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Jüdische Korrespondenz · 1916-08-18 · 29 (18.8.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
29 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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4 Seite i ti m ^£9^^*^^^^^^^^ Nr 29. wärmste Interesse widmet und die Wünsche des Komitees nach Möglichkeit berücksichtigt, die aufrichtigste Anerkennung aus. (Die Sammlungen des Wiener Komitees für die Kriegswaisenfürsorge haben bis jetzt den Betrag von über 700.000 K erreicht, wovon der größte Teil für die jüdischen Waisen bestimmt ist. — ü. R.) « Infolge der Wahl des bisherigen Handelskammerpräsidenten Herrn J. K. Federowicz, zum ersten Vizepräsidenten der Stadt Krakau, hat derselbe auf die Handelskammerpräsidentschaft verzichtet. Diese Stelle war seit jeher in jüdischen Händen und nur letztens ist Herr Federowicz, als damaliger Vizepräsident, zum Präsidenten gewählt worden. Nunmehr ist zu erwarten, daß der künftige Präsident wiederum ein Jude sein wird, da doch die Juden die überwiegende Majorität der Kammer-Mitglieder bilden und auch im Handel und Gewerbe die überwiegende Majorität darstellen. Die Frage ist zwar keine konfessionelle und soll auch nicht von diesem Standpunkte behandelt werden. Aber in Berücksichtigung des Umstandes, daß die Juden in Galizien über sehr wenig öffentliche Stellungen verfügen, sollen ihnen wenigstens die seit jeher in ihren Händen sich befindlichen Positionen belassen werden. Diese Bemerkungen sind uinsoeheram Platze, als seitens gewisser Kreise anderweitige Kandidaturen forciert werden. * Die jüngsten Kriegsereignisse in Qalizien haben es mit sich gebracht, daß die Zahl der Kriegsflüchtlinge wieder vergrößert wurde. In einigen polnischen Blättern wird indirekt gegen die Juden der Vorwurf erhoben, daß diese durch das Flüchten in Massen eine Panik verbreiten und daß es vielmehr die Pflicht der heimischen Bevölkerung ist, auch im Falle einer drohenden zeitweiligen feindlichen Invasion zu Hause zu bleiben, um Hab und üut zu schützen. Man muß aber bedenken, daß die Juden nicht deshalb flüchten, weil sie ihr Vermögen schützen wollen, sondern um ihr nacktes Leben vor den Kosakenhorden zu retten. Sind doch die Greuel der russischen Soldateska speziell den Juden gegenüber genügend bekannt. Dieser Umstand muß in Berücksichtigung gezogen werden, bevor man die Juden beschuldigt, durch das Flüchten im Lande Beunruhigung zu verbreiten. S. L. Die Woche. .;■ > \>! ■ >- ■ '■ ■ Des Kaisers Geburtstag. Anläßlich des Geburtstages seiner Majästet des Kaisers finden heute Freitag abends in fast sämtlichen Bethäusern und Synagogen Wiens Festgottesdienste mit Predigten statt. Rückkehr galizischer „Geiseln". Von den gelegentlich der russischen Invasion in Lemberg nach Rußland verschleppten „Geiseln" sind dieser Tage der Prorektor der Lemberger Universität, Dr. Beck, sowie der Stadt-Vizepräsident Dr. Schleicher, im Austauschwege freigelassen worden und in Wien eingetroffen. Infolge ihrer sozialen Stellung haben diese „Geiseln" wohl weniger als die anderen zu leiden gehabt. Aber auch ihre Leidensgeschichte ist traurig genug. Sie wurden zunächst per Wagen näch'Kiew "verschleppt, wo sie gemeinsam mit vielen Tausenden Juden in engen, schmutzigen Baracken, zusammen mit Kranken und Wahnsinnigen, untergebracht wurden und waren auf dieser Weise Zeugen der russischen „Kulturarbeit" in Galizien, sowie im eigenen Lande. Später besserte sich wohl ihr Schicksal, indem sich für Professor Beck die Professoren der Kiewer Universität verwendet haben, während Dr. Schleicher als Mitglied des Stadtpräsidiums eine Sonderstellung unter den „Geiseln" genoß. Aber