Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 14 (10.5.1917)
- Date
- 1917-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 1-20. Nachdruck mit vsller Quellenangabe gestattet Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppel.! Erscheint jed,i, Donne siag Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Hr. 14. Wien, 10. Mai 1917. 3. Jahrgang. Zeichnet die VI. österreichische Kriegsanleihe. Die in Wien weilenden Qroßrabbiner aus Galizien und der Bukowina haben, wie bei den Üjleren Anleihen, auch diesmal einen heißen pell an die Juden gerichtet, um sie zur Zeichnung der VI. Kriegsanleihe anzueifern. Bei dem großen Einflüsse, dessen sich diese Qroßrabbiner unter den breiten jüdisch-orthodoxen Volksmassen erfreuen, wird dieser Appell auch diesmal sicherlich einen sehr großen Erfolg haben. Der Aufruf, der in hebräischer Sprache gehalten und in den orthodoxen Bethäusern plakatiert worden ist, lautet: „Wenn es auch überflüssig erscheinen mag, unsere Glaubensbrüder auf die gebieterische Notwendigkeit, sich zahlreich an den Zeichnungen der VI. Kriegsanleihe zu beteiligen, noch besonders aufmerksam zu machen, da sie wohl ihre Pflichten gegen Kaiser und Vaterland vollauf kennen, so finden wir uns dennoch veranlaßt, auch diesmal unseren heißesten Appell verlautbaren zu lassen und unsere Brüder anzueifern, daß Jeder im Rahmen der Möglichkeit sein Scherflein zum finanziellen Sieg des Vaterlandes beitragen soll. Sie werden damit nur der erhabenen Friedensidee, die von Seiner Majestät unserem edlen Kaiser und seiner hohen Regierung propagiert wird, einen großen Dienst erweisen. Die Feinde unseres * teueren Vaterlandes sotten sich überzeugen, daß den sie wohl den Wahnwitz ihres Beginnens einsehen und die Hand zum Frieden bieten, zum Heile der Menschheit und zum Wohle des Vaterlandes, dessen Glück auch unser Glück ist. Ganz besonders empfehlen wir unseren Glaubensbrüdern, auch diesmal ihre Kriegsanleihe-Zeichnungen im Wege des Kriegsanleihe- Zeichnungsvereines „Agudas - Jisroel" vorzunehmen. Durch diesen Verein kann jeder auch mit dem kleinsten Betrag und unter den leichtesten Bedingungen seinen Anteil an dem großen patriotischen Werke haben. Wien, 15. Ijar, 5677. Großrabbiner Israel Friedmann, (Czortkow). Großrabbiner Isak Meier Heschel, (Kopeezynce). Großrabbiner Ghaim Hager, (Ottynia). Großrabbiner Abraham Jakob Friedmann, (Sadagora). Großrabbiner Isak Mordchai Schapira, (Gwozdziec). Großrabbiner Israel Friedmann, (Husiatyn). Großrabbiner Nachum Friedmann, (Bojan). Großrabbiner Chaim Schapira, (Drohobycz). Großrabbiner Mordchai Friedmann, (Sa- Zum sechsten Male ruft das Vaterland seine Söhne auf, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die nötig sind, um den glorreichen Sieg zu vollenden, den die tapferen Truppen in einem bewunderungswürdigen Ringen seit 33 Monaten errungen haben. Als die V. Kriegsanleihe vor einigen Monaten zur Zeichnung aufgelegt wurde, glaubte man, es ist dies das letzte Mal, daß die Völker der Monarchie dazu aufgerufen werden, für Kriegszwecke Milliarden zur Verfügung zu stellen. Damals hat die Monarchie gemeinsam mit den Bundesgenossen das großzügige Friedensangebot gemacht und man durfte hoffen, daß die auf allen Kriegsschauplätzen geschlagenen Feinde mit Freuden die ihnen dargebotene Hand ergreifen werden. Leider ist diese Hoffnungnicht in Erfüllung gegangen. Die Feinde wollen von ihrem Wahnwitze nicht lassen und es ihnen auch gelungen, neue Verbündete zu finden und neue Völker und Länder in den Kriegsstrudel hineinzuziehen. Ihr Beginnen ist aber ein vergebliches. Weder die alten, noch die neuen Feinde vermochten und vermögen es, das Kriegsschicksal zu beeinflußen. Stärker, mächtiger