Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 34 (10.10.1916)
- Date
- 1916-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JBMfscdMHK^Mttrspemiei^ Är. 34. worden, doch nach einiger Zeit wegen Mangeis an neuen Häftlingen geschlossen worden. Kürzlich wurde es jedoch für 25 Personen wieder in Benutzung genommen. Anfang August hat die Kiewer Jüdische Gemeinde die Erlaubnis bekommen, ein zweites Arresthaus in der Lemberger Straße zu errichten, in dem jetzt 1U0 Personen untergebracht worden sind. Die Mittel sind von <der üemeiade und Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Das Arresthaus steht unter der Aufsicht der Behörden. Eine Chewra Kadlscha vor dem Kriegsgerichte. Aus Petrikau wird gemeldet: Eine Verhandlung vor dem hiesigen Kriegsgericht, die mit der Bestrafung eines Kabbinens und angesehener frommer Juden endigte, brachte doch andererseits ein herrliches Zeugnis für die unglaubliche Selbstaufopferung in den jüdischen Kreisen Polens. Im Städtchen Silewe war eine Epidemie ausgebrochen, die die behördliche Verordnung als nötig erscheinen heil, die Toten sofort ohne die rituellen Waschungen begraben zu lassen. Das traf die gesetzesueueu Kreise sehr schwer, und Nacnt für Nacht soll nun Oer Urlsrabbiner mit Hilfe einiger frommen aus der UemeiiKie unter gröhter Lebensgefahr die 1 oten wieder ausgegraben haben, um sie nach der vollzogenen lanru wieder nach jüdischem Kitus zu bestatten, ielbsi der Vertreter der AiiKiage gab zu, üaLi man die edle nomine Absicht üer in sanitärer Ucziertung ganz uuerlaiireneii Leute iiieiit ohne Kührung anerkennen muli. Indes soU nach Aussage der baciiverständigen dieser Vorgang zur weiteren Verbreitung der Krankheit beigetragen Haben. Das ftriegsgerictit erkannte für üeu Rabbiner aui ein Jahr, lür zwei Vorstandsmitglieder auf je sechs Monate iur die weiteren Beteiligten zu vier bis drei Monate UeiangQis. In Berücksichtigung der idealen Motive •der tat Ueii aber das Uericilt eine Ablösung der üeluugmsstraie durch Ueiüstraien zu, die zwischen 1UUU und au Kübel schwanken. Das üeki wurde von der armen iuenieu Ueuienide sojort aufgebracht, so dab alie Verurteilten, aut iieien Euli gesetzt wurden. Zum Meeresdienst der russischen Juden in Frankreich. Das Verhalten der englischen Regierung bezüglich der Einberufung der iiiihtardienstiahigen russischen Emigranten in England erneuerte auch in Frankreich die frage des Militärdienstes der militärdienstfähigen russischen Staatsangehörigen. Die RegierungskoniC niission mit Proiesior iL. D ü rkenite i m an der Spitze, die sich mit dieser Frage beschäftigte, falite eine Resolution, nach der die Lösung dieser frage der russischen Kolonie selbst überlassen werden soll. Die Resolution stellt fest, daß die meisten russischen Emigranten in Frankreich Flüchtlinge sind, die infolge politischer oder nationaler Verfolgungen ihr Heimatland zu verlassen gezwungen waren. Die Korrrmtssron verspricht, das Frankreich den Traditionen der Toleranz und des Liberalismus treu bleiben und die russischen Emigranten nicht ihrem Heimatsland ausliefern wird. Die antisemitische Presse benutzt diese Gelegenheit, um die Uneiiiscltlossenheit der Emigranten, in die französische Armee einzutreten, als „jüdische Undankbarkeit" hinzustellen und das Ministerium der „Judenfreundschaft" zu beschuldigen. Von manchen Antisemiten wurde der Vonall dazu verwendet, um