trotzdem war für sie der monatelange: Autenthalt in diesem merkwürdigen „Exil" mit den größten Unannehmlichkeiten verbunden und man kann sich nach ihren Schilderungen erst recht eine Vorstellung von den Leiden machen, die die anderen „Geiseln" auszustehen haben, die nicht so glücklich sind, hohe Protektoren zu finden. Oie befreiten Geiseln statteten dem Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh, sowie dem Minister für Galizien, Dr. v. Morawski, Besuche ab, um für ihre Befreiung zu danken. Sie begeben sich dieser Tage nach Lemberg. Ahg. Dr. v. Löwenstein in Lublin. Aus Lublin schreibt man uns: Vorige Woche weilte hier der Reichsratsabgeordnete Dr, N. v. Löwenstein, um die hiesigen jüdischen Verhältnisse näher kennen zu lernen und eventuellen Schritte zu derenSanierung zu veranlassen. Herr Dr. v. Löwenstein interessierte sich sehr lebhaft für alle Einzelheiten der jüdischen Lage, besichtigte eingehend die jüdischen Institutionen und ließ sicTi seitens der berufenen Kreise über die allgemeine Situation der Juden im k. u. k. Okkupationsgebiete informieren. Er versprach, sich nach seiner Rückkehr in Wien für eine ausgiebigere Unterstützung des hiesigen Hilfskomitees zu verwenden und sprach auch bei den maßgebenden Persönlichkeiten des General-Gouvernements vor, um eine entsprechende Berücksichtigung der jüdischen Interessen zu erwirken. Seine Schritte waren auch vielfach von gutem Erfolg begleitet. Hamabit. Die Russen in Qalizien. Unter der Ueberschrift „Maßnahmen gegen Verhe.hlung" veröffentlicht die angesehene Moskauer Zeitung „Rußkija Wjedomosti" vom 29. Juli 1910 folgendes Telegramm ihres Korrespondenten in Kiew: „Durch einen Tagesbefehl an die Armeen der Südwestfront schließt der Oberkommandierende General Brussilow aus der Kompetenz des Zivilgerichts alle Gerichtssachen wegen Deserteuren und Verhehlungen von Juden aus und übergibt sie der Kompetenz der Kriegsgerichte. Für die Vorleitung zum Desertieren ist die Strafe für die im Militärdienst stehenden Juden bis auf sechs Jahre Verbesserungsanstalt oder bis sechs Jahre Zwangsarbeit erhöht worden. Es ist ferner beantragt, außerdem den jüdischen Gemeinden, in welchen die jüdischen Deserteure sich verbergen, Geldstrafen aufzuerlegen. Dieser Tagesbefehl bezieht sich auch auf die von russischen Truppen besetzten Gebiete in Galizien."' Chronik. Dr. Moritz v. Rozstocki-Rosenstock. Donnerstat,' den 1U. d. ist in Wien der ehemalige Reichsrats- und Landtags-Abgeordnete Dr. Moritz v. Rozstocki im 62. Lebensjahre gestorben. Im Abgeordnetenhause und im gulizischen Landtage vertrat er durch nahezu zwei Dezennien die Handelskammer von ürody. Li wurde nach dem Abieben des Abg. Dr. Ritter v. Kallir in den Reichsrat gewählt und trat als Mitglied der konservativen Partei dem Polenklub bei. Im Abgeordnetenhause wie im Landtage betätigte er sich vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete und nahm an den Arbeiten des Hauses als Mitglied einer Reihe wirtschaftlicher Ausschüsse regen Anteil. Zu Ende der neunziger Jahre erkrankte er und zog sich vom politischen Leben zureük. Dr. Moritz v. Rozstocki war in Skalat geboren, vollendete seine Rechtsstudien an der Universität Wien, wo er den Doktorgrad erwarb und sich sodann der Bewirtschaf tung seiner Oüter in Skalat widmete. Er war lange Ja hre Mitglied und Vorsitzeuder der Bezirksvertretung von Skalat und Ehrenbürger von Brody und Skalat. Ein türkisches Deitert) der Palästinaer-Phantasien. Von zuständiger türkischer Stelle wird mitgeteilt: Seit einiger Zeit veröfit entliehen die Presse der Entente sowie gewisse Organe der amerikanischen Presse Erklärungen des ehemalig« n Botschafters der Vereinigten