Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 36 (2.11.1916)
- Date
- 1916-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3495278-3495300-3495336--0283-3520918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Jtt«lisc*&e KoenresfMMMicne Nr. 3& von Kriegsopfern, die auf die Unterstützung der Hilfsorganisation angewiesen sind. Eine andere Verordnung des Polizei-Departements schlägt eine neue Bresche in die Reform des jüdischen Wohnrechtes, das Schtscherbatow gewährt hatte: Das Polizei- Departement hat den Befehlshaber für die Ausrüstung der Armee an der Nordfront benachrichtigt, daß laut dem Zirkular Schtscherbatows, das das Wohnrecht der Juden erweiterte, die Juden, die auf Befehl der Militärbehörden aus den (Liegenden der Kriegszone ausgewiesen werden, ihren Wohnsitz in den Städten derjenigen Gouvernements frei wählen können, die den Juden zugänglich sind, mit Ausnahme derjenigen Gegenden, in denen der Kriegszustand erklärt ist und mit Ausnahme der Gouvernements Nischni Nowgorod, Woronesch, Pensa und Tambow, die gegenwärtig überfüllt sind." Wie die „Jewrejskaja Nedjelja" richtig erklärt, ist aber der Kriegszustand gegenwärtig fast über das ganze Reich ausgedehnt. Außerdem entnimmt die Zeitschrift dieser Verordnung, daß neue Juden - Evakuationen in Schwebe sind. Die Selbslverwallung der polnischen Slädüte. Das Pressebureau des Militär-Generalgouvernements Lublin teilt mit: Die Verordnung des Militär-Generalgouvernements betreffend die Durchführungsbestimmungen für die Selbstverwaltung der Städte Kielce, Lublin, Piotrkow und Radom ist bereits ausgearbeitet und in Druck gegangen. Die Verordnung stützt sich auf die Betatungen des Zivilkommissariates mit den Vertretern der genannten Städte sowie der Stadt- Sektion des genannten Hilfs-Komitees, die Ende September in Lublin stattfanden, und regelt die Vorbereitung sowie die Durchführung der Wahlen, die Konstituierung der Stadtvertretungen und Magistrate, die Frage des Ersatzes der ausscheidenden Stadträte und scließlich die Angelegenheit der Wahlversammlungen. Die Wählerlisten, mit deren Fertigstellung sich die Magistrate bereits befassen, werden Mitte November geschlossen sein und öffentlich aufgelegt werden. Für die Wahlen aus der ersten Kurie wird bestimmt, daß von zehn, beziehungsweise zwölf Stadträten mindestens fünf Vertreter der wichtigsten Berufe sein müssen und zwar je ein Geistlicher, ein Jurist, ein Arzt, ein Techniker und eine Lehrperson, damit jeder Stadtrat die erforderlichen Fachkräfte zur Verfügung habe. In den anderen vier Kurien erfolgen die Wahlen auf Grund des Proportionalsystems in ähnlicher Weise wie bei den Stadtratswahlen in Warschau. Die Wahltermine werden derart anberaumt werden, daß die Stadtratswahlen noch vor Weihnachten durchgeführt sein und die neuen Stadtvertretungen mit Neujahr ihre Tätigkeit beginnen werden. Die Woche. Eine Jüdisch-orthodoxe Deputation aus Ungarn beim Krlegsminlster. Am 26. Oktober erschien eine gröbere Deputation jüdisch-orthodoxer Persönlichkeiten aus Ungarn beim Kriegsminister Generalobersten Freiherrn v. Krobatin. Die Führer der Deputation, königlicher Rat Über¬ Rabbiner Reich aus Budapest und Ober-Rabbiner Dr. Klein aus Kismarton, baten in längeren Reden, d.ui den Soldaten jüdischen Glaubens im Hinterlande entn'it,- lieht werden möge, sich rituell zu verköstigen und wiesen darauf hin, daß ähnliche Verfügungen in der uns verbündeten deutschen Armee bereits zu Recht bestellen. Der Kriegsminister empfing die Deputation äußerst liebenswürdig und sagte ihr zu, daß er. dem Wunsche der Deputation entsprechend, den er vollauf würdige, baldigst in dem erbetenen Sinne verfügen werde. Der Wiederaufbau