Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 31 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Jii<iiscike2!fccMT£^ofMtenz Nr 31. der Kinlauf allgemein in Deutschland vorgezogen werdt-n; wird, Warum? Weil es die deutschen Häuser eben vorj stehen, jetzt die oesterr. Kauilcute, besonders die De- \ UiihiiiMlier tur sich zu gewinnen. Die von Ueutscuen i Häusern geübte liebevolle borget und Stiege Oer Verbindungen, uaa bleibende Vertrauen, das Sie neben mrer anerkennenswerten Kulanz, den oesterr Kauiictiten im Gegensatz zu den meisten unseren Wiener Lieferanten entgegenbringen, fordern die Beziehungen and bringen es mit sieh, daii man den Konnex mit dem deutschen Lieferanten gerne sucht und ihn zu bevorzugen bereit rsl fcr. diktiert nicht willkürliche Preise, eiliönt sie nicht mutwillig über Naciit und kommt nicht alle läge mit '"Preissteigerungen ujad ausgesticiiten di aKonisehen bedmgungen. Dies sollten unsere Wientr Lieieranten, Produzenten und Engrossisten vor Augen iiabeu und bedenken, dali nach dem Kriege in Gaitzicu em Aufschwung des Handels zu erwarten ist. Die Kauiiiuunschait dieses Kiomaiides verscherzen/, schlecht iieliandein und verstnninen, bedeutet, dieses reiche und bisher so intensiv bearbeitete, entwicklungsfähige Absatzgebiet ausländischen Produzenten preiszugeben. Man muß vollständig um Blindheit gesclilageii sein, um diese Zukuiiitsaussiclnen nicht zu sehen und jedes kaufmännischen Verständnisses bar sein, um das Drohende nicht zu begleiten.*,) Zur schlechten Lage und Verstimmung trägt allerdings auch das Vorgehen des Wiener Kreditoren-Vereius bei. lcii bin weit davon entiernt, unsolide Kauiieute zu verteidigen und habe mich bei Erörterung der frage ües Moratoriums-Ablauies, selbst gegen den Schutz derselben ausgesprochen. Allem gegen die Verfolgung solider und ehrlicher Kaufleute durch den Wiener Kreditoren-Verein muli auf das energischeste Stellung genommen werden. Leute, die durch ,25—31) Jahre schwer und ehrlich gearbeitet und so den Beweis ihrer Solidität erbracht haben, die nur nach Existenz streuen und um uie Erhaltung des gutes lautes ihrer firma besorgt sind, solche Kauilcuic sollten Entgegenkommen und weiteste Berücksichtigung des Kreditoren-Verjins linden. Es gibt viele Kaufleute, die in den Grenzen des Moratoriums abzahlen. Unsere diesbezg. Vorstellungen an diese Kategorie der Kaufleute bleiben nicht wirkungslos. Darum müssen wir aber dem W. Kreditoren-Verein zurufen: Prüfet genau jeden Fall, damit der Unschuldige nicht leide! Wahret die Interessen Euerer Mitglieder, die das Absatzgebiet in üalizien iür Euch pflegen und bearbeiten, wovon Ihr, trotz Euerer Klagen über üalizien, die schönsten Früchte in Form respektabler Kapitalien einzuheimsen gewohnt seid! Der Detailhändler, ebenso wie der kleine Eng ossist in üalizien sind wahrhaftig nicht beneidenswert. 'Jnorganisiert stehen sie den wohiorganisierten Verbünden last aller Branchen, die den Mandel monopol.sumi, Preise und Bedingungen korporativ beliebig festsetzen, machtlos gegenüber, worunter koiisequenterweiseinir die Konsumenten zu leiden haben. Für den Detailhändler muli daher noch Vieles geschaffen werden, uro ihm zu hellen und zunächst sei die Oesuudung der internen l iandelsverhältnissse zwischen Lieieranten, Engrossisten eimierscits und Detailisten andererseits sehr zu wünschen, damit letzterer vom Fabrikanten, bezw. Engros- i'ien weniger abhängig sei. Dann wird es keine une.sciiA ingiich Hohen Preise und auch keine unzufriedenen Konsumenten geben. Samuel Spira, Präsident des Krakauer Kaufmännischen Vereines. Liu inteiviev mit Zangwill. Recht merkwürdig muten Eeußerungen dii, die Herr Israei Zangwill, der auch nach semem Austritt aus der zionistischen Organisation als ein national-jüdischer Führer bedachtet wurde, kürzlich in einem interview » i'he Maccabaean, Juni 1916) getan hat. Fr lohn dort u. a. folgendes aus: Es sei unehrlich und unsinnig ihn als einen Antipalästinenser zu i .