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Jüdische Korrespondenz · 1917-03-06 · 8 (6.3.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
8 (6.3.1917)
Date
1917-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. --r - « t j. «„ J# - » . Redaktion und Administration: vierteljährlich k 120 Wochenblatt tur jüdische Interessen. wien, vm. Aiserstraße 55. NacMnick mit v«ner Oulleaatgabe gestattet. Redakteur: Jonas Kreppel. Erscheint jeden Donnerstag Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppel. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Aiserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag Mr. 8. Wien, 6. März 1917. 3. Jahrgang. Der drille Kriegs-Purim. Zum dritten Male, seitdem der gegenwärtige Krieg tobt, feiern wir das schöne Purim- Fest Es sind jedoch ganz andere Stimmungen, die uns an diesem dritten Kriegspurim beherrschen, ais es diejenigen waren, von welchen wir am ersten Kriegspurim bedrückt und beklemmt wurden. Damals, im Purim des Jahres 5675, stand der neuzeitige Ämalak, der Haman des Nordens, anscheinend auf dem Gipfel seiner Macht. Bis an den Dunajec und bis in die Karpathen waren seine Kosaken norden vorgedrungen. Millionen Juden lebten monatelang, wie einst ihre Vorfahren im Reiche des Ahasveros, in Hangen und Bangen in schwebender Pein und sahen einer schweren Zukunft entgegen. Die Hoffnung hatte sie zwar auch in den .schwersten Tagen nicht verlassen. Sie wußten es ja aus der geschichtlichen Erfahrung, daß noch jeder Haman schließlich selbst auf dem Galgen baumeln muß, den er für andere errichtet hat. Aber sie lebten dennoch schwere Tage durch und die echte Purimfreude konnte kaum aufkommen. In einer ganz anderen Stimmung konnte schon der zweite Kriegs-Purim gefeiert werden. Die Situation hatte sich inzwischen gründlich geändert. Nicht bloß war die Kraft des Feindes gebrochen, nicht bloß war Galizien von der Kosakeninvasion befreit, sondern auch die zwei Millionen Juden Polens und Litauens waren den Klauen des Zaren-Haman entrissen und konnten nach so vielen Generationen der Knechtschaft und der Sklaverei wieder frei aufatmen. Nikolai Nikolajewiez, den die t.or- ^bmim^ism*ftsmvm ntclrt schlafen ließen und der es auf sich genommen hatte, seinen Namen in der Geschichte des jüdischen Volkes mit blutigen Lettern eingetragen zu sehen, wurde wohl nicht vom Schicksal seines Vorbildes ereilt, immerhin aber mußte er vom Schauplatze seiner rühm- und ruchlosen „Tätigkeit" verschwinden und irgendwo im Kaukasus über die Vergänglichkeit menschlicher Eitelkeit nachdenken. Dort, in der Nähe der Stätte, wo sein „großer Ahn" ehemals gewirkt und abgewirtschaftet hatte, an der Grenze Persiens, konnte er sich auch öfters daran erinnern, was seiner harrte. . . . Die Juden aller Herren Länder hatten immerhin alle Veranlassung, einen frohen Purim zu begehen. Und nun sind wir dabei, den dritten — hoffentlich den letzten — Kriegs - Purim zu feiern. Diesmal ist unsere Freude noch größer und unser Triumph noch vollendeter. Der Haman des Nordens hat wohl im abgelaufenen Jahre den Versuch unternommen, sich von seinen Niederlagen am Dunajec und an der Weichsel zu erholen und das Verlorene wieder zu gewinnen. Aber der Versuch scheiterte kläglich und brachte außer schrecklichen Verlusten an Leben und Material fast gar keinen greifbaren Erfolg. Es bestätigten sich an ihm die Worte der Megillah: So wie du angefangen hast, zu fallen, so wirst du immer tiefer und tiefer fallen. Die zweite Niederlage des Feindes fällt umso schwerer ins Gewicht, als er diesmal nicht mehr die eitle Ausrede hatte, er sei vom Gegner überrascht geworden. Er hat sich im Gegenteil monatelang für diesen Kampf vorbereitet und mußte dennoch den Kürzeren ziehen. . . . Damit aber ist unser Triumph noch nicht erschöpft. Das letzte Kriegsjahr hat uns auch noch den herrlichsten Triumph über den zweiten Haman gebracht, über den das Europa des XX. Jahrhunderts noch verfügte. Die Niederlage des perfiden und feigen Rumänien, das in der