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Jüdische Korrespondenz · 1916-09-12 · 32 (12.9.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
32 (12.9.1916)
Date
1916-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JUdtectetc Kerreaapomteng Nr 32. Die Juden waren sehr lange und sind Heute noch die Darias der russischen üeseilschaft. Liest man, was lolstoi vor mehr als zwanzig Jahren über üie juüenirage geschrieben hat, so wird man bemerken, dali sich seither in diesem lJunKt gar nichts geändert hat. \„Mem einziges bedauern" — schrieb 1 olstoi am 14. Juni l«y4 in einem unveroitenthchten briet an Metz, den die russische Zeitschrift,, Les Annales" jungst veronentlieh hat — „ist das Unvermögen, daß ich nicht mehr Kraft und Ueberlcuuiig autbringen konnte, um meine Abscheu iur üas Verjähren der russischen Kegierung in der judentrage auszudrucken, meiner Verwunderung über die Dummheit und Nutzlosigkeit dieser Maßnahmen, die vor einigen Jahrhunderten vielleicht begreithch gewesen waren, VVorte zu verleihen. — „Ich beklage", schreibt lolstoi in einem anderen unverolientlichten briet, „die Unterdrückungen, denen die Juden ausgesetzt sind, ich halte diese nicht nur iur aulierst ungerecht und grausam, sondern auch tur unsinnig.' Der amerikamscJtvjucusciie Kongreß. Aus Neu York wird gemeldet: Am Sonntag, den 16- Juh, fand hier im Motel Astor eine Konferenz jüdischer Organisationen statt, die das American Jewish Lommitee und eine Keine anderer Organisationen emberuien Hatte, „mit dem /wecke, Maßnahmen zu erwägen, einschließlich der D.skuss>ion von Vorschlugen, die bezüglich der Organisierung emes jüdischen Kungresses zur Siche- Tung der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Landern unter Abschaltung aller gegen sie gerichteten Ausnahmegesetze vorgelegt werden konnten. il jüdische Organisationen waren durch etwa VO Delegierte vertreten. Zum Vorsitzenden wurde Herr Louis Marschall, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Jacob Panknt gewählt. Auch mehrere Delegierte des im Marz d. js. auf einer Konterenz national-jüdischer Organisationen zu Philadelphia gewählten Exekutiv-Organisatioiiskoiinttcs waren in New Vork erschienen. Die zuweilen sehr erregten Debatten drehten sich hauptsächlich um die Begrenzung des Baratungsinhalts des kumtigen Kongresses. Hier platzten die Gegensätze auf einander. Während die Vertreter der national-jüdischen Organisationen auf dem Boden der Beschlüsse von Philadelphia sich nicht darauf beschranken wollten, die Gleichberechtigung der Juden m allen Landern als „alleinigen Zweck des künftigen Kongresses aufzustellen, sondern dort noch weitere tragen des Judenproblems in zionistischen Sinne erörtern wollten, weigerten sich die Delegierten des American Jewish Committee und ihre Gesinnungsgenossen entschieden, in eine solche Erweiterung des Kongreßprogrammes zu willigen. Letztere trugen zunächst auf der New Yorker konterenz den bieg davon, Es gelangte folgende Resolution zur Annahme: 1. Die Konferenz erstrebt die Durchführung einer einheitlichen Aktion, erst unter den Juden Amerikas und dann unter den Juden der ganzen Welt, um volle Gleichberechtigung der Juden aller Lander und die Abschaffung aller Sondergesetze die gegen sie gerichtet sind, zu erlangen. Der Ausdruck ..volle Gleichberechtigung soll verstanden werden als die zivilen, religiösen und politischen Rechte einschließend und in brganzung hierzu die Ausdehnung von etwa existierenden Gruppenrechten aul die Juden, sotern diese sie wünschen. Z. Da die Sache, die in Paragraph 1 behandelt wird, bei den Juden völliger Einmütigkeit begegnet, begrüßt die Konferenz die Einberufung eines Kongresses der Juden Amerikas für den alleinigen (sole purpose) Zweck, geeignete Schritte zu unternehmen, um eine derartige Aktion durchzufuhren. 