■..zeichnen, weil er es ehrlich gewagt habe, i uv.li Juden die Schwierigkeiten zu bezeichnen, j uie sie bei der Gewinnung Palästinas haben; werden. Wenn eine Gelegenheit kommen1 \> lirde, Palästina zu gewinnen, wäre die „ho" uie erste, die sich für dessen Erwerbung einsetzen würde; denn sie ist an jedes und an kein Territoriuni gebunden. — Aber wie kann denn Palästina als eine rechtliche gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk gelten, wenn das jüdische Volk nicht existiert? Es ist einfach „Meschugaus" zu erwarten, daß die Juden in der gegenwärtigen Zeit als ein internationaler politischer Körper für Palästina arbeiten . . . Wie mau angesichts des Unglücks und der Zerstörung der Judenheit in Polen und Littauen glatt von einer jüdischen Nationalität oder von irgend einer jüdischer Solidarität sprechen könne, sei ihm unbegreiflich . . . Vor einigen Tagen habe er von der English Zionist Federation eine „Erklärung", die ein Bekenntnis zum Baseler Programm darstellt, mit der Bitte ) In nächster Zeit wird der Krakauer Kaufmännische Verein eine Kaufmännische Versammlung einberufen, um zum Vorgehen der Produzenten - Verbände i :nl der Engrossisten Stellung zu nehmen. um seine Unterschrift erhalten. Es sei wohl j nicht notig zu sagen, dali er es verweigert haj l>e, seinen Namen unter das Schritstuck zu j setzen; denn üas Basier Programm verlangt j „eine rechüicii gesicherte Heimstätte iür aas jüdische Vom , uas, wie er schon gezeigt habe, nicht existiert, er habe daher an die Federation geschrieben, wenn sie damit einverstanden wäre, die Worte: „Eine rechtlich-gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk" umzuändern in „für ein jüdisches Volk", so werde er seinen Namen gern unter die Erklärung setzen. Aber die Föderation habe das nicht akzeptiert. Seine Ansicht gehe dahin, dati es weder solch ein Üing, wie die jüdische Nation gibt, noch dali ein beträchtlicher Teil dieser sogenannten jüdischen Nation nach Palästina gehen wird . . . Dieser grolle Krieg, der schrecklichste in der Geschichte, habe die juden unwiderruflich in zerrissene Einheiten zersplittert, in zerstreute jüdische Gemeinschatten, von einander getrennt und abgesondert durch ihre verschiedenen Ziele und Interessen, welche notwendigerweise sich auflehnen müssen, während die Juden Untertanen von verschiedenen, rivalisierenden Staaten bleiben werden. Und selbst nach dem Kriege wird es für Jahre hinaus ungeheuer schwierig sein, die Lücken in den Sciiutzmauern jüdischer Einheit wieder herzustellen ... Es gebe keine Hoffnung für den jüdischen Nationalismus außerhalb Palästinas oder eines jüdischen Territoriums. Unser Volk sei nicht groß und heroisch genug, gegenüber seiner Umgebung sich zu erhalten. Sei es nicht anzunehmen, daß nach dem ungeheuren jüdischen Blutvergießen die Juden sich zu ihren verschiedenen Vaterländern mehr hingezogen uihlen werden, als vor dem Krieg? i>as Schlachtfeld verwischt oder schwächt alte Vorurteile. Und wo Juden und Christen ein gemeinsames Leid getragen haben, wo sie gemeinsam ihr Blut angesichts eines gemeinsamen Feindes vergossen haben, könnte