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Jüdische Korrespondenz · 1916-12-21 · 42 (21.12.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
42 (21.12.1916)
Date
1916-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Proic nc<- M.,mm«* in LJ~l! — , . . ........ Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 1-20. j Wochenblatt für jüdische Interessen, Redakteur: Jonas Kreppel. Redaktion und Administration: VIII. Alserstraße oö. Wien, 21. Dezember 1916. Erscheint jeden Donnerstag 2. Jahrgang. Die Wenigen u. die Zahlreichen. (Chanuka-Betrachtungen). Zum dritten Maie leiern wir das schöne, liebliche Uianukatest unter dem Krachen der (iescütze. War es früher stets bloß eine Er- . innei ung an blutige Kämpfe und große Schlachten, so haben wir in diesen letzten drei Jahren immer die Empfindung, daß wir Augen- und Ohrenzeugen jener gewaltigen Entscheidungskämpfe sind, die die Wenigen gegen die Zahlreichen geführt haben. Gekämpft und gesiegt. Was den Makkabäerkämpfen ein solches historisches Gepräge gibt, ist eben der Umstand, daß ein kleines Volk einen Weltkoioß besiegte, daß ein kleines Volk seine Freiheit und sein Recht gegenüber einer erstklassigen Weltmacht erkämpfen und erringen konnte. Heute, da sich eben ein solcher Kampf, allerdings unter anderen Begleiterscheinungen und anderen Dimensionen abspielt, verstehen wir erst recht, was es zu bedeuten hat, wenn die Wenigen die Zahlreichen besiegen, daß nicht die Zahl im Kriege entscheidet, sondern der Geist, daß die gerechte Sache stets den Sieg davontragen muß. ganz gleiehgiltig, wie hoch die Zahl ihrer Feinde ist und wie unerschöpflich deren Hilfsmittel auch sein mögen. Das jüdische Volk ist überall eine kleine, verschwindende Minorität. Es kämpft und blutet gleich allen anderen Völkern, ist jedoch außerstande, seine Rechte mit der nötigen Tatkraft zu verteidigen und ist oft selbst im Kampfgetümmel der Gefahr ausgesetzt, bei der Bemessung seiner Rechte knapp gehalten oder gar ganz übergangen zu werden. Die Wenigen müssen eben immer den Kürzeren ziehen **""\rWllHftlfef"WakBTli; MMM SICH1 Ui« MfcnsfMidt noch immer nicht abgewöhnen. Aber das ßiianukäfest und die Erinnerung an die Makkabäerkänjpffe und die Makkabäersiege widerlegt, dtese Behauptung - in der entschiedensten Weise. Die Zahlreichen müssen nicht immer die Sieger sein. Die Wenigen siegen dort, wo sie im Rechte sind. Es wird nicht überall und nicht immer angehen, unsere Rechte und unsere Interessen zu verletzen*, weil wir die Wenigen sind. Recht und Gerechtigkeit müssen auch heute zur Geltung kommen und unsere Rechte müssen überall und unter allen Umständen berücksichtigt werden. Es war -ein Befreiungskampf, den die Makkabäer vor mehr denn zwei Jahrtausenden gegen eine gewaltige Uebermacht geführt haben. Der Feind, der die kleine Heldenschar in offener Feldschlacht nicht besiegen konnte, glaubte die Zeit zu seinem Bundesgenossen wählen zu dürfen. Schließlich werden sie sich doch erschöpfen müssen, schließlich wird der Hunger und die Not sie schon zwingen, klein beizugeben. Der Irrtum hat sich bitter gerächt. Die Wenigen wurden nicht erschöpft und durch Hunger nicht bezwungen. Mit harter Faust teilten sie dem Feinde solche Schläge aus, daß er sich als besiegt erklären und ihre Rechte anerkennen mußte. In den gegenwärtig, seit bald dreißig Monaten tobenden Kämpfen ist gewissermaßen eine Analogie der Makkabäerkämpfe zu finden. Auch da Mden sich die Zahlreichen ein, daß sie vermöge ihrer Zahl siegen müssen, daß die Wenigen trotz ihres Heldenmutes. Tapferkeit tsnd Aisdauer infolge Erschöpfung- und Htmger aufs KWe werden gezwungen werden. Das der Makkabäerkämpfe straft jedoch f'läne Lügen. Die Zahl ist nichts, der ' t alles, die gerechte Sache maß und wird Möge der Feind noch immer hoch- ^rM, und siegesbewußt sein, er -wird schon zur Einsicht gelangen, daß