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Jüdische Korrespondenz · 1917-02-08 · 5 (8.2.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
5 (8.2.1917)
Date
1917-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Roprespondenz Preis per Nummer 10 Heller Vierteljährlich K 1-20. KwJutfuck mit »oller Qu llcaaagafee gtttdttot Hr. 5. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppel. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag . Februar 1917. 3. Jahrgang. „Auch du, Brutus!" Die Botschaften Wilsons folgen einander, aber sie gleichen sich nicht. Klang die jüngste Botschaft des Präsidenten an den Senat wie eine Chamade, so läßt sich die Botschaft an die Kammer wie eine Fanfare vernehmen. Vor einigen Tagen noch ließ Wilson salbungsvolle Worte vom ewigen Frieden nach dem berühmten Muster des Propheten Jesajas ertönen, nun findet er es aber für richtig, mit dem Säbel zu rasseln und den Mittelmächten in dem Momente in den Arm zu fallen, da sie sich nach 30 schweren Kriegsmonaten und nach brutaler Ablehnung ihres Friedensangebotes gezwungen sehen, mittelst Anwendung des verschärften Ubootkrieges das Kriegsende zu beschleunigen. In dem Momente, da diese Zeilen geschrieben werden, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wilson hat vorläufig den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland ausgesprochen, indem er sich resp. der amerikanischen Volksvertretung die weitere Entscheidung vorbehielt. Möglich also, daß es bei der großen Qeste bleibt, und daß das amerikanische Volk nicht mutwillig und leichtsinnig in den Kriegswirbel hineingezogen werden wird. Bei der unkonsequenten und zweideutigen Haltung, die bei Wilson so oft konstatiert werden konnte, ist jedoch auch das Gegenteil nicht ausgeschlossen. Man muß demnach auch mit der Eventualität eines kriegerischen Fingreifens Amerikas rechnen. Die Mittelmächte, die im Vorhinein alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen haben, bevor sie ihren letzten Entschluß faßten, werden sich durch Wilsons Vorgehen selbst im •»üaitKa'&nai Fafte ntcrrr-etmc^re^tfmrl^rssen:■•-15» unangenehm es ihnen auch sein muß, im 31-sten KHegsmonate einem neuen Feinde gegenüberzustehen, sie werden vor Wilson die Segel nicht streichen. Militärisch dürfte das eventuelle Eingreifen Amerikas kaum ins Gewicht fallen, wirtschaftlich und finanziell hat Amerika ohnehin der Entente jede mögliche Stütze angedeihen lassen, moralisch schließlich ist die einseitige Taktik Wilsons eine derartige Ungeheuerlichkeit, daß dadurch die Position der Mittelmächte in ihrem Verteidigungskampfe vor Gott und jedem einsichtigen Menschen nur gestärkt werden muß. Sie sind übrigens gegen alle Eventualitäten gerüstet und werden sich auch durch einen neuen Feind den Sieg nicht entwinden lassen. Für Amerika aber würde das Eingreifen in den Krieg ein moralisches Debacle bedeuten, das durch keine eventuellen, wie immer gearteten Vorteile ausgewetzt w erden könnte. Man bedenke: Amerika, das Land der Freiheit, Hand in Hand mit dem wilden, barbarischen Rußland und dem verräterischen Rumänien! Der Vorgänger Wilsons hat sich veranlaßt gesehen, gegen die unmenschliche Behandlung der Juden seitens Rumäniens vor aller Welt feierlichen Protest zu erheben. Der Vorgänger Wilsons hat sich veranlaßt gesehen, den Handelsvertrag Amerikas mit Rußland zu kündigen, da das Zarenreich die Reisepässe der amerikanischen Bürger jüdischer Konfession nicht anerkennen wollte und ihnen die Grenzen Rußlands versperrte, was man in Washington mit Recht als einen Faustschiag ins Gasicht empfand. Der Zar hat bis auf den heutigen Tag diesbezüglich seinen Standpunkt nicht ändern wollen, Wilson aber, der so sehr auf die angeblichen Rechte der amerikanischen Bürger pocht und ihnen justament die Möglichkeit verschaffen will, frei und ungehindert nach England zu fahren, ist im Begriffe, dem Zaren die Hand zum Bunde zu reichen und Arm in Arm mit dem blutigen Rußland soll das Reich Washingtons die um ihr Recht und Existenz kämpfenden Mittelmächte in die Schranken fördern. Fürwahr: „Es tut mir im Herzen weh, daß icb dich in dieser Gesellschaft seh'!" Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen und wir wollen hoffen, daß das amerikanische Volk es verstehen wird, seine wirkliche Ehre zu wahren. Im entgegengesetzten Falle aber mögen die Herren in Washington bedenken, daß die Propheten nicht nur schöne Zukunftsbilder, sondern auch furchtbare Strafgerichte für jedes Unrecht verkündeten, die seitens der Weltgeschichte nur alzu oft ratifiziert wurden. Die bibelfesten Amerikaner mögen sich nur gar viele markanten Stellen der heiligen Schrift vor Augen halten und danach ihre Handlungsweise einrichten. Der Anschluß an die Böswilligen hat noch nie Glück gebracht. Spectator. Huldigung des Verbandes türkischer Israeliten Wiens vor dem Kaiserpaare. Am 29. Jänner wurde eine Huldigungs- Deputation des Verbandes türkischer Israeliten (Sephardirn) Wiens von Sr. Majestät dem Kaiser und Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen. Der Deputation gehörten folgende Herren an: Genieinderabbiner Michael Papo, Gemeindepräsident Mosco de Majo. Realitätenbesitzer; Gemeinde-Vizepräsident Leon Hahn, Großkaufmann; Gemeindekassier und Beirat Lazar H. Sussin, Disponent; Gemeindesekretär Dr. Marcell D. Halfon. Sekretär; Gemeindemitglied Viktor Asriel, Großhändler, und Gemeindemitglied Heinrich Amar. Großhändler. Auf die Bitte des Gemeindepräsidenten Moses de Majo gestattete Se. Majestät huldvollst, daß der Oemeinderabbiner Chacham Michael Papo den Kaisersegen spreche und daß sich die Herren der Deputation bedecken. Nach dem Segen hielt der Gemeinde-Vizepräsident Leon Haim folgende Ansprache an Ihre Majestäten: -^.^ajti^..^.-»^^«.--;^^- , --->** 5 *r "Vs J*S ** * *- *w * „Kaiserliche und königliche Apostolische Majestät! Allergnädigste Kaiserin! Hochbeseelt durch die beglückende Gnade, vor dein erlauchten österreichischen Herrscherpaare erscheinen zu dürfen, treten wir vor Eure Majestät, um namens der türkischisraelitischen Gemeinde, dem Verbände aller hier ansässigen sephardischen Israeliten, die allerehrerbietigste Huldigung darzubringen. Schon unter der glorreichen Regierung Ihrer Majestät weiland Kaiserin Maria Theresia haben die aus dem Orient nach der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadl Wien übersiedelten Spaniolen ein Gemeinwesen gebildet, dem in Allerhöchster Anerkennung für die Verdienste seiner Mitglieder um die Hebung der Handelsbeziehungen mit dem Ottomanischen Reiche die Privilegien einer autonomen Gemeinde und das Recht der freien und öffentlichen Ausübung des Gottesdienstes verliehen wurde. So ward dieses unser Gemeinwesen die erste staatlich anerkannte Israelitengemeinde Oesterreichs. Das Gefühl inniger Dankbarkeit für diesen großherzigen Akt Allerhöchster Gnade, die edle und wohlwollende Gastfreundschaft, die wir in der Kaiserstadt gefunden haben, erweckte in den Herzen unserer Vorfahren eine unendliche ehrfurchtsvolle Liebe für das erlauchte habsburgische Herrscherhaus, eine unerschütterliche treue Anhänglichkeit für Oesterreich, das uns zur zweiten Heimat geworden ist. Und fürwahr! Diese Gefühle haben sich von Geschlecht zu Geschlecht stets mehr und mehr vertieft. Darum entsprang unser Herzenswunsch, vor die Stufen des Thrones treten zu dürfen, der tiefempfundenen Sehnsucht, anläßlich Eurer Majestät Thronbesteigung mit allen österreichischen Landeskindern auch unserseits die ehrfurchtsvollste Hingebung für Euer Majestäten zum Ausdruck zu bringen und Euer Majestäten unsere allerehrerbietigste Bitte zu Füßen zu legen, die Sonne der Gnade auch auf unsere Gemeinde leuchten zu lassen. Die Aufrichtigkeit unserer