Qaliziens. In der Vollsitzung des Poletiklubs am 19. Oktober erstattete der der Sitzung zugezogene Leiter der technischen Sektion der Landeszentraie für die wirtschaf*- liche Wiederaufrichtung Galiziens Hofrat Ingarden einen eingehenden Bericht über die bismm beim Wiederaufbau erzielten Fortschritte. Seine Ausführungen leitete liofrat Ingarden mit folgender amtlichen Statistik der Kriegsschäden in Galtejen ein: Bis Ende Mai 1916 wurden in Galizien gezählt: 63.216 obdachlose Familien, 69.216 zerstörte Wohnhäuser, 119.866 zerstörte Wirtschaftsgebäude (Meierhöfe. Kirchen, Pfarrhäuser und Industriegebäude nicht miteingerechnet). In 112 Städten und Marktflecken -wurden 16.000 Wohnhäuser und 17.000 Nebengebäude zerstört. Bis Ende September 1916 wurden gezählt: 29 römisch-katholische und 45 «riecht*di-katboli9ciie, vollständig zerstörte Kirchen, 14,5 römisch-katholische und 108 griechisch-katholische teilweise zerstörte Kirchen, 29 römisch-katholische und 24 griechisch-katholische vollständig zerstörte Pfarrhäuser, 62 römisch-katholische und 47 griechisch-katholische teilweise zerstörte Pfarrhäuser, 20 zerstörte Synagogen, mit den dazugehörigen zerstörten Wirtschaftsgebäuden, insgesamt 944 vollständig oder teilweise zerstörte Bauobjekte. Die Landeszentrale hat ihre Amtstätigkeit in der ersten Hälfte des Monates Juni 1916 aufgenommen. Infolge eingetretener Kriegsereignisse sowie infolge Mangels am passenden Personal sind anstatt der anfänglich geplanten 19 Bauexposituren nur 16 errichtet worden. iU Exposituren werden von technischen Staatsbeamten, 5 von technischen Landesausschußfunktionäien und eine von einem Zivilarchitekten geleitet. Seit dem Herbst 1915 bis Ende Mai 1916 sind 25.976 provisorische Bauobjekte als Unterkünfte für die Obdachlosen errichtet worden. Seit der Zeit der Errichtung von Bauexposituren bis Mitte September wurden in 11 Expositureu folgende provisoriischen Bauten ausgeführt: 1Ü02 Emstubenwohnhäuser, 3131 Scheunen, 477 Heuschober, 26 andere Bauobjekte. Im Bau befanden sich in dieser Zeit 1905 Einstubenwohnhäuser, 403 Scheunen und 34 Heuschober. Außerdem wurden von PrivatunternehJliiungen (außer Przemysl) 4475 Scheunen geliefert, zusammen also 11.453 Bauobjekte. Bis Ende Mai 1916 hat die galtzische Statthalterei für Zwecke der Unterbringung von Obdachlosen und für Bauzwecke überhaupt aus dem für die genannten Widmungszwecke vom Ministerium des Innern zuerkannten Fonds 18,736.24.5 K verausgabt. Seit der Errichtung der Landeszentrale sind für ihre Zwecke vom Ministerium für öffentliche Arbeiten im Monat Juni 1916 20 Millionen Kronen nüssig gemacht worden. Aus diesem Fonds sind für Zwecke des technischen Wiederaufbaues über 21 Millionen Kronen verausgabt worden. Vortrage über Geflügelhaltung. Der vom „(ializischen Hilisvereine" errichtete Kurs für Flüchtlinge, an dem der Kousulent für Geflügelzucht im k. k. Ackerbau-Ministerium Herr Georg Wienmger „sechs Vorträge" über Geflügelzucht und Geflügelhaltung halten wird, beginnt am 7. November d. J. um 4 Uhr nachmittags, im Josefine Mendelschen Wohliahrtshause XX. Benisgasse 33. Anmeldungen im Vortragslokale vor Beginn der Vorträge. Ciironik. Die Juden im deutschen Heer. Von der Beteiligung der deutschen Juden a.n Kriege redet eine statistische Aufnahme der Großloge das U. O. B. B. eine deutliche Sprache. Danach betrug Ende 1915 die Gesamtzahl der Logenmitglieder 8766, von denen 1366 im Felde standen. 47 waren zu Offizieren, 328 zu anderen Chargen befördert worden. 