die Frage der Ausweisung der russischen Juden aus Frankreich aufzuwerten. Oeffenüleher Dank. Wir sprechen hiemit dem Leiter der k. u. k. israelitischen Militärseelsorge in Wien, Sr. Ehrwiirderi Herrn Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, für dessen über unser Ersuchen mit Erfolg rasch durchgeführter Intervention zu Gunsten einer jüdischen Militär-Arbeiter-Abteilung in Angelegenheit der rituellen Kost und ähnlicher Wünsche unseren aufrichtigsten Dank JUS' W i e n, 5. Oktober, 1916. """" „Agudas Jisroel". Neue Bücher. Die Kriegsgewinnsteuer, nach der Kaiserl. Verordnung vom 16 .April 1916 RGBl. Nr. 103 und der Durchiüiinmgsverordnung vom 8. August 1916, RGBl. Nr. 274. üemeinverstündig dargestellt. Umfang V'h Bogen im Verlag, Wien, I„ Kohlmarkt.) — Aus dem Vorwort: „Die am 18. April 1. J. publizierte Kaiserliche Verordnung über die Einführung einer Kriegsgewinnsteuer, sowie Sicherungsmaönalimen iür die Einhebung dieser Steuer, enthielt in ihren wenigen Paragraphen nur die Grundzüge dieser neuen Steuer, während alle weiteren Detailbestimiuungen dem Verordnungswege vorbehalten blieben. Diese Bestimmungen sind nun durch die Durchführungsverordnung vom 8. August 1916 getroffen worden. Erst hiedurch ist eine vollkommene Klarheit darüber geschaffen worden, was wir eigentlich zu zahlen haben werden und wie uns die Steuer bemessen werden wird. In diesem Zeitpunkte glantot der Verlag einem allgemeinen Bedürfnisse zu entsprechen, wenn er eine einfache, gemeinverständliche Darstellung der Bestimmungen über die neue Steuer der Oeffentliohkeit übergibt. Die Liga der Freadvölker Rußlands, die durch ihr bekanntes Telegramm an den Präsidenten Wilson die Frage der von Russland unterdrückten kleinen Nationen 2u einer politischen Tagesfrage gemacht bat, gibt, wie wir erfahren, im neutralen Auslände ein Buch heraus, das außerordentliches Interesse verdient. Bs ist von 12 Angehörigen der Fremdvölker geschrieben, die deren Steinhaus, Sohn des jüdischen Reichsratsabgeordneten Ketmer eigener Erfahrung schildern. Das Buch betrachtet die russische innere und äußere Politik von einem ganz neuen Gesichtspunkte; es führt aus, wie die Furcht »or der Nationalitätenfrage (57% der Bevölkerung Rußlands sind Fremdvölker) die Politik Rußlands in einschneidender Weise beeinflußt und letzten Ende» auch zur Entfesselung des Weltkrieges geführt hat. — Dem j Verlage Puttkanimer u. Alühlbrecht, Berlin, ist es durch j Vermittlung von neutraler Seite gelungen, die deutsche; Ausgabe dieses Buches in den nächsten Tagen unter dem Littel „Kennen Sie Rußland?" veröffentlichen zu können. Pamie.tnik Leftionisty bl p. Wladyslawa Steinhaus«, podehorazego 6 pp. Legionöw Polskicti. (Tagebuch des Legionärs w 1. Steinhaus, fähnrichs des VI. 1 nlanterie-kegiinents der polnischen Legionen.) Zentral-Veilagsbüro des Obersten Naiioual-Komitees. Krakau, 1916. — Am 31. Oktober 1915 ist der Legionsfähnrich Wl. Steinhaus, Sohn des jüdischen Reichsratiiabgeordneter Dr. lg. Steinhaus, im Spital in Kowel schweren, bei Kukla in Wolhynien davongetragenen Wunden erlegen. Er hatte sich in den paar Monaten seines Frontdienstes durch besonderen Eifer und kaltblütigen Heidenmut mehrmals ausgezeichnet und in dieser kurzen Zeit seine Charge und die Aussicht auf die goldene Medaille erworben. Mit warmer Anerkennung teilen seine Vorgesetzten mit, daß ihn die tödliche