Staaten in Konstantinope 1, denen zufolge der genannte Botschafter mit der Res ierung Besprechungen gehabt haben soll, die darauf hin; -.ielten, den Verkauf Palästinas zugunsten der Zionisten z u erwirken. Der Groß-Rabbiner soL 1 ausersehen sein, als Sondergesandter der Türkei in W ashington über die Verkaufsbedingungen zu verhandeln . Außerdem regele der letztere die meisten seiner A ngelegenheiten telephonisch mit Seiner Kaiserlichen Maie, stät dem Sultan, und schließlich soll die Kaiserlich Osm; mische Regierung ihm vorgeschlagen haben, das Ack erbauministerium anzunehmen unter Beibehaltung seh tes Botschafterpostens. Wir zweifeln nicht, daß 1 lerr Morgenthau, der noch ganz kürzlich einen so wich; tigen Posten wie den des Botschafters einer Großmacht inne hatte, niemals solch lächerliche und gesunden Met ischenverstandes bare Erklärungen abgegeben hat, und! wir meinen, wenn er sich bisher nicht beeilt hat, diese in seinem Namen veröffentlichten Lügen selbst zu dementieren, so dürfte es deswegen nicht geschehen sein, ,-\veil er sie für zu wenig klug gehalten haben wird, als daß sie einer Richtigstellung bedürften. Wir halten es .indessen für nützlich zu erklären, daß diese Nachr ichten iedes Qrundes entbehren und daß sie in allen Stücken erfunden sind. Die Esrogim-Fi-age in Deutschland. Wir entnehmen dem' „Israelit" folgende Meldung: Wie wir erfahren, wird es; auf Grind der Bundesratsverordnung über die „'einfuhr entbehrlicher Gegenstände" in diesem Jahre r,icht möglich sein, den Bedarf an Esrogim und Lulowim. in -der sonst üblichen Weise unbeschränkt durch den freien Handel zu decken. Vielmehr fordert die zuständige Reic hsbehörde die Zentralisierung der Einfuhr unter Beschräj tkung auf den notwendigsten Bedarf. Zu diesem Zwecke hat, wie wir hören, die „Freie Vereinigung für die Intere ssen des kthodoxen Judentums" gemeinsam mit dem Vorstand der Berliner „Jüdischen Gemeinde" eine ze ntrale Stelle errichtet, der Einfuhr und Verteilung ob!« igen wird. (Auch in Oesterreich-Ungarn wird eine rech tzeitige Regelung der Esrogim-Frage notwendig.) Aufgehobenes Schacht verbot. Der Magistrat Nürnberg hat kürzlich beschlossen, das Schächten von Tieren bis auf weiteres zu untersagen, um alles bei den Schlachtungen anfallende Blut der menschlichen Ernährung zuführen zu können, was bezüglich des Blutes geschächteter Tiere wegen der dabei erfolgenden Verunreinigung des Blutes nicht möglich sei. Auf eine Eingabe der Beteiligten hat nun der Magistrat Versuche mit Anwendung der Schlundzange beim Schächten anstellen lassen und daraufhin nun das Schächten der Rinder unter Anwendung der Schlundzange wieder gestattet, da dann das Blut für den menschlichen Genuß verwendbar bleibt. Das Schächten der Kälber und Schafe wurde ebenfalls wieder zugelassen, und zwar ohne Schlundzange, da die geringe Blutmenge der wenigen zur Schlachtung gelangenden Tiere dieser Gattung nicht von Belang ist. Die Behandlung der Juden In Rußland. Wie aus Petersburg gemeldet wird, ist in der Haltung der leitenden Kreise gegenüber der Gesetzgebung in der Judenfrage eine vollständige Aenderung eingetreten. Nachdem sich herausgestellt hat, daß zurzeit eine russische Anleihe in Amerika wenig Aussicht auf Verwirklichung hat, sind alle Ratschläge russischer Parlamentarier, die Judengesetzgebung milder zu gestalten, zurückgewiesen worden, unter der Begründung, „daß der Krieg erst recht die Staatsgefährlichkeit der Juden für Rußland erwiesen habe". Das Gesetz vergangenen Jahres, das den Juden für die Kriegsdauer gestattete, auch „außerhalb des Siedlungsrayons" Aufenthalt zu nehmen und Handel zu treiben, hört, wie jetzt in amtlichen Kreisen erklärt wird, „nach