Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 38 (23.11.1916)
- Date
- 1916-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38. Jüdische Korrespondenz Seite 3 dem rumänischen Gesandten in Paris Herrn .1. Lahowan nber die Aussichten der rumänischen Juden nach dem Kriege hatte. Her Redakteur, Herr N. Hermann, erzählte dem rumänischen Diplomaten von den vielen Zuschritten, die seine Redaktion jetzt von den in Frankreich und im neutralen Auslande sich befindenden rumänischen Juden erhalt, die ihr Stiet- Vaterland jetzt zur Fahne rutt. ..Ich verstehe", sagte der Gesandte. ..die Lage dieser Juden. Dieser Weltkrieg wird aber zur Befreiung der Volker fuhren. Rumänien will befreien und nicht knechten. Im rumänischen Heer befinden sich viele Juden und ich glaube daran, daß sie tapfer kämpfen werden. Es ist daher zur Annahme Grund, dal', die rumänische Regierung ihre Verdienste anerkennen und die Naturalisierung der judischen Krieger wohlwollend erwägen wird."" ..Sie halten also eine vollständige Emanzipation der rumänischen Juden für ausgeschlossen?"" ..Allzueihg vorzugehen ist unmöglich". antwortete der Gesandte und entwickelte seine Meinung, daß die Judenbeschrankungen in Rumänien dann ihren Grund hatten, daß Rumänien sonst zu schwach wäre, die Konkurrenz der Juden, die viel fortgeschrittener und entwickelter sind, niederzuhalten. Daher brauche das schwache Rumänien diesen Schutz vor den starken Juden. Mit der Zeit werde aber das rumänische Volk kraftiger, die ...Agrarnank mache den Bauer standhafter. Es sei daher zu hotten, daß allmählich diese Beschrankungen der Juden überflüssig werden. ..Beabsichtigen Sie. diese Judenpohtik auch m Iransvlvaiiien und im Banat. wo die Juden bereits emanzipiert sind, einzuführen, talls diese Gebiete unter Ihren Schutz kommen sollten? . fragte der Interviewer. ..Nein! Hier ist das rumänische Element mächtiger und gut organisiert. " ..Dann aber wurden doch die siegenden rumänischen Juden weniger Rechte besitzen als die ungarischen, die besiegt wurden? " ..Daher glaube ich auch, daß die Juden, cne sich am Kriege beteiligen, zur Naturalisation zugelassen werden. Jedentalis werden voraussichtlich das Recht der Naturalisation diejenigen judischen Krieger erhalten, die sich im Kampfe aut irgendeine Weise ausgezeichnet haben. ..Also nicht einmal alle judischen Soldaten?" ..Vielleicht . ..Sie glauben also nicht daran, daß dieser Krieg den Juden Rumäniens die Emanzipation hringen wird? ..Nein. Aber die judischen Soldaten werden doch etwas erhalten. ..Und das ist alles?" ..Ich schreibe keine Gesetze . war die letzte Antwort des Geandten. Das also sind die Hotmui iranische andte Fr; doch alle Muhe gibt, sein Reich vor Europa in rosigen Farnen erscheinen zu lassen, den Juden seines Landes m Aussicht stellt, dazu noch inmitten eines Krieges, in dem das Blut der indischen Jugend Rumäniens auf den Schlachtfeldern theßt. Den Juden gegenüber lohnt es sich nicht einmal einem Diplomaten, sich auch ,:ur etwas Muhe zu geben, um die harte Wirklichkeit m der üblichen Weise zu verschleiern. Die judische Religion m Polen. Iii dem Verordnungsblatt lur das Generalgouvernement Warschau Nr. 53 wird eine Verordnung verolientlicht. durch die eine Organisation der maischen kehgionsgesellschaft im Generalgouvernement Warschau