es da möglich sein, daß physische Opfer eines Tages leicht vergessen werden? Uie Juden in England, die Juden in Frankreich, die Juden in Italien, die Juden in Kußland würden fraglos nur noch mehr bestärkt werden in ihrem Patriotismus für die Länder, für die sie ihr Alles hingegeben haben . . . Auf die Frage, was die Juden nun zu um hätten, erwiederte Zangwili: „üie Juden in den verschiedenen Ländern haben dafür zu agitieren, daß sie ihre vollen religiösen, nationalen, bürgerlichen und politischen Rechte erhalten, genau so, wie sie ihre Mitbürger besitzen." Die Wocne. Der 85. Geburtstag des Kuituspräsidenten Dr. Alfred Stern. Aus Baden wird uns mitgeteilt: Entsprechend der gegenwärtigen ernsten Zeit hat sich der hier weilende Präsident der Wiener isr. Kultusgemeinde, Herr Dr- Alfred Stern, jede spezielle Feier anläßlich seines 85. Geburtstages verbeten. Üer greise Jubilar erhielt nicht destoweniger sehr zahlreiche überaus herzliche Gratulationen und Wünsche von nah und lern u. zahilosse Beweise der Verehrung u. Anerkennug seiner segensreichen öffentlichen Tätigkeit. Arbeit iür Fluchthngs-Frauen und -Mädchen. Üer Galizische Hilfsverein eröffnet demnächst in Wien eine Arbeitsstätte für Flüchtlings-Frauen und -Mädchen, die in der Erzeugung von Filetspitzen Unterricht erhalten. üer Unterricht dauert nur einige Wochen und es ist dafür gesorgt, daß die ausgelernten Arbeiterinnen, soweit das vorhandene Material reicht, fortgesetzt Beschäftigung erhalten, die umso lohnender ist, je mehr Uebung die Arbeiterinnen in der Herstellung dieser Spitzen erlangen. Anmeldungen für diesen Unterricht werden im Büro des Hilfsvereins, IX., Berggasse 4, I. Stiege, Tr 14. in den Vormittagsstunden entgegengenommen. Außerdem hat der Galizische Hilfsverein die Absicht, solche Arbeisstätten auch in denjenigen Kultusgemeinden zu errichten, wo sich derzeit eine größere Anzahl Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina aufhält. Es ist bereits von einigen Kultusgemeinden (Gewitsch, Lundenburg, Schaffa, Ung- Brod) an den Hilfsverein mit der Bitte herangetreten worden den dortigen Flüchtlingen Arbeit und Verdienst zu schaffen, und er hat sich gerne dazu bereit erklärt. Er läßt jetzt eine Anzahl tüchtiger Frauen und Mädchen aus Flüchtligskreisen in der k. k. Anstalt für Frauen-Hausindustrie in Wien, zu Lehrerinnen in der Filettechnik heranbilden und beabsichtigt, nach Ablauf der jüdischer Feiertage in der Pro vinz, und zw. zunächst in den gennanten ürten mit dem Untei'ncnt zu beginnen. öouten sich noch andere Kuitusgeraeinden, in denen sich eine größere Anzahl Flüchtlinge auihait, um Aroeit iur uiese Oei ihm bewernen, so tst er gerne uereit, aucn dorthm Lehrerinnen zu entsenden. Einschlägige Ansuchen sind an seine Adresse: Wien, lX., Berggasse 4, zu richten und mit einem Verzeichnisse, das die Namen und die Herkunftsorte der arbeitswilligen Frauen und Mädchen enthält, zu versehen. Es wird jedoch ersucht, dies so rasch, als möglich zu tun, damit die Vorbereitungen hier und in den betreffenden ürten noch vor den Feiertagen beendet werden können. Lsrogim-Einfuhr. Wie die „Allg- Jüd. Zeitung" in Budapest meidet, hat die ungarische Regierung dem Ansuchen der „Zentraihanzlei der ungarländischen aut. ortod. isr. Konfession" stattgegeben und die Erlaubnis zur Einfuhr von Esrogim, Lulawin und ttadassun für das kommende Laubhütteniest erteilt. Diese Erlaubnis war infoige des vor einigen Monaten erlassenen Verbotes, entbehrliche Produkte aus dem Auslande zu importieren, nötig. Die Regierung hat