Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 2 (11.1.1917)
- Date
- 1917-01-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3495278-3495343-3495345--0324-3520966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JUdische Korrespondenz Ni. 2, Aus Amerika. .-ms New-York wird geschrieben: Die Wahleil, die am 8. November in allen Teilen der Vereinigten Staaten stattfanden, brachten auch eine Reihe Juden in leitende Stehen der inneren Politik. In Jutba wurde von der demokratischen Partei S. Bamberger und in Ideah Moses Alexander, beide Juden aus Deutschland, als Staatsleiter gewählt. Im Kongreß der Vereinigten Staaten sitzen gegenwärtig fünf jüdische Abgeordnet« und zwar foeir London aus New-Vork (Kandidat der Sozialisten, neu gewählt). Adolf Sabath (Chigago), Sega! (New-:ork). J. Kahan (St. Franzisko) und .1. bachrach (Atlantic City). Ins gesetzgebende Haus Sind 19 Juden, darunter 3 Senatoren und 16 Assemblcments-Mrtglieder gewählt. Am 14. November hat im Hotel „Astor" in New- Yonk die sog.nannte Konteren/, der Rcichs-Organisationen ihre zweite Versammlung abgehalten. Das UfberemkomniLii der Exekutive mit dem Organisatiotis- Komftee des Kongresses wurde mit erdrückender Mehrheit genehmigt, und die 70 Vertreter der beteiligten Organisationen im Kongreß-Komitee wurden erwählt. Es scheint bei der Konferenz ein ziemlich versöhnlicher Geist geherrscht zu haben, lim Antrag des Herrn Oskar Siraus, sich mit den jüdischen Organisationen in den anderen Ländern in Verbindung zu setzen, zwecks gemeinsamen Vorgehens zu Gunsten der jüdischen Emanzipation, wurde von Herrn Jakob Swiff bekämpft u. zw. mit der Begründung, da« nunmehr lediglich das Organisatious-Komitcc des Kongresses beziehungsweise seine zukünftige Kxekut.ve berechtigt sind, in der jüdischen Sache entscheidende Schritte zu unternehmen. Die „Hebrew Sheltring and Emigrant - Company" hat mit Präsident Wilson einen Vertrag in Sachen der Emigranten geschlossen. Danach dürfen rür die Dauer des Krieges die aus den kriegführenden Ländern Eingewanderten nicht zurückgeschickt werden; dafür aber verpflichtet sich diese Gesellschaft, die Sorge und Verantwortung für die Emigranten zu übernehmen. Die beiden grollen Verbände der rumänischen Juden in Amerika, der „Verband der rumänischen Juden" und die „Liga der .luden aus Rumänien" hielten iü New-York ihre Tagungen ab, auf denen über die neugeschaffene Lage ihrer Brüder in Rumänien referiert wurde und die nötigen Schritte zur Einsetzung einer gioßziigigen Hilfsaktion beraten wurden. Der „Verband; der rumänischen Juden" beschloß, eine allgemeine Beratung der rumänischen Juden in den Vereinigten Staa- I ten bis zum 15. Dezember 1916 einzuberufen, um im Zui sammenhang mit der politischen Lage die Probleme der 1 Emanzipation der rumänischen Juden zu erörtern. Fer- . ner beschlossen beide Tagungen, ein Emigrationsbureau * ins Leben zu rufen, das die bevorstehende Emigration der rumänischen Juden nach Amerika zu fördern unJ . zu regulieren hat. Die Tagung der „Liga" wählte eine [ Kommission aus sieben Mitgliedern, die eine Vcr- Iständigung der beiden jüdisch-rumänischen Organisati- I onen in Amerika und ein einheitliches Vorgehen der ge- Tsaimten rumänschen Jndenheit der Vereinigten Staaten I zugunsten ihrer kriegsnotleidenden und rechtlosen Briijder in Rumänien herbeiführen soll. Chronik. Die Gesellschaft zur Forderung der YYissen- : Schalt des Judentums in Deutschland verötientlicht ihren f 14. Jahresbericht. Sie widmet zuerst Worte ehrenden '. Gedenkens den in diesem Jahre verstorbeneu Herren ■ Professor Dr. Mart.n Philippson und Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher. Philippson war