geschalten wird. Die wesentlichen Funkte sind folgende: Die jüdischen Gemeinden werden zu Kreisgcmemden unter einem Verwaltungsrat vereinigt, der an! Grund -des ProportionaKvahlrechtes von den Gemeindevorstanden gewählt wird. In den Verwaltungsrai delegiert außerdem die staatliche Aufsichtsbehörde drei Mitglieder. An der Spitze der Religionsgesellschait steht der Oberste Rat. fcr besteht aus vierzehn weltlichen und sieben rabbmischen Mitgliedern. Vier weltliche und zwei rabbinische Mitglieder werden durch die Staatsverwaltung ernannt, die übrigen auf Grund des Praportionalwahlrechts von den Verwaltungsraaten der Kreisgememden gewählt. Gemeinden. Kreisgemeinden und Oberster Rat haben Korporationsrechte. gestellt. Das Judentum ist als Religionsgesellschait im öttentlichen Recht anerkannt wie in allen Kulturstaaten. In Form von Kultusgememden können sich Gruppen mit besonderen religiösen Anschauungen zusammen- Üie Verordnung enthalt eingehende Bestimmungen über die Rabbiner. Aufgabe des Obersten Rates wird es sein, für die zurzeit noch vollständig und ungenügende Vorbildung der Rabbiner Sorge zu tragen. Von uei Rabbinern, die künftighin zur Anstellung gelangen sollen wird die Kenntnis der -polnischen Sprache in Wort im* Schnrt verlangt. Die Woche. Grat Tisza über die Gleichberechtigung der Juden in Polen. Einer dieser Ueberschntt bringt ..Egyeriloseg in seiner jüngsten Nummer die folgende Mitteilung: Die Wiedergeburt Dolens, diese welthistorische Entschließung der Mittelmächte, hat von neuem bewiesen, daß das Ziel unserer rvampte die rreiheit. die Beireiung von Staaten und Völkern ist. Und das Wiedererstehen i-oiens wurde auch zur Sciucksalstrage lur jene nahezu milhonenkoptige judische Bevölkerung, welche besonders unter der russichen Herrschatt alle Bittennsse der Entrechtung, der politischen Venolgung. Verhetzung, staatlichen Unterdrückung durchgemacht hat. Um nun eine Orientierung darüber zu erhalten, weichen Einfluß das Wiederaufleben Polens aut das Los der judisclien Bevölkerung zu üben vermag, wandten wir uns an den ersten Staatsmann der Monarchie. Herrn Ministerpräsidenten Graten hsza mit der Bitte, in Angelegenheit der Gleichberechtigung der polnischen Juden seine Meinung äußern zu wollen. seine Exzellenz war so freundlich, uns die toigende hochwichtige Antwort zu erteilen: „Konigl. uiigar. Ministerpräsident. Budapest, d. 7. Nov. I9lb. Geehrter Herr Redakteur! Ich kann mich nicht berufen luhlen. über den durch das zu neuem Leben erwachte l'olen in Angelegenheit der Gleichberechtigung der Juden einzunehmenden Standpunkt irgendeine Aeußerung abzugeben. Gehört doch die Entscheidung in dieser Frage in den Wirkungskreis des polnischen Staates. Ich zweifle jedoch nicht, daß die wieder in den Besitz ihres Selbstverfugungsrechtes gelaugte polnische Nation aui der ganzen Linie, also auch in dieser Frage, sich aut den StandpuiiKt der Freiheit und der Rechtsgleichheit stellen werde. In aufrichtiger Hochachtung ergebenst 1 i s z a. in. p. Einweihung eines Heldenlriedhofes. Dienstag uen 14. November land auf der 1 leldenabteilung des jüdischen Friedhofes in Lemberg die Feierliche Enthüllung des von der Militärbehörde zu Ehren der dort bestatteten v >ttizicrc und Soldaten errichteten Gedenkobelisken statt. I heser unter Mithilfe von