ö lker mit dem Gcist der wahren Demokratie beglücken, die Strahlen seiner Gnadensonne spenden Licht und Wärme allen Völkern, führen Verirrte ins Vaterland zurück und gestalten dasselbe zum Hort derFreiheitund der Gerechtigkeit. Mitten im Toben des Weltkrieges werden über Initiative des Herrschers die Fundamente für den Wiederaufbau des Parlamentarismus, für den Ausbau und die Ausgestaltung des innerpolitischen Lebens gelegt, werden die Völker zur Mitarbeit und Mitwirkung herangezogen. Die Freiheit der Völker ist in Oesterreich-Ungarn kein leeres Wort, sondern greifbare Wirklichkeit. Die glorreichen Siege auf den Schlachtfeldern, die des Kaisers tapfere Heere erstritten und erstreiten, führen daza, das Reich"zvm wahren Hort der Völkerfreihett und des Volkerglückes auszugestalten. Entsprechend dem Ernst der Zeit hat sich Kaiser Karl die Veranstaltung rauschender Feste und freudiger Kundgebungen an seinem Geburtstage verbeten. Der Wunsch des Herrschers ist den Völkern Befehl und wird respektiert werden. Nichtsdestoweniger wird der morgige Tag in den weiten Gauen des Reiches ein Freuden- und Festtag sein. Die Völker werden sich in ihren Gotteshäusern versammeln, um innige Gebete an den ewigen Vater im Hiinmel zu richten für das Glück, Wohlergehen und Heil ihres edlen Herrschers und des erhabenen Herrscherhauses, für die Erfüllung des edelsten Wunsches ihres Kaisers, für den baldigen siegreichen und ehrenvollen Frieden. Sie wissen es, daß die Erfüllung dieses Wunsches das höchste Glück ihres .Kaisers bedeuten wird, der sich dann mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Feuereifer der Beglückung seiner Völker im Frieden widmen will. Die Judenschaft der Monarchie, der das hohe Glück zuteil geworden ist, während dieser wenigen Regierungsmonate des Kaisers Karl wiederholte Beweise von* Huld und Gnade zu erfahren,^ dessen Gnadensonne ihneii^ Licht und Wärme spendet, wird den morgigen Aag in ihrer Weise feiern. Das Gebet in seiner edelsten Form ist ein urjüdisches Attribut: fast kein Volk der Erde bringt mittels desselben derart seine innersten Gefühle zum Ausdruck, wie die Juden. Das Judentum kennt keine rauschenden Feste, keine feierlichen Veranstaltungen und lebhaften Kundgebungen. In freudigen, wie in ernsten Momenten versammeln sich die Juden in ihren Gotteshäusern, um tiefempfundene Dankgebete und inniges Flehen an ihren Gott zu richten. Der Gottesdienst ist der schönste und erhabenste Ausdruck der jüdischen Seele. Wenn nun die österreichisch-ungarische Judenschast morgen daran gehen wird, ihre Stimme im Chore der österreichisch-ungarischen Völker ertönen zu lassen, ihren Dankbarkeitsgefühlen für ihren erhabenen und huldvollsten Kaiser Ausdruck zu geben, dann werden sie sich wie immer in ihren Gotteshäusern versammeln und die innigsten Gebete zum Gotte ihrer Väter eniporstcigen lassen, ihren vielgeliebten Kaiser mit den glorreichen Siegen König Davids, mit der Weisheit und der Fri'edensrnhe König Salomos zu beglücken. Sie wissen es ja, was ihrem Kaiser frommt, die Feinde, die die Ruhe seiner Völker stören und bedrohen, zu besiegen, uni den Völkern die Sicherheit zu verschaffen, ungehindert die Früchte friedlicher Arbeit genießen zu können. In diesem Sinne werden die Juden der Monarchie morgen den Geburtstag ihres Kaisers feiern und zusammen mit allen Völkern der Monarchie das innigste Gebet aus inbrünstigem Herzen emporsteigen lassen: Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser, unser Vaterland! Amen! Die Juden und die Entente. Eines der Schlagworte, mit welchen die Herren der Entente am eifrigsten operieren, war und ist: die Demokratie, die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Gerade in letzterer Zeit wird mit diesem Schlagwort stärker als je gearbeitet — oder richtiger gesagt: Unfug getrieben. Wer die Politik der Entente aufmerksam verfolgt, der weiß zur Genüge, was er von diesem Schlagwvrte zu halten Hai. Das Vorgehen der Entente gegenüber den neutralen Völkern, die Vergeioaltigung der eigenen Völker, der wahnwitzige Widerstand " gegen'stdeS'W'tedeTrsbkfkr^cn all diese Momente sind ja die beste Charakteristik dafür, wie man in London und Paris die Bedeutung der Bölkersreiheit und der Demokratie auffaßt und was man darunter verstehen will. Selten wann ist die Heuchelei derart unverschämt betrieben worden, wie es jetzt geschieht. Selten wo hat aber auch eine lächerliche Phrase soviel gläubige Naive gefunden als diesmal. Trotz aller Erfahrungen sind die Ententeleute noch immer imstande, dieses Steckenpferd zu reiten, ohne Gefahr zu lauten, fick dem Fluche der Lächerlichkeit auszusetzen. Am dentlickn'ten kommt die Erbärmlichkeit der Ententepolltik hinsichtlich ihrer Stellung zur Judenfrage zum Ausdruck. Es ist ja bekannt, wie wenig sich die Westmachte darum kümmerten, als die Millioneil Inden nn Zarenreiche fortgesetzt zwischen Leben und Tod schwebten und keinen sicheren Morgen batten; sic haben sich auch in Schweigen gehüllt, als das unschuldig vergossene jüdische Blut zum Himmel um Rache schrie und die Tränen der Unglücklichen ein Meer füllen konnten. Selbst das „neutrale" Amerika verhielt sich „reserviert" und fand sich nicht veranlaßt, für Recht und Gerechtigkeit eine Lanze einzulegen. Was in Rußland und in Rumänien geschah, das tvar ja eine „innere Angelegenheit" der betreffenden Staaten, in welche sich Außenstehende nicht hineinmengcn dürfen. Als in Rußland die Revolution zum Ausbruche kam — ein Ereignis, das eigentlich nur den Mittelmächten zu verdanken war, da ein siegreicher Zar kaum gestürzt worden wäre — da beeilten sich die Herren der Entente, dieselbe als ihre Errungenschaft zu feiern und die Welt glauben machen zu »vollen, daß sie es waren, die den Zarismus gestürzt haben und Rußland der Freiheit zugänglich machten. Damals schämte man sich in London und Washington nicht, auch das Judcnkapitel zu berühren und sich zu rühnien, daß nunmehr auch die Inden Rußlands frei seien und daß auch Rumänien diesem Beispiele folgen werde — durch das Eingreifen der Entente . .. Nun könnte man den Herren ihre Eitelkeit eigentlich gönnen, wenn sie zumindest so gewissenhaft wären, für die Aufrechterhaltung ihrer angeblichen Errungenschaften auch einige Sorge zu tragen. Aber weit gefehlt. Ten unverdienten Ruhm wollen

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