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Jüdische Korrespondenz · 1917-08-09 · 24 (9.8.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
24 (9.8.1917)
Date
1917-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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indische Roppespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 1 20. Mao hdruek mit voller Quellenangabe i Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administrati Wien, VIII. Alserstraie 55. Wien, 9. August 1917. III. Jahrgang. Ein Mischer Kongreß in Oesterreich. (Von besonderer Seite.) Seit einiger Zeit ist in Oesterreich eine Bewegung im Zuge, die dahin zielt, einen Kongreß der Juden der Monarchie einzuberufen, der sich mit den aktuellen Fragen jtt befassen hätte und der eventuell zur stabilen Institution ausgestaltet werden soll. Den Ursprung nahm die Bewegung von Prag aus, das dort erscheinende zionistische Blatt „Selbstwehr" hat vor mehreren Monaten diese Frage aufgeworfen und in Verfolgung dieses Planes einen Fragebogen an verschiedene jüdische Persönlichkeiten versendet mit dem Ersuchen, zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen. Dieses Blatt hat auch seither eine Reihe von Antworten veröffentlicht, die zwar verschiedenartig ausgefallen, immerhin aber den Gedanken an und für sich nicht absolut von sich wiesen, sondern gewisse Bedenken taktischer und prinzipieller Natur geltend machten. Naturgemäß ist auch die Zahl derjenigen groß, die den Kongreßplan samt und sonders akzeptieren und sich von demselben vieles versprechen. Heute, nach mehrmonatlicher Vorarbeit, steht die Sache so: Von zionistischer Seite wird die Idee weiterhin betrieben und die zionistische Parteileitung hat bereits das Programm dieses Kongresses ausgearbeitet und ist nun dabei, unter den anderen jüdischen Gruppen Anhänger für denselben zu werben, wohl wissend, daß ein Kongreß, der eine ausgesprochen zionistische Marke tragen wird, im vorhinein nicht als allgemein-jüdische Veranstaltung und Kundgebung gelten können dürfte. Andererseits ist eine Bewegung im Zuge, ein Komitee aus Vertreter diverser jüdischer Gruppen zu bilden, das sich mit der Gegenwart und Zukunft der Juden in Oesterreich zu befassen und im Stillen das zu leisten hätte, was der Kongreß demonstrativ mittelst einer öffentlichen Kundgebung zuwege bringen will. Dieser taktische Unterschied ist aber nicht der einzige, der die beiden Pläne von einander trennt. Von zionistischer Seite wird naturgemäß auch die nationale Frage aufs Tapet gebracht und die Forderung gestellt, die Juden in Oesterreich als besondere Nationalität mit gewissen Volksrechten anzuerkenneu. Das erwähnte Komitee hingegen zeigt keine Absicht, dieses heikle Thema anzuschneiden und will sich auf diejenigen Fragen beschränken, hinsichtlich welcher die Erzielung eines Einverständnisses aller Beteiligten möglich sein dürfte. Es sind somit taktische und prinzipielle Fragen, die die beiden Bewegungen von einander trennen und die eine Einigung schwer möglich machen werden. Will man nun der Sache an und für sich näher treten, so kann es wohl keine zwei Meinungen darüber geben, daß eine einheitliche Kundgebung der österreichischen Judenschaft und eine solidarische Stellungnahme derselben zu den aktuellen Problemen, die schon heute auftaucheu und die nach dem Friedensschlüsse erst recht brennend sein werden, dringend geboten ist. Und doch muß man sich aus vielfachen Gründen diesen beiden Bewegungen gegenüber etwas skeptisch verhalten. Vor allem sei konstatiert, daß die Arrangeure beider Aktionen selbst kein großes Vertrauen zum Gelingen ihrer Unternehmungen zu haben scheinen. Von zionistischer Seite wurde zunächst die Taktik befolgt, die Sache nicht offiziell einzuleiten; es war nicht die Parteileitung selbst und auch nicht das Zentralorgan der Partei, die den Plan zur Diskussion stellten, sondern ein Provinzblatt ohne partei-offiziellen