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Jüdische Korrespondenz · 1916-11-30 · 39 (30.11.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
39 (30.11.1916)
Date
1916-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. ... « «, ... , - . Redaktion und Administration: vierteljährlich k 120 Wochenblatt für jüdische Interessen. wien, vm. Aiserstraße 55. Nachdruck mit «oller Qu llenangabe gestattet. Redakteur: Jonas Kreppe I. : Erscheint jeden Donnerstag Mr. 39. Das Manifest des Kaisers. An Meine Völker! Tiefbewegt und erschüttert stehe Ich und Mein Haus, stehen Meine treuen Völker an der Bahre des edlen Herrschers. Dessen Händen durch nahezu sieben Jahrzehnte die Geschicke der Monarchie anvertraut waren. Durch die Onade des Allmächtigen, die ihn in frühen Jünglingsjahren auf den Thron »trufen hatte, ward Ihm auch die Kraft verliehen, unbeirrt und ungebrochen durch schwerstes menschliches Leid, bis ins hohe üreisenalter nur den Pflichten zu leben, die Sein hehres Herrscheramt und die heiße Liebe zu Seinen Völkern Ihm vorschrieben. Seine Weisheit, Einsicht und väterliche Füi sorge haben die dauernden Grundlagen friedlichen Zusammenlebens und freier Entwicklung geschaffen und aus schweren Wirren und Gefahren, durch böse und durch gute Tage, Oesterreich - Ungarn durch eine lange und gesegnete Zeit des Friedens auf die Höhe der Macht geführt, auf der es heute im Verein mit treuen Verbündeten den Kampf gegen Feinde ringsherum besteht. Sein W'erk gilt es fortzusetzen und zu vollenden. In sturmbewegter Zeit besteige Ich den ehrwürdigen Thron Meiner Vorfahren, den Mein erlauchter Ohm Mir in unvermindertem Glänze hinterläßt. Noch ist das Ziel nicht erreicht, noch ist der Wahn der Feinde nicht gebrochen, die meinen, hi fortgesetetern ■ Anstürme Meine Aionaichie und ihre Verbündeten niederringen. ia zertrümmern zu können. Ich weiß Mich eins mit Meinen Völkern Mi dem unbeugsamen Entschluß, den Kampf durchzukämpfen, bis der Friede errungen ist, der den Bestand Meiner Monarchie sichert und die festen Grundlagen ihrer ungestörten Ent- \\ ickelung verbürgt. In stolzer Zuversicht vertraue Ich darauf, daß Meine heldenmütige Wehrmacht, gestützt auf die aufopfernde Vaterlandsliebe Meiner \ ölker und in treuer Waffenbrüderschaft mit den verbündeten Heeren, auch weiterhin alle Angriffe der Feinde mit (iottes gnädigem Beistande abwehren und den siegreichen Abschluß des Krieges herbeiführen wird. Ebenso unerschütterlich ist Mein Vertrauen, daß Meine Monarchie, deren Machtstellung in der alt verbrieften, in Not und Gefahr neubesiegelten, untrennbaren Schicksalsgemeinschaft ihrer beiden Staaten wurzelt, nach innen und nach außen gestählt und gekräftigt aus dem Kriege hervorgehen wird, daß Meine Völker, die sich, getragen von dem Gedanken der Zusammengehörigkeit und von tiefer Vaterlandsliebe, heute mit opferfreudiger Entschlossenheit zur Abwehr der äußeren Feinde vereinen, auch zum Werke der friedlichen Erneuerung und Verjüngung zusammenw irken w erden, um die beiden Staaten der Monarchie mit den angegliederten Ländern Bosnien und Herzegowina einer Zeit der inneren Blüte, des Aufschwunges und der Erstarkung zuzuführen. Indem Ich des Himmels Gnade und Segen auf Mich und Mein Haus, wie auf Meine geiiebteu Völker herabflehc, gelobe Ich vor dem Allmächtigen, das Gut, das Meine Ahnen Mir hinterlassen haben, getreulich zu verwalten. Ich will alles tun, um die Schrecknisse und Opfer des Krieges in ehester Frist zu bannen, die schwervermißten Segnungen des Friedens Meinen Völkern zurückzugewinnen, sobald es die Ehre unserer Waffen, die Lebensbedingungen Meiner Staaten und ihrer treuen Verbündeten und der Trotz unserer Feinde gestatten werden. Meinen Völkern will Ich ein gerechter und liebevoller Fürst sein. Ich will ihre verfassungsmäßigen