Kugel gerade m dem Moment trat, als er nach einem gefahrvollen und erfolgreich vollbrachten Melderitt glückstrahlend sein Pferd zur wohlverdienten Rast nach dem Sitz des Kommandos wandte. Das vorliegende Tagebuch enthüllt ein Bild der Usiühle und üedanken dieses jungenn Melden, das besonders charakteristisch ist, als es zugleich die Empfindung eines Juden wiederspiegelt, der sich voll und ganz als Sohn des polnischen Volkes fühlte. Die Aufzeichnungen sind natürlich und für die breite Oeffentlichkeit geschrieben worden und machen auf einen literarischen Wert keinen Anspruch. Gerade deswegen sind sie aber besonders interessant und bezeichnend. „Der Treubruch Italiens", mit Benützung amtlicher Urkunden, von Ferdinand Gruner, Stadtrat in Trautenau. «Die jMsieo und dl« Gebildsten unserer Tage". Von Dr. Julius Simon, Berlin. Preis 15 Pf. Verlag Alb. Sayft'arth, Berlin-Schöneberg. .»Kriegsmd ScblacMewrttas 1944—016." In 37 Karten nebst Oeschichtstabelle des Weltkrieges. Bielefeld und Leipzig, 1916. Vertagen u. Klastng. Preis 60 Pf. — Der Titel spricht für sich. Wer stets eine genaue Uebersichts der Kriegsereigmsse seit Beginn des Weltkrieges bis in den letzten Wochen haben will, der schaffe sich diesen Atlas an. „Verzeichnis jüdischer KrisgsschrHtm", zusammengestellt von Louis Lamm. Zweites Heft. Verlag von Louis Lamm, Berlin C. 2. — Wie das erste Heft dieser Ausgabe enthält auch dieses ein ziemlich reichhaltiges Verzeichnis der jüdischen Kriegsliteratur. Nur hat der Herausgeber die gelegentlich dem Erscheinens des eisten Heftes gemachten Anregungen nicht beherzigt. Seine Einwendungen halten wir nioht für stichhältig und glauben ,daß gerade, weil die diversen Sammetechriften und Journale vorhanden sind, es nötig ist, ein Verzeichne der in denselben veröffentlichten Aufsätze bezüglich der Juden im Kriege zu veröffentlichen, da man sonst das Material aus dem Augen verlieren würde. Der Herausgeber scheint übrigens dem Unternehmen keinen bibliographischen Charakter geben zu wollen, sonst müßte er bei jedem Buche mindestens das Format, Seitenzahl, Preis und Bezugsquelle angeben. „Krie&sschade und Wiederherstellung.' Von Dr. Ernst Ruzicka, Wien, 1916. Manzsche Hof-Buchhandlung Preis 3 Kronen. „Die Arbeit will lediglich als das genommen werden, was sie ist: Eine Skizze. Der Wirtschaftsplan, zu dem anregen soll, und der gediegenster Einzelairbeit bedarf, ist noch weit entfernt von den hier mitgeteilten knappen Richtlinien. Als Universalmittel gegen Kriegsschäden will die Arbeit durchaus nicht angesehen werden. Wirschaftlich Tote und Verwundete wird es leider genug geben. Aber Katastrophen können vielleicht vermieden werden. Dann werden die im Kriege gebrachten Opfer nicht vergeblich, die Werte des kommenden jungen Friedens bleibende sein. Sie werden nicht mehr verschwinden, — um ein Wort Tebeldis zu gebrauchen — ,wie Diebslärm, wenn der Tag anbricht'. Ein Stein fällt vom Berge herab und zertrümmert ein Haus. Ein Felsblock wird behutsam an Seilen zur Erde gelassen, und niemanden geschieht ein Leid. Das sind die Richtlinien dieser Schrift." (Aus dem Schlußworte des Verfassers.) — j. i . L.euiriaii5 venag, munenen, ryio. freis ra. i.