der erste Vorsitzende der Gesellschaft seil ihrer Begründung bis zu seinem Tode; ihm verdankt sie zu einem grollen Teile ihre Organisation und ihre hervorragende Stellung im •deutschen Judentum. Die wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft hat er durch Rat und Tat gefördert; zu ihren Veröffentlichungen hat er selbst durch die dreibändige „Neueste Geschichte des jüdischen 'Volkes" beigetragen. - Des erst Anfangs vorigen Monats verstorbenen Herrn Rabb.ner Dr. Eschelbacher ist in diesen Blättern bereits w iederholt gedacht worden. Er hat in zwei Schritten, welche diese Gesellschaft veröffentlicht hat. die Sache des Judentums gegen seine Darstellung von christlicher Seite erfolgreich vertreten; der Bericht rühmt an diesen Schriften „ihre vornehme Ruhe und Sachlichkeit sowie ihre Wärme und Ueberzeugungstreue". — Die Führung der Geschäfte der Gesellschaft lag seit dem Hinscheiden ihres ersten Vorsitzenden in den Händen der Herren Rabb. Prof. Dr. Guttmann-Breslau. Prof. Dr. Bloch-Posen und Syndikus Dr. Nathan-Hamburg. Trotz der Ungunst der Zeiten hatte die Gesellschaft einen Zuwachs von nahezu hundert Mitgliedern zu verzeichnen, ein Beweis für die starke und unverminderte Anteilnahme weiter Kreise des deutschen Judentums an ihren Arbeiten. Nicht so günstig äußert sich der Bericht über das finanzielle Ergebnis des abgelaufenen Jahres; der Kassenbericht schließt nämlich mit ehiem erheblichen Fehlbetrag. Um so größere Anerkennung ist der Gesellschaft zu zollen dafür, daß sie ihre wissenschaftlichen Aufgaben in keiner Weise vernachlässigt hat; sie hat in dem Berichtsjahre stricht weniger als drei selbständige Werke herausgegeben, eine Untersuchung des oben genannten Breslauer Rabbiners Guttmann über die religionphilosaphischen Lehren des Isaac Abravanel; die Martin Philipp- 50ii gewidmete Festschrift „Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden" und das Handbuch der jüdischen Chionolflgie des Budapester Universitätsprofessors Dr. Eduard Mahler. Die Herausgabe anderer Werke kündigt die Gesellschaft an; von ihnen dürfte der erste Band der „Germama Juda.ca" nach der Aufnahme, welche die früher veröffentlichten Textproben gefunden haben, der besonderen Aufmerksamkeit der weitesten Kreise sicher sein — wird doch die „Germania Judaica" das erste enzyklopädische Werk sein, welches über die Geschichte der d.aischen Juden in umfassender und erschöpfender, zugleich aber auch .populärer Weise Aufschluß gibt. Ein Stück Kriegsarbeit hat die Gesellschaft im Berichtsjahre insofern geleistet^ als sie die Zinsen der Ludwig Philippson-Gedüchtnis-Stiftung zu Gunsten der kriegsbeschädigten jüdischen Lehrer Ostpreußens verwendet hat. Der Bericht verweist zum Schluß mit berechtigter Genugtuung nicht nur auf die vorstehend Skizzierten Leistungen der Gesellschaft, sondern auch auf die in diesem Jahre wiederholt, auch in christlichen Gelehrtenkrtisen hervorgetretenen Bestrebungen, welche die Errichtung von Lehrstühlen für die Wissenschaft des Judentums an den deutschen Universitäten bezwecken. Mit Recht sagt der Bericht, daß die Gesellschaft einen ei heblichen Teil dieses Erfolges der Wissenschaft des Judentums für sich in Anspruch nehmen könne. — Der Bericht ist v.ni dem Schriftführer der Gesellschaft, Herrn Dr. Nathan, Hamburg, Werderstraße 30, kostenlos zu beziehen. Ueber die Mitgliederversammlung werden wir in der nächsten Nummer berichten. Sp ndcii-Ausweis für die Schulen der „Agudas-Jisroel" Wien, II. Gr. Pfarrgasse 23, per Cheschwan 5677. Bichse. Großrabbiuer, Friedmann, Czortkow. 