Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 41 (14.12.1916)
- Date
- 1916-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Alf ~~Ui~4+ SüA:nnUn I««*«-.««««- Redaktion und Administration: vierteüähtiich k i?o. Wochenblatt tur jüdische Interessen. Wien, vm. Alsenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierte".ähtUcn K 120. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redaktion und Administration: Wien, VIII. AlserstraBe 5§. Redakteur: Jonas Kreppel. Erscheint jeden Donnerstag 41. _Wien, 14. Pagember 1916. 2. Jahrgang. Kaiserworte. Der Empfang der Abordnung der österreichischen Kultusgemeinden durch das Allerhöchste Kaiserpaar und die Ansprache, mit der Se. Majestät diese Abordnung auszuzeichnen geruhte, werden in der Geschichte der österr. Judenschaft mit goldenen Lettern verzeichnet sein. Es war der Qeist des erhabenen unvergeßlichen Monarchen, weiland Kaiser Franz Josefs, der aus diesen huldvollsten Worten Sr. Majestät des Kaisers Karl i. sprach. Die Erwartung und die Hoffnung der österreichischen Judensehaft, daß der neue Herrscher auch seinen jüdischen Bürgern gegenüber von derselben Huld und Gnade beseelt sein dürfte, die seinem erhabenen Vorfahren den Ehrentitel „der judenfreundlichste Kaiser" verschafft haben, sind vollauf in Erfüllung gegangen. Aus dem Munde ihres AHergnädigsten Kaisers konnten die Juden Oesterreichs das ehrenvolle Zeugnis vernehmen, daß der Monarch von der Unerschütterlichkeit des jüdischen Patriotismus überzeugt sei. Sie konnten aber auch die glückliche Verheißung hören, daß die Juden sich in den Ländern der Monarchie der allen Bürgern gewährleisteten Rechte stets uneingeschränkt werden erfreuen können. Ein Zweifel konnte darüber wohl nie aufkommen. Hat doch der neue Herrscher schon früher bei vielfachen Gelegenheiten seinen erhabenen Willen kundgegeben, die Rechtsgleichheit aller Bürger zu schützen und zu beschirmen. Aber in dieser schweren Zeit, wenn die Juden trotz des proklamierten Burgfriedens und trotz ihrer gewaltigen Opfer an Gut und Blut ■A* Kawer «nd. j^atoriand hie «nd. da unfraund. ■ liehe Vorwürfe, die jeder Berechtigung entbehren, hören müssen, wirkt es beglückend, von dem erhabenen Träger der Allerhöchsten Krone derart huldvolle und gnädige Worte der Anerkennung und des Wohlwollens vernehmen zu können. Die Worte des Kaisers: „Die jüdische Bevölkerung hat immer ihre Liebe und Anhänglichkeit an Mein Haus und das Vaterland bewiesen und in der gegenwärtigen großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut und Blut beigetragen" — bilden ein Ehrenzeugnis für die österreichische Judenschaft und erfüllen unsere Herzen mit erfurchtsvollen Dankbarkeitsgefühlen und unerschütterlicher Zuversicht. „Im Reiche des Kaisers Franz Josef fürchtet der Jude den Antisemitismus nicht!" — so pflegten die Juden nicht bloß der Monarchie, sondern auch aller Länder stets zu behaupten. Heute können diese Worte weiter in Geltung bleiben. „Im Reiche des Kaisers Karl I. fürchtet der Jude den Antisemitismus nicht!" Im Reiche dieses edlen Monarchen wird kein Bürger seines Glaubens wegen verfolgt oder verletzt werden. Mögen gewisse berufsmäßige Hasser und Chauvinisten hie und da ihr wahnwitziges Handwerk fortsetzen wollen: die österreichische Judenschaft besitzt ein Zeugnis für ihre Liebe und Anhänglichkeit zu Kaiser und Vaterland, gegenüber welchem alle Versuche der Feinde, die Wahrheit zu verdunkeln, nichts ausrichten können werden. Der gegenwärtige Weltkrieg hat von den Juden in mannigfachen Beziehungen viel größere Opfer an Gut und Blut gefordert, als von den anderen Bürgern der Monarchie. Die Juden Galiziens und der Bukowina hatten ganz speziell zu leiden, sie mußten physische, moralische und materielle Drangsalierungen über sich ergehen lassen und auch die Judenheit der ganzen Monarchie wurde dadurch sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. I>as Hilfswerk für die Flüchtlinge erforderte gewaltige Opfer, speziell von jüdischer Seite und dürfte auch weiterhin große Opfer erfordern. Die anerkennenden Worte des erhabenen Landesvaters bieten den Leidenden einen erquickenden Trost in diesen schweren Zeiten. Die Opfer, die sie gebracht, werden an Allerhöchster Stelle anerkannt und die Tätigkeit derjenigen, die sich der Flüchtlinge angenommen haben, findet das huldvollste Lob des Kaisers. Helfer und Geholfene fühlen sich gleichsam beglückt. Seine Majestät gedachte auch mit Rührung uer begenswunsche, die die Juden in ihren Gotteshäusern für Ihn und die Seinen zum Himmel senden und geruhte allergnaüigst, ihnen für diese fromme Bekundung ihrer treuen Gefühle den wärmsten Dank zu sagen. Diese Allerhöchste Anerkennung wird iür die Juden einen Hiisponi biiuen, ihre innigsten Gebete tür das Heil, Gluck und Wohlergehen des geliebten und erhabenen monarchen, sowie tür das Allerhöchste Kaiserhaus mit heißester Inbrunst zum ewigen Vater im Himmel zu senden. Möge es dem edlen Monarchen gar bald beschieden sein, seinen höchsten Wunsch, seinen Völkern den sieggekronten, ehrenvollen Frieden verkünden zu können, erttilit zu sehen. Die Huldigung der öslerr. Judenscn.aH. Montag, den 11. d. M. mittag haben Ihre Majestäten Kaiser Karl und Kaiserin Zita die Huldigung der Juüenschait Oesterreichs durch eine Abordnung, in der die Kultusgemeinden der Hauptstädte und anderer großer Städte vertreten waren, in den Alexander- Appartements der Hofburg entgegengenommen. Die Abordnung bestand aus folgenden Mitgiedern: Von der israelitischen Kultusgerneinde Wien Präsident Dr. Altred Stern, Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin Rappaport und Oberrabbiiitii'-Hr.MMwwtu »Oii^MMM^ de» Vimpwiai - denten der israelitischen kultusgemeinde Prag kaiserlichen Rat Robert Fuchs Edlen v. Robettin, das Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde Brünn Adolf Herdan, der Regierungskommissär der israelitischen Kultusgemeinde Lemberg Dr. Emil Parnaß, die Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinden Dr. Samuel Tilles (Krakau), Benedikt Schwager (Linz), Simon Rendi (Graz), Dr. Neumann Wender (Lzernowitz), Dr. Theodor Sonnenschein (Troppau), Karl Schütz (Triest), Dr. Josef Schanzer (Pilsen), Dr. Alois Hilf (Mährisch-Ostrau), Rudolf Löwy (Salzburg), Wilhelm Dannhauser (Innsbruck), Dr. Wilhelm Wolf (Wiener-Neustadt), den Obmannstellvertieter der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft Dr. Heinrich Rosenbaum und für den Mährisch-jüdischen Landesmassafonds Dr. Sigmund Schimmerling. Nachdem das Kaiserpaar den Audienzsaal betreten hatte, trat Oberrabbiner Dr. Güdemann einige Schritte vor und erbat sich die Erlaubnis, mit bedecktem Haupte die althebräischen Siegesworte im Namen der gesamten österreichischen Judenschaft über Ihre Majestäten aussprechen zu dürfen. Nach erteilter Genehmigung sprach der Öberrabbiner erst den hebräischen Segensspruch und fuhr dann deutsch fort: „Gepriesen sei der ewige Weltenherr, der in seiner Gnade den Abglanz göttlicher Majestät auf die glorreichen Häupter Eurer Majestäten herabgesenkt hat und zu dem wir inbrünstig beten, daß dieser Abglanz in immer hellerem Lichte des Glückes, der Freude, des Segens und des Friedens über Eure Majestäten erstrahlen möge. Amen." In dieses Amen stimmten alle Anwesenden ein. Sodann hielt der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern folgende Ansprache an Ihre Majestäten: „Eure Majestäten! Ehrfurchtsvoll nahen die gesetzlichen Vertreter der Kultusgemeinden der Kronlandshauptstädte und einiger größerer Städte Oesterreichs, um namens der gesamten Judenschaft des Vaterlandes Eurer kaiserlichen und königlich Apostolischen Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin die älleruntertänjgste Huldigung