und siegreicher denn je stehen heute die Mächte des Vierbundes da und speziell die Monarchie befindet sich in der günstigsten Lage, über alle Feinde triumphieren zu können. Manche sind längst niedergerungen, andere wagen es kaum, die Waffen zu führen. Der böseste Feind aber, der Zarismus, ist vom verdienten Schicksal erreicht und von seinen eigenen Völkern zu Boden geschleudert worden. Noch ist wohl der Krieg nicht zu Ende, aber der Friede ist auf dem Marsche und nichts wird ihn noch lange aufhalten können. Die Kriegsanleihe, die jetzt zur Zeichnung aufgelegt ist, kann demgemäß ohne Uebertreibung als eine Friedensanleihe bezeichnet werden. Je glänzender deren Resultat, desto eher werden wir zum Frieden gelangen. Wer den baldigen Friedensschluß wünscht, der zeichne Kriegsanleihe! Daß die österreichische Judenschaft, wie bisher, auch diesmal ihre Pflicht voll und ganz erfüllen wird, dessen sind wir überzeugt. Jeder österreichische Jude wird sicherlich sein Scherflein zum neuesten finanziellen Sieg des Vaterlandes beitragen. Der Ruf: „Gut und Blut für Kaiser und Vaterland!" soll und wird im Lager der vaterländischen Judenschaft ein lebhaftes Echo finden. Die Kriegsanleihe zu zeichnen, ist jedes Juden heiligste Pflicht. GorUce und die Revolution in Rußland. Zum zweiten Male jährte sich diese Woche der glorreiche Tag von Gorlice, an welchem die Macht des Zaren ein für alle Mal gebrochen wurde. Indem Hötzendorf und Mackensen die Horden Nikolaj Nikolajewitsch's überrannt und weggefegt haben, haben sie nicht bloß Qalizien vom Feinde befreit, sondern auch den russischen Völkern und der ganzen Menschheit einen unermeßlichen Dienst erwiesen. Es dauerte wohl noch etwa zwei Jahre, bis die Frucht dieser Siege voll reifen konnte, aber der Keim hiezu wurde in jenen denkwürdigen Maitagen gelegt und nunmehr ist die Saat aufgegangen. Ohne Uebertreibung kann gesagt werden: Ohne Gorlice gäbe es kaum eine Revolution in Rußland! Ein siegreicher Zar wäre kaum vom Throne gestürzt worden. Wenn die 170 Millionen russischer Bürger sich heute im Taumel eines Freiheitsrausches befinden, wenn die Millionen russischer Juden heute gleichberechtigte und freie Bürger sind, so haben sie dies den Ereignissen .bei Gorlice zu verdanken. Fürst Lwow und Kerenski haben wohl das Emanzipationsedikt unterfertigt, aber dasselbe hat sein Entstehen den siegreichen Waffen der Mittelmächte zu verdanken. Freilich, der Zar ist besiegt und zittert heute um sein nacktes Leben, wie früher Tausende und Abertausende seiner „Untertanen" täglich um ihr Leben zittern mußten. Aber die Freunde des Zarismus sind noch nicht ganz beseitigt und die Westmächte — die den traurigen Mut haben, sich als Kämpfer für Freiheit und Menschlichkeit aufzuspielen — wenden alle möglichen und unmöglichen Mittel an, um die mit so viel Blut erkaufte und erkämpfte russische Freiheit zu vernichten. Amerikanische und englische „silberne Kugeln" sind in Rußland am Werke, um die errungene Freiheit im Keime zu ersticken, da diese keine Lust zeigt, den wahnwtizigen Krieg fortzusetzen und das schreckliche Blutvergießen ins Unendliche zu verlängern. In Rußland herrscht heute das Chaos und jeder aufrichtige Menschenfreund muß wahrlich um das Schicksal der jungen Freiheit zittern, die so arg bedroht wird. Es ist wohl zu hoffen, daß dieses niederträchtige Beginnen keine Früchte tragen wird. Wer Wind säet, muß Sturm ernten. Der Entrüstungssturm der russischen Völker wird diese fremden Emissäre mit den vollen Taschen aus dem Lande fortfegen. Sollten aber die Machinationen der Entente in Rußland gelingen und sollte dort die Reaktion wieder triumphieren, dann möge es alle Welt w issen, wer daran die Schuld trägt