174 erhielten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, 57 andere Auszeichnungen, 3 das Eiserne Kreuz erster Klasse. Für das Vaterland gefallen waren 34 Mitglieder. Von Söhnen der Mitglieder standen 1935 im Felde: davon waren 50 zu Offizieren und 525 zu anderen Chargen befördert, 249 mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse, 48 mit anderen Orden geschmückt worden, während 112 den Heldentod gefunden hatten. Zensur in Frankreich. Die Redaktion der Pariser Zeitschrift „La Renaissance Juive" teilte in den Zeitungen mit, daß ihre letzte Nummer, die ganz der Frage der Emanzipation der rumänischen Juden gewidmet war, von der französischen Zensur beschlagnahmt wurde. Dte Trauer um Frug. Aus Odessa wird gemeidet: Ein hier nicht bekanntes Bild bot die Beerdigung des dahingeschiedenen Dichters Frug. Eine Menge von 100.000 Personen begleitete ihn zur letzten Ruhe, darunter 10.000 jüdische Schüler und Schülerinnen der jüdischen Volks-, Mittelschulen und Chedarim, sämtliche jüdischen Studenten der Odessaer Universität, zahlreiche Deputierte der jüdischen literarischen Gesellschaften und Gemeinden aus vielen Städten. Alle hiesigen jüdischen Schulen und jüdischen öffentlichen Anstalten waren geschlossen. Die Bahre wurde von jüdischen Schriftstellern getragen. In manchen Straßen mußten die Straßenbahnen ihren Verkehr einstellen. S .Frug wurde neben M. L. Lilicnblum und E. Lewinsky begraben. An dem Grabe wurden keine Ansprachen gehalten. Neue BUcher. Dr. Kurt Staveahagen: „Die Kriegsziele des Großrnssentums und der Fremdvölker Rußlands", 96 Seiten Groß-Oktav, Preis broschiert 1 Mark. — Ostlandverlag G m. b. H„ Charlottenburg 1916. — Die Schrift ist ein willkommer Beitrag zum Verständnis Rußlands. Sie rührt her von einem Manne, der aus eigener Anschauung die gegenwärtigen Verhältnisse kennt, gleichzeitig aber auch durch reiche geschichtliche und politische Studien mit ihnen auf das engste vertraut ist. Er führt uns der Reihe nach die Frerndvötkef Rußlands, die sogenannten Fremdstäsmrmgen, in ihrer ziffermäßigen Bedeutung und in ihren Leistungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete vor Augen, und daran anschließend macht er uns vertraut mit den Kriegszielen, die diese von den Russen so furchtbar geknechteten Völker im Einzelnen verfolgen. Das Kapitel Polen, bei dessen Abfassung eine anerkennenswerte Zurückhaltung gewaltet hat, eröfinet uen Reigen. Die Völker der Balten, Letten, Esten und Litauer folgen, als dann jene der Finnländer, Ukrainer und Kaukasier. Ein mit reichen Belegen ausgestatteter Ueberblick lehrt uns mm Verständnis der genannten Fiagen das Innerste des Großrussentums und seine unverrückbar auf die Weltwirtschaft gerichteten Ziele deutlich kennen. Wir vermissen bloß die Juden in dieser Zusammenstellung. Am Weichselstrand im Polealand. Kriegsbriefe aus der Etappe von Unteroffizier Friedrich Wilhelm. — Preis Mark 1.—. Mit Bildern vom Verfasser. Erstes Bändchen. Verlag Kuropf & Reis, Frankfurt a. M. — Das Buch stellt die erste Veröffentlichung aus der Etappe im Osten dar. Der Verfasser hat sich offenbar in den polnischen Verhältnissen nach allen Seiten hin gut umgesehen. So gibt er in seinen lebendig und anschaulich geschriebenen Briefen letzten Endes ein Kulturbild des polnischen Landes. Besonderem Interesse werden die gesammelten jiddischen Dichtungen und die von ihm nacherzählte Schchinalegende begegnen, bei deren Sammlung und Aufzeichnung ihm ein polnischer Dichter Ijehüiflich war. Diese literarischen jiddischen Veröffentlichungen machen das Bändchen, dem weitere folgen sollen, besonders wertvoll. Griechenland und Italien. Politisch-geographische Betrachtungen von Professor Dr. K. Sphyris. (Heft 27 uer „Bibliothek für Volks- und Weltwirtschaft". Herausgeber Professor Dr. Frz. Mammen). Dresden, Wissenschaftliche Verlags-Anstalt „Globus". Preis Mark 2.