Kriegsbeendigung automatisch auf". Die Regierungsvorlage, die der Duma am 1. November zugehen soll, sieht nur einige unwesentliche Aenderungen in der bisherigen Judengesetzgebung vor, so daß die Lage der Juden nach dem Kriege die gleiche wie zuvor sein wird. Das Verhol, das den Juden den Aufenthalt in den dem Hoiministerium oder der Staatsdomäuenverwalumg ungehörigen Gouvernements untersagt, bleibt bestehen. Ebenso die Rechtlosigkeit der Juden bei der Aufnahme in höhere Lehranstalten, zu denen sie nach wie vor in einem verschwindenden Prozentsatz zugelassen werden sollen. Eine landwirtschaftliche Bibliothek in hebräischer Sprache. Die jüdische Kolonisation Palästinas wird seit längerer Zeit durch die in hebräischer Sprache erscheinende Eacnzeitutig „Hachakiai" gefördert. Es fehlten aber bisher populär abgefaßte Handbücher und es ist daher ein dankenswertes Unternehmen des bekannten Agronomen 1. Wilkansky, jetzt eine landwirtschaftliche Bibliothek in hebräischer Sprache zu schaffen. Die Bibliothek wird folgende Abteilungen umfassen: 1. Handbücher für den praktischen Gebrauch; 2. soziologisch-landwirtschaftliche Abteilung (Geschichte der Kolonisation in verschiedenen Ländern, Kolonisation von Rußland, Genossenschaftswesen, Gemeindewesen auf dem Lande usw.); 3. Tagesfragen; 4. Mitteilungen aus der auswärtigen Landwirtschaft (Beschreibungen von Fachleuten über ihre Reisen nach Algier, Italien, Californien usw.); 5. Monographien und Archiv zur Sammlung von Materiallien über verschiedene landwirtschaftliche Probleme; 6. Dorfgeschichten aus der Weltliteratur (Erzählungen aus dem Leben verschiedener landwirtschaftlicher Berufsschichten, insbesondere aus dem Leben des Pioniers in Neuländern). Eine große Anzahl von Originalaufsätzen und Uebersetzungen sind im Manuskript bereits fertiggestellt. Neue Bücher. „Der Jude". Eine Monatsschrift. Herausgeber: Üf. Martin Buber, Heppenheim a. d. Bergstraße (Hessen). Verlag R. Löwit. Abteilung „Der Jude", Berlin N. 37, Weißenburger Straße 6, und Wien, 1. Bezirk, Wollzeile 6. Juli 1916, Heft 4. Inhalt: Hermann Glenn: „Imperialismus und Judentum". — Moritz Bileski: „Die deutschen Juden in der deutschen Politik". — Jakob Leszczynski: „Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens". J. Oettinger: „Die Bodenkultur bei den Juden". — Elias Auerbach: „Traditionelles und nationales Judentum". — S. Dubnow: „Die Hauptprozesse der neuesten Geschichte der Juden". — Arno Nadel: „Jüdische Volkslieder, religiöse Lieder". — Bemerkungen. — Taten und Materialien. Martin Buber: „Die Jüdische Bewegung". Gesammelte Aufsätze und Ansprachen 1900—1915. Mehr als 250 Seiten. Umschlag und Einband von E. R. Weiss. Vorzugsausgabe: Pergament, Bütten, 50 numerierte Exemplare. Preise; Brosch. 3.50, Pappenband 4.50, Vorzugsausg. 12.—. (Jüdische Verlag, Berlin.) — Martin Buber's Werk beschränkt sich nicht auf seine bekannten Bücher. Auch in zahlreichen Aufsätzen und gelegentlichen Ansprachen hat er seit mehr als anderthalb Jahrzehnten seine hoffnungsstarken Gedanken verkündet. Diese verstreuten und meist nicht mehr erreichbaren Arbeiten der Vergessenheit zu entreißen, ist der Zweck der vorliegenden Sammlung. Die vom Verfasser nach strenger Sichtung selbst besorgte Auswahl gibt ein reizvolles Bild der Entwicklung eines zur Führung Berufenen, eines Führers, der sich mit seinen früheren Aeußcrungen seine Brüder im Geiste erst suchen mußte und jetzt, auf der Höhe seines Schaffens, eine zahlreiche Gemeinde zählt. Herausgeber and verantwortlicher Redakteur: Je*M Kreppet — Buchdrucker«! JHelantrlclT, Wien IX, Pramergaste 6. (Verantwortlich S. QrünlMrt.)

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