darzubringen. Glücklich und hoffnungsfroh hat die Judenschaft aller unter Eurer Majestät Scepter vereinigten Länder die Verheißuitg Eurer Majestät vernommen, die Rechtsgleichheit, welche wir Juden dem unvergeßlichen, nunmehr verklärten ruhmreichen Vorfahren Eurer Majestät zu danken haben, surgsam hüten zu wollen. In allen Gauen des Reiches tuhlt sich die jüdische Bevölkerung eins mit ihren Mitbürgern in der unwandelbaren '1 reue zu Kaiser und Reich, eins in der Bereitwilligkeit, Gut und Blut für Thron und Vaterland zu opfern, eins in der Freude über die ruhmreichen trioige unserer tapferen Armee, eins in der stolzen Zuversicht, daß es Lurer Majestät ruhmbedeckten Armee baldigst gelingen wnd, den endgültigen Sieg über unsere Feinde zu erringen. Wir sind glücklich, die Huldigung unserer Glaubensbrüder Eurer Majestät ueute zu Füßen legen zu dürfen, da erst vor wenigen lagen die verbündeten Armeen in unwiderstehlichem Siegeszuge einen neuen heimtückischen Feind bezwungen, glücklich, daß unsere Glaubensbrüder im Heer auch hier teilhaben duriten an dieser Großtat, durch welche zu Habsburgs Ruhm und Ehre das Licht der Freiheit abermals in das Land eines Feindes getragen wurde, m welchem unsere Glaubensgenossen unter entehrendem Drucke schmachten. In traditioneller Kaisertreue, in herzinniger Liebe für Eurer Majestät geheiligte Person richten wir in allen unseren Gotteshäusern vor geoitneter heiliger Bundeslade, richten wir alltäglich und stündlich in der Stille unseres Hauses unsere Gebete empor; Es möge Gott, der Allmächtige, Eure Majestät auf allen Wegen beschirmen, eurer Majestät Sieg und Ruhm und Herrlichkeit verleihen, Ihre Majestät, unsere erhabene Kaisenn, behüten, Ihr gütiges Herz in vorbildlicher Ausübung wohltätiger Werke stärken, Seine kaiserliche und königliche Hoheit den Kronprinzen wachsen, gedeihen, "^diertta^jHr^^ nien! Gott erhalte, uott beschütze unsern Kaiser Karl 1., unsere Kaiserin Zita. Ihr erhabenes Haus!" Se. Majestät der K a i s e r geruhte hierauf allergnädigst zu erwidern: „Die mir und der Kaiserin von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinden im Namen ihrer gesamten Glaubensgenossen dargebrachte Huldigung nehmen Wir mit herzlicher trkenntlichkeit entgegen. Die jüdische Bevölkerung hat immer ihre Liebe und Anhänglichkeit an Mein Haus und das Vaterland bewiesen und in der gegenwärtigen großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut und Blut beigetragen. So wie Ich von der Unerschütterlichkeit dieser patriotischen Gesinnung überzeugt bin, ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen versichert sein, daß sie sieb ui Meinen Landen der allen Bürgern gewährleisteten Rechte stets uneingeschränkt werden erfreuen können. Gerührt von den Segenswünschen, die Sie in Ihren Gotteshäusern für Mich und die Meinen zum Himmel senden, sagen Wir Ihnen auch für diese fromme Bekundung Ihrer treuen Gefühle Unseren wärmsten Dank." Die huldvolle Antwort des Monarchen übte auf die Anwesenden tiefen Eindruck aus. Hierauf erbat sich der Präsident Dr. Stern neuerlich das Wort, um die Mitteilung zu erstatten, daß die israelitische Kultusgemeinde Ragusa (Dubrovnik), die infolge Kürze der Zeit einen Vertreter nicht mehr entsenden konnte, ihn beauftragt habe, bei der Huldigungsdeputation den unwandelbaren Gefühlen ihrer untertänigsten Treue und Ergebenheit in den Stufen des Allerhöchsten Thrones Ausdruck zu geben. Se. Majestät nahm die vorgewiesene Depesche zur Hand und reichte sie auch Ihrer Majestät der Kaiserin und beauftragte sodann den Präsidenten Dr. Alfred Stern, der Kultusgemeinde Ragusa Seinen Dank für die bekundete patriotische Gesinnung zu übermitteln. Ihre Majestäten geruhten sodann, sich vom Präsidenten Dr. Stern die einzelnen Mitglieder der Abordnung vorstellen zu lassen und jeden der Herren durch gnädige Ansprachen auszuzeichnen.