seine Hoffnungen illusorisch seien. Das hat der bisherige Kriegsverlaitt bewiesen und das dürfte auch" #r nächste Zukunft beweisen. Die; SAakkabäer 'führten einen Kampf für Freiheit and'focht. Auch heute wird mit (Besen höchsten Attributen der Kutturmenschhett nur so . berumopeiiert. Eroberungslust udd -ExpansiOBsbestrefttngW M-"* ___wflder Haß und- Neid, R«vanchegel^[e. aad,)^edrjge Scheelsucht werden mit einem Mämelchcu der \ olkcrbefreitmg drapiert und die schlauen Erfinder dieser Weisheit bilden sich ein, daß damit allein schon der Sieg errungen werden kann. Sie konnten sich bisher und können sich taglich überzeugen, daß sie sich auf dem Holzwege befinden. Ein Befreiungskrieg in des Wortes echter Bedeutung ist der Krieg, wie er seitens des Vierbundes geführt wird. Deshalb heftet sich auch der Sieg an dessen Fahnen. Die Zahlreichen, die eine halbe Welt bluten lassen, um ihre Aspirationen erreichen zu können, müssen den Wenigen, aber Gerechten, weichen. Angesichts dieser Erscheinungen, die eine so beredte Sprache führen, können auch wir Juden der Zukunft mit Ruhe und Zuversicht entgegensehen. Wir sind wohl überall eine verschwindende Minorität, und gar Mancher glaubt, deswegen unsere Rechte verletzen zu dürfen. Aber die Makkabäerkämpfe. die wir seit mehr als zwei Jahrtausenden jahraus jahrein feiern, und die gegenwärtigen Kämpfe, deren Zeugen wir sind, beweisen zur Genüge, daß nicht die Zahl, sondern die Gerechtigkeit den Sieg davonträgt. Spectator. Das Friedensangebot des Vierbundes. Der Schritt, den die Mächte des Vierbuuues am \2. Dezember 1916 unternommen haben, sichert ihnen ein Ruhmesblatt in der Weltge- I schichte, ganz gleiehgiltig, welche realen Folgei dieser Schritt schon jetzt haben dürfte. Di< Sieger, die seit dritthalb Jahren auf allen Kriegs. seJwt» platzen -sek-W W«Hdw»"dar >'A'uvi*tk> Die Vergeiiuny. ..Durch die Erfolge m Rumänien ist der (). I »ezember sinnfällig zu einem Tage der \ ergeltung für schmählichen Verrat geworden". gesberichte vom 7. I )ezember. Es liegt für uns Juden sehr nahe, uns dieses Wort zu eigen zu der Vergeltung fiir schmählichen Verrat an politischer Moral und primitivem Menschendie Politik des Masses und der Nie- >rden. Mit dein Einzug der I nippen Mitteleuropas in Rumäniens Hauptstadt schließt eine harte Leidenszeit für eine Halbmillioneubevölkerung ab. die. alle Lasten und Pflichten des Landes tragend, keinen Platz hatte an der gedeckten lafel der Freiheit und des Verfassungsrechtes, keinen Zutritt hatte zu den Bahnen der fortschreitenden, an Entwickliingsmogliehkeiten überreichen Volkswohlfahrt. Es entspricht nicht jüdischer Art. ob des Falles des Feindes in Jubel auszubrechen. Man wird es uns aber nicht verargen, wenn wir heute, am Jage der Vergeltung, rück- und ausblickend der Genugtuung Ausdruck geben, daß der gordische Knoten der rumänischen Judenfrage, den die Friedenspolitik der Nationen nicht losen konnte oder wollte, den aber das rumänische Ausrottungstmd s irrte. der genialen Kriegführung geliefert, die gerade in den letzten Wochen den jüngsten Feind niedergerungen haben, bieten den Besiegten die Hand zum Frieden. I*ie Sieger, die ganze Königreiche und Länder okkupiert haben, erklären sich zu einen billigen Frieden bereit, um nur dem entsetzlichen Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wer eigentlich an diesem schrecklichsten aller Kriege die Schuld trägt, so haben die Ereignisse der jüngsten Tage diesen Beweis erbracht. Die Entente,- die angeblich fiir Menschlichkeit, Kultur und Zivilisation einen Krieg führt, beantwortete das Friedensangehot mit allerdings gekünsteitern Hohn und mit offener Wut. Die Furcht vor dem Frieden liegt den Ententeministern in allen Gliedern, sie wissen es. daß die Bilanz des Krieges für sie nicht günstig ausfallen kann und sie wollen das Blutvergießen ins unendliche