3. Die Konferenz gibt ihrem hier noch zu wählenden Exekutivkomitee volle Machtbefugnis zur Erreichung der m 1 genannten Ziele; sie ermächtigt zu diesem Zwecke das Exekutivkomitee, mit allen anderen Organisationen amerikanischer Juden für die Verwirklichung dieser Ziele zusammen zu arbeiten; sie erteilt ihm dementsprechend volle Machtbefugnis bezüglich der Vorbereitungen zur Einberufung des erwähnten Kongresses der amerikanischen Juden, seiner Zeit, Ort und Wahlmethode wie auch seiner Konstitution im allgemei- 4. Die Konferenz stellt ausdrücklich fest, daß nichts von dem hier Gesagten die Autonomie irgend einer bestehenden national-jud. Organisation schadigen soll. Mit der Annahme d. Resolution scheint der Zweck der New Yorker Konferenz, eine gemeinsame Aktion aller Richtungen der amerikanischer Judenhett einzuleiten, gescheitert zu sein, da die national-iudischen Vertreter sich nicht ausschließlich aut den Boden dieser Resolution als Kongreßprogramm stellen zu dürfen glauben. In diesem kritischen Zeitpunkt versuchte man nochmals, eme Einigung uber das Kongreßprogramm herbeizuführen und beschloß, zur Beilegung der Differenzen em ..Fnedenskomitee' einzusetzen. In demselben waren sowohl die Vertreter der Konferenz wie auch die Repräsentanten des Kongreßkomitees für die Abhaltung eines judischen Kongresses in Washington in der Zeit zwischen dem 1. September und 31. Dezember 1916. Das rriedenskomnee faßte das Ergebnis seiner Unterhandlungen in toigender Kundgebung zusammen: „Die Punkte des Einverständnisses und der Differenzen wurden .sorgfältig diskutiert. Die Stimmung war für eine gemeinsame Aktion. Die Komrteemitglieder kamen uber alle Streitiragen zu einer Entscheidung und gaben der sicheren Hoitnug Ausdruck, daß ihre Berichte von den m Kurze einzuberufenden Körperschaften, die sie vertraten, genehmigt werden wurden. Das Komitee erklart, daß beide Parteien zu einer Verständigung gekommen sind, und daß, obschon die Einzelheiten der Einigung und die Einzelpunkte, aut denen das Kompromiß beruht, noch mch bekannt gegeben werden sollen, die angenommene Einigungsbasis eine derartige ist, daß beide Parteien sie als Sieg für ihre Prinzipien betrachten können. Die angenommene Einigungsbasis muß noch von den oeiden Exekutivkomitees gutgeheißen werden; man ist der Ansicht, daß dieses geschehen wird, und man glaubt, daß beide Organisationen sich unter dem Namen „Judisches Kongreßkomitee CtooniK. üas Grab des Wunoerrabbis. „Die Zeit" ernalt folg.Zuschritt: Vor 1ÜU Jahren starb in lachau in Böhmen ein durchreisender frommer Jude aus dem Osten, ein Wunderrabbi, der auf dem dortigen Judentriedhot beerdigt wurde. £r hat ein Testament hinterlassen, das sich im Judischen Museum in Prag betindet. In diesem m hebräischer Sprache geschriebenen iestament wurde der Ausbruch des Weltkrieges vorhergesagt. Er heißt da, daß nach hundert Janren gewaltiges Unglück uber die ganze Welt und besonderes uber die östlichen Juden hereinbrechen und daß ein schrecklicher Krieg die Welt erschüttern werde. Viele fromme juden wurden zum Wanderstab grellen müssen. Diese juden, heißt es in diesem Iestament, mögen an aas Grab des Rabbis nach lachau pilgern und dort ihre Gebete verrichten, dann werde Gott sich erbarmen und das Unglück abwenden. Der Ruf des Wunderrabbis und die Kunde von seinem Testament hat sich den Ostjuden erhalten, und tatsächlich pilgern jetzt unzählige-Fluclitlinge nach lachau, um dort am Grabe des Heiligen zu wehklagen und beten. Herr Dr. Wohl, der Rabbiner von lachau, hat die hebräische Inschrift auf dem Grab aes Rabbis ins Deutsche übertragen. Die Anfangsbuchr staben auf dem Grabstein bilden eine kabbalistische Formel und ergeben die Jahreszahl des Ausbruches des Weltkrieges. Heldentod eines Legionärs. Im November vorigen Jahres fiel im heldenmutigen Kampfe der polnischen Legion um eine wichtige Anhohe in Wolhynien der seit. Kriegsbegmn an der front stehende Legionär Sigmund Rappaport, Sohn des m Lemberg wohnhaften