mchtaranschen Organen mit großer Sorgfalt angelegte Soldatenfriedhof beherbergt bisnun 188 gärtnerisch geschmückte Einzelgraber und beiludet sich aut einer erreichbaren Anhöhe im ■•Miscnluü an die neue Zeremomenhalle. Der Feier wohnten die Vertreter aller Militär- und Zollbehörden, wie auch der Kultusgemeinde und ein zahlreiches Publikum bei. Nach einleitendem Chorgesange vollzogen die Gemeinuerahbmer Braude und Dr. Guttmann sowie Feldrabbiner Fischer die religiöse Einweinung. wobei Dr. Guttmann eine eindrucksvolle Gedenkrede hielt. Nach einer Rede des Rcgierungskommissars der Kultusgememde Dr. Parnas ergrift Stadtkommandant General v. Rinil das Wort zu einer Sclihil.iansprache. wobei die Hülle des Denkmals tiel. Die von der Militärkapelle vorgetragene Kaiserhvmne bildete den Schluß der ergreifend schonen Feier. Die Kongrellbewegung in Amerika. Nachdem die Einigkeit in der Kongreßtrage, wie wir bereits berichtet, gescheitert ist. werden neue Versuche gemacht. Auf der Sitzung des Kongreß-Komitees vom 23. September wurde ein Brief von Louis Marshall verlesen, in dem der Fuhrer der Kongreßgegner ein neues Projekt für eine Einigung in der Kongreßbewegung vorschlagt. Das Administrationskomitee und die Friedenskominission wurden beaurtragt. den Vorschlag zu pruten. in den unbedeutenderen Forderungen nachzugeben und den Brief, wenn möglich, entgegenkommend zu beantworten. Auf dieser Sitzung wurde auch von der Vorbereitungstatigkeit der Kommissionen berichtet. Die Kommissionen für Rußland und Gahzien sind gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines Memorandums beschattigt. Die. Kommissionen für Rumänien und Palästina haben bereits wertvolle Materialien gesammelt. Chronik. Anna v. Majthenyi zum dritten Male die Mensa des Israelitischen Landeskulturvereins. Die Li zherzogm wurde von den Präsidenten Baron Bela DtrUtay und trau Ür. Arnim Neuman empfangen und in die bedeutend et w eiterten sale der Mensa geleitet, deren Gaste die ttzherzügin mit lebhaften tilieuruien begrüßten, Frau Di. Aimin Neuman stellte der fcrzherzogin die ruhrige, verdienstvolle Yi/eprasidentin des KuliurVereins Frau Di. Moritz v. Domon> und die au der Ausspeisung d;r Mudcnui niü \ nu t „ im-Airkenden Mitglitdti des Ausschusses trau Josei v. Wollner. Baronin Bela Dirßtav. Frau tmanuel v. Stein, brau Dr. Wilhelm Meiseis. Frau Dr. Julius Frenkl und Frau Tran/ Präger vor. Die trzherzogin besichtigte sodann die Knegskuche, die Familienspeisesaie. die Speisesäle der Umsjugen 5 Kultur Namen m das Fremdenbuch ein und erklarte, die Mensa bald wieder besuchen zu wollen. Große Stiftung lur die Aktion zur Rettuns verlassener Kinder üalizlens. Für das außerordentliche Interesse, welches sich den segensreichen Zielen des Vereines zur Rettung verlassener ludischer Kinder Galtziens und der Bukowina in Wien, 9. Bezirk, Unrversität&stralie Nr. 4, in so gerechter Weise zuwendet, spricht eindringlich eine große Widmung, über welche uns von der Vereinsleitung die folgende Mitteilung zugeht: In der Vorstandssitzung des Vereines vom 8. d. erschien der l.emberger Großindustrielle Kommerzialrat Moritz Hermann R e i c h, derzeit in Wien, und ubergab den Mitgliedern des Präsidiums Umversitatsprofessor Dr. S. F h r m a n n, Frau Ltsette Gelber und Dr. Edmund Kohn 1(10.00(1 Kronen m 4prozentiger