96.30, GrolSrabbiner Heschel, Kopyczynce, 72, Schenirer. Kolomea, 5. Silber, Krystynopol, 7, Jacob, Muszyna, 7, Pinkas Zimmer, Zawalow, 10, Schein, Turka, 7, Steckler, Ja/.iowice, 6, Berczy Frankel, Krakau, 5, Aron Spira, Krakau, 10, Mayer Rappaport, Krakau, 10, Hirsch Elend. Krakau, 5. Koipel, Biegeleisen. Krakau, 5, Jacob Beckmann. Wien. 5. Auerbach. Zloczow. 7, Glaser, Grodek. 7, Jäger, Tarnow. 7, Adlerstein. 7. Silberstein, Krakau, 5, Berel Gelernter, Vöslau, 5, Sam. Blum, Sokal, 30, Großrabbiner Friexlmann, Sadagora. 2.40, Großrabbiner Man- S'ohn. Jezierna, 2.40, Bursztyn, Brody, 3. Baumöl. Stryj, 2. Sobel, Delatyn. 2. Freundlich, Brzezany. 2. W'illner, Lisko, 3.50, Gerner, 3, Friesen, Stryj, 2, Arbeit, Krakau, 3.50, Salamon, Brzezany, 4, Bach, Lubatschow, 2. Beck. Przemysl. 2, Herold, Sokal, 2, Rathaus. Rawa- Ruska, 2. Bibring. Stanislau, 2, Mandel. Grodek, 2, Dan. Grodek. 2, Vogel, Tarnopol, 2, Klausner, Gorlice, 2. Laden, Chodorow. 2, Isakower, Buczacz, 2, Griick, Kolomea. 2. Jacob, Na^worna, 2. Diamantstein, Chodorow, 3.50, Rotenberg. Bohorodczany, 2, Herman, Bohorodczany, 2, SekJmann, Buczacz, 2, Adler, Södowa- Wisnia, 350, Albrecht, Buczacz, 2, Paprisch, 2, Linker, Czernowitz, 2, Jurgrau, Kimpoiung, 4, Teitier, Nowo- Szielce, 2, Jäger. Trembowla, 2, Zornberg, Husiatyu, 1, Schächter, Przemyslany, 2, Dim, Tarnow, 3.50, Schächter, Czernowitz, 3.50, Tempel, Buczacz, 2, Baran, Kalisch, 2, Duel. ßusk, 2. Silberberg, Rzeszow, 2, Teichman, Rohatin, 2, Gertner, Sambor, 2, Donner, Brody, 2, Bilgcrei, Kopyczynce, 2, Ebenstein, Jazktwitce, 2, Pilzer, Zbaraz, 1.50, Safran, Bobrka, 2, Mayer Blumen- Stein, 1.20, Kupfermann, Tarnow, 2, Seiler, Tlumacz. 3, Selinger, Tlumacz, 1, Korn, Mosciska, 1, Barer, Aleszyce, 2, Köz, Kossow, 1.50, Blech, Rohatin, 4, Rosenfeld,. Janow. 2. Zusammen K 460.30. Neue Bücher. „Eine Reform der Notenbank als Voraussetzung der Wiederherstellung der Währung". Von Eugen Benzion. Wien, Dezember, 1916. Eigenverlag: I., Stallburggasse 4. — Die Wiederherstellung der Währung ist gegenwärtig eine der brennendsten Fragen in allen kriegführenden Ländern. Ganz besonders ist dieses Problem wichtig und aktuell in Oesterreich-Ungarn, dessen Valute infolge verschiedener Umstände durch den Krieg in M tleidenschaft gezogen wurde. Der Autor der vorliegenden Schrift schlägt nun entsprechende Maßregeln vor, und stutzt seine Ausführungen mit einer Reih:; ziffernmäßiger Zusammenstellungen und reicher Materialien. „Systematische Uebersicht der wirtschaftlichen Gesetzgebung Oesterreichs seit Kriegsbeginn". Zweite, bis zum 1. Oktober 1916 fortgeführte Auflage. Wien, 1916. Verlag der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer. — Eine überaus nützliche und wertvolle Arbeit, die in einer klaren Uebersichtlichkeit die wirtschaftliche Gesetzgebung der Monarchie seit Kriegsbeginn schildert. Der Anhang, enthaltend: I. Tafel der Höchstpreise, II. Die wirtschaftlichen Kriegsorganisationen Oesterreichs, erhöht noch den Wert dieses Buches. Schwarzbuch. Unter diesem Titel hat der bekannte jüdische Schriftsteller Hermann (Zwi) Kohn in Lodz ein Buch herausgegeben, welches in dichterischer Weise die Leiden schildert, welche die armen polnischen Juden von der grausamen russischen Soldateska zu erdulden hatten. In ergreifender und wahrheitsgetreuer Weise hat der Dichter das schreckliche Weh der polnischen Juden in seiner Darstellung zum Ausdruck gebracht. Das Buch wirjl noch späteren Generationen die Erinnerung an die traurigen Zeiten wach erhalten, dürfte auch deutsche Kreise, welche des „Jidisch" Im Osten erregte das Buch berechtigtes Aufsehen und mächtig sind, tief bewegen. Kundmachung. Zufolge Beschlusses der am 20. Dezember 1916 stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung 1er Aktionäre der Union-Bank hinsichtlich der Erhöhung des Aktienkapitals von 70 Millionen Kronen auf 100 Millio. nen Kronen und der diesbezüglich erhaltenen Vollmachten bringen wir vorerst 37.500 neue, mit Je K 400.