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Jüdische Korrespondenz · 1916-10-26 · 35 (26.10.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
35 (26.10.1916)
Date
1916-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 35. rten, ohne Klagen ihr Geschick ertrugen, als treue Hüter des Glaubens ihrer Väter, die festhielten, was sie von ihnen ererbt halten, fest selbst in der Stunde, als russische Mordgier sie dahinmähte, als greise Männer, als sie sich weigerten die Gottesgebote zu übertreten. Die Inschrift auf ihren Grabsteinen: „Owinu malkenu nekaum nikmas dan awodecho haschofuch" fassen in kurzen Worten die Schwere des Verlustes für ihre Gemeinde und die stille Hoffnung auf Gottessöhne zusammen. Von einem Walde umgeben, ruhen sie aus von einem leiderfüllten Dasein, der Nachwelt unvergessen, als Leuchte der Jugend gleich ihrem Gotte und seinen Geboten treu zu bleiben, was das Schicksal uns auch bescheiden mag. Nur schweren Herzens konnte ich mich von dieser Stätte des Friedens trennen. Es dunkelte bereits, als mich die Pflicht wieder von dannen rief. Am Friedhofstore wendete ich mich noch einmal zu der Märtyrer-Gräber-Reihe um, und unwillkürlich kam es über meine Lippen: Secber Zaddik-liwrocho. Chronik. Unentgeltlicher Kurs über Geflügelhaltung und Geflügelzucht für Flüchtlinge. Mit Rücksicht auf den Erfolg, den der vom Ga- 1 i z i s c h e n H i 1 i s v e r e i n e in den Monaten Juni und Juli d. J. veranstaltete Kurs über Geflügelhaltung erzielt hat, und dam vielfach geäußerten Wunsche — sowohl von Teilnehmern an diesem Kurse als auch von Nichtteilnehmeni — entsprechend, errichtet der Hilfs-Verein neuerlich einen Kurs, an dem der Konsulent für Geflügelzucht im k. k. Ackerbaumiinisterium, Herr Georg Wieninger, mit Zustimmung dieses Ministeriums sechs Vorträge über Nutzgeflügelzucht und -Haltung abihalten wird. Es soll dadurch den in Wien weilenden Flüchtlingen Anleitung geboten werden, nach Rückkehr in ihre Heimat, durch die (Produktion von Eiern eine Einnahmsquelle zu finden, ohne in der Betätigung ihres sonstigen Erwerbes behindert zu werden. Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen, und \zwar am 7., 9., 14., 16., 21. und 23. November d. J. Jedesmal von 4 bis 6 Uhr nachmittags trn Joseime Mendelschen WohlfalirtsJiause (luyn'beetialle) XX., Denisgasse 33 statt. Der Kurs ist unentgeltlich. FUetkurs für HüchtllngvMädchen und -Frauen. (Nach den jüdischen Feiertagen errichtet der galizische Hilfsverein für in Wien weilende Flüchtlings- Mädchen und -Frauen in seinen Lokalitäten einen «weiten Kurs für Filettechnik. Ausgelernte erhalten dauernd Beschäftigung. Anmeldungen nimmt das Büro des Hilfsvereins IX., Berggasse 4, schriftlich oder von 9 bis 12 Uhr vormittags mündlich entgegen. Die „lieben Juden des Zaren." Der Jüdische Schriftsteller J. Rosenfeld schilderte vor kurzem die Lage der jüdischen Flüchtlinge im Gouvernement Cherson im „Novi Put" folgendermaßen: „Die Wohnungen der Flüchtlinge sind zu wahren Krankheitsherden geworden; Augenkrankheiten, Rheumatismus, Herzleiden, Tuberkulose, Nierenkrankheiten, Typhus, Scharlach sind dort verbreitet. Zahlreiche Häuser, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, dürfen wegen Ansteckungsgefahr nicht betreten werden. An vielen Todesfällen sind die kalten feuchten Behausungen schuld, in denen die Vertriebenen leben. An vielen Orten ist überhaupt nicht für Wohnstätten gesorgt. Die schlimmsten Leiden müssen die nach Sibirien Verschickten erdulden. Der Etappenweg, auf dem sie an ihre Bestimmungsorte geschickt werden, ist unmenschlieh. Die unglücklichen Kriegsopfer werden zusammen mit allen Verbrechern transportiert. Ein Augenzeuge