österreichischer Staatsrente mit der Widmung, daß aus diesem Betrage und aus einem weiteren Betrage von 100.000 Kronen in 4prozentiger österreichischer Rente, welche Kommerzialrat Reich außerdem beim Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde m Lemberg erlegte, das ist also mit einem Stiftungskaipital von zusammen 200.000 Kronen m österreichischer Rente, auf den Namen des Stifters Moritz Hermann Reich und seiner Gattin Frau Ioni Reich ein Kriegswaisenhaus ftir judische Kriegswaisen aus Gahzien, wenn möglich m Lemberg ei richtet werde. Bis zur hmchtung dieses Kriegswaisenheims fallen die Zinsen des Kapitals von 200.000 Kronen dem genannten Vereine zu. Mit der Durchfuhrung wurde vom Stifter Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ludwig Gelber m Wien betraut. Das Vereinsprasidturn sprach dem hochherzigen Spender den wärmsten Dank tnr seine beispielgebende Stiftung aus. Louis I>. Brandeis lehnt ab. Wir haben mitgeteilt, daß Präsident Wilson Justice Louis D. Braudels kamschen Delegation fu xikamschen Delegation die noch schwebenden IMenzen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika I Mexiko ordnen soll. Wie der „kanadische Adler" Jus Hera Uiief-Justice White an den Präsidenten Wilson einen Briet gerichtet, worin er ihm mitteilt, daß er es ablehnen müsse. Mitglied der mexikanischen Kommission zu werden. Ls heißt, daß der Chief-Justtce White erklärt habe, es passe nicht für ein Mitglied des Supreme Court, in einer Kommission zu sitzen, die der Kritik Herr Brandeis hat daraufhin folgenden Brief an Präsident Wilson gerichtet: ..Mein teurer Präsident ich schätze die Bedeutung der wichtigen Dienstleistung sehr hoch ein. welche die Mitgliedschaft m der mexikanischen Kommission mir dargeboten hatte, aber nach einer Beratung mit dem Ohief-Justice finde ich. daß die Lage der Arbeiten des Supreme Court in der jetzigen Zeit es mir unmöglich macht, neue Arbeit zu übernehmen. Mit großem Bedauern Ihr sehr ergebener Louis D. Brandeis. Neue Bücher. rromberichte eines Neutralen. Vom schweizerischen Major Tanner. Band III. Ostwärts. Mit Bildern des Veriassers. Verlag August Scherl O. m. b. H.. Berlin. Geheftet .? Mark, gebunden 4 Mark. Dieser letzie erlebnis: des i fcrzherzogin Auguste in der judischen Mensa. Aus Budapest wird berichtet: Dieser Tage nesuchte Erzherzogin Auguste m Begleitung ihrer Hofdame Offiziers im Osten schildern, rechtfertigt die Spannung, r,im der man ihm entgegensah, vollkommen. Das ganze Werk ist, obschon es m erster Linie die persönlichen I.rlebnisse und Beobachtungen des Verfassers wiedergibt, auch eine zusammenfassende Schilderung der stellungskampte im Winter 1914; 15 und derjenigen des W inters 1915/16. das Mittelstück dieses Zeitabschnittes rindet die große Maiottensive der /cntralmachte von Ourbce. die m wunderbarer Weise plastisch und anschaulich wiedergegeben ist. In glänzendem Kriegszuge «eht es dann vom Dunajec zum Bug. nach Warschau. Nowo Georgiewsk. Brest Litowsk. Wolhvnien und Podohen bis zum östlichsten Punkt, den die Verbündeten erreichten, zu deutschen, österreichischen und ungarischen I ruppen. Und uberall erleben wir m dramatischer Steigerung die packenden, wirklichen Knegsbilder, wie sie sich einem militarsch geschulten Auge von dem vordersten Schutzengraben aus dartun.