Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 1 (4.1.1917)
- Date
- 1917-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis per Nummer IO.Hmp^»h»-u^ «v , n ... «• < . - vierteijain.ch k 12^J?jjg^nenblatt für jüdische Interessen. HaeMruc* mit volter Quellenangabe SMtstü^J^IljfT^. Redakteur: JoiaS Kreppe!. &n . Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. f. Wien, 4. Januar 1917. 3. Jahrgang. Zeichne! die Kriegsarüe Am 10. Jänner endet die Zelchnungsfrist der tüniten österreichischen Kriegsanleihe. Wer seine Pflicht für Kaiser und Vaterland noch nicht erfüllt hat, der beeile sich, das Versäumte rechtzeitig nachzuholen. Die Zeichnung der Kriegsanleihe ist jedes guten Juden heiligste Pflicht. Das Programm der neuer» Regierung. üanz unerwartet hat Oestei reich eine neue Regierung bekommen. An Stelle des Kabinetts Körber ist ein Ministerium Uam-Martinic getreten. Die Grunde dieses Ministers eclisels, insoweit überhaupt authentisch bekannt, sind in der Tagespreise ausführlich behandelt worden und es hat keinen Zweck, an dieser Stelle diese Angelegenheit speziell /u erörtern. Für uns als Juden und als Burger ist es vornehmlich von der größten \\ lchtigkeit, das Progiamm des neuen Kabinetts naher zu betrachten und zu wissen, was wir von demselben zu erwarten haben. Als Juden haben wir natürlich das größte Interesse daran, daß die Grundziige des neuen Kabinetts jenen erj#ibeneri Prinzipien entsprechen, die unser Allergnadigster Monarch in seinem Manifest und m seiner huldvollsten Ansprache an die Deputation , der_ jüdischen Kultttsgernciuden zu -verkünden . .Jer.ajit hätte, jenen erhabenen Prinzipien von von der Freiheit und" dem Schutz für" aHe wohner der Monarchie ohne jeden konfessionellen Unterschied. Als Burger hegen wir den lebhaften Wunsch. daß die wahrend des Krieges und infolge der Kriegserfahrunge» eingeleitete politische und wirtschaftliche Konsolidierung der Monarchie mit kraftiger Hand, zielbewußt und energisch weitergeführt und reahsiet werde. Die Personentrage kommt hiebe) wenig in Betracht und auch die Methoden, die die Regierungskrise in Anwendung bringen wollen, um das ersehnte Ziel zu erreichen, sind nicht von wesentlicher Bedeutung. Schließlich fuhren doch alle Wege nach Rom. Betrachten wir nun das Programm, welches das Kabinett des Cirafen Uam - Martuuc bei seinem Regierungsantritte verlautbaren ließ, und ziehen wir die politische Vergangenheit der Persönlichkeiten m Betracht, die zur Leitung der wichtigsten Ressorts berufen wurden, so können wir getrost sagen, daß die Eebensinferessen der Monarchie sich in den richtigen Händen befinden und daß wir, sowohl als Bürger, wie als Juden, dem neuen Kabinette das vollste und weitgehendste Vertrauen entgegenbringen können. Von diesem kurzen, aber prägnanten und umfassenden Regierungsprograrum wollen wir an dieser Stelle die nachstehenden Satze zitieren, die den zum Ausdruck gebrachten Gesichtspunkt bestätigen: „In einer ernsten Zeit ist die Regierung mit der Führung der Geschäfte betraut worden. Sie hat dieselben mit dem Gefühl der großen Verantwortung, die sie zu tragen hat. übernommen. Die Herstellung voller verfassungsmäßiger Zustande, die Schaffung notwendiger Voraussetzung dazu, die Ebnung des Weges zum Parlament wird das hohe Ziel der Regierung bilden". „Die politische und wirtschaftliche Konsolidierung Oesterreichs, die Zusammenfassung der Kräfte aller den Staat bewohnenden Nationen, die Lösung der großen sozialen Aufgaben, die durch den Krieg wesentlich vermehrt, an Bedeutung gewonnen haben, die Ausgestaltung des Volkserziehungsw esens in der Richtung der allgemeinen Bildung, die sittliche Festigung der heranwachsenden Jugend und der staatsbürgerlichen Oesinnung, die durch den Krieg