schildert einen solchen Transiport folgendermaßen: „Am 25. Dezember 1915 kam eine Schar Verbannter durch Mansurka im Kreise Inkutsk. Unter ihnen waren 9 Juden im Alter von 30 bis 60 Jahren. Einer von ihnen namens Sverdiöl erzählte: „Als wir lrkutsk verließen, mußten wir 36 Werst weit bergauf nach Ayock zu Fuße steigen. Nach 15 Werst Weges konnte ich nicht weiter. Ich konnte absolut nicht mehr laufen und hielt von Zeit zu Zeit inne. Der wachthabende Soldat schrie mich zuerst an und (bearbeitete mich dann mit dem Gewehrkolben. Ich lief dann, mitten unter den Gefangenen, fast bewußtlos noch 10 Werst weiter und fiel schließlich hin. Erst auf das Bitten der Gefangenen hin wurde ich m einen Wagen gesetzt und nach Ayock gefahren. Dort wurde ich die Nacht über in einem kleinen Zimmer zusammen mit den Verbrechern eingeschlossen, die mir, während ich schlief, meine Taschen ausraubten.' Aehnlich erging es einem anderen verbannten Juden namens Ginzburg, der vor Entkräftung erkrankte. Während seiner Krankheit stahlen ihm die Verbrecher seine Kleider, und als er diese auf einem von ihnen wiedererkannte, wurde er überfallen und verprügelt." Antisemitische Hotels in Amerika. Wie „Jewish Comment" meldet, versenden eine Reihe amerikanischer Hotels antisemitische Prospekte So heißt es m einer von dem Lewiston-Hotel in Estes Park (hm Staate Colorado) ausgegebenen Reklameschrift: „Jüdische und tuberkulöse Gäste werden nicht aufgenommen." Solche Blüten des amerikanischen Antisemitismus sind seit langem bekannt. Nun will die Anti-Desamation- League in Chicago (eine Art amerikanischen „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus") die Bekämpfung dieser den Menschenrechten und der amerikanischen Verfassung zuwiderlaufenden Betätigung antisemitischer Gesinnung energisch aufnehmen. Durch Anlegung einer Liste solcher antijüdischer Hotels und durch sofortige Anzeige solcher und ähnlicher Fälle soll ein Boykott dieser Hotels durchgeführt werden. Bei dem gerade in der letzten Zeit sehr gewachsenen Nationalbewußtsein der Juden Amerikas und ihrer guten Organisation kann erwartet werden, daß die Aktion vollen Erfolg haben wird und es antisemitischen Hotelbesitzern unmöglich gejmacht werden wird, ihre menschenfreundliche Gesinnung in einer Weise zur Schau zu tragen, die die Juden sich nicht gefallen lassen. Von den Juden in Persien. In Persien käanpien die Türken topfer gegen die Russen. Die Russen, namentlich die Kosaken, hatten schon früher die schönstem jüdischen Gemeinden des Landes durch Pogrome nach echt russischem Stil dezimiert, in Buschir, einem der wichtigsten Handelsplätze, leben etwa 500 jüdische Seelen. Sie sind religiös und sprechen unter sich hebräisch. In Kasdran sind von der früher bestehenden großen jüdischen Gemeinde nur 75 Seelen übrig geblieben. Eine große Gemeinde besteht noch m Schiras. Die Gemeinde zählt 5000 Seelen und besitzt mehrere Synagogen und Schulen. In Ispahan ist eine starke jüdische Gemeinde. Es gibt dort auch jüdische Staatsbeamte. In Kaswin besteht eine sehr alte Synagoge, von der die Sage geht, daß daselbst die drei Männer Chananjah, Michael und Asarah (Sadrach, Mesach und Abudnego) begraben liegen. Die größten Gemeinden bestehen in Hamadan (4000 Seelen) und Teheran, der Hauptstadt Persiens. In Hainadan befinden sich nach der Legende die Gräber von Mordechai und Esther. Hier gibt es auch Thora- und Talmud-Gelehrte. In Kaschan sind von der ehemaligen großen Gemeinde noch etwa 2500 Seelen übrig geblieben. In Kuma wohnen nur einige Familien, die keine Synagoge haben. In Chussar leben 400 jüdische Seelen. Die Juden sind fromm und befassen sich mit Ackerbau, Handwerk und Handel. In Urfa