fortsetzen, in der Erwartung, die Sieger könnten durch Erschöpfung doch aufs Knie gezwungen werden. Diese merkwürdige Haltung des Vierverbandes kann jedoch niemandem irreführen. Sie werden schon klein -beigeben, die Herren in Petersburg und Paris, * in London und Rom. Lange werden sie nicht mehr das Siegesbewußtsein heucheln könnte das durch nichts begündet ist und sein kalmk^Die siegreichen Vierbundmächte werden schon den Frieden diktieren, möge derselbe (Vielleicht noch etwas auf sich warten lassen. Für die Juden aller- Länder ist dieser Umstand von wesentlichet-Bedeutung. Wir haben wiederholt darauf verwiesen, daß nur ein Sieg der Mittelmächte den Millionen Juden, die unter dem Joche der Russen und Rumänen schmachten, Erlösung und Befreiung bringen kann. Nun sind wir diesem Resultate nicht mehr fern. Mögen die Bedingung©» des Vierbundes noch so gemäßigt sein, weder Rußland noch Rumänien werden es vermögen, ihre bisherigen Regierungsmethoden 'fortzusetzen. Am wenigsten wird es ihnen** beschieden sein. Eroberungen zu machen, r und weitere jüdische Kreise zu knechten. t>ie Millionen Juden Pole!» sind schon frei', auch der anderen Getaaechteten und Verfolgten harrt Freiheit und Säriösung. Die Stege! werden den Frieden '?•• mm durch das allgewalti; kerriugens jäh durchschnitten ist. Man wird nicht umhin können, in diesem sichtbaren Strafgerichte eines der höheren Ziele der von der allweisen (iottcswaltuug über unsere Generation gebrachten schweren Weltkatastrophe sui.ar.hii.'t-an 1 .. .. ....... m^mm, mm Hier nur eine kurz? Skizze, in großen, groben Umrissen, des rumänischen JudenleK dens in den letzten sechs Jahrzehnten. Mit dem Jahre 1846 tritt Rumänien k .die Reihe der „Kulturvölker" ein, und seitdel^Lvergeht wobt kein Tag, der nicht die LctdenÄseÄchte d#f rumänischen Judenheit um irgenpagawm sqhwar- . , zen Punkt bereichert. Das Protoflttl dwKon- - ferenz von Konstantinopel vom l. rferuar 1#5» ~ schlägt vor, daß „alle Kulte und dcrefi^eki den gleichen Schutz und die gleiche B^"" Lande genießen sollen", in der «nögiltMl iassung der Pariser Konvention vom lsnj 1858 erhält aber schon dieses TolerarizeC Linderes Gesicht: „I )ie Moldauer und Wa| aller .christlichen Riten genießen die.?' politischen Rechte. Durch gesetzliche 1 mungen kann der Genuß dieser Rechte auch"| andere Bekenntnisse augedebnt werden'1. „Kann", aber man wollte nicht Die ge-S setzlichen, Bestimmungen gingen systematisch % in steigernder Linie darauf hinaus, den Genuß der Rechte den Juden z.u entziehen. Verord- „. nungen auf Verordnuflgerf feJgea, die neben der direkten Bedrückung der -Juden ia den Augen der urteilslosen Menge zum schutzlosen Heloten herabdriiekten. Man versucht es auch gelegentlich mit bestem Erfolg, den .Mob geradeweg gegen die Juden mobil zu machen. . Das russische Wort Pogrom ist ein russisches Wort für eine gut rumänische Sache, die ihre ursprüngliche Heimat an der Moldau und'tarier Walachei hat und von dort erst in den achtziger» .fahren in Beßarabien importiert wurde, Der Mittelstand, der auf dem fruchtbaren, indapifieretcneii Boden Rumäniens über Nacht' entstand, hatte Interesse daran, die jüdische Konkurrenz aus dem Wege zu schlagen. Die gebildete Schicht sah sich aber, durch Eindringen der jüdischen Intelligenz in die freien Berufe in ihrem Vorrechte, den.Staat als ausgiebige■ Milchkuh zu benutzen, bedroht. Diese Schicht schickte aber die Männer ihrer Wähl ins Parlament, in die Regierung und in die ZfvHVefwaHung. So hatten sich denn alle Faktoren im Lande zu dem löblichen Zwecke zusammengefunden, - den Sumpfboden tunlichst zti^ fBÄreft ttnd ztt.e>-, weitern. aus dem die O^frpSatlze des Judenhasses zu einem das" gärfze DöHtfsefie ffnd öffentliche Leben beherrschenden Elemente «t?- wachsen sollte. .;* *"" Jude soll die Kriegsanleihe

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