notwendig gewordene Neuordnung der Staatswirtschaft, die Heilung der Wunden des Krieges, sowie der Wiederaufbau des Zerstörten und die ganze Fülle der übrigen sich aufdrangenden Fragen stellen an die Regierung l und an das Parlament in der kommenden Zeit I die größten Anforderungen'". j „Unvergessen sollen unsere braven, lur i den Schutz und Schirm des Vaterlandes kämpfenden Krieger bleiben, denen in Oesterreich alle Herzen dankbar entgegenschlagen und für deren Invalide und Hinterbliebenen zu sorgen die Regierung als heilige Pflicht ansieht". „I he Gegenw art erfordert die Anspannung aller Kräfte. Der bewunderungswürdige Opfermut der Bevölkerung, welche die Lasten des Krieges unentwegt tragt, legt der Regierung doppelte Pflichten auf. die" v<'')fl!\eniahrung zu ihrer ersten und unausgesetzten Sorge zu machen. Die Regierung will sich nicht heute! schon mit einem ausführlichen Programm an I die Oeffentlichkeit wenecn. sie zögert aber I nicht, die allgemeine Richtung zu bezeichnen, j die sie. Gerechtigkeit gegen alle Völker des! Staates übend, einzuschlagen gedenkt, da sie! des Verständnisses und der Mitarbeit iener hei darf, denen die Zukunft Oesterreichs am Herzen 1 Hegt". | Aus diesen kurzen Sätzen ist zu ersehen,! welche Grundsätze die neue Regierung (.erfolgen will und wie sehr das Programm derselj ben den Wünschen » und"Anforderungen aller gutgesinnteil. Oe^rf|erUK.entspricht. Sowohl der Mjnjsterpra " Clsun-Marthiic.. HB auef -bieten die beste Oew 6001SO-H sondern daß alles daran ■«setzt werden wird, dasselbe energisch und zielbewußt, planmäßig und kraftvoll zu realisieren. Die Erneuerung Oesterreichs, die wir alle anstreben, durtte nun tatkraftig und intensiv vor sich gehen, che Zusammenfassung aller Kräfte und die Heranziehung aller Gutgesinnten zur segenbringenden Arbeit durfte dazu wesentlich beitragen, das angestrebte Ziel je eher zu erreichen. Der Kabiiiettwechsei in Oesterreich bedeutet keinen Svslemw echsel m dem Sinne, wie dies m manchen kreisen gedeutet wird. In der gegenwärtigen großen Zeit, die wir durch- und erleben, haben die Schlagworte „Konservatismus", „Fortschritt' , „Nationalismus". „Sozialismus . ..Zentralismus", usw. vieles von ihrer sonstigen Bedeutung eingebüßt. Die Hauptsache ist: die Kräftigung des Vaterlandes, die Ermoglichung des Durchhaltens im Kriege und die Vorarbeit für die zukünftige - hoffentlich nicht mehr allzuferne Lnedenszeit. I las Programm des Kabinetts Uam- Martimc. das sich aus den hervorragendsten und bestbewahrten Staats- und Fachmännern zusammensetzt, verspricht dies m des Wortes vollster Bedeutung. Wir haben alle Ursache, dein neuen Ministerium das vollste Vertrauen entgegenzubringen, sowohl als Bürger wie auch als Juden, die wir ein staatserhaltendes Element par excellence sind. Die Friedenstrage und die Juden. Die Entente hat das Friedensangebot des Vierbundes vorläufig abgelehnt. Die am allen Kriegsschauplatzen geschlagenen Zehnverband- Staaten wollen sich noch immer nicht als die Besiegten bekennen und wollen den Kampf ms endlose fortsetzen, m der Hoffnung, daß ihnen die Zeit oder der blmde Zufall zu Hilfe kommen werden. „Die Böswilligen wollen nicht einmal vor den Toren der Holle Buße tun!" sagten unsere talmudischen Weisen. Fürwahr, dieser Ausspruch hat noch nie eine drastischere Bestätigung gefunden, als m dem Verhalten der Bnand. Pokrowskv. Llovd George und Sonnino. Sie empfinden es selbst und ieder Tag bringt ihnen darüber neue Bestätigung, daß sie geschlagen sind und die eigenen Völker einem Phantom opfern. Aber sie wollen von ihrem Wahne nicht lassen und haben noch den traurigen Mut. große Worte zu machen und sich als die Kampfer für Kultur und Zivilisation zu deklarieren. Wehe der Kultur und der Zivihangew lesen Das Verhalten der Entente mag überall die höchste Entrüstung und Empörung hervflff- Hiieii. es ist abei zugleich ein \eigebliches Bemühen und wird keinen realen Effekt bffejjeÄ , können. 