Gefühle bekundet sich in dem begeistert zustimmenden Amen, das aHS der Tiefe unserer Herzen steigt, wenn an jedem Sabbatmorgen vor den geöffneten Pforten unserer Bundesiade der Segen des Alimächtigen auf Euer Majestäten geheiligtes Haupt herabgefleht wird, im gleichen Gebete, wie für unseren erhabenen Souverän. Seine Majestät den Sultan Mehmed V. ühazi, mit Allerhöchstwelchem Euer Majestät in treuer Waffenbrüderschaft verbunden sind. So offenhart sich bei jedem Anlaß der heiße Wunsch und die innige Bitte der ganzen Gemeinde, der Allmächtige möge Euer Majestät Lebenspfad mit glorreichen Lorbeeren bestreuen und Euer Majestät eine lange, ruhmvolle und segensreiche Regierung an der Seite Euer Majestät erhabene^Gemahlin und des erlauchten Herrn Erzherzog'- Kronprinzen bescheren, zum Wohle aller Völker, zum Heile der gesamten Monarchie". Der Dank d e s Kaiser s. Der Kaiser antwortete: „Mit herzlichem Danke nehmen die Kaiserin und ich die Begrüßung des Verbandes der türkischen Israeliten und die uns in so warmer Weise zum Ausdruck gebrachten Segenswünsche entgegen. Es gereicht mir zur lebhaften Befriedigung, Sie als Angehörige des in unerschütterlicher Waffenbrüderschaft mit uns verbündeten Ottomanischen Reiches empfangen zu können und in Ihrer Kundgebung eine Bestätigung der Liebe und Anhänglichkeit zu erblicken, mit welcher die Mitglieder des Verbandes „Sephardirn" für ihre zweite Heimat erfüllt sind. Gerührt, daß Sie für Ihren mir innig befreundeten Herrscher, Seine Majestät den Sultan, betend auch meiner gedenken, hege ich die besten Wünsche für das Gedeihen Ihrer Gemeinde und versichere Sie gern meiner steten Wohlgeneigtheit". Nach der Ansprache zogen Ihre Majestä- «srffirflnOTwr^^ ins Gespräch, erkundigten sich über die Verhältnisse der Gemeinde und entließen sie in überaus huldvoller Weise. Organisation der g allzischen Juden. Die aber Initiative der ehrw. Großrabbiner aus Czortkow und Husiatyn eingeleitete Aktion bezüglich Gründung einer allgemeinen interparteiischen Organisation der galizischeti Juden weist merkliche Fortschritte auf. Das bezügliche Komitee hat bereits ein eigenes Lokal in der Helferstorferstraße Nr. 5 aufgenommen, wo demnächst ein spezielles Büro zwecks Erteilung von Informationen sowie Gewährung von Rechtsschutz an die galizischeti Flüchtlinge eröffnet werden soll. Montag, den 5. d. M., abends, fand über Einladung der Großrabbitier von Czortkow und Husiatyn eine Beratung über wichtige jüdische Interessen statt, an welcher einige jüdische Abgeordnete, Vertreter diverser Parteien sowie mehrere jüdischen Notabein teilgenommen haben. Der Vorsitzende. Großrabbiner Israel Friedmann aus Czortkow. legte den Zweck und die Notwendigkeit einer derartigen jüdischen Organisation dar und appellierte au die Führer der verschiedenen Parteien, angesichts der ernsten Situation ihre einseitigen Partei-Interessen in den Hintergrund zu stellen und sich zu genieinsamer Arbeit zu vereinigen. Abgeordneter Dr. v. Loewenstein. der Vertreter der Zionisten Adolf Stand sowie Abgeordneter Reizes gaben zunächst diesbezügliche Erklärungen ab, die Harmonie wurde jedoch im Laufe der Diskussion etwas gestört, indem Stand es gewohnheitsgemäß für entsprechend gefunden hat. für sich und seine Gesinnungsgenossen das Monopol zur Vertretung der jüdischen Angelegenheiten zu beanspruchen und sowohl die jüdischen Abgeordneten als auch in der Hitze des Gefechtes die anderen jüdischen Kreise, darunter auch die Rabbiner, mit Vorwürfen zu überschütten. Stands Auftreten machte auf die Versammelten einen peinlichen Eindruck und er fand es für richtig, sich bald darauf zu entfernen. Nachher nahm die Beratung einen normalen Verlauf und es wurde speziell die Mazzos-Frage ausführlich erörtert und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt.

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