Restaurateurs Eisig Rappaport. Die Lemberger „Gazeta Wieczorna veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern ein m warmen Worten -gehaltenes (Schreiben des katholischen Legionsseelsorgers an die Mutter des jungen Helden, in dem auch die Einzelheiten seines 1 odes und der in einem Massengrabe sechzig gleichzeitig gefallener Legionäre erfolgten Bestattung verzeichnet sind. Das Schreiben schließt mit den Worten: „Einst wird auf dem Grahe, das unter vielen anderen auch die irdische Hülle Inres Sohnes 'birgt, em prachtvolles Denkmal erstehen, als Grenzpflock unseres Vaterlandes, dessen Ausdehmung das Blut seiner testen Sohne gezeichnet hat. Aus dem judischen Leben in Warschau. Umer der Ueberschrift „An die Juden in Polen erlaßt die „Medizinische Abteilung bei der Zivilverwaltung m Warschau einen Aufruf m jüdischer Sprache, in wielchem die judische Bevölkerung eindringlichst aufgefordert wird, in ihrem eigenen Interesse, wie in dem der Stadt und des öffentlichen Lebens die hygienischen Vorschriften zu beachten. Der Aufruf ist im volkstümlichen lone gehalten und mit vielen Sätzen aus Bibel und I almud bekräftigt. Man dart der Hoffnung Ausdruck geben, daß der Appell Ün gleichen s>mne haben sich auch schon die Rabbiner wiederholt an die Bevölkerung gewandt) die verdiente Achtung finden wird. Der Washingtoner Kongreß zumTode Scholetn Alejcliems. New Yorker jüdische Zeitungen melden, daß m einer der letzten Sitzungen des Kongresses in Washington der christliche Deputierte Wiham S. Benett dem Kongreß vom Tode und der Beerdigung Scholem Aleichems berichtete. — Williams S. Bene-tt, ein Freund und gründlicher Kenner der judischen Literatur, charakterisierte in kurzen Worten das Werk und die Bedeutung des verstorbenen Dichters und machte die Kongreßmitglieder durch emige Proben mit den hauptsächlichsten Schriften desselben bekannt. Neue Bücher. „Der Osten". Literarisches Sammelhett, herausgegeben von Salamon Dembitzer. Verlag .von Louis Lamm, Berlin C. 2. Inhalt: Dr. Julius Becker: „Die Juden des Ostens". — Dr. Bogunul Zeppler: „Das astiüdische Volkslied". — Abr. Reisen: Winterlied. — H. 0. Norroberg: Wieglied. —J . L. rerez. — Josef iaffeh: „Zu Rußland". — A. J. JPreß: Spiel, Fradale. - David Einhorn: „In Schreck". Salamon Dembitzer: „Mortale'. — „Der Jude im Sprichwort der Völker". Doris Wittner: J3er Jude auf der Bühne". — -Radierungen von Hermann Struck. üenacatofaerst Viktor bankJ, der Sieger von Kras- ■ik und Verteidiger iirois. Beiträge zur Kenntnis seiner Persönlichkeit von Ludwig von Pastor, k. k. Ilotrat, o. o. Proiessor der Gescuicnte an der Universität zu Innsbruck und Direktor des osterrechischen historischeu Instituts zu Rom. Mit Dankis biidms und schrittprobe. Erstes bis funltes lausend. 8." tVlll u. 7« S.) Freiburg 1916, Herdersche Verlagsaandhing. Kartoniert M 1.40. Die Anregung zu vorliedenden Schritt, welciie dem Andenken Andreas Hoiers gewidmet ist, gaoen einerseits die von der Innsbrucker Hochschule dem Oberkommandanten in Tirol verliehene Wurde eines Enerndjoktors der Philosophie, (anderseits die Klagen der deutschen Presse, daß man so wenig über osterreiciiisch-ungarische Heerführer wisse. Pastors Arbeit bildet em Seitenstuck zu seinem Lebensbilde Conrads von iioteendon, das bei militärischen Fachmännern wie sonst die beualligste Aufnahme gefunden hat. Der Verfasser war in der giueklicnen Lage, zahlreiche Feldtiostorieie DartKls benutzen zu können, welche höchst interessante stimmungsbiluer von der ruschischen Front und wichtige Beitrage zur Kenntnis der Persönlichkeit des Generals bitten, welcher die erste größere Schlacht gegen Rußland gewonnen hat und den später die Kampfe an der liroler Grenze .gegen Italien besonders in den Vordergrund gesteh naben. An Bord. Kriegseriefonisse bei aer schwimmenden und lliegenden Wehrmacht Demsculaiids. Von Anton rendrich. Preis geh. M 1.