1 rotz allem kann ruhig gesagt ,«elr» :-i», ueii, daß wu dem Frieden entgegengehen. Das Eingreifen des Präsidenten W ilson. mögen des-* , sen Beweggründe und eigentlichen Ziele welch© *-' immer sem. und das kraftvolle Auftreten der - Neutralen, die nach und nach dem Friedensgedauken ihren Beistand leihen, Ohrte JRack- : sieht auf die Diohtmgen und den 1 'ntti'llen Üer Herren in 1 ortdou und Paris, beweist, wie sehr \\ die Kriegssituation tur den Frieden «If ist. s< Rene hnichte fallen aber selbst vom Baume, wenn sie nicht heruntergeholt werden; fJie Lortsetzung eines atissichis- und deswegen . zw ecklosen Krieges ist ein ruchloses ße-. ginnen, das absolut mein gelingen kann. Wir gelien also dem frieden entgegen, wenn auch heute niemand mit Bestimmtheit. v das Datum desselben voraussagen kamt oiKt darf, ohne sich lächerlich zu machet!.>A¥ir gehen dem Flieden entgegen und das bfcitijfe, VV elteni mgen wird über kurz oder lang ^ein Ende finden. Die Entscheidung im Kriege i$t bereits gefallen. Der Friede hat das Wort. Habet) w ir Junten ai> .WeWwwierA J$k ■ fApaffl^ißipr^ j^aggpfcjhafftste Interesse an dein, otmuen des Friedens, "#r" fei iüdiscj^Blut' gefordert und fordert, | desselben überaus interessiert. Von verschic« I dener indischer Seite wird seit Jahr und lag j eine Aktion betrieben, um gelegentlich der Fne- I densverhaiidlungeti die Rechte der Juden m I deniemgen Landern, wo wir solche noch nicht I besitzen, sicherzustellen. Dan/, besonders lebj hart ist dieser tiedanke in Amerika, wo die Emi beriituug eines allgemein-uidisclien Kongresses | gefordert und vorbereitet wird, der Delegierte j zur hriedciiskonierenz entsenden soll, mit der j Aufgabe, von den Machten die Anerkennung i der polnischen und bürgerlichen Rechte der i Juden in allen Landern zu fordern und mittels I internationaler Abmachungen zu garantieren, j Gewisse Kreise gehen luebei noch weiter und | fordern sogar die Anerkennung der Juden als )ii und die Sicherung der Rechie Palästina bei den Friedens verbetrcibcu. Wie bekannt, hat Her den Juden Amerikas geai heftigen Kämpfen und Konbe.sondere Na derselben au haiidlungeu / diese Frage w issermaßen ilikt. Koinpraiiiiß summe Zeit führt. dis Gi tande gekommen und das Zuage. Ohne das Problem an und tur sich, ob das Auftreten mit einem Minimal- oder mit einem Ma\imal-Prograimii zu empfehlen wäre, hier berühren zu wollen, muß man agesichts der Unistande, daß die offiziellen rriedensverhandhmgen in den Bereich der Möglichkeit geruckt sind, und daß auch mit der Eventualität einer Autrollung der Jiidentrage bei dieser Gelegenheit zu rechnen ist. noch einmal konstatieren, daß die eventuellen diesbezüglichen Bemühungen in erster Reihe an die Adresse der Entente zu richten sind. Die Machte des Verbundes machen es wahrlich unnötig, in dieser Hinsicht bei ihnen mit einer speziellen Aktion einzusetzen. Eine Judenfrage m dem Sinne, dal! den Juden die vollste Gleichberechtigung zu sichern ist. evistiert in den Landern des Vierbundes nicht. Sowohl m Oesterreich-Ungarn und Deutschland, wie m Bulgarien und der lurkei. erfreuen sich die Juden aller bürgerlichen und politischen Rechte und da ist es unnötig, spezielle Aktionen einzuleiten. Wenn es m diesen Landern hie und da eine Judenfrage gibt, w enn auch da manchmal nationaler Chauvinismus und religiöse Unduldsamkeit die Wahrung der indischen Rechte erforderlich machen, so sind dies Erscheinungen, die nur im Laufe der Zeit verschwinden und die sonst nie im Wege der Gesetzgebung oder durch auswärtige Garantien aus der Welt geschaffen