—. Gerade in der heutigen Zeit, wo soviel von Griechenand die Rede ist, vermißt man solche Darstellungen, die auf irischer, lebendiger Anschauung und strenger politischer, geographischer und wissenschaftlicher Grundlage beruhen, die Hauptfragen der innerpolitischen Verhältnisse und die Grundlagen der Tendenzen der auswärtigen Politik Griechenlands schildern, über dessen Stellung mitten in den weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Zielen des heutigen Völkerringens und dessen Verhältnis speziell zu Mitteleuropa und zu Italien aufklären sollten. Was nun alle bisherigen Betrachtungen über Griechenland nicht bieten konnten, finden wir heute in dieser interessanten Schritt eines griechischen Fachmannes, der in den letzten Jahren, und zwar schon vor dem Kriege als theoretischer Politiker für eine deutschireudliche Politik Griechenlands eingetreten ist und sie bis zur letzten Konsequenz im Zusammenhang mit der inneren Politik und in voller Einheitlichkeit verteidigt hat. „Der Rabbi von Suwalki." — Von S. Szuchnowitz. — Jüdischer Voiksschriften-Verlag, Frankfurt am Main. — Eine flott und nett geschriebene jüdische Kriegserzählung, die den Leser in Spannung hält und sein Interesse fesselt. Die idealen Gestalten des Rabbi und seiner heroischen Tochter sind besonders effektvoll gezeichnet. Für die auf das Herz Rumäniens, Bukarest, zielenden Kämpfe ist Freytags neue Detailkarte von Mittel- Rumänien und den angrenzenden Ländern 1 :400.000 mit einem Plan von Bukarest 1:30.000 und einer Karte der Umgebung von Bukarest 1:150.000, Preis mit Porto (bei Voreinsendung des Betrages) K 2.10 M. 1.60, Verlag G. Freytag u. Berndt, Wien VII. (Robert Friese, Leipzig Seeburgstr. 96) ein vorzüglicher Behelf zur Orientierung. Wie schon der Titel besagt, ist das 60:100 cm große Blatt sehr reich an Einzelheiten; die Beigabe eines Planes und einer Umgebungskarte der Hauptstadt in noch bedeutend größerem Maßstäbe sowie die Angabe der Befestigungen erhöhen den Wert der schönen, in Farben ausgeführten Karte, die im Norden nach Fogaras-Brasso (Kronstadt), im Süden über die Donaustrekke, die von Turnu Magurele über Rustschwk—Tutrakan bis über Silistria hinaus aufgenommen ist, nach Bulgarien reicht und von größeren Städten außer den schon erwähnten noch Pilesti, Ploesti, Buzeu, Focsani enthält. Unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Dr. Hermann Cohen, Alexander Eliasberg, Dr. Adolf Friedemann, Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Dr. Franz Oppenheimer, erscheint vom 1. Oktober 1916 an in Berlin unter dem Namen: „Neue Jüdische Monatshefte" eine neue Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur zweimal im Monat. — Das erste Heft ist bereits erschienen. Dr. Hermann L. Strack, Professor der Theologie in Berlin, Geh. Konsistorialrat. Jüdisches Wörterbuch. Mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtig in Polen üblichen Ausdrücke. J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. Leipzig 1916. — Ein überaus wertvolles Handbuch, das trotz mancher kleiner Fehler eine gediegene Arbeit darstellt. Dr. E. Zivier. Zur Russen- und Ostjudenfrage (Problem. — Rasse und Judentum. — Ostjuden. — Zukunft). Posen 1916. Verlag von Joseph Jolowicz. Preis 1 Mark. Klarheit in der Ostjudenfrage. Tatsachen, Sedanken, und Grundsätze von Dr. Erich Bise hoff. (Heft 2S der „BMothek für Voifcs- und Welt Wirtschaft". Herausgeber Professor Dr. Frz. von Mammen.) Dresden, „Globus" Wissenschaftliche Verlags-Anstalt — Preis Mark 1.50. Herausgeber and verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet — Buchdrucker« „Melanrrich", Wien DO. Pranrergasse 6. (Verantwortlich S. OrünJUt)