wohnen 1000 Juden. Sie sind streng religiös, viele Arme sind unter ihnen. Im Ganzen wurde die Anzahl der Juden m Persien vor dem Kriege auf 100.000 geschätzt. Die Juden sind Bauern, Handwerker und Handelsleute. Viele beschäftigen sich mit der Fabrikation von Divanen. Der Boden, den sie besaßen und bebauten, wurde ihnen zum Teil entzogen. Es gibt auch viele jüdische Aerzte. Der Ausgang des Krieges wird großen Einfluß auf die Lage dieser Juden haben. Orthodoxe Strömungen ki der Jüdischen Jugend Polens. In der jüdischen jungen Arbeiterbevölkerung Polens läßt sich eine bemerkenswerte neue Strömung feststellen. Bis vor kurzer Zeit stand die organisierte jüdische Arbeiterschaft Polens fast ausschließlich unter der Kontrolle des sozialistischen „Bund". Jetzt hat der „Bund" durch eine neue Organisation „Zeire Jehuda", die auf streng religiöser Grundlage beruht, einen ernsthaften Nebenbuhler erhalten. Auch diese Organisation schützt die Berufsinteressen ihrer Mitglieder, will aber gleichzeitig Abendklassen izum Studium von Bibel und Talmud errichten und den Tendenzen des .Bund" in religiösen Dingen enntgegenarbeiten. Maxim Gorki gegen die Verleumdung der Juden. Die rassische Zeitschrift „Nowy Kotos" veröffentlicht emen Aufsatz von Maxim Gorki, in dem dieser sich gegen das Treiben der Schwarzen Hundert wendet. Er schreibt: „Unser Volk.....ist gereizt durch die Mißwirtschaft im Staate. In den letzten Jahren sind dem Volke drei Milliarden an Steuern erpreßt worden. Dafür durfte es eine aufs beste ausgerüstete Armee erwarten. Es stellte sich aber heraus, daß alles noch schlimmer als schlecht steht; daß die nächsten Mitarbeiter des Kriegsministers Suchomltnow Spione und Verräter waren, nämlich Mjassojedow, Altschiller u. a., lauter — Nichtjuden. Das Volk will wissen, wer an dem Kriegsunglück schuld ist. Da zeigt man unaufhörlich auf den Juden: „Der ist es!' ' Gorki deutet im folgenden an, daß man sich in Rußland auf gewaltige Pogrome gefaßt macht. Ibsen und Björnson in Warschau. Am 19. September trafen der norwegische Staatsminister a. D. Ibsen und der norwegische Intendant a. D. Björnson zu mehrtägigem Aufenthalt in Warschau ein. Am Donnerstag besahen die Herren mit vielem Interesse die Wohltätigkeitsarrstaliten der Stadt. Nachmittags wurden Vorträge in der Zivirverwalung über die Arbeit der deutschen Behörden am Wiederaufbau des zerstörten Landes, über die Judenfrage und die Seuchenbekämpfung gehört, die den norwegischen Gästen Gelegenheit boten, sich über diese wichtigen Gegenstände eingehend zu unterrichten. Neue BUclier. „Zur Psychologie christlicher und jüdischer Schüler. Von Dr. Ottokar Nemecek, Wien. (Heft 128 der .Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung".) Langensalza, Hermann Beyer und Söhne, 1916, Preis 90 Pf. Ohne mit allen Ausführungen des Verfassers einverstanden zu sein, kann gesagt werden, daß gerselbe eine gute und interessante Arbeit geliefert hat. Das Thema verdient aus ipädagogischen Gründen jedenfalls ernste Beachtung. „Deutsch, Polnisch oder Jiddisch? Beachtungen und Urkunden zur O&tjuderrfrage von „Germano-Judäus". — Preis 1 Mairk. — Verlag C. A. Schwetschke & Sohn. Berlin W 57. Anglo-OesierreicJhdsche Bank. Zufolge Beschlusses der am 11. Oktober 1916 stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung unserer Aktionäre und der diesbezüglich erhaltenen Vollmachten bringen wir behufs Durchführung der Erhöhung des Aktienkapitals von 100,000.080 Kronen auf 130,000.080 K 125.000 neue, mit Je Kronen 240.— volleingezahlte Aktien zur Ausgabe. Den Inhabern der dermalen im Umlaufe befindlichen 416.667 Aktien (Nr. 1 bis 416.667) wird das Bezugsrecht auf 83.334 Stück neue Akien, welche an dem Erträgnis der Bank vom 1. Juli 1916 an 'partizipieren, zum Preise von Kronen 400.