Charakter wurde vorgeschoben, um die Fühler auszustrecken. Man wollte sich scheinbar kein Fiasko holen und dachte sich: gelingt die Sache nicht, dann wird es eben eine Anregung privater Natur sein, für welche die Partei keine Verantwortung übernahm. Gelingt es aber doch, die Sache in Fluß zu bringen, — dann wird die Partei schon die Gelegenheit haben, ihr Urheberrecht geltend zu machen. Heute scheint sich die Parteileitung dazu bekennen zu wollen. Hat die Sache wirklich bereits derartige Fortschritte gemacht? — Daran möge zunächst zu zweifeln erlaubt sein. Der Umstand, daß von anderer Seite eine separate Aktion in Angriff genommen wird, spricht am wenigsten für den Erfolg der Kongreßidee. Vielleicht ist es aber gerade diese Gegenströmung, die die zionistische Partei veranlaßt hat, aus der Reserve hinauszutreten und sich zur Vaterschaft des Gedankens zu bekennen. Ist nun einmal eine Gegenströmung vorhanden, dann kann man die Sache nicht mehr dem puren Zufall überlassen, sondern muß derselben die Partei-Autorität zur Seite stellen. Aber auch jetzt wird vornehmlich im Stillen gearbeitet. Das Programm, das bereits seststeht und dessen erster Punkt eben die nationale Frage berührt, ist bis heute der Oeffentlichkeit nicht bekanntgegebcn worden. Die anderen Gruppen, die man zur Mitwirkung heranziehen will, werden zunächst dahin informiert, daß es sich darum handelt, die Rechte der Inden als Staatsbürger zu wahren, die Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten jüdischen Existenzen, die Kriegswaisensürsorge und die Emigrationssrage re. zu betreiben. Man rechnet offenbar, daß es dann, wenn man einmal mit den Vertrauensmännern der anderen Gruppen beim grünen Tisch sitzen wird, schon leichter sein dürfte, auch das nationale Moment vorzuschieben. Aber auch die andere Strömung befleißigt sich vorläufig einer strengen Geheimtuerei. Da handelt es sich um Kreise, die nur ungern großen Lärm machen und gewöhnt sind, in der'Stilleches Wirkens das Geheimnis des Erfolges zu erblicken. Hinsichtlich dieser Komitees ist man selbst über das eigentliche Programm noch im unklaren. Soviel ist nur bekannt, daß es sich um die bekannten Postulate handelt, die seitens der sogenannten führenden jüdischen Kreise seit jeher vertreten tverden und die vielleicht nur angesichts der gegenwärtigen Situation und der Erfahrungen während der Kriegszeit etwas schärfer und prägnanter zum Ausdruck gelangen dürften, natürlich bei aller Vorsicht und unter Vermeidung jedes Aufsehens und jedes überflüssigen Geräusches. Jusolange die beiden Strömungen noch immer gewissermaßen sich reserviert verhalten und es vermeiden, offiziell und offen aufzutreten, wäre es verfehlt, sich mit dem Meritum der Sache näher zu befassen. Einige Bemerkungen mögen aber schon heute gestattet sein: Die bisherigen Erfahrungen haben leider gelehrt, daß es in Oesterreich nicht so leicht ist, eine gemeinsame Aktion aller jüdischen Gruppen zustande zu bringen. Selbst in Fragen, die keinen ausgesprochenen Parteicharakter haben, kommen die diversen Parteistandpunkte und Einseitigkeiten, sowie die Reibungen und Mißhclligkeiten persönlicher Natur zur Geltung. Alle bisher unternommenen Aktionen in dieser Richtung haben fehlgeschlagen. Jede einzelne Partei, Gruppe und Organisation kann im Rahmen ihres Wirkungskreises manches Positive leisten. Jnterparteiische Aktionen waren stets zur Ohnmacht verurteilt und ihr Effekt war stets gleich Rull. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist es gar nicht so arg, wenn auch diesmal nicht eine gebundene Marschroute eingeschlagen wird, sondern sich gleichzeitig zwei Strömungen geltend machen, die sich unter Umständen gegenseitig ergänzen können. Selbst der ausgesprochenste Gegner des „Schtadlanus", der stillen Intervention, muß zugebeu, daß dieser Weg öfters viel nützlicher und praktischer sei als die Veranstaltung öffentlicher, schreiender Kundgebungen, die nicht immer den gewünschten Effekt machen. Andererseits wäre auch "das Zustandekommen eines jüdischen Kongresses nicht ohne Nutzen. Die Strömungen, die innerhalb des österreichischen Judentums vorhanden sind, sollen eben einmal zur Kenntnis der breiten Oeffentlichkeit gelangen. Wir wollen einmal sehen, wie sich die Judenschaft tatsächlich M gewiffen Parteien und Programmen stellt. Das schlagwort, daß die Volksmasien hinter gewissen Parteien stehen, soll einmal öffentlich auf die Probe gestellt werden. Dann wird es ja klar sein, was mau von gewissen Postulaten zu halten hat und wie gewisse Forderungen, die angeblich im Namen der Judenschaft als solche erhoben werden, zu bewerten seien. Die Hauptbedingnng wäre da naturgemäß ein offenes, klares Vorgehen. Kein Versteckenspielen. Diejenigen, die zur Teilnahme berufen seien, sollen die Möglichkeit haben, rechtzeitig ihren Einfluß geltend zu machen. Der Kongreß soll ans der Grundlage der wahren Demokratie stattsinden, von keiner Seite und nach keiner Richtung hin soll irgend eine Beeinflussung möglich sein. Dann, aber nur dann, hätte dieser Kongreß irgend einen realen Wert, selbst wenn gewisse jüdische Gruppen ansbleiben sollten. Die Demonstration allein, die ein solcher Kongreß darstellt, darf aber nicht überschätzt werden. Die österreichische Judenschaft hat im Laufe der letzten Dezennien so oft derartige und ähnliche Kundgebungen veranstaltet —- aber der Effekt war nie groß. Von diesem Gesichtspunkte aus muß die Kongreßsrage beurteilt werden. Das weitere bleibt der Entwicklung Vorbehalten. Iur Lage der Juden in Rumänien. In letzter Zeit war die rumänische Regierung äußerst bestrebt, die Nachrichten über die unerträglicheLage der Inden in Rumänien auch aus offiziellem Wege zu dementieren. Daß aber nicht die offiziellen rumänischen Dementis und Versicherungen, sondern die „dementierten" Nachrichten wahr sind, beweisen noch folgende Ausführungen der in Kischenjew erscheinenden „Besarab. Schisn": „Nachdem das russische Militär den Sozialisten Dr. Nakowski befreit hatte, begann die rumänische Geheimpolizei Gerüchte zu verbreiten, daß die Jassyer Juden die Russen inspirieren, sich in die rumänischen Angelegenheiten zu mischen und den König Ferdinand zu vertreiben. Es wurden dann einige Juden verhaftet, die beschuldigt wurden, zum russischen Militär Beziehungen gehabt zu haben. Die Verhaftungen dauern auch tveiter fort. So z. B. wurde der Sozialist Wexcr verhaftet, der sich an der Besreiuiig Ralowskis beteiligte, auch der 65 jährige Holzmann mit seinem Sohn und viele Gegen diese antisemitische Hetze des Bratianu und seiner Agenten sind einige Abgeordnete im Parlament ausgetreten. Der Abgeordnete Lufu forderte, daß man Betvcise über die angeblichen Verbrechen der Verhafteten erbringe. Bratianu erwiderte, daß der Abgeordnete, wie es scheine, durch einen Staat, der sich in Rumäniens innere Angelegenheiten mischen wolle, bestochen sei. Die Opposition protestierte dagegen stürmisch. Der Zwischenfall wurde durch ein Duell zwischen dem Ministerpräsidenten und dem genannten Abgeordneten erledigt. Der rumänischen Presse wurde verboten, darüber zu berichten. Nach diesem Ztvischenfall aber setzte die Verfolgung gegen die Juden noch stärker ein. In der letzten Zeit gestaltete die jüdische Lage sich so furchtbar, daß, ungeachtet der entgegengesetzten Versicherungen der rumänischen Regierung, die verbündeten Staaten jetzt die Absicht haben, den § 44 des Berliner Traktats in Erfüllung zu bringen, der den rumänischen Juden Gleichberechtigung gibt. Ob dies wirklich und energisch genug geschieht, um Erfolg zu haben, ist noch sehr zu bezweifeln. Soeben erscheint: „INS VIERTE KRIEGSJAHR“ (Oesterreich-Ungarns Bilanz dreier Kriegsjahre). Von J. Kreppei. Preis K 1*—. WM" Zu beziehen durch die Administration „Jüdische Korrespondenz“, sowie durch alle Buchhandlungen. "WM

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