Freiheiten und sonstigen Gerechtsame hochhalten und die Rechtsgleichheit für alle sorgsam hüten. Mein unablässiges Bemühen wird es sein, das sittliche und geistige Wien, 30. November 1916. Wohl Meiner Völker zu fördern, Freiheit und Ordnung iti Meinen Staaten zu beschirmen, allen erwerbstätigen Gliedern der Gesellschaft die Früchte redlicher Arbeit zu sichern. Als kostbares Erbe Meines Vorfahren übelnehme Ich die Anhänglichkeit und das innige Vertrauen, das \o!k und Krone umschließt. Dieses Vermächtnis soll Mir die Kraft verleihen, den Pflichten Meines hohen und schweren Herrscheramtes gerecht zu werden. Durchdrungen von dem Glauben an die unveriüchtbare Lebenskraft Oesterreich - Ungarns, beseelt von inniger Liebe zu Meinen Völkern, will Ich Mein Leben und Meine ganze Kraft in den I »ienst dieser hohen Aufgabe stellen. Karl ni. p. K o e r b e r in. p. Kaiser Franz Josefs Abschiedsworle. Kaiser Franz Joseph I. hat in Allerliöchstsuiiein Testamente nachstehende Abschiedsworte an Seine Völker und an die Armee und Flotte zu richten geruht: „Meinen geliebten Völkern sage Ich vollen Dank für die treue Liebe, welche sie Mir und Meinem Hause in glücklichen Tagen, wie in bedrängten Zeiten betätigten. Das Bewußtsein dieser Anhänglichkeit tat Meinem Herzen wohl und stärkte Mich in der Erfüllung schwerer Regentenpflicht. Mögen sie dieselben patriotischen Gesinnungen Meinem Regierungsnachfolger bewahren!" „Auch Meiner Armee und Flotte gedenke Ich mit den Gefühlen gerührten Dankes für ihre Tapferkeit und treue Ergebenheit. Ihre Siege erfüllten Mich mit freudigem Molze, unverschuldetes Mißgeschick mit schmerzlicher 'Trauer. Der vortreffliche (ieist. welcher Armee und Flotte, sowie Meine beiden Landwehren von jeher beseelte, bürgt Mir dafür, daß Mein Regierungsnachiolger nicht minder auf sie zählen darf, als Ich". Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl. „Noch war die Sonne Mosis nicht völlig untergegangen und schon erstrahlte die Sonne .losuas im herrlichsten Glänze". — An diese '! almudworte erinnert das Manifest, welches Kaiser Karl an seine Völker zu richten geruht hatte. Noch schwebt über der ganzen Monarchie der Geist des dahingeschiedenen unvergeßlichen Kaisers Franz Josef, noch sonnen sich die Völker im Glänze dieses edelsten aller Monarchen, dessen Regierungszeit für alle One Periode der fortschreitenden geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung war, und schon erstrahlt die Sonne seines Nachfolgers, der den Völkern verspricht, das Werk zu vollenden, das sein Vorgänger begonnen hatte. Die obzitierte 'Talmudstelle läßt sich auch in einem weiteren Gedankengange fortspinneu. Moses war derjenige, der das jüdische Volk von der ägyptischen Knechtschaft befreit hatte, um es ins gelobte Land zu führen. Es war ihm aber nicht vergönnt, dorthin zu gelangen. Nur von der Ferne durfte er das Ziel seiner Sehnsucht erblicken, dorthin aber durfte er über Gottes Ratschluß nicht kommen. Sein Nachfolger, Josua, übernahm die Aufgabe, das von Moses begonnene Werk zu vollenden und ihm glückte es auch, das glänzende Resultat zu erreichen. Auch Kaiser Franz Josef konnte für sich eine Art Mosesrolle in Anspruch nehmen. Auch er erhielt von der göttlichen Vorsehung die große Aufgabe, das im inneren zerrüttete und nach außen geschwächte Habsburgerreich zu modernisieren, zu kräftigen und zu konsolidieren, und dessen Völker einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen. Mit vieler und großer Mühe war es ihm vergönnt, sich seinem Ziele nahe zu sehen. Aber auch da griff das unerbittliche Schiksal hart ein und der edle Herrscher, der seine Völker wie ein Vater durch! 