— pro Aktie zuzüglich 5 Prozent Zinsen von diesem Betrage ab 1. Juli 1916 in der Weise eingeräumt, daß je 5 alte Aktien das Anrecht zum Bezüge von einer neuen Aktie geben. Aktienbruchteile oder Zertifikate auf Bruchteile von Aktien werden nicht ausgegeben. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigem Verlust desselben vom 20. bis inklusive 30. Oktober 1916 bei der Liquidator der Anglo-Oesterreichischen Bank in Wien, I. Strauchgasse 1, beim Wechselliause der Anglo-Oesterreichischen Bank in Wien, I. Strauchgasse 1, bei den Wechselstuben in Wien, I. Rotenturmstraße 15, II. Taborstraße 10, III. Landstraße Hauptstraße 23, IV. Favoritenstraße 26, V. Schönbrunnerstraße 38, VI. Linke Wienzeile 4, VI. Mariahilierstraße 13, VII. Marlahilferstraße 70, VII. WestbahnstraUe 32—34, VIII. Alserstraße 31, XIII. Hietzinger Hauptstraße 4, XIV. UUmannstraße 67, XV11I. Wäbringerstraße 132 a, XIX. Nußdorferplatz 5, XX. Wallensteinstraße 22, XX. Dresdnerstraße 124, XXI. Floridsdorf, Am Spitz 16, XXI. Stadlau, StadlauerstraBe 26, bei den Filialen der Anglo-Oesterreichischen Bank In Aussig, Bodenbach, Brünn, Brüx, Budapest, Eger, l alkenau, Graz, Innsbruck, Karnitz, Karlsbad, Korneuburg, Linz, Lobositz, Marburg, Marlenbad, Pardubitz, Pilsen, Prag, Frößnitz, Saatz, St Pölten, Teplltz, Tetschen, Trautenau, Triest, Wels, Znaim, während der bei diesen Stellen üblichen Geschäftsstunden Aktionäre, welche das Bezugsrecht auszuüben beabsichtigen, haben dasselbe mittelst einfacher Konsignation anzumelden und unter einem die zum Bezüge berechtigenden Mäntel der alten Aktien beizubringen, welche nach Vornahme einer, die erfolgte Ausübung des Bezugsrechtes ersichtlich machenden Abstempelung zurückgestellt werden. Formulare werden bei den Anmeldestellen ausgefolgt. Bei der Anmeldung des Bezugsrechtes sind auf jede zu beziehende neue Aktie K 200— zuzüglioh 5 Prozent Znsen vom 1. Juli 1916 bar einzuzahlen. Der Restbetrag von iK 200.— zuzüglich 5 Prozent Zinsen vorn 1. Juli 1916 bis zum Zahlungstage ist bis spätestens 11. Dezember 1916 bei derselben Stelle, bei welcher die Anmeldung erfolgte, bei •sonstigem Verluste jedes Anspruches aus der geleisteten Anzahlung auf einmal bar einzuzahlen. Gegen Rückstellung der die VoHzabtung ausweisenden Bestätigung, beziehungsweise Bestätigungen werden die neuen Aktien nach Fertigstellung ausgefolgt werden. Wien, 19. Oktober 1916. Anglo-Oesterreichlsche Bank. (Nachdruck wird nicht honoriert) Von jetzt ab kann die Warschauer jüdische Tageszeitung „HAINT" durch alle Deutsche und Österreich-Ungarische Postämter bezogen werden. Wer genaue Berichte über das jüdische Leben in Polen haben will, lese den „HAINT". Bezugspreis: Jährlich Mk. 18.—, halbjährlich Mk. 9.—, vierteljährlich Mk. 4.50, monatl. Mk. 1.50. Bestellungen nehmen alle Postanstalten in Deutschland und Österreich - Ungarn entgegen. Für Geschäftsverbindungen mit Polen empfiehlt sich der „HAINT" als wertvolles Inserdonsorgan. Anzeigenpreis: Für 7-gespaltene Petitzeile nach dem Text 90 Pfg, an der ersten Seite Mk. 1.50. Freitag und an den Vorabenden der jüdischen Feiertage Mk. 1.10 und Mk. 2.—, im Text Mk. 2.40. Anzeigen-Aufträge aus Deutschland nehmen alle Annonzen-Expeditionen entgegen. Adresse: Redakttm „HAINT" Warschau, Chalodna-Str, 8. I Gebrauchte österr.-ungar., jedoch unbeschädigte! KRIEGSMARKEN Briefmarkenbörse V. WALTER Kopenhagen. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jona* Kreppet. — Buchdruckerei JMelantrich", Wien IX- Pratnergasie 6. (Verantwortlich S. Gr&ahat)

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