<:u. Ausführlich und prägnant wird in dieser Schrift die Geschichte des italienischen Verrats geschildert. Das Buch bildet eine Anklageschrift gegen Italien und hat einen über den Rahmen einer Tagespublizistik hinausreichenden Wert. „Wenn die Waffen ruhen!" Beiträge zur Bevölkerungspolitik nach dem Kriege. Von Georg Wilhelm Schiele. —- J. F. Lehmanns Verlag, München, 1916. — Es ist ein überaus interessantes Thema, das in dieser Schrift durch einen Berufenen behandelt wird. Sowohl die theoretischen als auch die praktischen Ausführungen des Verfassers verdienen weitgehende Beachtung. „Krieg und Rassenhygiene." Die bevölkerungspolitischen Aufgaben nach dem Kriege. Von Geza von Hoffmann. J. F. Lehmanns Verlag, München, 1916. Preis M. —.80. — Eine überaus interessante Schrift, die zahlreiche, beherzignngswerte Anregungen enthält. „Weltkrieg und Schaubühne". Von Artur Dinter. — Märchen, 1916. J. F. Lehmann. Das einschlägige Material wird wohl in dieser Schrift, die während eines Krankenurlaubes geschrieben wurde, nicht erschöpft, aber die Broschüre enthält vieles Interessante u. Lesenswerte. Von jetzt ab kann die Warschauer jüdische Tageszeitung 99 HAINT 99 durch alte Deutsche und> Österreich-Ungarische Postämter bezogen werden. Wer genaue Berichte über das jüdische Leben in Polen haben will, lese den »HAINT*. Bezugspreis: Jährlich Mk. 18.—, halbjährlich Mk. 9.—, vierteljährlich Mk. 4.50, monatl. Mk. 1.50. Bestellungen nehmen alle Postanstalten in Deutschland und Österreich - Ungarn entgegen. Für Geschäftsverbindungen mit Polen empfiehlt sich der „HAINT" als wertvolles Inserlionsorgan. Anzeigenpreis: Für 7-gespaltene Petitzeile nach dem Text 90 Pfg., an der ersten Seite Mk. 1.50. Freitag und an den Vorabenden der jüdischen Feiertage Mk. 1.10 und Mk. 2.—, im Text Mk. 2.40. Anzeigen-Aufträge aus Deutschland nehmen alle Annonzen-Expeditionen entgegen. Adresse RBdaMiw „HAUT" lusckau, Cltalttea-Sb. 8. EINLADUNG zur außerordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der ANGdLO-OESTERREICHISCHEN BANK welche am 11. Oktober 1916 um 6'/2 Uhr abends im Kassenlokale der ANGLO- OESTERRE1CHISCHEN BANK (L Strauchgasse ü stattfindet. Gegenstände der Verhandlung: 1. Beschlußfassung über die Ermächtigung des Generalrates zur eventuellen Erhöhung des Aktienkapitals von K 100,000.000 auf K 130,000.050 durch Ausgabe von 125.000 Stück volleingezahtter Aktien a K 240 Nominale und Beschlukfassung über die entsprechende Aenderung der Statuten. 2. Bestätigung der Kooptation eines Mitgliedes des Generalrares. Laut Artikel 30 der Statuten berechtigten 25 Aktien zu einer Stimme. Die stirnmberechtigten Herren Aktionäre, welche zu der Generalversammlung entweder persönlich oder durch Stellvertreter erscheinen wollen, haben im Sinne des Artikels 33 der Statuten bis einschlie&ljch 4. Oktober 1916 ihre Aktien samt den nicht fälligeu Kupons in Wien bei der Liquidatur der Anglo-Oesterrejchischen Bank in Aussig, Bodenbach, Brünn, Brüx, Budapest, Eger, Fatkenau, Graz, Innsbruck, Karbitz, Karlsbad, Korneuburg, Linz, Lobositz, Marburg, Marienbad, Pardubitz, Pilsen, Prag, Prossnrlz, Saaz, St. Pölten, Teplitz, Tetschen, Trautenau, Triest, Wels, Znaim, bei den Filielen der Anglo-Oesterreichischen Bank zu hinterlegen. Laut Artikel 27 der Statuten können Vollmachten nur an stimmberechtigte Aktionäre erteilt" werden. WIEN, am 23. September 1916. DER GENERALRAT. (Nachdruck wird nicht honoriert!) Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. — Suchdruckerei J&elantricn", Wien IX.. Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünbot.)