— voll eingezahlte Aktien im Gesamtnominalbetrage von 15 Millionen Kronen zur Ausgabe. Hievon werden 35.000 Aktien den Aktionären zum Bezüge überlassen und 2500 Aktien dem für die Ga rantie des Bezugsrechtes gebildeten Syndikate zum Verkaufe überwiesen. Demgemäß wird den Inhabern der dermalen im Umlaufe befindlichen 175.000 Aktien (Nr. 1—175.000) das Beziigsrecht aui 35.000 neue Aktien, welche an den Erträgnissen de; Bank vom 1. Jänner 1917 an teilnehmen, unter folgen % den Bedingungen eingeräumt: 1. Je fünf Stück der alten Aktien geben das Anrecht zum Bezüge einer neuen Aktie. Aktienbruchteile werden nicht ausgegeben. 2. Der Bezugspreis wird mit K 550.- per Aktie, zuzüglich der vom 1. Jänner 1917 laufenden tünfprozentigene Zinsen von diesem Betrage festgesetzt. 3. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigem Verluste desselben bis inklusive 13. Jänner 1917 in Wien bei der Liquidatur der Union-Bank, I., Rennin Berlin bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effekten & Wechsel-Bank, bei der Dresdner Bank in Frankiurt a. M„ in München bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, bei de* Dresdner Bank, Filiale München. in Nürnberg bei der Dresdner Bank, Filiale Nürnberg. gasse 1, bei den Wechselstuben der Union-Bank in Wien, 1., Graben 13, I., Augustengasse 2, II., Taborstraße II b, IV.. Wiedner Hauptstraße 1, VII, Mariahilferstraße 62, in Lemberg bei der Union-Bank in Wien, Filiale Lemberg, in Triest bei der Filiale der Union-Bank, in Budapest bei der Ungarischen Agrar- und Reutenbank A. G., bei der Ungarischen Hypotheken- Bank, während der bei diesen Stellen üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen. Aktionäre, welche das Bezugsrecht auszuüben beabsichtigen, haben dasselbe in Wien mittels einfacher, bei allen anderen Stellen mittels doppelter Konsignationen, deren Formulare bei den Anmeldestellen ausgefolgt werden, anzumelden und unter einem die zum Bezüge berechtigenden Aktien (ohne Couponsbogen) beizubringen, welche nach Vornahme einer die erfolgte Aus'ibung des Bezugsrechtes ersichtlich machenden Abstempelung zurückgestellt werden. 5. Bei der Anmeldung des Bezugsrechtes sind auf jede zu beziehende neue Aktie K 200.— zuzüglich fiinfprozentiger Zinsen vom 1. Jänner 1917 bar einzuzahlen, über welche Zahlung Empfangsanzeige erteilt wird. Der Restbetrag von K 350.— ist nebst fünfprozentigen Zinsen vom 1. Jänner 1917 bis spätestens 28. Februar 1917 bei derselben Stelle, bei welcher die Anmeldung erfolgte, bei sonstigem Verluste jedes Anspruches aus der geleisteten Einzahlung auf einmal bar einzuzahlen. Bei Leistung der Restzahlung ist die Bestätigung über die erste Einzahlung zurückzustellen und es werden dagegen die entfallenden neuen Aktien mit DivM'-ndencoupons, derer erster für das Geschäftsjahr 1917 Geltung hat. ausgefolgt. 6. Bei Anmeldestellen in Deutschland werden den Bezugsberechtigten mit dem deutschen Reichsstempel versehene Aktien erfolgt. Die betreffenden Stempelauslagen sind von den Bezugsberechtigten zu tragen. Die Kosten der zu wechselnden Schlußnoten werden denselben nicht berechnet. Die Notierung der neuen Aktien wird an allen Börsen des In- und Auslandes, an welchen die bisher ausgegebenen Aktien notiert sind, ehestens in Auftrag gebracht werden. Wien, 2. Jänner 1917. Union- Bank. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jona* KreppeL - Ruchdruckerei JÄelantricb". Wien IX- Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünnut.)