Judenverfolgung selbst mit Rußland wetteifern konnte, vollendet unsern Triumph, wie auch den Triumph der guten und gerechten Sache. Die Böswilligen konnten auch diesmal keine Beute verzehren. Die Schakalenpolitik der Haman in Bukarest hat einen furchtbaren Schiffbruch erlitten. Auch die Hunderttausende Juden Rumäniens sind heute freie Bürger, während ihre Bedrücker und Verfolger im Exil ein trägisches Lebe« in „elendem Glänze" führen müssen. Das Schicksal der Haman und der Amalak hat sich auch diesmal erfüllt. Nicht einmal die mächtigen Freunde im Westen konnten ihnen helfen. Gottes Mühlen mahlten diesmal prompt und sicher. Frohen Mutes und erhobenen Herzens feiern wir diesmal das schöne Purimfest. Noch ist das letzte Wort in diesem blutigen Ringen nicht gesprochen. Noch rüsten sich die niedergerungenen Feinde zu neuen blutigen Anstrengungen. Noch wollen sie mit der Hilfe neuer Bundesgenossen das Glück noch einmal auf die Probe stellen. Aber wir sehen all diesem Beginnen mit Ruhe und Zuversicht entgegen. Sehen wir doch deutlich, wie sich in diesem Kriege der altjüdische Grundsatz bestätigt: Womit du gefrevelt hast, damit wirst du gezüchtigt! Mittelst Aushungerung, Einkreisung und Belagerung wollten die Freunde und Bundesgenossen des modernen Haman ihre Gegner in die Knie zwingen. Nun sind sie selbst von dieser Strafe ereilt worden. Die Aushungerer hungern selbst, die Einkreiser sind selbst eingekreist, die Belagerer sind selbst belagert. Dies ist der deutlichste Fingerzeig dafür, daß die Feinde ihrem Schicksal nicht entgehen werden. In diesem Bewußtsein werden wir diesmal das herrliche Purimfest feiern. Wir dürfen aber dabei auch unserer armen Brüder nicht vergessen, die gerade unter den Kriegsereignissen so schwer gelitten haben. Das Gebot „matonos la' ewjonim" war nie so dringend und gebieterisch wie jetzt und wir wollen hoffen, daß unsere Glaubensbrüder, denen das Schicksal holder war, an diesem Tage voll und ganz ihre Pflicht tun werden. Dann wird der heurige Purim für Gesamtisrael ein wahres Freuden- und Jubelfest sein, bajefrudiin hotsti auru, wc'- simcho wc'soson \vi*jekor!. Spectator. Kaiser und Regierung fürs Volk:. Die gegenwärtigen Verhältnisse bezüglich der Volksernährung haben Seine Majestät, unseren Allergnädigsten Kaiser, dessen Fürsorge wahrhaft unermüdlich ist und dessen Eingreifen in der Kohlenfrage mit einem Schlage eine Besserung der Situation herbeigeführt hat, dazu veranlaßt, wieder einmal Allerhöchstpersönlich einzugreifen. Eine amtliche Meldung verlautbart: Auf initiative Seiner Majestät des Kaisers wurde als orientierendes und vermittelndes Organ sämtlicher bei den Ernährungsfragen beteiligten militärischen und zivilen Behörden ein gemeinsamer Ernährungsausschuß aufgestellt. Dieser steht zur unmittelbaren Disposition Seiner Majestät. Er hat seinen Sitz in Wien und besteht aus Vertretern sämtlicher in Frage kommenden Zentralstellen. Zum Vorsitzenden wurde der Generalmajor Ottokar Landwehr von Pragenau ernannt. Der gemeinsame Ernährungsausschuß hat Montag, den 5. d. M. seine Tätigkeit aufgenommen. Gleichzeitig hat auch die k. k. Regierung eine weitausholende und in großem Maßstabe gedachte Aktion unternommen, um der Bevölkerung, die infolge der gegenwärtigen Verhältnisse einen schweren Kampf ums Dasein führen muß, kräftig und ausgiebig unter die Arme zu greifen. In den letzten Tagen fanden unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten, respektive des Finanzministers eingehende Konferenzen in dieser Angelegenheit statt, welchen auch Vertreter verschiedener Volkskreise zugezogen wurden. In einer großangelegten Rede entwickelte der Ministerpräsident Graf Clarn - Martinic sein Programm, das dahin zielt, der ärmeren Bevölkerung beizustehen durch die Beschaffung billiger Lebensmittel, wobei die eventuellen Mehrkosten aus Staatsmitteln gedeckt werden sollten. Die Regierung ist bereit, dafür einen Betrag von etwa 25 Millionen monatlich zur Verfügung zu stellen.; Eine weitere Regietuttgsmaßnahme zur