2. Jahrgang. die Wüste ins gelobte Land inline, durfte dasselbe nur von der Ferne sehen, ohne dorthin gelangen zu können. Seinem Nachfolger, dem sieggekrönten Kaiser Karl, bleibt es vorbehalten, das Werk seines Vorgängers zu vollenden und wie einst Josua. die Völker der Monarchie dein Frieden und der Ruhe nach innen und außen zuzuführen. \ lelvcrheißend ist in diesem Sinne das Mannest des neuen Kaisers. Der Monarch verspricht zunächst, das Werk des Kaisers f ranz. Josefs hinzusetzen und zu vollenden. Er w eiß sich eins mit seinen Völkern in dem unbeugsamen Entschluß, den Kampf durchzukämpfen, bis der Friede errungen ist, der den Bestand der Monarchie sichert und die festen Grundlagen ihrer ungestörten Entw ickelung verbürgt. Der Kaiser will alles tun, um die Schrecknisse und Opfer des Krieges in ehester Fi ist zu bannen, die schw ervermißten Segnungen des Friedens seinen Völkern zurückzugewinnen, sobald es die Ehre unserer Waffen, die Lebensbedingungen der Staaten und der treuen Verbündeten und der 'Trotz der Feinde gestatten w erden. Damit spricht der Kaiser klar aus, daß die Monarchie den Krieg nur als Verteidigungskampf führt, und daß sie zu jeder Zeit zu einem ehrenvollen Frieden bereit ist, daß somit nur der 'Trotz der Feinde für die Fortsetzung des unseligen Blutvergießens verantwortlich sei. Seinen Völkern will der Kaiser ein gerechter und liebevoller Fürst sein. Er will ihre verfassungsmäßigen Freiheiten und sonstigen Gerechtsame hochhalten und die Rechtsg I e i c Ii Ii e i t f ü r a I I e sorgsam hüten. Sein unablässiges Bestreben wird es sein, das sittliche und geistige Wohl seiner Völker zu fördern. Freiheit und Ordnung in seinen Staaten zu beschirmen, allen erwerbstätigen Gliedern der Gesellschaft die Früchte redlicher Arbeit zu sichern. Ist dieses Regierungsprogramm, wie es in dem Manifest des Kaisers verkündet wird, nur geeignet, die w eitgehendsten Wünsche und Erwartungen aller Völker der Monarchie in des Wortes vollster Bedeutung zu befriedigen, so haben wir Juden Oesterreich-Ungarns besonders allen Grund, diese kaiserlichen Verheißungen mit spezieller Freude zu begrüßen. ..Rechtsgleichheit für alle" darin konzentrieren sich alle unsere Erwartungen und Hoffnungen. 'Treu und ergeben erfüllen wir alle unsere Bürgerpflichten und haben nur den einen Wunsch: als gleichberechtigte Bürger behandelt zu werden. Dank der Huld und dem Gerechtigkeitsgefühle des unvergeßlichen Kaisers Franz Josef konnten wir uns in der Monarchie dieser Rechtsgleichheit trotz aller Wandlungen der inneren Politik erfreuen. Nun verkündet uns auch der neue Herrscher dieselbe frohe Botschaft und wir können weiterhin einer sicheren Zukunft entgegensehen. Die Förderunng des sittlichen und geistigen Wohles aller Völker, die Beschirmung der Freiheit und der Ordnung, auch diese Verheißung verbürgt uns eine glückliche Zukunft, ebenso wie das verkündete Bemühen des Monarchen, allen erwerbstätigen Gliedern der Gesellschaft die Früchte redlicher Arbeit zu sichern. Die Juden der Monarchie haben ja keinen anderen Wunsch, als daß es ihnen ermöglicht werde, ihre physischen und geistigen Fähigkeiten in uen Dienst der Allgemeinheit zu stellen und in dem Genuß der Früchte ihrer redlichen Arbeil nicht behindert zu werden. Der neue Kaiser übernimmt als kostbares Erbe seines Vorfahren die Anhänglichkeit und das innige Vertrauen, das Volk und Krone umschließt. Die Völker der Monarchie werden sicherlich darin wetteifern, das Vertrauen des Monarchen zu rechtfertigen. Sie werden ihrem neuen Kaiser dieselbe Treue und Anhänglichkeit bewahren, die sie seinem Vorfahren zu jeder Zeit und in jeder Situation bewahrt haben. Wir aber, die Juden Oesterreich- Ungarns, die wir vertrauensvoll und hoffnungstteudig zum Allerhöchsten Throne emporblicken, rufen unserem neuen Kaiser die Worte zu. die einst der Ewige unser Gott dem Nachfolger Mosis, Josua, zugerufen hatte: „Sei

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