hiebei der Zentraikanzlei die moralische Pflicht auferlegt, darauf zu achten, daß der Import der erwähnten Produkte tatsächlich bloß zur Befriedigung des religiösen Bedarfes verwendet werde, ohne Verbrauch zu anderen Zwecken. Zur Durchführung der Kontrolle wurde verfügt, dass iur die importierten Produkte bloß eine Firma an der Schweizer Grenze in Buchs sowie zur Verteilung an die einzelnen Händler nur eine Firma in Budapest bestimmt werde. Hiemit wurde seitens der Zentralkanzlei die Speditionsfirma Brüder Weiss in Buchs, sowie die Buchiiandlung Jose! Schlesinger in Budapest betraut. Es wäre ratsam, daß sich auch die orthodoxen Kreise in Oesterreich rechtzeitig an die Regierung mit einem ähnlichen Ersuchen wenden, um den Import der Esrogim und Lulawim sicherzustellen, da die erwähnte Bewilligung bloß für Ungarn gilt. Die Wahlordnung in dem k. uk. Okkupationsgebiet. Im Anschlüsse an unseren heutigen Bericht aus Lublin betreffend der Einführung einer Städteautonomie im k. u. k. Okkupationsgebiete m Polen erhalten wir noch die näheren Bestimmungen über die Einteilung der Wahlkurien. Darnach sollen die 5 Kurien in folgender Weise eingeordnet werden: 1. Intelligenzkurie, die noch separat in einigen Subkurien geteilt wird. 11. Handel und Gewerbe. III- Hausbesitzer. IV. Vvohnungssteuerzahlende. V. Allgemeine Wähierklasse, im welcher all diejenigen das Wahlrecht haben, die nicht in den ersten vier Kurien waiilberechtig sind. Auf Grund dieser Kurieneinteilung ist eine Repräsentanz der Juden in der Städteverwaliung für alle Fälie gesichert. Man rechnet, daß die Juden in jeder Stadt mindestens 20% der Mandate erhalten werden. Chronik. Die Juden jetzt und vor der französischen Revolution. Eine interessante Gegenüberstellung der jetzigen und alten Statistik der Juden bietet eine soeben erschienene englische Schrift. Danach beträgt die Zahl der heute in Europa lebenden Juden 9 Millionen, während sie am Vorabend der französischen Revolution noch nicht ein Drittel dieses Ziffer erreicht hatte, in England lebten damals 25.000 Juden, während man dort heute 250.000 zählt. In Frankreich leben 100.000 Juden gegenüber 30.000 in der Revolutionszeit, in Preußen ist die Zahl auf 410.000 gestiegen. In Polen und Litauen beträgt die Zahl der Juden 1,500.000, in Rußland ohne Polen ist sie von 600.000 auf 4 Millionen gestiegen. Amerikanische Botschafter. ,J3em „American Israelite" entnehmen wir ,daß der „außerordentlicht Gesandte und bevollmächtigte M»- nister" der Vereinigten Staaten in Schweden, Herr Ira Nelson Morris aus Chicago, ein Jude ist. — Der vom Präsidenten Wilson zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei ernannte Rechtsanwalt Herr Abram J. Elkus, einer der bekanntesten Juristen von New York, spielt auch im jüdischen Leben Amerikas eine große Rolle. Er ist unter anderem Präsident der jüdischen Technischen Schule für Mädchen in New York. FllegeranKrife auf Palästina. Am 2. August morgens machten, nach dem amtlichen türkischen Heeresbericht vom 17. August, vier Flugzeuge von einem englischen Flugmutterschiff nus, das unter dem Schutze von französischen Torpedobootszerstörern vor Haifa erschien, einen Angrif auf Asul (Karmel) und Nazareth, warfen Bomben, töteten ein Kind und verletzen vier andere Personen. Die Flugzeuge wurden unter Wirkung des türk. Artslleriefeuers gezwungen, sich zur Küste zurückzuziehen. Herautgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel. — Buchdruckerei „MeUntrich", Wi«n IX» Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Oriihiil.)