Linderung der Not besteht In einer wesentlichen Erhöhung der Unterhaltsbeiträge für die Familien der Eingerückten, die iich etwa auf 20 Prozent der bisherigen Beiträge belaufen soll. Dabei sollen Kinder unter 8 Jahren denselben Betrag wie Erwachsene erhalten. Die Regierungskreise sind entschlossen, die geplanten Maßnahmen so rasch als möglich durchzuführen. Zieht man in Betracht, daß trotz der Schwierigkeit der Lage von einer eigentlichen Lebensmittelnot bei uns nicht die Rede sein kann, und daß es sich nur darum handelt, einerseits die richtige Herbeischaffung und Verteilung der Vorräte zu sichern, andererseits aber den minderbemittelten Volkskreisen die Bezahlung der gegenwärtigen Kriegspreise zu ermöglichen, so kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß sowohl der dank der hochherzigen Initiative Seiner Majestät ins Leben rufene gemeinsame Ernährungsausschuß, der noch dazu zur unmittelbaren Disposition des Kaisers stehen soll, als auch die seitens der Regierung zu treffenden Maßnahmen ehestens dazu führen werden, die Verhältnisse nach jeder Richtung hin zu verbessern. Kaiser und Regierung können der Dankbarkeit aller Be- \ ölkerungskreise gewiß sein. Zur Sonderstellung Galiziens. Die Frage der Sonderstellung Galiziens, beschäftigt nach wie vor die weitesten Kreise und bildet eines der wichtigsten Probleme der hmerösterreichischen Politik. Näheres bezüglich der Details ist bis heute nicht bekannt, doch geben die untenstehenden Meldungen zumindest einen Begriff von dem Standpunkte, den die Polen in dieser Hinsicht einnehmen. . Aus Lemberg wird nämlich gemeldet: Nach Mitteilungen von unterrichteter Seite wird in den polnischen Vorschlägen, betreffend die Sonderstellung Galiziens, darauf hingewiesen werden, daß die seit fünfzig Jahren angestrebte Erweiterung der Selbstverwaltung des Landes auf dem festen Vertrauen in dessen moralischen und materiellen Kräfte beruht und daß die diesbezügliche Einflußnahme der Zentralstellen nur insoweit erforderlich erscheint, als eine Sicherstellung für die Einhaltung der Verpflichtungen Galiziens gegenüber der Monarchie erfolgen soll. In erster Reihe wird die Unteilbarkeit des Landesgebietes und die Vereinheitlichung der Verwaltung gefordert. Auf wirtschaftlichem Gebiet wird die völlig freie Verfügung des Landes über seine Hilfsquellen und die Selbstbestimmung über seine Einnahmen und Ausgaben, sowie über die Summe beansprucht, die es zu den allgemeinen Erfordernissen des Staates beizutragen hätte. Nach Lösung der Kriegsentschädigungsfrage wird insbesonders das Recht der Selbstbewirtschaftung der galizischen Domänen, die Ausnützung der Monopole und die Durchführung der selbständigen Finanzverwaltung verlangt. Die Sonderstellung habe sich auch auf das Kommunikationsu. Tarifwesen zu erstrecken, ebenso auf die Konzessionierung und Beaufsichtigung industrieller Unternehmungen. Weitere Forderungen betreffen die Organisierung des Unterrichtes und das Gerichtswesen. * Von hochstehender politischer Seite wird den „Polnischen Stimmen" mitgeteilt: „Für die Ordnung der galizischen Frage während des Krieges Termine feststellen zu wollen, kann nicht die Aufgabe ernster Politiker sein. Die Beratungen der Unterausschüsse des Polenklubs über die galizische Frage haben die Bedeutung einer politischen Bereitschaft. Die führenden Politiker der Polen haben gemeinsam mit den hervorragendsten polnischen Fachgelehrten in zweimonatiger gründlicher Arbeit ein ungemein wertvolles Material gesammelt, haben die Wünsche und Forderungen der Polen formuliert und eine Grundlage geschaffen für künftige Verhandlungen und Entscheidungen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt". * Die Frage der Sonderstellung Galiziens beschäftigt bekanntlich auch sehr lebhaft die jüdische öffentliche Meinung. Wenn es auch bei dem heutigen Stadium unmöglich ist, autentische Mitteilungen darüber zu machen, wie die Verhältnisse, insoferne die Juden dabei interes-

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