und wem die Menschheit die Vernichtung der Völkerfreiheit zu verdanken haben wird. Unsere Brüder in Rußland feiern jetzt begeistert die so schwer errungene Freiheit. Man kann ihnen vorn Herzen diese Freude gönnen und die ganze Judenheit freut sich mit ihnen. Den Herren in London, die sonst mit Versprechungen nicht geizen, wenn es gilt.'die jüdischen Stimmungen für sich zu gewinnen, und die gerade jetzt wiederum mit einer „jüdischen Republik in Palästina" herumflunkern, um die Juden zu ködern, die Herren in London sind aber mit dieser freiheitlichen Errungenschaft der Juden in Rußland höchst unzufrieden und die „Times" wagt es sogar, ganz offen gegen die russischen Juden Front zu machen und sie zu beschuldigen, daß sie eigentlich die Hauptarrangeure der Revolution in Rußland sind, und daß sie die Fortsetzung des Krieges seitens Rußlands in Frage stellen. Die russischen Juden könnten wahrlich stolz darauf sein, wenn dem tatsächlich so wäre. So weil reicht ihr Einfluß allerdings nicht. Immerhin ist diese „Times"-Hetze gegen die Juden charakteristisch für die Entente-Politik den Juden gegenüber und eine neue Bekräftigung der Feststellung, daß die russischen Juden nur den Mittelmächten ihre Freiheit zu verdanken haben werden. Die Entente ist es, die einen Sieg des Zaren herbeiwünschte und die Entente ist es, die auch heute die junge russische Freiheit bedroht. Hoffentlich gelingt diesmal das Spiel nicht. Bei Gorlice wurde der Zarismus endgültig besiegt. Auch Miljukow und Gutschkow werden den Weg des Zaren und seiner Ratgeber gehen müssen und das englische und amerikanische Oold wird nicht obsiegen. Die Einberufung des Reichsrates. Der österreichische Reichsrat ist für den 30. Mai d. J. einberufen worden. Laut einer amtlichen Erklärung beabsichtigt die Regierung denselben vor allem mit der Ernährungsfrage und den wirtschaftlichen, mit dem Kriege zusammenhängenden anderen, insbesondere auch den sozialen und staatsfinanziellen Fragen zu befassen sowie einen nicht bloß für die bevorstehende Tagung, sondern auch für die weitere Tätigkeit des Reichsrates bestimmten Arbeitsplan vorzulegen, sich in der Zwischenzeit darüber mit den Parteien ins Einvernehmen zu setzen und zugleich auch den Abbau der politischen Zensur einzuleiten. Die Regierung erwartet, daß sie im Parlament die Unterstützung für ihr Bestreben finden wird in einer Zeit der höchsten poltischen Spannung und der größten Anstrengung der Staats- und Volkskräfte, nicht bloß für die Gegenwart das Notwendige zu schaffen, sondern auch für die Zukunft die Grundlagen für ein einträchtiges Zusammenleben der Völker herzustellen. Die Regierung hält tinverrückt an den Zielen, die sie sich gesetzt hat. fest, insbesondere an der den Bedürfnissen des Staates und seiner Verwaltung Rechnung tragenden Regelung der sprachlichen Verhältnisse sowie an der Ordnung des Sprachengebrauches und der Einführung entsprechender Verwaltungseinrichtungen in den Ländern, soweit sich dies als notwendig darstellt. Die Regierung wird diese Angelegenheiten in ihrem Zusammenhang mit Nachdruck unverzüglich verfolgen. Bezüglich der Angelegenheiten, die in den Wirkungskreis des Reichsrates fallen, wird die Regierung mit den Parteien und Gruppen des Reichsrates über die Grundlagen der weiteren Behandlung Fühlung nehmen und kommenden Falles diesbezügliche Vorlagen dem Reichsrat unterbreiten. Was Jene Angelegenheiten anbelangt, die sich auf die Ordnung im Königreich Böhmen beziehen, hat das allerhöchste Handschreiben vom 26. Juli 1913 in Aussicht genommen, daß die Regierung sich zur Sicherstellung der Grundlagen dieser Ordnung des Rates und der Mitwirkung erprobter und bewanderter Männer bedienen werde, um danach