—, gebd. M loO. Stuttgart, f" ranckh sehe Verlagshandlung. Die Strafe Amerikas von *•- i,Deutscties Vertagshaus Bong 6c U>., Berlin W 57. Preis bO Ptg.). Ein genauester Kenner der politischen, volkswirtschaftlichen und militärischen Verhältnisse der Vereinigten Staaten hat diese Broschüre geschrieben; das verrat uns ledet einzelne Satz. Sie gibt mit uberzeugender Kraft das twiiitige Schicksal Amerikas au, ein Schicksal, das der Union aus ihrer Stellungsiiahme im gegenwartigen Weltkriege erwachsen muß, unü uem sie, lalls sie nicht bald und noch zuletzt in andere usahnen leiiKt, unrettbar anneiinfallen wird. Revelstein: „Die Not der FremUvoiker uuter uem russischen Joche". Ueriag Georg Kenner, Beihti.j Das tragische Schicksal uer in Rumand lebenden 1 reindvoiKer, die unter einem barbarischen Drucke ohne Gleichen schmachten, beschäftigt die Oenenthchmeit seit langer Zeit. Der ergreifende Appell, den die unterjochten mclilrussischeii Nationen im moskowitischeu Reiche kürzlich an den Präsidenten der Vereinigten Staaten gerichtet naoeii, bildet em lianinieiidcs Dokument, das niemals m Vergessenheit geraten darf. Reveistem, der ein genauer Kenner dieser Materien ist, entrollt m seinem Buche em packendes Bild der Not und des Elends, die Rußlands rremdvolker seit jahrzeiinten erdulden. Er schildert die schrankenlose Willkür, die brutale Gewalt, die das „System der russischen Verwaltungsbehörden ausmachen, berichtet von den unsäglichen, unfaßbaren Leiden, die Finnen, Bauer, Litauer, Polen, Ukramer, Weißrussen, Bessaraber und Kaukasier zu erdrücken drohen. Ein dankbares Kapitel — die Judentrage — als eigene Zusammenstellung dieses unerschopiüchen Ihemas, scheint uns zu [etilen. Das Buch Leiert jedenfalls eineu wertvollen Beitrag zu einem bedeutsamen Gegenstande. Die »vi! Verklarung Kuinanlens an Oesterreici»- Ungarn ist erfolgt, und eine geographische Orientierung uber diesen Balkanstaat und seine Nachbargebiete m Erwartung der kommenden Ereignisse daher ein Bedürfnis, dem eine sehr schone, neue Kriegskarte: Rumänien, 1 :1 Mill., 70 :100 cm groß, Preis K 1.20 M 1., mit Postzusendung K 1.30 M 1.10 (Verlag von Q. Freytag u. Berndt, Wien, Vll. und Leipzig (Robert Friese, Seeburgstraße 96) bestens entspricht. In 7 Farben ausgeführt, mit zahlreichen Ortsnamen versmen, zeigt die saubere Kriegskarte das Gebiet zwischen Belgrad, Sofia. Odessa, Kolomea, Miskolcz, so zwar, daß außer Rumänien auch große Teile von Serbien und Bulgarien (bis zu ihren Hauptstädten), dann das viel genannte Bessarabien, endlich die Bukowina, ein Teil Galiziens und em beträchtliches Stuck, Ungars dargestellt erscheinen. Das sehr verständnisvoll gearbeitete Gelände, der Autdruck von Bahnen und Straßen der Befestigungen usw. erhöhen den Wert dieser neuen Kriegskartc, die gegen Einsendung des Betrages (auch in Briefmarken) von jeder Buchhandlung wie vom Verlage zu beziehen ist. Melsl, Josef Dr„ Die Juden im Zartum Polen, ein geschichtlicher Ueberbhck; Verlag A. Marcus u. E. Weber, Bonn 1916; Preis broch. M. 1.80. — Der Verfasser will mit dieser Teilarbeit eines größeren ^historischen Werkes eme zusammenfassende Darstellung der Entwicklungsprozesse in der politischen, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der polnischen Juden geben. Sein vorgefaßtes Ziel ist mit dieser Schrift auf s Beste gelost. Wir erhalten einen Ueberbhck uber die Juden in Polen von der frühesten Zeit bis aut die letzten Ereignisse. Wir erfahren von Gluck und .Ruhm derselben, von ihren Qeistesschöptungen, aber auch von ihren furchtbaren Leiden, die sie erdulden mußten. Immer bheb der Optimismus stark in ihren Herzen und heute erhoffen 4ie polnischen Juden eine vollständige Erlösung und •Selbständtgmachung. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Joau Kreppet - 'Bnchdrndcerei ^Metantrirt", Witn 'IX. Pramergawe 6. (Verantwortlich & 8r**«t)

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